8000 Gefangene in Evin ohne Heizung und medizinische Versorgung

Kalemeh, 21. Januar 2012 - Dieser Tage müssen die Gefangenen im Teheraner Evin-Gefängnis wegen des Heizölmangels besonders harte Bedingungen ertragen. Nach Kalemeh vorliegenden Berichten funktioniert die Heizung in Evin seit einigen Tagen nicht mehr, weil es kein Heizöl gibt. Die Situation für die Gefangenen ist unerträglich. Die Gefangenen müssen seit Tagen mit kaltem Wasser duschen.

Die politischen Gefangenen in den Abteilungen 209, 350, 2A und im Frauentrakt hatten schon vorher wesentlich schlechtere Haftbedingungen als die regulären Gefangenen.

Von den Beamten in Evin wurde den Gefangenen mitgeteilt, dass es noch weitere 10 Tage kein Heizöl geben wird.

In Evin sind einschließlich der politischen Gefangenen rund 8000 Insassen untergebracht. Alle haben seit Tagen weder heißes Wasser, noch funktioniert die Heizung.

Die meisten Gefangenen leiden an Erkältungen und anderen Erkrankungen, gleichzeitig sind die Haftbedingungen sehr hart. Ihre Angehörigen sind deshalb in großer Sorge um sie. Sie wissen nicht, an wen sie sich wenden können, um ihr Anliegen – Sorge um das Wohlergehen der Gefangenen und ein Ende der schlechten Bedingungen – vorzubringen.

Das Evin-Gefängnis liegt in Nord-Teheran im Evin-Tal. Es ist hier normalerweise kühler als in anderen Teilen der Stadt. Im Winter sind die Temperaturunterschiede noch ausgeprägter.

Berichten zufolge sind dieser Tage sehr viele Insassen des Gefängnisses erkältet. Die Gefängnisklinik ist jedoch außerstande, alle Gefangenen medizinisch zu versorgen. Vor allem die politischen Gefangenen kommen zu kurz.

Besonders schlechte Bedingungen für politische Gefangene
Die meisten politischen Gefangenen in Evin befinden sich in den Abteilungen 209, 350 und 2A, letztere untersteht den Revolutionsgarden. Da diese Gefangenen schon vorher unter besonders restriktiven Bedingungen zu leiden hatten, treffen die jetzt hinzugekommenen Probleme sie besonders hart.

Abteilung 350 befindet sich im Keller eines isolierten Gebäudes und ist neuerdings in eine Männer- und eine Frauenabteilung unterteilt. Die Ausstattung ist mangelhaft und in einem weitaus schlechteren Zustand als in den anderern Abteilungen des Gefängnisses.

Es gibt nur vier Baderäume, die schon unter regulären Bedingungen nicht dem Standard entsprechen und den Bedürfnissen der 180 Insassen – zumeist politische Gefangene, Gewissensgefangene, Journalisten, studentische Aktivisten und Unterstützer der Grünen Bewegung, die nach der Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet wurden – nicht gerecht wird.

Die Gefangenen in Abteilung 350 leiden unter extremer Kälte und haben kein heißes Wasser.

Ganz am Ende der Abteilung befindet sich eine Halle ohne jegliche Ausstattung und ohne Frischluftzufuhr. Dort sind die weiblichen politischen Gefangenen untergebracht.

In diesem Trakt, der für kaum mehr als 10 Gefangene ausgestatte ist, sind mehr als 30 weibliche politische Gefangene untergebracht. Diese Frauen, die schon unter dem Mangel an frischer Luft und angemessener Ausstattung zu leiden hatten, müssen jetzt auch noch die extreme Kälte ertragen.

Unter ihnen sind so bekannte Gefangene wie Nasrin Sotoudeh, Bahareh Hedayat, Jila Karamzadeh, Mahdiyeh Golrou, Atefeh Nabavi.

Gefangene der Abteilungen 209 and 2A haben es besonders schwer
In den Abteilungen 209 und 2A sind die Bedingungen besonders schlecht. Diese Abteilungen sind streng genommen illegal und unterstehen nicht der Rechtssprechung der Justiz. Hier wird mit den Gefangenen willkürlich umgesprungen, Justizvertreter haben keinen Zutritt.

Die Zellen in Abteilung 209 sind mit massiven Türen versehen. Im Winter herrscht dort selbst unter normalen Bedingungen strenge Kälte, im Sommer hingegen ist es darin äußerst heiß. Die Zellen sind nicht mit Betten ausgestattet, so dass die Gefangenen selbst im Winter auf dem Boden schlafen müssen, der nur mit einem dünnen Teppich bedeckt ist. Zusätzliche Decken erhalten die Gefangenen in den Abteilungen 209 und 2A von den Gefängnisbeamten nicht. Selbst die warme Kleidung, die die Angehörigen ihnen bringen, wird nicht an die Gefangenen weitergegeben.

In diesen beiden Abteilungen sitzen viele bekannte politische Gefangene und studentische Aktivisten ein, darunter Behzad Nabavi, Abdollah Ramezanzadeh, Abdolfatah Soltani, Kohyar Goudarzi und viele, viele andere.

Auch die kürzlich verhafteten Journalist/innen Parastou Dokouhaki, Marziyeh Rasouli und Saham Bourghani und der vor Kurzem erneut verhaftete studentische Aktivist Arash Sadeghi sitzen hier ein.

Manche der verhafteten Aktivisten werden monatelang in diesen illegalen Abteilungen in einem juristischen Schwebezustand festgehalten.

Mit Ausnahme sehr hochrangiger Justizbeamter hat kein Vertreter der Behörden hier Zutritt. Auch viele Anfragen von Parlamentsabgeordneten, die diese Abteilungen inspizieren wollten, wurden vom Geheimdienst abgelehnt.

Nachdem die Angehörigen der politischen Gefangenen erfahren hatten, dass es in Evin kein Heizöl gibt, haben sie die Staatsanwaltschaft und die Justiz aufgefordert, sich um die Situation zu kümmern. Sie erinnern die Offiziellen daran, dass sie für die Dauer der Inhaftierung für das Wohlergehen dieser Gefangenen verantwortlich sind, insbesondere für die politischen Gefangenen, die nur ihrer Gesinnung wegen eingesperrt wurden.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle/Englische Übersetzung: Persian Banoo
Persisch: Kalemeh

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