74 Peitschenhiebe für Beleidigung des Präsidenten – Interview mit Peyman Aref

Jaras, 9. Oktober 2011 – “In dem Land, das Ahmadinejad als freiestes Land der Welt bezeichnet, bin ich wegen Präsidentenbeleidigung ausgepeitscht worden. Die Narben schmerzen immer noch – auch in meinem Herzen”. Dies sagt der frühere studentische Aktivist Peyman Aref nach der Vollstreckung der 74 Peitschenhiebe, die Teil seiner Verurteilung waren.

Aref, der auch Mitglied der studentischen Alumni-Organisation ist, hält das Auspeitschungsurteil und dessen Vollstreckung für ungesetzlich.

Das Urteil an Peyman Aref wurde vor seiner Freilassung vollstreckt. Obwohl es ihm infolge der Auspeitschung körperlich schlecht geht, hat er der Webseite Jaras das folgende Interview gegeben.

Herr Aref, Ihre Auspeitschung wurde nicht symbolisch vorgenommen, wie es heutzutage angeblich üblich sein soll. Stimmt das?
Ja. Die Auspeitschung war nicht symbolisch. Mehr noch – ich hätte mir gewünscht, dass sie sich zumindest an ihre eigenen Vorschriften gehalten und die Taaizi-Auspeitschung gemäß Artikel 609 des Strafgesetzbuches der Islamischen Republik  durchgeführt hätten. (Anmerkung: Ein Taaizi-Urteil kann gemäß Strafgesetzbuch durch eine Geldstrafe ersetzt werden. Im Falle einer Ausführung soll die Auspeitschung nicht hart ausfallen)*.

Bekannte religiöse Gelehrte heben den Unterschied zwischen Taaizi und Haadi hervor. (Anmerkung: Gemäß Strafgesetzbuch kommt die Haadi-Auspeitschung bei schwereren Verbrechen wie Ehebruch oder Alkoholkonsum zur Anwendung und wird mit voller Härte ausgeführt).

Bei Taaizi darf der Ausführende mit der Peitsche nicht weit ausholen und muss einen Koran unter seinem Arm halten, damit er seine Arme nur so weit anheben kann, dass das Buch nicht herunterfällt. [In meinem Fall]** haben sie die Auspeitschung aber mit größtmöglicher Brutalität und Heftigkeit ausgeführt, so wie es in der Scharia für Ehebruch und Alkoholkonsum vorgesehen ist.

Wofür genau wurden Sie ausgepeitscht?
Wegen Beleidigung Ahmadinejads, gemäß Artikel 609 des Strafgesetzbuches der Islamischen Republik. Richter Pirabbasi hat mich in Abteilung 15 des Revolutionsgerichts zu 74 Peitschenhieben verurteilt.

Wo und wie wurde das Urteil vollstreckt?
Im Büro der Staatsanwaltschaft in Evin. Herr Dehnamaki, der Büroleiter des stellvertretenden Staatsanwalts, war dabei anwesend. Das Urteil wurde auf brutalste Weise vollzogen. Mein Taazi-Urteil wurde wie ein Haadi-Urteil vollstreckt.

Ich habe die Vorlage einer richterlichen Anordnung gefordert. Ich habe mich an Ort und Stelle bei Herrn Jafari Dowlatabadi (dem Teheraner Staatsanwalt) beschwert. Hier und jetzt fordere ich Herrn Jafari Dowlatabadi auf, eine richterliche Anordnung auszustellen, wenn er wirklich der Staatsanwalt ist, was ich bezweifle.

War Ihre Frau bei der Urteilsvollstreckung anwesend?
Meine Haftstrafe ist heute beendet. Weil ich heute freigelassen werden sollte, haben sie mich in das Büro des Untersuchungsrichters in Evin gebracht.

Der Name des Assistenten der Staatsanwaltschaft ist Khodabakhsh. Er war nicht im Büro. Sie gestatteten meiner Frau Zutritt zum Büro. Eine maskierte Person betrat den Raum, auch der Mann, der mich ausgepeitscht hat, trug eine Maske.

Sie brachten mich in ein anderes Zimmer am Ende des Korridors und führten die Auspeitschung in Anwesenheit des Assistenten der Staatsanwaltschaft Namaik aus. Der Mann, der das Urteil vollstreckte, holte mit der Peitsche so weit wie möglich aus und schlug so heftig zu, wie er konnte.

Wie fühlten Sie sich danach?
Ich konnte wegen der Schmerzen meinen Rücken nicht aufrichten, und ich habe Herzbeschwerden. Auf Anraten der Ärzte habe ich geduscht, aber die Schmerzen und das Brennen sind sehr stark.

Gibt es etwas, was Sie den Offiziellen oder Ahmadinejad – für dessen Beleidigung Sie ausgepeitscht wurden – mitteilen möchten?
Jedes Mal, wenn Ahmadinejad in New York [bei den Vereinten Nationen] ist, behauptet er, dass Iran das freieste Land der Welt ist. Aber genau in diesem Land bin ich auf härteste Weise ausgepeitscht worden, weil ich wegen Präsidentenbeleidigung verurteilt wurde.

Alles, was ich getan habe, ist einen Brief an Ahmadinejad zu schreiben und ihm die Situation an unseren Universitäten zu beschreiben. Der Brief existiert noch. Ich habe Ahmadinejad darin überhaupt nicht beleidigt. Ich habe nur geschrieben, dass ich ihn nie wieder grüßen werde.

Ich möchte betonen, dass das gegen mich verhängte Urteil ungesetzlich war und dass die Vollstreckung des Auspeitschungsurteils auf brutalstmögliche Weise erfolgt ist.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle/Übersetzung ins Englische: Persian Banoo
Persisch: Jaras
*Anmerkungen in runden Klammern stammen aus dem englischen Original. **Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von Julias Blog

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2 Antworten zu “74 Peitschenhiebe für Beleidigung des Präsidenten – Interview mit Peyman Aref

  1. Pingback: Peyman Aref erneut verhaftet | Julias Blog

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