Islamische Republik schafft neue Restriktionen für iranische Studenten im Ausland

"Ein tolles Thema für eine Abschlussarbeit!"

RFE/RL, 10. März 2011 – Im Ausland studierende iranische Studenten zeigen sich besorgt angesichts neuer Restriktionen, die das iranische Bildungsministerium für Abschlussarbeiten eingeführt hat. Dies berichtet Radio Farda von RFE/RL.

Am 8. März hatte der Direktor für studentische Angelegenheiten im Bildungsministerium bekannt gegeben, dass im Ausland studierende Iraner – sowohl Regierungsstipendiaten als auch Studenten, die ihr Studium selbst finanzieren – in ihren Abschlussarbeiten keine Themen behandeln dürfen, die sich auf Iran beziehen.

Studenten mit einem Stipendium des Bildungsministeriums könnten aber im Bedarfsfall vom Ministerium selbst Forschungsmaterial über Iran erhalten, so Mohammad Hussein Majlisara weiter.

“Sie haben kein Recht, Menschen, die nicht in Iran leben und an Universitäten im Ausland studieren, einem solchen Gesetz zu unterwerfen”, sagt die in Europa studierende Iranerin Katayoun dazu gegenüber Radio Farda.

“Es ist offensichtlich, dass sie sich davor fürchten, dass die iranische Jugend sich bildet, und sie wollen alle Informationswege nach dem Beispiel der Restriktionen in Iran blockieren, vor allem durch die Streichung von sozialwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen in den Universitäten.”

“Sie wollen nicht, dass jemand, der nach Iran einreist, präzise Informationen hat. Und es macht ihnen nichts aus, iranische Studenten einzuschüchtern, damit sie nicht nach Iran zurückkehren, nachdem sie sich solche Informationen angeeignet haben.”

Ali, ein iranischer Student in den Niederlanden, glaubt, die Entscheidung der iranischen Bildungsbehörden könnte darauf zurückzuführen sein, dass iranische Studenten dazu neigen, ihre Abschlussarbeiten über Iran-spezifische Themen zu verfassen.

“Daran erkennt man deutlich, dass iranische Studenten die Gelegenheit genutzt haben, im Ausland über Iran zu forschen. Die meisten iranischen Studenten in meinem Umfeld tun das, und zwar in allen möglichen Fachrichtungen, auch Literatur und Kunst.”

Narges, die in Europa studiert, bezeichnet den Schritt des iranischen Bildungsministeriums als “inakzeptabel” und “diskriminierend”. Die Zeiten, in denen Iran vom Rest der Welt isoliert werden könne, sei lange vorbei.

“Was bedeutet denn überhaupt ‘Iran-spezifisch’ – heißt das, dass das Wort ‘Iran’ in unseren Forschungsarbeiten nicht vorkommen darf, oder heißt es, dass Themen, die direkt oder indirekt mit Iran zu tun haben, nicht erwähnt werden dürfen?” fragt sie. “Es ist unmöglich, in einer Forschungsarbeit ohne Verweise auf ein Land im Nahen Osten mit 70 Millionen Einwohnern auszukommen.”

Viele Studenten erwarten, dass die Entscheidung sich als Rückschlag für die Regierung entpuppen wird.

“Ich erwarte, dass sich jetzt noch viel mehr Studenten von solchen Themen angezogen fühlen werden”, sagt die Iranerin Laleh, die in Europa studiert. “Es ist ganz einfach – die Studenten werden jetzt erst recht solche Themen wählen, um herauszufinden, warum sie überhaupt verboten wurden.”

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 10. März 2011
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/iran_students_abroad_decry_restriction/2334218.html

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