Amnesty fordert Untersuchung der Todesfälle in iranischem Gefängnis

Zamaaneh, 18. März 2011 – Amnesty International fordert eine unabhängige Untersuchung des Konflikts, der am Dienstag Abend im Gefängnis Ghezel Hesar 14 Todesopfer und viele Verletzte gefordert hatte.

“Eine so hohe Zahl von Toten ist extrem besorgniserregend”, so Hassiba Hadi Sahraoui, stellvertretende Direktorin des Amnesty-Programms für den Nahen Osten und Nordafrika. Mit Verweis auf die Überbelegung im Gefängnis Ghezel Hesar fügte sie hinzu: “Die Gefängnisbehörden sind dafür verantwortlich, für Ordnung zu sorgen und das Leben der Gefangenen zu schützen, aber sie müssen Zurückhaltung üben.”

Den iranischen Gefängnisbehörden zufolge ereignete sich der Vorfall, als mehrere verurteilte Gefangene und Drogenschmuggler bei einem Fluchtversuch im Gefängnis Brände legten und Zerstörungen anrichteten. Die Gefangenen seien “dank der starken Präsenz der Gefängnisbeamten und anderer Gefangener” unter Kontrolle gebracht worden, heißt es weiter. In einem Bericht des staatlichen Fernsehens hieß es, mehrere Gefangene seien “an den Folgen der erlittenen Verletzungen sowie an Rauchvergiftung” gestorben.

“Eine umgehende Untersuchung dieser Todesfälle ist unbedingt notwendig”, so Hadj Sahraoui. “Sie muss allerdings unabhängig und transparent erfolgen, wie es internationale Menschenrechtsstandards erfordern.”

Gholamhossein Esmaili, der Leiter des iranischen Gefängniswesens, gab bekannt, dass der Vorfall juristisch untersucht werde. Die “Schuldigen an den Unruhen im Gefängnis Ghezel Hesar” seien “identifiziert”.

Amnesty International erklärt dazu: “Leider hat die iranische Justiz bei der Durchführung solcher Untersuchungen immer wieder versagt, daher rufen wir nochmals die internationale Gemeinschaft auf, die aktuelle Sitzung des UN-Menschenrechtsrates dazu zu nutzen, um einen Sonderberichterstatter mit einer Prüfung und Berichterstattung über die Menschenrechtssituation in Iran zu beauftragen”.

Menschenrechtsaktivisten hatten Amnesty International gegenüber berichtet, dass die Gefangenen in Wirklichkeit gegen die schlechten Haftbedingungen und die vielen Hinrichtungsmaßnahmen in  Ghesel Hesar protestiert hatten.

Ein Aktivist teilte Amnesty International am Mittwoch telefonisch mit: “Mir wurde berichtet, dass sich bewaffnete Wärter auf den Dächern des Gefängnisses und vor den Türen zu der Abteilung positioniert hatten, und die Gefangenen steckten ihre Bettwäsche in Brand, um die Wärter am Eindringen zu hindern. Der Gefangene sagte mir, dass die Wächter auf jeden geschossen haben.”

Amnesty International zufolge starben sechs Menschen an Schusswunden, mehr als 100 wurden möglicherweise verletzt. Einige starben später in der Krankenstation oder auf dem Weg dorthin.

Die iranischen Behörden bestätigen, dass 14 Menschen ums Leben kamen und 33  verletzt wurden. Staatlichen Fernsehberichten zufolge waren auch einige Gefängniswärter unter den Todesopfern.

Hassiba Hadj Sahraoui: “Wir wissen, dass die iranischen Behörden zur Zeit eine Tötungswelle veranstalten – sie haben seit Beginn des Jahres weit über 100 Menschen hingerichtet, vor allem Drogenkriminelle. Dies ist ein weiterer Grund dafür, warum sie alle Hinrichtungen mit einem sofortigen Moratorium belegen sollten.”

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 18. März 2011
Quelle (Englisch): http://radiozamaneh.com/english/content/rights-group-wants-deaths-iranian-prison-investigated

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