Kurzmeldungen aus der iranischen Zivilgesellschaft – 12. September 2012

Arseh Sevom, 12. September 2012 – Themen dieser Ausgabe: Gold  Medaillensegen für iranische Paralympics-Athleten | Gold 2: Goldpreis steigt, Rial im Sinkflug | Iranische Botschaft in Kanada geschlossen | Hinrichtung ausgesetzt | Christlicher Pastor freigesprochen | Vierjährige Haftstrafe für Shiva Nazar Ahari hat begonnen | Volleyball: Frauen durften nicht ins Stadion | “Nein” zum Schleierzwang | AIDS und Sex in Iran | Kunst und das Leiden der Tiere

Gold 1: Medaillensegen für iranische Paralympics-Athleten
Die Woche begann mit Goldmedaillen für die iranischen Teilnehmer der Paralympics 2012 in London und endete mit einem Rekordhoch des Dollarpreises in Iran. Iranische Paralympioniken gewannen bei den diesjährigen Paralympics insgesamt 24 Medaillen, davon 10 Goldmedaillen. Damit liegen sie auf dem 11. Platz.

Siamand Rahman – Foto von Matthew Lloyd:Getty Images

Gold 2: Goldpreis steigt, Rial im Sinkflug
Mesghal.com berichtet, dass der iranische Rial mit einem Handelspreis von 24,520 Rial pro US-Dollar am 11. September 2012 ein Rekordtief erreicht hat. Der offizielle Kurs der Banken beträgt 12,260 Rial pro US-Dollar.

Fars News zufolge ist der Höhenflug der Preise im Straßenhandel darauf zurückzuführen, dass die iranische Zentralbank seit nunmehr drei Wochen keine Dollars mehr an ihre Kunden ausgehändigt hat. Die Nachrichtenagentur zitiert den Chef des parlamentarischen Ausschusses für Planung und Haushalt Gholamreza Mesbahi Moghaddam mit den Worten: “Dass die Regierung auf den Bedarf am Devisenmarkt nicht mit der Abgabe  von Dollars reagiert hat, ist der größte Fehler in der Geschichte.”

Kursentwicklung der letzten 5 Jahre (ohne Quellenangabe)

Kanadische Botschaft in Teheran geschlossen
Die aufsehenerregendste Nachricht der Woche war für viele Iraner im In- und Ausland die Schließung der Kanadischen Botschaft in Teheran am 7. September 2012. Damit leben jetzt zwei der größten iranischen Emigrantengruppen in Ländern, die keine direkten diplomatischen Beziehungen mit Iran unterhalten, nämlich in den USA und in Kanada. Reisen und Beziehungen zwischen den Ländern werden dadurch erheblich erschwert.

Als Grund für die Schließung der Botschaft nannte die kanadische Regierung die iranische Unterstützung für den syrischen Präsidenten Bashar al Assad und die fehlende Zusammenarbeit Irans mit UN-Inspektoren.

Hinrichtung ausgesetzt
Die Vollstreckung des Todesurteils gegen Gholamreza Khosravi Savadjani wurde ausgesetzt. Quellen zufolge besteht die Gefahr einer Hinrichtung aber weiter.

Mehr als 200 Aktivisten aus den Bereichen Politik, Gesellschaft und Menschenrechte hatten die bevorstehenden Hinrichtung verurteilt und die internationale Gemeinschaft und internationale Menschenrechtsorganisationen zur Unterstützung des Protests aufgerufen. Khosravi Savadjani war der Feindschaft gegen Gott für schuldig befunden worden, weil er mit einem Fernsehsender kooperiert habe, der den Volksmojahedin (MKO) verbunden ist.

Christlicher Pastor freigesprochen
Der wegen Abfalls vom Glauben zum Tode verurteilte Pastor Yousef Naderkhani ist in einer Neuauflage seines Prozesses freigesprochen worden. Ann Harrison von Amnesty International kommentierte den Freispruch mit den Worten: “Wir begrüßen den Freispruch für Yousef Naderkhani. Er hätte allerdings nie verhaftet, geschweige denn angeklagt und vor Gericht gestellt werden dürfen. …Sein Prozess Ende September 2011, bei dem er wegen Apostasie vor Gericht stand – ein Tatbestand, der nicht einmal nach iranischer Strafgesetzgebung ein Vergehen darstellt – strafen alle Behauptungen Irans Lügen, die vorgeben, dass das Land religiöse Minderheiten toleriert.”

Vierjährige Haftstrafe für Shiva Nazar Ahari hat begonnen
Die Menschenrechtsaktivistin Shiva Nazar Ahari hat sich am Samstag, dem 8. September 2012, im Evin-Gefängnis vorgestellt, um ihre vierjährige Hafstrafe anzutreten. Sie war 2002 am Jahrestag des [Anschlags vom] 11. September [2001] vor einer Teheraner Universität erstmals verhaftet worden.

Nazar Ahari ist Mitbegründerin des “Committee of Human Rights Reporters”. Nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2009 war sie erneut verhaftet worden. [Ende 2009] wurde sie wieder verhaftet, als sie sich auf dem Weg zur Beerdigung des [regimekritischen Geistlichen] Ayatollah Montazeri befand.  Sie verbrachte 100 Tage in Einzelhaft. Im September 2010 wurde sie gegen eine Kaution in Höhe von 500 Millionen Toman vorübergehend freigelassen. Ein Berufungsgericht in Teheran verurteilte sie zu 4 Jahren Gefängnis un 74 Peitschenhieben.

Volleyball: Frauen durften nicht ins Stadion
Wie Radio Zamaneh berichtet, wurden tausende iranischer Frauen, die sich am 9. September im Teheraner Azadi-Stadion das Volleyballspiel zwischen Iran und Japan ansehen wollten, von der Polizei am Betreten des Stadions gehindert. Die Frauen versammelten sich vor dem Stadion, bevor sie auseinandergetrieben wurden.

Bei einem Spiel, das nur zwei Tage zuvor stattfand, hatten auch Frauen im Stadion das iranische Team angefeuert. Eine Reporterin und eine Fotografin wurden jedoch nicht ins Stadion gelassen.

“Nein” zum Schleierzwang

Das Foto wurde der Facebook-Seite der Kampagne entnommen.

Mehr als 26.oo0 Mitglieder zählt die Facebook-Kampagne  “Nein zum Schleierzwang“, über die Arseh Sevom kurz nach ihrer Entstehung am 10. Juli kurz berichtete (hier und hier). Ins Leben gerufen wurde die Kampagne von den Iranischen Liberalen Studenten und Absolventen. Hunderte Frauen und Männer haben seither ihre Fotos veröffentlicht. Fred Petrossian von Global Voices berichtet umfassender über die Kampagne und die Geschichte des Kampfes gegen Zwansverschleierung in Iran.

AIDS und Sex in Iran
Mehr News zufolge hat die iranische Gesundheitsministerin Marzieh Vahid Dastjerdi erklärt, dass sexuelle Übertragung mittlerweile der wichtigste Faktor für die Ausbreitung von AIDS in Iran ist. Vorher galten infiziertes Blut und intravenöser Drogenkonsum als Hauptursachen.

Dastjerdi zufolge haben sich 9,1 % der in den ersten 3 Monaten des Jahres neuinfizierten Personen beim Geschlechtsverkehr angesteckt. Die iranische Jugend sei unzureichend über riskantes Sexualverhalten informiert, zudem sei Prostitution weit verbreitet, so die Gesundheitsministerin.

Kunst und das Leiden der Tiere

Gariz oder die Ästhetik des Schmerzes – Ehsan Mirhosseini

Wie “Animal Rights Watch” berichtet, wird der Künstler Ehsan Mirhosseini seine Arbeiten zu Umweltthemen in einer Ausstellung mit dem Titel “Gariz oder die Ästhetik des Schmerzes” präsentieren. Die Ausstellung findet vom 13. – 20. September im Teheraner Haus der Kunst statt.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Arseh Sevom

2 Antworten zu “Kurzmeldungen aus der iranischen Zivilgesellschaft – 12. September 2012

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