Mohammad Soleimaninia, Experte für soziale Medien, offenbar erneut verhaftet

Mohammad Soleimaninia

RFE/RL, 7. Juli 2012 - Der iranische Internet-Pionier und Experte für soziale Medien Mohammad Soleimaninia ist offenbar wenige Wochen nach seiner Freilassung gegen Kaution wieder verhaftet worden. Der 40jährige war im Januar aus unbekannten Gründen festgenommen worden.

Vor seiner Festnahme war er von Sicherheitsbeamten verhört worden; offenbar ging es dabei um seine Arbeit und seine Internetaktivitäten, u. a. das von ihm für iranische Fachkräfte gegründete soziale Netzwerk “u24″.

Im Gefängnis war Soleimaninia, der mehrere Wochen in Einzelhaft verbrachte, Berichten zufolge unter Druck gesetzt worden, um ihn zur Kooperation für die Einrichtung des iranischen “nationalen Internets” zu zwingen. Ende Mai wurde er nach einem 28tägigen Hungerstreik gegen eine Kaution in Höhe von ca. 5.000 Dollar freigelassen.

Wie eine Quelle aus dem nahen Umfeld seiner Familie gegenüber der Rubrik “Persian Letters” angab, verschwand Soleimaninia vergangene Woche nach einer Vorladung ins Gefängnis, bei der er seine im Januar konfiszierten “persönlichen Gegenstände in Empfang nehmen” sollte. Er kam der Aufforderung nach; seither hat seine Familie nichts mehr von ihm gehört.

Die Quelle, die anonym bleiben möchte, sagte gegenüber RFE/RL, Beamte der Gefängnistrakte 209 und 350 von Evin – wo Soleimaninia zuvor eingesessen hatte – hätten erklärt, sein Name stünde nicht auf der Liste des Gefängnisses. Seine Familie sei in großer Sorge um sein Wohlergehen.

Reza Moini von der Organisation “Reporter ohne Grenzen” teilt hingegen mit, dass Soleimaninia nach seiner Freilassung am 22. Mai wieder verhaftet wurde.

“Er wurde ins Gefängnis bestellt und dort festgehalten – offenbar hatte er damit gerechnet, wieder verhaftet zu werden”, so Moini. “Zweifelsohne wird er nicht vermisst, sondern befindet sich unter der Kontrolle der Gefängnisbehörden von Evin.”

Der Fall mache den wachsenden Druck Irans gegen Internet-Aktivisten deutlich, so Moini.

“Soleimaninia ist seit den ersten Jahren der Einführung des Internets in Iran online aktiv. Nach uns vorliegenden Informationen wurden mehrere weitere Personen verhaftet und unter Druck gesetzt, damit sie für die Netzwerke arbeiten, die für das nationale Internet benötigt werden”, so Moini.

Die Behörden in Iran hätten es “auf das Wissen dieser Leute abgesehen” – im Fall Soleimaninias seien sie an dem von ihm geschaffenen sozialen Netzwerk für Fachkräfte interessiert.

Seit Jahren stellt Iran die Inbetriebnahme eines nationalen Internets in Aussicht, ohne dessen Ziele und Aufgaben klar zu definieren.

Der Quelle aus Soleimaninias Umfeld zufolge haben die Sicherheitsbeamten, die Soleimaninia verhörten, ihn aufgefordert, ihnen die Zugangsdaten zu der Seite zu geben, was dieser verweigert habe. Die beliebte Seite sei nach Soleimaninias Festnahme von den Behörden geschlossen worden, so die Quelle, die Soleimaninia als unpolitischen Technik-Freak beschreibt, der für Literaten und Dichter Internetseiten eingerichtet habe.

Soleimaninia ist der Übersetzer des Buches “Funny in Farsi” der iranisch-amerikanischen Autorin Firouzeh Dumas.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

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