Reporterin von “BBC Persian” von iranischen Revolutionsgarden online verhört

Sadegh Saba, Chef von "BBC Persian"

RFE/RL, 2. Februar 2012 – Sicherheitsbeamte aus den Reihen der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben per Internet eine Mitarbeiterin des in London ansässigen Senders BBC Persian verhört. Dies berichtet die oppositionelle Webseite Iran Green Voice am 2. Februar.

Dem Bericht zufolge soll die Schwester einer BBC-Reporterin verhaftet und in eine den Revolutionsgarden unterstellte Abteilung des Teheraner Evin-Gefängnisses gebracht worden sein.

IRGC-Offiziere sollen dann die Reporterin in London mit Hilfe von E-Mail-Daten kontaktiert haben, die sie zuvor von ihrer inhaftierten Schwester bekommen hatten. Der BBC-Mitarbeiterin stellten die Revolutionsgardisten eine Freilassung ihrer Schwester für den Fall an, dass sie – die Mitarbeiterin – mit ihnen spreche.

In dem Bericht von “Iran Green Voice” werden keine Namen genannt. Die BBC-Reporterin habe sich mit dem Chef des Senders beraten, bevor sie eingewilligt habe, mit den IRGC-Offizieren zu sprechen, heißt es.

Dem Bericht zufolge habe das Gespräch 40 Minuten gedauert und in der Londoner Wohnung der Angestellten stattgefunden. Die IRGC-Offiziellen hätten die Reporterin sehen können, während diese nur die Stimmen ihrer Gesprächspartner habe hören können, heißt es bei “Green Voice of Freedom”.

Nach dem Online-Interview sei die Schwester freigelassen worden.

Kein Einzelfall
Zwei Quellen, die mit der Situation vertraut sind, haben den Bericht gegenüber RFE/RL bestätigt.

Sadegh Saba, Direktor des persischsprachigen Dienstes vom BBC-Fernsehen, sagte im Gespräch mit RFE/RL, eine Angehörige einer Mitarbeiterin von BBC Persian sei in Teheran verhaftet worden, um die in London lebende Reporterin unter Druck zu setzen. Aus Sicherheitsgründen könne er keine Einzelheiten nennen, so Saba. Dieses Vorkommnis sei jedoch kein Einzelfall.

“In den letzten Monaten haben die Familien vieler Mitarbeiter von BBC Persian vermehrt den Druck des iranischen Establishments zu spüren bekommen. In einigen Fällen wurden sie verhört, bei anderen wurden die Pässe eingezogen”.

“Solche Vorfälle gibt es in Iran seit vielen Monaten. Erst kürzlich wurde ein Familienmitglied eines [oder einer] Mitarbeiters [Mitarbeiterin] von BBC Persian festgenommen und als Druckmittel eingesetzt.”

Im vergangenen Oktober hatte BBC berichtet, dass die iranische Polizei und offizielle iranische Stellen BBC-Mitarbeiter schikanierten, indem sie Angehörige in Iran verhafteten und verhörten.

“Abscheuliche Taktiken”
Nach Angaben von Peter Horrocks, dem Direktor von “BBC Global News”, haben  etwa 10 BBC-Mitarbeiter solche Erfahrungen gemacht.

Saba vermutet, dass Iran damit versucht, BBC-Mitarbeiter dazu zu bringen, ihre Arbeit aufzugeben. Dieses Vorgehen sei “abscheulich”.

“(Die iranischen Behörden) haben wahrscheinlich das Gefühl, dass die Berichterstattung von BBC ihnen nicht zum Vorteil gereicht, und wollen BBC deshalb diskreditieren und Mitarbeiter einschüchtern, damit sie aufhören”, so Saba. “Diese Methoden Irans – vor allem der Druck auf die Familienangehörigen – ist in der modernen Welt nicht zu akzeptieren.”

BBC sei entschlossen, die Arbeit fortzusetzen und nach Wegen zu suchen, die “unmenschlichen” Aktionen Irans durch die Europäische Union und über Menschenrechtsorganisationen anzuprangern, fügte Saba hinzu.

Iranische Offizielle setzen politische Aktivisten und Gefangene oft über deren Familienangehörige unter Druck. Dass sie dafür das Internet einsetzen und im Ausland befindliche Personen dafür auswählen, ist aber anscheinend ein Novum.

Auch Angehörige, die mit den Fällen [inhaftierter] Familienmitglieder an die Öffentlichkeit gegangen sind, wurden zum Ziel dieser Taktik.

Im vergangenen Dezember wurde die Mutter des inhaftierten Menschenrechtsaktivisten Kouhyar Goudarzi zu 23 Monaten Haft verurteilt, weil sie in einem Medieninterview über den Fall ihres Sohnes gesprochen hatte.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

Auf YouTube ist dazu ein Beitrag von BBC Persian zu sehen; auch die Deutsche Welle berichtet über den Fall (Danke an Dust and Trash für diese Links)

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