Monatsarchiv: August 2009

Er ist weg, aber die Verbrechen bleiben – Richter Mortazavis Versetzung

Quelle (Persisch): http://www.mowjcamp.com/article/id/23968
Übersetzung Persisch-Englisch: Shayesteh Irani (http://www.facebook.com/group.php?gid=249669090695#/topic.php?uid=249669090695&topic=9728)
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

„Er ist weg, aber die Verbrechen bleiben“
Von Hanif Mazroo’i [Persisches Original]

Es ist kein Hass. Ich bin kein Mensch, der Groll gegen jemanden hegt, und ich glaube stets an die Einstellung „vergeben und vergessen“, die ich auch zu verbreiten versuche. So lange aber diese Regierungsstellen noch frei agieren, sind alle Veränderungen zwecklos. Nichts wird sich ändern.

1- Saeed Mortazavi, der Richter des Gerichts Nr. 1410 und später Rechtsanwalt und Revolutionsanwalt in Teheran, ist auf Weisung des Chefs der Justiz nach 12 Jahren endlich abgesetzt worden. Viele Politiker, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten haben diese Veränderung begrüßt. Sie erwarten neue Ansätze gegenüber Zeitungsreportern, Presse und Politikern.

2- Allerdings sollten wir bedenken, dass ein Wechsel in Tonfall und Verhalten den Akt des Verbrechens nicht zunichte macht, und wenn der Hauptakteur hinter diesen Verbrechen nicht vollkommen ausgeschaltet wird, können tausend Veränderungen von Namen, Posten und Rängen nichts bewirken. Wenn die Akteure, die für diese Verbrechen verantwortlich sind, noch aktiv sind, wie kann eine Veränderung ihres Dienstgrades ihre Fehler ausgleichen?
Es ist, als würde man eine Schachfigur durch ein anderes Objekt ersetzen. Diese Veränderung würde nur dann einen Effekt haben, wenn die nicht nur das Objekt, sondern auch seine Handlungen neu wären. Anderenfalls besteht der Zweck solcher neuen Gesichter lediglich in der Irreführung der Öffentlichkeit.

3- Es ist kein Hass. Ich bin kein Mensch, der Groll gegen jemanden hegt, und ich glaube stets an die Einstellung „vergeben und vergessen“, die ich auch zu verbreiten versuche. So lange aber diese Regierungsstellen noch frei agieren, sind alle Veränderungen zwecklos. Nichts wird sich ändern.

(Quelle: Rooz Online)

„Trauernde Mütter“ im Laleh-Park, 29. August 2009

Quelle (Persisch): http://www.mowjcamp.org/article/id/24188
Übersetzung Persisch-Englisch: Suzy Mansourian (http://www.facebook.com/home.php#/topic.php?uid=249669090695&topic=9695)
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

Zusammenkunft der Trauernden Mütter im Laleh-Park im Beisein von Rakhshan Bani-Etemad und Shahla Lahiji

Mehr als 80 Mütter kamen am Samstag im Laleh-Park zusammen, um die „Trauernden Mütter“ zu unterstützen, die den Tod ihrer Märtyrer der Grünen Bewegung betrauern.
Der Weblog „Mourning Mothers“ berichtet: Es wurde beschlossen, den Marsch um den Teich herum nicht um 19 Uhr zu beginnen, sondern ihn auf das Ende der Zusammenkunft zu verlegen, damit die Polizei die Zusammenkunft nicht so leicht auflösen kann.

Die Versammlung wurde mit der Zeit immer größer. Um 19:30 Uhr, kurz vor Sonnenuntegang, setzten sich alle langsam in Bewegung, und diejenigen, die um den Teich herum saßen, unterstützten die marschierenden Mütter mit aufmunternden Rufen und dem Siegeszeichen. Der Marsch dauerte bis 20:00 Uhr, und als der Ruf zum Abendgebet erklang, brachen diejenigen, die Ramadan begehen, mit Datteln das Fasten. Die Menschen im Park waren mit dem Marsch vertraut, und sie beteten für seinen Sieg.
In dieser Woche konnte man bekannte Gesichter im Laleh-Park sehen – Künstler, Schriftsteller, Frauenrechtlerinnen wie die Regisseurin und Frauenrechtlerin Rakshan BaniEtemad, die Schriftstellerin, Übersetzerin und Frauenrechtlerin Shahla Lahiji und die Frauenrechtlerin und Aktivistin der „One-Million-Signature“-Kampagne, die alle mit Freunden gekommen waren.
Glücklicherweise gab es keine Konflikte, obwohl viel Polizei im Park präsent war und sowohl in als auch um den Park herum viele Polizeiautos und -busse geparkt waren.

Der Weblog gibt außerdem bekannt, dass die Mütter beschlossen haben, ihre Zusammenkünfte wegen der Dämmerung Samstags von 18 – 19 Uhr abzuhalten.

Vergewaltigungen in Irans Gefängnissen: Drohungen gegen Komitee-Miglieder

Datum: Donnerstag, 27. August 2009
Quelle: Enghelab Sabz
Link: http://www.facebook.com/note.php?note_id=121866629089&id=95040933929&ref=mf
Übersetzung Persisch-Englisch: Suzi Mansourian („Rapes in Iran Prisons: Threats against committee members“, http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=3272379781297948742&postID=9025597597068402171)

Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

„Nach den Enthüllungen an das Sonderkomitee des Parlaments über sexuellen Missbrauch und Vergewaltigungen gab es Drohungen gegen Mitglieder des Komitees“

Einen Tag, nachdem ein Mitglied des Komitees über das Bekanntwerden von Vergewaltigungen mit Schlagstöcken und Sodaflaschen berichtet hat, haben wir erfahren, dass einige der unabhängigen Komiteemitglieder hochgradig bedroht und unter Druck gesetzt werden.

Wie „Green Wave of Freedom“ („Grüne Welle der Freiheit“) berichtet, waren die Mitglieder der Sonderkommission des Parlaments bereits wegen der Bedingungen für die Häftlinge unter hohen Druck gesetzt worden. Dieser Druck habe sich infolge der Enthüllungen auf der offiziellen Webseite der Parlamentsminderheit (Parleman News) vervielfacht.

Eine Quelle aus dem Parlament berichtete „Green Wave of Freedom“ gegenüber, dass seit der Bildung des Komitees durch Ali Larijani einige der Mitglieder alle möglichen Drohungen erhalten hätten. Sie alle hätten sich mit dem Chef der Parlaments getroffen und versucht, aus dem Komitee auszutreten. Larijani jedoch habe sie aufgefordert, nicht über Rücktritt zu sprechen und ihre Arbeit fortzusetzen.

Parviz Sarvari, der Chef des Komitees, soll der Putsch-Partei sehr nah stehen und die erhaltenen Informationen nicht an die betreffenden Behörden, sondern an die Partei weiter leiten. Auf diese Weise könne die Putschpartei Beweise für die Verbrechen vernichten und die Proteste und die Gegner durch Drohungen zum Schweigen bringen.

Das auf Anordnung Larijanis und mit Unterstützung des Obersten Nationalen Sicherheitsrats gebildete Komitee ist nicht zu verwechseln mit der Wahrheitsfindungskommision des Parlaments.

Kayhan for Kids – auf Deutsch

keyhan2 Kayhan for Kids: shaping young hearts and minds

Kayhan für Kinder – Wie Herzen und Köpfe geformt werden
Quelle (Englisch): http://tehranbureau.com/kayhan-kids-shaping-young-hearts-minds/
Übersetzung: Julia

Von GOLAB P.

[TEHRAN BUREAU] Kayhan Bacheha — Kayhan für Kinder — ist ein Wochenmagazin des Kayhan-Instituts, das auch die Tageszeitung Kayhan des berüchtigten Hossein Shariatmadari herausgibt. Das Bild oben stammt aus der allerersten Ausgabe von 1956.

Ich habe vage Erinnerungen daran, wie ich das Magazin als Kind bekam, wie meine Eltern und Großeltern mir die Geschichten vorlasen. Mein Großvater hatte eine große Sammlung davon aus der Zeit, als meine Mutter noch klein war. Ich liebte die Geschichten in diesen Ausgaben ganz besonders. So weit ich mich erinnern kann, war das Magazin in die Stufen 1 bis 5 unterteilt, und da es staatlich war, spielten Themen wie Religion und Verherrlichung der Heiligen der Shia und des iranischen Führers, Ayatollah Khomeini, später Khamenei, immer eine große Rolle. Ein weiteres geläufiges Thema des Magazins war die Erinnerung an die Märyrer des Iran-Irak-Krieges.

Ich weiß noch, wie ich aufgeregt an der Hand meiner Tante am Zeitungskiosk stand und mein Magazin bekam, genau wie die Erwachsenen. Ich erinnere mich sogar noch an den Geruch der Seiten, der warm und archaisch war.

Hier sind einige Titelblätter des Magazins aus den Jahren 1981, 1982 und 2005:

keyhan4 Kayhan for Kids: shaping young hearts and minds

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Stellt euch nun meine Überraschung vor, als ich dies sah:

 Kayhan for Kids: shaping young hearts and minds

Das Magazin hat das Thema der Staatsreligion immer besonders betont, aber an eine politische Seite kann ich mich nicht erinnern. Dies ist eine Seite aus dem Magazin der vergangenen Woche, wo über eine entschärfte Version von Mehdi Karroubis Brief über Vergewaltigung und Misshandlung in Gefängnissen geschrieben wird. Die Kinder erfahren dort, dass all dies eine große Lüge ist und dass der arme Mann nichts beweisen konnte. Der Artikel lautet wie folgt:

Die nie bewiesene Behauptung

Vergangene Woche wurde ein Brief von Herrn Mehdi Karoubi veröffentlicht. Darin wird behauptet, dass die, die wegen ihrer Teilnahme an den jüngsten Unruhen verhaftet worden sind, im Gefängnis missbraucht und verletzt wurden.

Herr Karoubi hatte diesen Brief an Herrn Rafsanjani geschrieben und ihn darum gebeten, das zu untersuchen. Nach dem [der] Brief [veröffentlicht worden war], haben das Parlament und die Justiz sich damit beschäftigt. Sie untersuchten den Fall und sahen, dass die Behauptungen von Herrn Karoubi nicht wahr sind. Und damit nicht genug – als sie seinen [Karoubis] Sohn fragten, woher Herr Karoubi seine Beweise habe, sagte er: „Unsere Beweise sind Telefonanrufe, die bei unserer Zeitung eingingen!“

Denkst du, dass ein vernünftiger Mensch jede Behauptung akzeptiert, die jemand am Telefon macht? Denkst du vielleicht sogar, dass man jedem beliebigen Menschen glauben muss, der irgendetwas sagt?

Der Grund für den Brief von Herrn Karoubi waren nur ein paar Telefonanrufe. Anrufe von anonymen Personen ohne Namen und Identität. Als der Brief von Herrn Karoubi veröffentlicht wurde, waren die Fernseh- und Radiosender, die gegen die Islamische Republik sind, sehr froh. Sie sagten, dass Menschen in den Gefängnissen der Islamischen Republik gefoltert werden. Ihr einziger Beweis war der Brief von Mehdi Karoubi. Ein Brief, in dem laut dem Parlamentssprecher nur Lügen standen. Diese Unterstellungen machten die Feinde der Islamischen Republik glücklich, denn nun konnten sie behaupten, dass Gefangene in den Gefängnissen misshandelt werden.

Auf der Titelseite gibt es auch einen Artikel über die BBC:

 Kayhan for Kids: shaping young hearts and minds

Die Englische Lüge

Erst vor ein paar Tagen haben ausländische Fernsehsender wie BBC sowie einige lokale Zeitungen mit großem Brimborium eine Nachricht verbreitet. Die Nachricht war folgende:

“Ein junger Iraner namens Behnam wurde durch Schlagstöcke der Polizei getötet!

Wir waren alle beunruhigt. Hatte die Polizei wirklich einen Jungen getötet?! Aber es dauerte nicht lange, bis die Wahrheit ans Licht kam. Jeder fand heraus, dass der Feind mit seinem Fernsehen und seinen Zeitungen wieder einmal gelogen hatte. Sie hatten gelogen, um den Ruf der Polizei und der Islamischen Republik zu beschmutzen. Sie logen, um Aufstände in den Straßen zu verursachen.“

Die Geschichte erzählt dann die „wahre“ Version der Ereignisse.

Roxana Saberis Erinnerungen an ihre Haft in Iran

Datum: Donnerstag, 27. August 2009
Quelle: Iran Sarfaraz (http://news.iransarfaraz.com/foreign/8686.html)
Übersetzung Persisch-Englisch: Suzi Mansourian
(http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/08/roxana-sabresis-memoir-of-her.html
)
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

Roxana Saberis Erinnerungen an ihre Haft im Iran

Roxana Saberi enthüllt einer japanischen Zeitung gegenüber die hässliche Wahrheit über ihre Haft im Iran.

Roxana Saberi, eine iranisch-amerikanische Journalistin, Tochter eines Iraners und einer Japanerin, hat in einem Interview mit der japanischen Zeitung Yumiori über ihre Erinnerungen an die schreckliche Zeit in einem iranischen Gefängnis gesprochen.

Yumiori erklärte am Donnerstag, dieser entsetzliche Bericht von Frau Saberi beweise, wie es den Reformern, die nach den letzten Wahlen (? „after the recent commissions of the election“) in iranischen Gefängnissen gefoltert würden, wirklich ergeht.

In dem Interview sagte Saberi, dass die Untersuchungsbeamten ihr mit Hinrichtung gedroht hätten für den Fall, dass sie nicht gestehe, eine Spionin der USA zu sein. Sollte sie dies gestehen, so versprachen sie ihre Freilassung. Saberi sagte, vier Beamte des Informationsministeriums hätten sich als Postboten ausgegeben und gewaltsam und unter Außerachtlassung der juristischen Prozesse Zutritt zu ihrem Haus in Teheran verschafft.

Sie sagte, ihre größte Sorge sei gewesen, dass niemand wusste, wohin man sie gebracht hatte. Saberi berichtete, dass sie während ihrer Haft unter großen Druck gesetzt worden sei, damit sie gestehe, eine amerikanische Spionin zu sein. Schließlich war sie gezwungen, die Anklagepunkte zu gestehen.

Nach zweiwöchiger Einzelhaft, so Saberi, wurde sie in eine öffentliche Abteilung verlegt, in der überwiegend Studentinnen und Frauenrechtlerinnen festgehalten wurden.

Während dieser schweren Zeit im Gefängnis, so Saberi, half ihr eine mutige iranische Frau, die trotz ihrer Lungenentzündung noch immer für die Rechte der Frauen und sexuelle und religiöse Gleichheit kämpfte. Frau Saberi sagte weiter, es gebe leider Autoritäten im Iran, die leichtfertig die Rechte anderer Menschen ignorieren und missbrauchen würden.