IRGC stürmt Hilfscamp für Erdbebenopfer, beschlagnahmt Hilfsgüter, verhaftet Helfer

Das Lager wurde wenige Tage nach den Erdbeben in Aserbaidschan errichtet. Auch aus Spenden finanzierte Hilfsgüter für die Erdbebenopfer werden dort gelagert.

ICHRI, 25. August 2012 – Am 23. August um Mitternacht sind Sicherheitskräfte und Revolutionsgarden in ein an der Straße zwischen Tabriz und Vazarghan eingerichtetes Hilfscamp für Opfer der Erdbeben in der Provinz Aserbaidschan eingedrungen. Sie verhafteten 35 freiwillige Helfer und brachten sie in das Geheimdienstgebäude von Tabriz. Alle im Lager des Camps befindlichen von Privatpersonen gespendeten Hilfsgüter wurden an einen unbekannten Ort gebracht; das Lagerhaus wurde versiegelt.

Nach Angaben der Webseite Kalemeh wurden alle am vergangenen Donnerstag verhafteten Frauen sowie drei Männer gegen Kaution wieder freigelassen.

Einer der im Camp verhafteten Freiwilligen ist der zur Zeit aus medizinischen Gründen im Hafturlaub befindliche politische Gefangene Hossein Ronaghi Maleki. Maleki, der aus Malekan in Aserbaidschan stammt, war unmittelbar nach dem Erdbeben zusammen mit seinem Vater Ahmad Ronaghi Maleki und seinem älteren Bruder Hassan ins Camp gekommen.

In einem Interview mit ICHRI erklärte Malekis Mutter Zolaikha Mousavi: “Hossein, sein Bruder und sein Vater haben in dem Camp gearbeitet. Gestern wurden sie alle verhaftet. Glücklicherweise ist sein Vater wieder frei und befindet sich auf dem Weg nach Hause. Gestern Nachmittag konnte ich niemanden von ihnen telefonisch erreichen, also rief ich Hosseins Freunde an, die mit ihm dorthin gefahren waren, aber sie alle hatten ihre Mobiltelefone abgeschaltet. Um Mitternacht rief die Mutter eines der Helfer an und erzählte, dass sie alle verhaftet worden seien. Am Morgen haben wir über die Verhaftungen gelesen und sie wurden bestätigt.”

“Ich habe das Camp gesehen. Vor zwei Tagen bin ich hingefahren. Sie alle waren Studenten und junge Helfer, die aus Teheran und anderen Städten angereist waren, um zu helfen. Sie haben wirklich hart gearbeitet, ich habe es selbst gesehen. Die gesammelten Hilfsgüter wurden überall verteilt. Ich habe sie in unser Haus eingeladen, damit sie wenigstens duschen können. Auch die Eltern einiger Helfer waren da. Hossein, Hassan und ihr Vater waren ebenfalls hingefahren, um zu helfen”, berichtet Zoleikha Mousavi, die in der Stadt Malekan in der Nähe des Erdbebengebietes lebt.

Wenige Stunden nach der Verhaftung der Helfer erklärte der der staatlichen Rundfunkanstalt IRIB angegliederte “Club Junger Journalisten” (YJC), bei den 35 Verhafteten handle es sich ausschließlich um Anhänger des Baha’i-Glaubens oder Vertreter revolutionsfeindlicher Netzwerke, der Sender BBC und Voice of America. Nach den Erdbeben in Aserbaidschan habe eine Geheimorganisation für die Weitergabe von Berichten und den Verkauf von Nachrichten, die sich als “Augenzeugen” ausgebe, die betreffenden Personen in die Region entsandt, um Gerüchte zu verbreiten, falsche Meldungen zu verkaufen, den Baha’i-Glauben zu propagieren und umfangreiche Spendengelder einzusammeln.

Der Club Junger Journalisten, der bekanntermaßen mit eng mit Sicherheitseinrichtungen zusammenarbeitet, erwähnte nicht, wie es ihm gelungen ist, innerhalb weniger Stunden nach den Verhaftungen derart detaillierte Informationen über die Verhafteten zu bekommen. In den Tagen nach den Erdbeben von Aserbaidschan hatten viele die verspätete Reaktion der Regierung bei der Berichterstattung und Hilfsgüterverteilung kritisiert. In den letzten Tagen hatten Sicherheitskräfte diverse neue Restriktionen über die Hilfsarbeit der in die Region angereisten zivilen Gruppen verhängt.

Das Lager für die Verteilung öffentlicher Spenden an die Opfer der Erdbeben wurde in den ersten Tagen nach der Katastrophe eingerichtet. Im Lager des Camps befanden sich mit öffentlichen Spenden finanzierte Hilfsgüter.

In einem Interview mit der unabhängigen Journalistin Masih Alinejad hatte der Parlamentsabgeordnete für Ahar und Heris die Bevölkerung gebeten, ihre Spenden über bürgerliche Netzwerke an die Opfer zu geben und nicht an den Roten Halbmond auszuhändigen. Bei der unabhängigen Verteilung der Hilfsgüter halfen viele Gruppen mit.

“Die [Sicherheits-]Kräfte haben gesagt, dass alle, die in den Lagern gearbeitet haben, in ihre Städte zurückkehren und die Verteilung der gesammelten Spenden an die Revolutionsgarden übergeben müssen, aber die Helfer haben das nicht akzeptiert. Hosseins Vater hat ihnen erklärt, dass die Menschen ihnen vertraut hätten und sie die Spenden deshalb selbst verteilen werden. Aber die Sicherheitskräfte waren damit nicht einverstanden. Sie haben das Lager versiegelt und einige Leute verhaftet”, so Zoleikha Mousavi gegenüber ICHRI.

Die Nachrichtenseite Saham News zitiert den Aktivisten Amir Kalhor, der über den Zugriff auf die Hilfslager berichtet. “Zunächst haben die Polizei und die Sicherheitskräfte auf Anordnung des Gouverneurs von Heris das Lager angegriffen, um die Hilfsgüter an sich zu nehmen. Als sie auf den Widerstand der Helfer stießen, beschlossen sie, das Lager einzukesseln ["build a human circle around the camp"]. Die Sicherheitskräfte, die IRGC-Uniformen trugen, hielten das Lager sieben Stunden lang eingekesselt. Wenige Stunden später trafen mehrere Sondereinsatzfahrzeuge ein. Ich hatte Kontakt mit einem der Leute im Camp. Er sagte mir am Telefon, dass sie das Lager gerade gestürmt hätten. Dann brach der Kontakt ab.”

Die Webseite JARAS hat Namen der Helfer und Helferinnen veröffentlicht. Demnach handelt es sich um Hossein Ronaghi Maleki, Navid Khanjani, Vahed Kholoosi, Shima Ghousheh, Shayan Vahdati, Misagh Afshar, Hassan Ronaghi Maleki, Farid Rohani, Morteza Esmailpour, Hamid Reza Mosayebian, Ali Mohammadi, Mohsen Sameii, Kiana Karimpour, Artemis Varzandeh, Massoud Vafabakhsh, Houman Taheri, Danial Hassani, Nafiseh Saidifard, Bahram Shojaee, Mohammad Arjmandi Rad, Esmail Salmanpour, Mehdi Baghbanbashi, Narges Kheirollahi, Mohammad Amin Salehi, Behrouz Alavi, Milad Panahpour, Sepehrdad Saheban, Esmail Rafati, Hamid Ronaghi, Jafar Nezami, Zahra Sayadi, Farzan Ahmadzadeh, Rayhaneh Hessami, Amir Ronasi.

Nach Angaben der Webseite Kalemeh wurden bisher Shima Ghousheh, Kiana Karimpour, Artesmis Varzandeh, Nafiseh Saeedifard, Narges Kheirollahi, Zahra Sayadi, Rayhaneh Hessami, Ahmad Ronaghi, Jafar Nezami und Esmail Rafati wieder freigelassen.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

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2 Antworten zu “IRGC stürmt Hilfscamp für Erdbebenopfer, beschlagnahmt Hilfsgüter, verhaftet Helfer

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