Iran verbittet sich Einmischung des Westens in Hinrichtungen

RFE/RL, 1. Februar 2011 – An die Adresse der Länder des Westens gerichtet hat Iran heute erklärt, die Hinrichtungen in der Islamischen Republik gingen den Westen nichts an.

Die Vereinigten Staaten hatten Iran am 31. Januar zu einem Stopp aller Hinrichtungen gedrängt. Das US-Außenministerium erklärte, man sei “besonders besorgt” angesichts der Hinrichtung einer Frau mit niederländisch-iranischer Staatsbürgerschaft, der zuvor Zugang zu konsularischem Schutz verweigert worden war.

Die 46jährige gebürtige Iranerin Zahra Bahrami, die auch die niederländische Staatsbürgerschaft besaß, war am 29. Januar wegen angeblichen Verkaufs und Besitzes von Drogen gehängt worden.

Wie der Sprecher des iranischen Außenministeriums Ramin Mehmanparast heute mitteilte, handelt es sich bei 80 Prozent der Hingerichteten um Drogenschmuggler. “Wenn Iran den Drogenschmuggel nicht bekämpft, werden Europa und der Westen den Schaden haben.”

Die Niederlande haben in Reaktion auf die Hinrichtung Zahra Bahramis die offiziellen Kontakte mit Iran eingefroren. Auch die Europäische Union hat die Hinrichtung von Frau Bahrami verurteilt.

Radio Free Europe/Radio Liberty am 1. Februar 2011
http://www.rferl.org/content/iran_executions/2293777.html
Ein kleiner Hinweis an Außenamtssprecher Mehmanparast, aus dem sich neue Wege bei der Drogenbekämpfung in Iran erschließen könnten:
“Iran ist einer der weltweit größten Heroinhändler”” (Die Welt, 21. Januar 2011)

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Dass die iranischen Revolutionsgarden aktiv im profitablen Drogengeschäft mitmischen und deshalb an den Grenzen beide Augen fest zugedrückt werden, gilt als offenes Geheimnis.
Frau Bahrami wurde übrigens nicht vorgeworfen, Drogen aus Iran heraus- sondern vielmehr Drogen aus den Niederlanden nach Iran hineingeschmuggelt zu haben (http://englishtogerman.wordpress.com/2011/01/29/zahra-bahramis-anwaltin-von-hinrichtung-geschockt-ermittlungen-waren-noch-nicht-abgeschlossen/)

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8 Antworten zu “Iran verbittet sich Einmischung des Westens in Hinrichtungen

  1. Die Meinung von Exil-Iranern kann doch genauso wenig als Tatsache gewertet werden, wie die eines Botschaftsangestellten außerhalb Irans! Das über den Weltdrogenbericht der UNO zu stellen ist abenteuerlich. Natürlich gibt es einiges zu kritisieren in Iran – ich verstehe auch nicht die Welle von Todesurteilen die wir gerade erleben – während in 2010 die Zahl der Hinrichtungen erfreulicherweise sehr viel niedriger war als in 2009. Aber das können wir von hier aus auch nicht verstehen, nur spekulieren. Natürlich bringt die Bevölkerung große Opfer im Anti-Drogen-Kampf wenn das Budget für diesen sich seit Ahmadinejads Antritt versiebzehnfacht hat, mal abgesehen von ihren Söhnen die sich als Militärangehörige in Gefahr begeben (kann sein, dass der Wiki-Artikel noch nicht gesichtet ist).
    Ich bin gar nicht für kritikloses Hochlebenlassen Irans – aber auch nicht dafür, hier lebende Iraner als Beleg für die Verhältnisse in Iran grundsätzlich ernst zu nehmen. Genausowenig wie man in Teilen unsauberes Vorgehen der Justiz als Beweis für die Unschuld der Angeklagten nimmt – und da hat sich nach meiner Meinung Frau Bahrami wissend in Gefahr begeben, denn an ihre Unschuld glaube ich nicht, auch wenn ihre Kinder die beteuern, wer täte das nicht für seine Mutter, ob es stimmt oder nicht. Es stimmt aber, dass sie eine vorbestrafte Dealerin war, und zwar eine im großen Stil tätige.
    Hier lesen wir in der Regel “Informationen” die Iran in keiner Weise verstehen und auf den Behauptungen von Systemfeinden und auf Vermutungen beruhen. Das kann man ebenso wenig gebrauchen, wie unkritischen Jubel. Man kann aber mal versuchen, das Land in seiner Vielfalt zu verstehen. Wir haben hier eine Schwarz-Weiß-Malerei die ihm nicht entspricht: Entweder ist man unterdrückt und sitzt zitternd in der Wohnung und wartet auf Verhaftung – oder man ist Basidj, Revolutionswächter oder Holocaustleugner. Ach und dann gibt es noch die heldenhaften Widerstandskämpfer, die häufig allerdings eher unter “Terroristen” zu finden sind (würden wir hier die RAF als Freiheitsbewegung titulieren?), oder unter solchen, die Parties und Alkoholtrinken Freiheit nennen.
    Vergessen werden dabei die Fortschritte die das Land macht, was Bildung, soziale Sicherheit usw. usw. angeht. Mal in den Human Development Index der UNO geschaut, welche Sprünge das Land seit 2005 gemacht hat?
    Kritik ist erlaubt und auch die Iraner kritisieren sich heftig, und das ohne böse Folgen – sogar die Sicherheitskräfte. Dass Chamenei das Kahrisak Gefängnis geschlossen hat und dass dort tätige Straftäter nach den Unruhen 2009 hingerichtet wurden, das wird nicht erwähnt. Genausowenig wie das “Wahlfälschungsargument” nicht hinterfragt wird.
    Die Proteste waren weitgehend in Gegenden, in denen Mussavi sowieso gewonnen hat – was soll also die Aufregung “where is my vote”?
    Ich trau den Iranern zu, ihre Probleme selber zu lösen, ganz ohne von den USA finanzierte Einmischung (die übrigens auch eine Tatsache und sogar per Gesetz in USA beschlossen ist. Kann man auch online aufspüren).
    Das war jetzt ein bisschen vom Thema ab, passt aber doch immer, wenn es um Medienwirbel hier geht, auch in Sachen Strafverfolgung. Nicht jeder Häftling ist ein Politischer, es soll durchaus auch Kriminelle in Iran geben.

  2. Hier gibt es den World Drug Report im Original:http://www.unodc.org/documents/eastasiaandpacific//2010/06/wdr2010/World_Drug_Report_2010_lo-res.pdf
    Die Unterstellung, dass das beschlagnahmte Heroin weiterverkauft wird, ist ein bisschen abenteuerlich. Niemand würde bestreiten, dass es Korruption und Kriminilalität innerhalb staatlicher iranischer Stellen gibt, allerdings zu behaupten, dass das systematisch geschieht ist angesichts der Opfer die das Land bringt unanständig.
    Zusammenfassung hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Iran, unter “Drogenkriminalität”

    Artikel über Frau Bahrami hier in niederländisch:
    http://nieuwsuur.nl/onderwerp/215523-geexecuteerde-bahrami-eerder-veroordeeld.html

    Es ist vielleicht zynisch, aber wenn man in Europa nach dem Versuch 16 kg Kokain einzuschmuggeln nicht nur drei Jahre Gefängnis bekommen würde, dann wäre Frau Bahrami wohl noch am Leben, weil sie nämlich noch gar nicht die Gelegenheit gehabt hätte, wieder straffällig zu werden.
    So falsch es ist, jemanden deswegen aufzuhängen, so unverantwortlich ist es auch, jemanden mit so einer lächerlichen Strafe davonkommen zu lassen.

    • Danke für die Links!

      Die Unterstellung, dass die beschlagnahmten Drogen weiterverkauft werden, ist zwar bislang nach meiner Kenntnis nicht zu beweisen, aber ausgedacht habe ich mir das nicht. Fragen Sie doch ruhig mal nach, wenn Sie Iraner treffen, die sich kritisch mit den Zuständen in ihrem Land auseinandersetzen (und nichts zu befürchten haben, wenn sie darüber reden).
      Wenn man von den Opfern spricht, die “das Land” bringt (die von Ihnen referenzierte Stelle bei Wikipedia habe ich leider nicht gefunden), ist es durchaus angebracht, zwischen Regime/Establishment und Bevölkerung zu unterscheiden. Die Bevölkerung bringt in der Tat große Opfer, unter anderem wegen systematischer Korruption und Kriminalität in den Kreisen der Mächtigen und Regierenden.

      Zu Frau Bahrami: Was wir wissen, ist, dass das Verfahren in Iran nach Angaben ihrer Anwältin unsauber lief und die Drogenvorwürfe im Nachhinein konstruiert wurden, nachdem sie ursprünglich wegen Teilnahme an einer Demonstration angeklagt war. Außerdem wurde Folter angewandt, und die Ermittlungen wurden nicht sauber zu Ende geführt. Nun ist Frau Bahrami tot. Es ist in der Tat zynisch, die offizielle und offenbar konstruierte Anklageszenerie der bekanntermaßen willkürlichen und von Geheimdienst und Regierung manipulierten iranischen Justiz zu übernehmen, um diesen Tod zu relativieren. In Iran muss man leider andere Maßstäbe anlegen als z. B. bei uns in der Bundesrepublik. Iran ist kein Rechtsstaat, sondern ein Willkürsystem, dem jedes Mittel recht ist, um seine Einwohner einzuschüchtern. Hinrichtungen sind ein beliebtes Mittel der Wahl – neuerdings soll die Hinrichtungsrate in Iran auf eine pro 8 Stunden angestiegen sein (http://englishtogerman.wordpress.com/2011/01/17/menschenrechtsgruppen-verurteilen-hinrichtungsorgie-in-iran/), Tendenz steigend. Die allermeisten Hinrichtungsopfer erhalten nicht annähernd einen fairen Prozess und werden auf der Grundlage von unter Folter erpressten Geständnissen verurteilt, oft ohne die Chance zu erhalten, sich zu verteidigen (von einem beim Prozess anwesenden Anwalt ganz zu schweigen). Auch geben die Behörden die Leichen oft nicht an die Familien heraus und organisieren dafür lieber heimliche Begräbnisse unter Ausschluss der Angehörigen. All das ist nicht zu rechtfertigen, auch nicht mit 450 Gramm Kokain und 420 Gramm Opium.

      Menschenrechtsseiten, die sich mit der Lage in Iran beschäftigen, sind voll mit Berichten darüber. Der Artikel der WELT entspricht meiner Meinung nach (und damit stehe ich beileibe nicht allein da) den Realitäten in Iran weitaus mehr als die Annahme, dass die iranische Regierung irgendwelche Opfer bringen würde, abgesehen von dem Opfern von Menschenleben im Dienste eigener Interessen.

      Wäre schön, wenn Sie Recht hätten, aber glauben kann ich das nach 18monatiger intensiver Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten in Iran ehrlich gesagt nicht mehr.

  3. Es empfiehlt sich im Hinblick auf den “Welt” Artikel mal in den Weltdrogenbericht 2010 der UNODC zu schauen, der genau den Zeitraum behandelt von dem in dieser angeblichen Depesche die Rede sein soll. Während es sich bei der Depesche um die Meinung eines wohl nicht sachkundigen US Botschaftsangestellten handelt, zeigt der Bericht der UNO-Organisation ein ganz anderes Bild.
    Frau Bahrami wiederum war eine wegen Schmuggels von 13kg Kokain in den Niederlanden verurteilte Straftäterin. Darum muss man die Todesstrafe für sie nicht gutheißen, es lässt sie allerdings in einem anderen Licht dastehen. Diese Verurteilung erfolgte ja wegen Kokainschmuggels nach Iran.

    • Liebe Meryem, lesen Sie doch mal das hier: http://englishtogerman.wordpress.com/2011/01/29/zahra-bahramis-anwaltin-von-hinrichtung-geschockt-ermittlungen-waren-noch-nicht-abgeschlossen/
      Zum Weltdrogenbericht: Meinen Sie diesen hier?
      http://www.unis.unvienna.org/unis/de/pressrels/2010/unisnar1080.html
      Zitat:
      “Obwohl Afghanistan am meisten Opiate weltweit produziert, beschlagnahmt es weniger als zwei Prozent davon. Der Iran und die Türkei sind hier führend, mehr als die Hälfte des weltweit beschlagnahmten Heroins wurden dort sichergestellt. Fahndungserfolge sind anderswo viel niedriger. Entlang der Nordroute beschlagnahmen die zentralasiatischen Länder nur magere fünf Prozent der 90 Tonnen Heroin, die dort Richtung Russland passieren. Russland, das 20 Prozent des afghanischen Heroins konsumiert, fängt nur vier Prozent der Gesamtmenge ab. Die Zahlen der Balkan-Route sind noch schlechter: einige Länder Südosteuropas, darunter EU-Mitgliedstaaten, fangen weniger als zwei Prozent des Heroins ab, das ihr Land durchquert.”

      Leider steht dort nicht, was mit dem beschlagnahmten Heroin passiert (es heißt, Sepah verkauft das weiter), und wie viel Prozent des Heroindurchlaufs überhaupt beschlagnahmt werden (und ob es wirklich beschlagnahmt wurde, oder ob es nur geschönte Zahlen sind – das muss man in Iran leider auch in Betracht ziehen).
      Insofern klingt das zwar ganz beeindruckend, aber wirklich aussagekräftig ist das nicht, weil man die Zahlen nicht wirklich in Relation setzen kann.

      Fragen Sie mal Iraner, die Leute in der Sepah kennen. Die werden Ihnen sehr wahrscheinlich eine andere Geschichte erzählen.

    • Nachtrag: Davon, dass Frau Bahrami in den Niederlanden wegen Schmuggels von 13 kg Kokain verurteilt war, höre ich zum ersten Mal. Wären Sie so freundlich, mir eine Quellenangabe zu schicken? Herzlichen Dank im Voraus!

  4. Pingback: Iran verbittet sich Einmischung des Westens in Hinrichtungen (via Julias Blog) « Toumai1470's Blog

  5. Die iranische Justiz erpresst unter Folter Geständnisse. Auf diesen Zusammenhang muß die freie Welt hinweisen. Außerdem sind die Hingerichteten überwiegend POLITISCHE GEFANGENE, die wegen Meinungsäußerungen gegen ein diktorisches Regime verfolgt, verurteilt und hingerichtet werden, aber auch oft ohne Urteil ihr Leben lassen müssen. Die islamische Republik des Iran mit ihren obersten Machthabern blickt der der Fratze des Teufels in die freie Welt und lacht nur über uns. Was hilft also gegen den Teufel?

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