Werden Sie aktiv! Helfen Sie Shiva Nazar Ahari

Shiva Nazar Ahari (links)

Shiva Nazar Ahari, eine iranische Menschenrechtsaktivistin und seit dem 20. Dezember 2009 politische Gefangene im Teheraner Evin-Gefängnis, ist wegen “Feindschaft gegen Gott” (“Moharebeh”) angeklagt, wofür sie zum Tode verurteilt werden kann. Shivas Gerichtsverhandlung ist für den 4. September 2010 angesetzt. Sie braucht unsere Unterstützung.


“Die Shiva, die ich kenne” – Brief von Sepideh Pouraghaiee, Kollegin und Freundin von Shiva Nazar Ahari

Ich habe viele im Internet veröffentlichte von Herzen kommende Briefe von Familienangehörigen, Freunden und Unterstützern politischer und ziviler Aktivisten gelesen, und ich dachte, dass ich vielleicht auch einen Brief für meine liebe Freundin Shiva Nazar Ahari schreiben sollte.

Seit ihrer Verhaftung hat Shiva mehr als 200 Tage in Abteilung 209 von Evin verbracht. Vor Kurzem wurde sie in die allgemeine Abteilung verlegt. Da ich das, was Shiva schreibt, sehr direkt und schön finde (so wie ihr Name, der auf Persisch “ausdrucksvoll” bedeutet), möchte ich versuchen, anhand von Shivas Worten und meinen eigenen Erinnerungen dazu beizutragen, die Widersprüche und den Wahn des Regimes in seinen Anschuldigungen gegen Shiva und das Committee of Human Rights Reporters zu reduzieren.

Wenn Sie über das Committee of Human Rights Reporters und Shiva Nazar Ahari Ihr Urteil fällen, hören Sie bitte auf meine Worte, anstatt auf die Propagandamaschinen und Militärorganisationen mit ihren konstruierten Szenarien zu achten.

Die genialen Produzenten des staatlichen Fernsehens, die, anstatt die Bevölkerung objektiv zu informieren, all ihre Kraft darauf verwenden, Lärm, psychologische Kriegführung und Anschuldigungen gegen Kritiker und Gegner aus Kultur, Bürgertum und Politik zu verbreiten, sollten meinen Brief als Dokumentation einer Zeugin betrachten.

Zuerst möchte ich in Shivas Worten die Gründe für die Anschuldigungen und Vergeltungsaktionen beschreiben, die die Menschenrechtsverletzer gegen sie unternehmen. Einer ihrer Zellengenossen schrieb sie einmal: “Wenn dein Herz für die Rechte eines anderen Menschen zittert, beginnst du abzurutschen; das ist der Beginn der Verhöre. Wenn dein Herz für einen anderen Gefangenen, eine Frau, ein Kind, einen Arbeiter zittert, wirst du zum Angeklagten. In dem Moment in dem du beginnst, an Menschen und die Menschheit zu glauben und an sonst nichts, begehst du dein erstes Verbrechen.”

Shiva wird gefangen gehalten. Obwohl sie im Juni 2009 nach Hinterlegung einer hohen Kaution freigelassen worden war, wurde sie wieder verhaftet, weil sie für das Folteropfer Atefeh Nabavi eine Kampagne gestartet hatte. Ich weiß genau, dass Shivas Herz auch in Evin weiterhin für Menschen wie Atefeh Nabavi schlägt und dass sie um sie weint. Für mich ist immer klar gewesen, warum sie das tut.

Sie weinte um den inhaftierten Studenten Akbar Mohammadi und den politischen Aktivisten Heshmat Saran. Beide starben im Gefängnis. Sie weinte um Delara Darabi, die wegen der Qesas (Bestrafung nach dem Prinzip “Auge um Auge”) sterben musste. Sie weinte um die beiden kurdischen Gefangenen, die vor einigen Jahren in aller Stille hingerichtet wurden. Sie weinte um viele andere Opfer.

Ich kenne Shiva seit Langem. Zum ersten Mal sah ich sie vor vielen Jahren bei einer Gedenkfeier für Parvaneh Eskandari und Dariush Forouhar, zwei Opfer der Kettenmorde vom Herbst 1999. Wir waren in der Ershad-Moschee. Eine damals noch viel jüngere Shiva war voller Energie. Es war der Beginn einer langen Freundschaft mit Shiva, einer mutigen, humorvollen und unbeschwerten Frau voller Widerstand und Hingabe.

Zum ersten Mal wurde Shiva 2004 verhaftet, vor dem Gebäude der Vereinten Nationen. Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht war es diese Erfahrung, die sie darin bestärkte, den von ihr gewählten Weg fortzusetzen. Damals hätte ich nie gedacht, dass sie eines Tages zu den bekanntesten Menschenrechtsaktivisten gehören würde. Ich dachte, sie würde wie so viele andere ihres Alters irgendwann in ihr Alltagsleben zurückkehren, um von den Drangsalierungen der Justiz und des Sicherheitssystems verschont zu bleiben.

Doch Shiva blieb standhaft. Später engagierten Shiva und ich uns mit ein paar Freunden im studentischen Komitee zum Schutz politischer Gefangener. Hauptsächlich versuchten wir, Informationen über die schwierige Situation politischer Gefangener zu veröffentlichen und zu verbreiten.

Als im Jahre 2005 das Committee of Human Rights Reporters gegründet wurde, nahmen wir uns neue und größere Projekte auf verschiedenen Gebieten vor, z. B. Frauenrechte, Kinderrechte, die Rechte von Minderheiten und anderen benachteiligten Bürgern, deren Menschenrechte von der Gesellschaft oder dem herrschenden politischen Establishment mit Füßen getreten werden. Unter dem Dach des Justizsystems der Islamischen Republik werden diese Verstöße gegen die Rechte der Bürger nicht nur unterstützt, sondern es verstärkt sie sogar noch.

In der kurzen Zeit seit der Gründung des Committee of Human Rights Reporters erlebte ich Shiva als eines der ernstesten, verlässlichsten und aktivsten Mitglieder. Es grenzt an ein Wunder, dass ein Mensch, der unter höchstem Druck in einer diktatorischen Gesellschaft lebt, allein durch ihren starken Willen, ihre Entschlossenheit und die Art und Weise, wie sie Professionalität und einen praktischen moralischen Ansatz aufrechterhält (über Parolen hinausgehend), eine gestaltende Rolle beim Schutz der Menschenrechte spielen kann.

Shiva wendet sich gegen Menschenrechtsverletzungen, ungeachtet ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit, Geschlecht, politischer Richtung oder der Reputation von Menschen, sei es Akbar Ganji oder der verstorbene Valiallah Feiz Mahdavi (ein politischer Gefangener mit Verbindungen zu den Mojahedin-e Khalgh/MKO).

Immer wieder wurde sie von Sicherheitsbehörden vorgeladen und kontaktiert. Sie drohten ihr und beschimpften sie, nur weil Shiva protestiert und Menschenrechtsverletzungen an vom Regime als Opposition eingestuften politischen Gefangenen an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Mit dem erfundenen Vorwurf der “Zugehörigkeit zu den Volksmojahedin/MKO” wollte sich der Sicherheitsapparat für Shivas zivilen Ungehorsam rächen, mit dem sie sich geweigert hatte, der illegalen Aufforderung nachzukommen und nicht mehr über die furchtbare Situation von Gefangenen zu berichten. Aber Shiva war fest entschlossen, die menschliche Würde zu retten, und sie gab nicht nach. Ihr Denken war gerecht und integer. Für jeden Menschenrechtsaktivisten ist jeder Mensch auf der Welt hinsichtlich der Menschenrechte gleich, selbst wenn er Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat.

Ich erinnere mich gut daran, wie das Committee of Human Rights Reporters und vor allem Shiva damals, als nur wenige Menschen die Situation der als angebliche “Ganoven” verhafteten Menschen (im Gefängnis Kahrizak) Beachtung schenkten, 2007 die Familien der Verhafteten kontaktierte und öffentlich über das grauenvolle Gefängnis berichtete.

Zu vielen Gefangenen und ihren Familien nahm Shiva direkt Kontakt auf. Oft sah ich sie, wie sie Geschichten des Schmerzes und Gefangenenberichte verfasste. Geduldig saß sie am Telefon und schrieb auf, was die Gefangenen sagten.

Ihr Mobiltelefon war immer eingeschaltet. Wann immer ich sie auch anrief, um mit ihr über die Situation eines Gefangenen zu sprechen und sagte, dass das Komitee dringend aktiv werden müsse – sie sagte niemals nein. Nie werde ich vergessen, wie wir 2007, als ich über seine Familie von der schrecklichen körperlichen Verfassung Ahmad Batebis (eines inhaftierten Studenten der Aufstände von 1999) erfahren hatte, zu Shiva nach Hause fuhr und ihr Ahmads Situation beschrieb. Es war nach Mitternacht. Noch in derselben Nacht besprachen wir das Problem mit Freunden. Wir hielten eine Sitzung im Büro von Tahkim Vahdat [einer Studentenorganisation, d. Übers.] ab, um zu protestieren. Ahmad Batebis Angehörige und bekannte Persönlichkeiten aus Kultur und Politik waren anwesend.

Dies ist nur ein Beispiel für die Anstrengungen, die das Committee for Human Rights Reporters unternahm, um den Schaden für Opfer von Menschenrechtsverstößen im Iran lindern zu helfen. Meiner Meinung nach hat Shiva Nazar Ahari all die Jahre über herausragende Arbeit geleistet. Nie hat sie zugelassen, dass Einschüchterungen und Drohungen ihre Arbeit zum Erliegen bringen. Sie war nicht nur mutig und klar, sondern auch ruhig, geduldig und voller Hoffnung. Nie erwartete sie Lob. Nie ging sie bei der Lösung eines Problems für einen Menschen Kompromisse ein, und sei es noch so klein.

Zweifelsohne zahlt Shiva Nazar Ahari heute den Preis für die beständige Arbeit, die sie und das Committe of Human Rights Reporters geleistet haben.

Sepideh Pouraghaiee

Auf Persisch veröffentlicht bei Committee of Human Rights Reporters
Englische Übersetzung veröffentlicht bei Persian2English am 21. August 2010
Übersetzung aus dem Englischen: Julia
Bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

___________________

Was Sie für Shiva tun können:

1. Schreiben Sie Briefe an iranische Botschaften, europäische Außenminister, internationale Organisationen, Medien (Musterbriefe und Adressen: http://www.chrr.biz/shiva/spip.php?article17 )

2. Beteiligen Sie sich an der Urgent Action von Amnesty International

3. Schreiben Sie an den obersten Führer der Islamischen Republik, Ayatollah Khamenei: http://www.leader.ir/langs/en/index.php?p=letter oder über info_leader@leader.ir

4. Schreiben Sie an Justizchef Ayatollah Sadegh Larijani
(über die Webseite http://www.dadiran.ir/tabid/75/Default.aspx
1. Kästchen mit Stern: Vorname
2. Kästchen: Nachname
3. Kästchen: E-Mail-Adresse
Anrede: Your Excellency)

5. Schreiben Sie an den Leiter der staatlichen Menschenrechtsbehörde Mohammad Javad Larijani bia.judi@yahoo.com

6. Informieren Sie Ihren Parlamentsabgeordneten (Abgeordnete finden unter http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/index.jsp)

7. Unterzeichnen Sie die Petition von “Reporter ohne Grenzen” und die Petition auf http://www.gopetition.com/petition/38483.html

8. Schicken Sie eine Videobotschaft für Shiva an cmpgnforshiva@gmail.com

Danke!

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Eine Antwort zu “Werden Sie aktiv! Helfen Sie Shiva Nazar Ahari

  1. Pingback: Weltweite Kampagne: Freiheit für Shiva Nazar Ahari | Julias Blog

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