29 Tonnen Opium und die wahrscheinliche Rolle des Geheimdienstes bei der Heroinproduktion

Crack-Labor in Iran

Deutsche Welle, 3. März 2011 – Am Montag des 28. Februar fanden Zollbeamte im Internationalen Flughafen Tehran in einem privaten Flugzeug etwa 29 Tonnen Opium. Das  Flugzeug war aus China gekommen. Nach Angaben der Zeitung Jame-Jam hatte eine iranische Bank für diesen Transport einen Kredit gewährt.

Mohamadreza Shanesaz, Stellvertreter der Abteilung für Arzneimittel im Gesundheitsministerium, erklärte, das entdeckte Opium sei für medizinische Zwecke importiert worden. Welche Organisation das Opium geordert hat, sagte er nicht.

Hamidreza Hosseinabadi, Chef der Organisation zur Bekämpfung illegaler Drogen, bezeichnete den Import einer solchen Menge Opium zu medizinischen Zwecken als einen Rekord. Bisher sei für medizinische Zwecke ausschließlich konfiszierte Schmuggelware verwendet worden.

Wie viel sind 29 Tonnen Opium?
Auch vier Tage nach der Entdeckung des Opiums hat noch keine Organisation dazu Stellung genommen. Unabhängige Beobachter vertrauen den offiziellen Erklärungen jedoch nicht und gehen davon aus, dass dieses Opium in Wirklichkeit zum Zweck der Produktion von Heroin importiert wurde.

Ein Offizier der Organisation zur Bekämpfung illegaler Drogen, der anonym bleiben will, sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Welle: “Wenn man sich vor Augen führen will, was eine Menge von 29 Tonnen Opium bedeutet, muss man wissen, dass ein Süchtiger pro Tag höchstens 1 – 2 Gramm konsumieren kann. 1 Kilo Opium entspricht also dem Tagesbedarf von mindestens 500 Süchtigen. 29 Tonnen entsprechen dem Tagesbedarf von 14 bis 29 Millionen Süchtigen.

Medikament oder Heroin?
Am Januar dieses Jahres veröffentlichte Wikileaks eine diplomatische Depesche der USA, aus der hervorgeht, dass Iran zu einem der größten Drogenschmuggler der Welt avanciert ist und dass die Revolutionsgarden dabei die Hauptrolle spielen.

Die deutsche Tageszeitung “Die Welt”*) berichtete am 21. Januar, das von Wikileaks veröffentlichte geheime Telegramm  sei am 12. Januar 2009 von der Botschaft der Vereinigten Staaten in Aserbaidschan an das amerikanische Außenministerium geschickt worden. In diesem Telegramm wurde auch berichtet, dass sich die Menge des von Iran nach Aserbaidschan ausgeführten Heroins von  20 Tonnen im Jahr 2006  auf 59 Tonnen allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 erhöht hat.

Iran und Heroinlieferungen nach Europa
In der erwähnten Depesche schreibt die amerikanische Botschaft Baku bezüglich geheimer Berichte der UN-Drogeninspektoren, dass 59% des Heroins in Aserbaidschan aus Iran kommt und von Aserbaidschan aus weiter nach Europa geschmuggelt wird.

Wikileaks zufolge berichtete der ehemalige Außenminister Aserbaidschans, Khalaf Khalafof, am 15. Oktober in einer weiteren Depesche, dass iranische Geheimdienste Drogen schmuggeln. Wenn die Schmuggler verhaftet und an Iran ausgeliefert werden, würden sie dort schnell wieder auf freien Fuß gesetzt, fügte Khalafof hinzu.

Wikileaks berichtet weiter, dass die aserbaidschanischen Behörden durch Abhören telefonischer Kontakte nachweisen konnten, dass die iranischen Geheimdienste am Import des afghanischen Opiums und seiner Verarbeitung zu Heroin unmittelbar beteiligt sind. Der deutschen Tageszeitung Die Welt zufolge  sagte der iranische UN-Repräsentant, 89% des Opiums in der ganzen Welt werde in Afghanistan produziert, und der größte Teil davon werde nach Iran geschmuggelt.

Mohsen Rezayee hatte am 17 Khordad 1388, fünf Tage vor der Präsidentschaftswahl in Iran [am 12. Juni 2009] in einem Interview mit [dem staatlichen Sender] IRIB von einer mächtigen Drogenmafia in Iran und der [iranischen] Regierung gesprochen.

Iranische Schmuggler in Malaysia
In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der wegen Drogenschmuggels in Malaysia verhafteten Iraner stark angestiegen. Früher wurde der größte Anteil des weltweit vertriebenen Opiums im sogenannten Goldenen Dreieck zwischen Burma, Laos und Kambodscha produziert. Heute jedoch ist Afghanistan an die Stelle des Goldenen Dreiecks getreten.

Malaysias stellvertretender Innenminister berichtet, dass in Malaysia im Jahr 2009  330 Drogenschmuggler verhaftet wurden, davon stellten 97 Iraner die zweitgrößte Gruppe.

Vor Kurzem, am 6. Bahman 1389  [26. Januar 2011] verhaftete die malaysische Polizei 15 Iraner wegen Drogenschmuggels. Vor 4 Monaten, am 18. Mehr [10. Oktober 2010] schrieb die [staatliche iranische] Nachrichtenagentur Mehr, der malaysische Innenminister habe berichtet, dass in Malaysia seit Anfang dieses Jahres [wahrsch. Anfang 2010, d. Hrsg.] 138 Iraner wegen Drogenschmuggel in Malaysia verhaftet wurden.

Verhaftungen in Thailand
Auch in Thailand ist die Anzahl der iranischen Drogenschmuggler enorm angestiegen. Die Zeitung Bangkok Post berichtete am 24. Azar dieses Jahres [15. Dezember 2010], in diesem Jahr seien 75 Iraner wegen Transports von mehr als 164 kg Drogen verhaftet worden. Die Verhafteten waren mit 15 indirekten Flügen nach Bangkok eingereist, so das Büro zur Bekämpfung illegaler Drogen in Thailand.

Internationale und regionale Behörden haben mehrfach von den hunderten Heroinlaboren in den unkontrollierbaren Zonen zwischen Afghanistan und Pakistan berichtet. In diesen Laboren wird das afghanische Opium zu Heroin verarbeitet und über Iran ins Ausland geschmuggelt. Neuen Quellen zufolge existieren in Iran auch hochmoderne Labore.

Javad Talei, DW

Übersetzung aus dem Persischen:  Hadi
Editiert von Julias Blog
Quelle (Persisch): Deutsche Welle Persisch, 3. März 2011

*) Der erwähnte Artikel der “Welt”: Iran ist einer der weltweit größten Heroinhändler

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3 Antworten zu “29 Tonnen Opium und die wahrscheinliche Rolle des Geheimdienstes bei der Heroinproduktion

  1. Es ist sehr naiv, diese Zustände ständig Jimmy Carter in die Schuhe zu schieben – sie haben es erzeugt, aber das Volk ist nicht minderschuldig…fange bei meiner eigenen Familie an, die wie Millionen andere iranische Familien sich im Land unauffällig verhalten, damit sie mit niemanden in Konflikt geraten. Sogar Iraner, die im Ausland leben und ständig nach Iran reisen um dort ihre Geschäfte abwickeln (die Kriminellsten sind die Teppichhändler – verabscheungswürdige Wesen) Die paar Oppositionelle und Blogger hat das Regime im Griff, aber ein ganzes Land könnten sie nicht stoppen. Und wenn jemand hier was auf die Fresse bekommt, dann ist es unser Volk und nicht die USA – sie machen weiterhin ihre Geschäfte mit dem Iran und sollte ihnen das Regime irgendwann ungemütlich werden, wird diese abgesetzt. Vor allem war der Shah kein mm besser als die regierenden Mullahs – er hat auch sein Geheimdienst gehabt, Menschen gefoltert, Zensuren durchgeführt, etc.

  2. Pingback: Drogenmissbrauch im Iran: erschreckende Zahlen | Julias Blog

  3. Es ist sehr schmerzhaft so was zu lesen, leider Americane Regierung , als jimycarter im Macht war, haben Sie diese Müllas gezielt unterstützt, jetzt kriegen Sie Ihre Schuld Zurück, so ist die Welt, wie eine spigel und Europäer hat auch leider mitgemacht, königreich von persien aus neid wollten sie nicht ertragen, jetzt kriegen Sie auf die Schnauze.

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