Todesurteil gegen Saeed Malekpour aufgehoben

Saeed Malekpour

Tehran Bureau, 7. Juni 2011 - Der Oberste Gerichtshof Irans hat das im vergangenen Dezember gegen den 35jährigen Web-Programmierer Saeed Malekpour aufgehoben. Der gebürtige Iraner, der seit 2004 ständig in Kanada lebt, war u. a. wegen “Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit durch Entwurf und Moderation von Webseiten mit nicht jugendfreien Inhalten”, “regimefeindlicher Agitation” und “Beleidigung der Heiligtümer des Islams” zum Tode verurteilt worden. Grund für die Anklagen war von ihm entwickelte Software, die u. a. von einer pornografischen Webseite verwendet wurde. Als Malekpour im Oktober 2008 nach Iran reiste, um seinen kranken Vater zu besuchen, wurde er bei seiner Ankunft in Teheran verhaftet und sitzt seitdem im Evin-Gefängnis.

Ein Jahr nach seiner Verhaftung legte Malekpour im iranischen Staatsfernsehen ein “Geständnis” ab. Im März 2010 beschrieb er in einem an iranische Offizielle gerichteten offenen Brief, wie seine Aussage ihm von den Verhörbeamten diktiert wurden und wie er mittels Folter – darunter Peitschenhiebe und Schläge, deren Folge gebrochene Zähne und Infektionen waren – zu seinen Aussagen gezwungen worden war.

“Meistens wurde die Folter von einer Gruppe durchgeführt”, schrieb Malekpour. “Mit verbundenen Augen und in Handschellen traktierten mich mehrere Personen mit Kabeln, Schlagstöcken und Fäusten.”

Malekpours in Toronto lebende Ehefrau Fatima Eftekhari beschrieb die entscheidende Rolle, die die durch Kampagnen mobilisierte Unterstützung der Öffentlichkeit bei der Rettung ihres Mannes gespielt haben. “Man darf die Macht solcher Kampagnen niemals unterschätzen. Man kann das Leben eines meilenweit entfernten unschuldigen Menschen retten, indem man einen Link anklickt oder einen Brief unterschreibt. Ich erinnere mich, wie ich Unterschriften für meinen Mann sammelte, und viele Leute waren skeptisch, ob es jemandem helfen kann, wenn sie ihre Unterschrift unter einen Appell setzen. Jetzt wird klar, wie wichtig eine Unterschrift für ein Leben sein kann.”

Übersetzung aus dem Englischen
Original entnommen aus: http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/tehranbureau/2011/06/president-condemns-soccer-ban-web-techs-death-sentence-repealed.html#ixzz1ObwZK91Z

Referenzierter Artikel im “Guardian”

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