Iranische Aktivisten starten Kampagne für inhaftierte Lehrer

ICHRI, 26. September 2012 – “Eine Stimme für iranische Lehrer” heißt eine von iranischen Lehrerrechtsaktivisten, Menschenrechtsorganisationen und -aktivisten, Journalisten, Lehrern und Juristen gestartete Kampagne. Unter den Initiatoren ist auch die iranische Friedensnobelpreisträgerin von 2003, Shirin Ebadi.

Initiative gegen juristische Verfolgung von Lehrern in Iran
Die iranische Justiz und der Sicherheitsapparat der Islamischen Republik Iran werden aufgefordert, umgehend alle Lehrer freizulassen, die wegen ihrer Mitgliedschaft oder Mitarbeit in Lehrerorganisationen inhaftiert wurden. Weiterhin muss die Verfolgung und strafrechtliche Belangung von Lehrern, die ihr Grundrecht auf Versammlungs- und Vereinsfreiheit ausüben, vollständig eingestellt werden. Dies erklärte ICHRI heute in Unterstützung der Kampagne Be Voice of Iranian Teachers.

“Diese Initiative, die auf die Situation von Lehrern in Iran aufmerksam machen soll, ist ein wertvoller Beitrag iranischer Aktivisten. Sie beleuchtet die immer schlechter werdende Situation jener Menschen, die ihr Leben der Zukunft Irans verschrieben haben”, so ICHRI-Sprecher Hadi Ghaemi.

Im Vorfeld des Welt-Lehrertages der Vereinten Nationan am 5. Oktober und zeitgleich mit dem Beginn des neuen Schuljahres hat die Kampagne eine unvollständige Liste mit Namen von seit 2009 fast 40 verhafteten, inhaftierten oder von iranischen Offiziellen schikanierten Lehrern und Lehrerinnen zusammengestellt.

“Die veröffentlichte Liste ist nicht vollständig, weil einige Familien aus Furcht vor Repressalien des Geheimdienstministeriums die Namen ihrer Angehörigen nicht auf der Liste haben wollen”, so Shirin Ebadi, iranische Friedensnobelpreistärgerin von 2003 und Mitinitiatorin der Kampgagne. “Deshalb sind auf der Liste nur die Namen von Personen zu finden, die sich möglichen Problemen mit dem Geheimdienstministerium zu stellen bereit sind.”

“Immer mehr und immer intensivere Gewalt gegen Lehrer durch den Sicherheits- und Justizapparat … aber auch ungesetzliches Vorgehen gegen Lehrergewerkschaften und -vereinigungen haben ernste Probleme geschaffen, die von Bildungs- und Menschenrechtsorganisationen sehr ernst genommen werden müssen”, heißt es in einer der Liste beigefügten Erklärung der Kampagne.

Die am 20. September 2012 veröffentlichte Liste enthält Namen von 39 Lehrern und Lehrerinnen, die seit 2009 verhaftet wurden, darunter 15, die zu Haftstrafen und 3, die zum Tode verurteilt wurden. Andere wurden von der Justiz, der Polizei oder den Sicherheitsbehörden einbestellt, verhört und bedroht.

Die meisten dieser Lehrer bekamen Schwierigkeiten, weil sie sich in und für Lehrerorganisationen und -gewerkschaften engagiert hatten – ein Grundrecht übrigens, das in der Verfassung der Islamischen Republik (Artikel 26 und 27), aber auch in verschiedenen internationalen und von Iran mitunterzeichneten Abkommen festgeschrieben ist. Nachdem Gewerkschaften in den Jahren 2006 und 2007 Demonstrationen durchgeführt hatten, erließ das Disziplinarkomitee des Bildungsministeriums 200 Zwangsentlassungen und Exilanordnungen gegen Lehrer, die an den Demonstrationen teilgenommen hatten.

“Diese Lehrer werden systematisch ins Visier genommen und zum Schweigen gebracht. Die Methoden reichen von Entlassung aus dem Job bis hin zu juristischen Verurteilungen”, so Ghaemi.

“In unseren religiösen Lektionen, denen iranische Staatsmänner behaupten verpflichtet zu sein, wird gesagt, dass der Beruf des Lehrers der Beruf von Propheten ist. Und bei uns landen Lehrer im Gefängnis, nur weil sie berufliche oder gewerkschaftliche Forderungen haben oder gegen ihre niedrigen Gehälter protestieren”, so Ebadi gegenüber ICHRI.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

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