Monatsarchiv: September 2009

Wovor hat Iran Angst?

Vergesst Sanktionen, vergesst Bomben. Teherans größte Angst sind Menschenrechtskampagnen
Von Anne Applebaum
Veröffentlicht am Montag, 28. September 2009, 20:00 Uhr

Das Merkwürdige an Iran ist, dass ich manchmal schwören könnte, dass es zwei davon gibt. Einerseits der Nuklear-Iran, der Iran, der von Sicherheitsexperten analysiert wird, der Iran, von dem die Presseleute des Weißen Hauses berichten. Dieser Iran kam letzte Woche in die Nachrichten, als Präsident Barack Obama die Existenz eines weiteren versteckten Nuklearreaktors im Iran enthüllte, über diesen Iran wird am kommenden Donnerstag vom UN-Sicherheitsrat entschieden werden.

Gleichzeitig ist da noch ein Iran – ein sozusagen vollkommen anderes Land. Das ist der Iran der Demokratiebewegung, der Iran, der von Menschenrechtsaktivisten analysiert wird, der Iran, über den von Journalisten berichtet wird, die mit dem Mobiltelefon heimlich Fotos machen. Dieser Iran kam letzte Woche in die Nachrichten, als Demonstranten einen von der Regierung kontrollierten Anti-Israel-Marsch in eine spontane Anti-Regierungs-Demonstration verwandelten.
Diejenigen, die am zweiten Iran interessiert sind, haben in der Regel nicht viel Interesse am ersten Iran – und umgekehrt. Die beiden Gruppen erscheinen zuweilen fast antagonistisch. Als sich nach den Wahlen

Bei diesem Angebot kam natürlich nichts heraus, denn der Iran ist nicht zwei Länder, sondern ein Land. Und die Menschen, die Entscheidungen über das iranische Atomprogramm treffen sind dieselben, die Verhaftung, Folter und Mord an Dissidenten anordnen. In der Tat kann man eine Menge darüber lernen, wie diese iranischen Entscheidungsträger sich im Ausland verhalten werden, wenn man ihr Verhalten zu Hause betrachtet. Beispielsweise ist es unwahrscheinlich, dass ein Regime, dass öffentlich und wiederholt seine Gegner als amerikanische Handlanger und britische Spione bezeichnet, seinen Tonfall ändert und mit Amerika oder Großbritannien kooperiert. Gleichzeitig befindet sich ein Regime, das unter immensem politischem Druck steht, seine Legitimität zu verlieren, in keiner günstigen Position, um neue diplomatische Bahnen zu betreten und wird daher auch sehr wahrscheinlich sein Atomprogramm nicht in nächster Zeit beenden.

Sehr wenige Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass es noch eine weitere Option gibt. Was fürchtet die iranische Führung letztlich wirklich? Ich wette, es sind keine Sanktionen, und möglicherweise auch kein Bombenangiff. Ein wirtschaftlicher Boykott kann immerhin mit Hilfe Venezuelas oder der russischen Mafia umgangen werden, und ein Angriff auf iranischem Boden könnte dem Regime wieder einmal zu einer Konsolidierung seiner Macht verhelfen.
Im Gegensatz dazu muss eine anhaltende und finanziell gut ausgestattete Menschenrechtskampagne eine wahrhaft schreckliche Aussicht sein. Was, wenn wir dem iranischen Regime daher sagen würden, dass sein Insistieren auf der Entwicklung nuklearer Waffen uns keine andere Wahl lässt, als die finanzielle Unterstützung für Dissidentengruppen im Exil zu erhöhen, Geld ins Land zu schmuggeln, den Äther mit Anti-Regime-Programmen zu bombardieren und vor allem die Myriaden von Verbrechen der Islamischen Republik Iran großflächig zu veröffentlichen? Was, wenn Präsident Obama bei seiner nächsten Pressekonferenz ein Foto von Neda, dem jungen Mädchen, das von iranischen Behörden ermordet wurde, hochhielte? Was, wenn er das bei jeder Pressekonferenz tun würde? Ich wette, dies würde Präsident Mahmoud Ahmadinejad und selbst den Obersten Führer mehr aus der Fassung bringen als der Verlust von ein paar Werkzeugmaschinen-Importen aus Deutschland oder holländischen Tomaten.

Mir ist klar, dass viele bei diesen Vorschlägen die Augen verdrehen und argumentieren werden, wie es die Regierung Obama diesen Sommer tat, dass ein aggressiver Fokus auf die massenhaften Menschenrechtsverletzungen im Iran diesem erlauben würden „ausländische Einmischung“ zu schreien und seine Gegner als ausländische Spione zu attackieren. Ja und? Der Iran tut das bereits. Angesichts des Katastrophenpotentials, das hinter nahezu jeder anderen politischen Option lauert, haben wir bei einem Versuch mit Sicherheit nichts zu verlieren.

Iran’s Green Movement: A personal note to the German TV stations

Why do I put this in English, when it is headlined to address the German TV makers? Because the German TV makers will not notice anyway. The German TV makers obediently get caught in the trap that I, Ahmadinejad, and my buddies from the regime have laid out for them.

Enough of human rights, look, I still have the Holocaust „lie“ in my sleeve, and in case that will turn out to be not enough to also fool the rest of the world, I have a handy little nuclear enrichment site in my other sleeve, one that had not been revealed so far. Isn’t that a big show. Come over here, TV stations of the world, I give you something to talkt about, something that will ensure you get big headlines and big viewing figures, something scaaaaaaaary and threeeeeeeeeatening.

Something to get distracted from the events back in the freest county of the world, damnit, just believe me, once and for all, that I was re-elected in a glorious landslide victory through the freest and fairest elections ever – no, that’s not a lie like that Holocaust story, it’s true, or at least I insist that it is true, and you better start believing it, damnit, I am not in the mood to repeat it over and over again… and that girl, what’s her name again – Neda… leave me alone, your questions bother me, I don’t want to talk about it, I wanna talk about Holocaust, yeah, about how invincible the Iranian nation is, and that nobody should dare to walk over us, and that the only guy who is allowed to tell lies here is me, me, Ahmadinejad, freest and fairest president in the world.

And for the media, well, I am keeping them busy. My special thanks here goes out to the German TV stations, because they are one of those who are easiest to fool – just talk about Holocaust, and you don’t need to worry about them getting overly interested in the torture, rape, murder, human rights violations in Iran.

More than 1ooo students dare to protest on the opening day of the Iran universities, meaning, of course, that they all knowingly risk to get arrested, beaten, abducted, imprisoned, tortured, raped, killed – be sure, the German TV stations will not even notice. They have obediently engaged in discussing my test missiles. Great job, me.

Aww, and the UN conference in New York city – not a single line about the Global Day of Action, not a word about the hundreds of thousands of Iranians and non-Iranians protesting world wide against me. I am so smart, really. I can fool them all. I am invincible.

Hopefully, if my tactics work and I manage to put all media to sleep, I will finally get more sanctions. Nothing better than sanctions. The more foreign enemies I have, the longer I will be in power. I just hope they will start a military strike soon, because that’s really the best thing that could happen to me. And, well, if not – I can still threaten to attack Israel, and deny the Holocaust once more, and – ummm, what else – yeah, of course, the nuke issue. Sooner or later the international community will be scared so much that they think a military intervention will save them.

Thank you, ARD, thank you ZDF, thank you WDR, thank you all German TV stations and daily newspapers of Germany, for being such good buddies. If you don’t even notice what’s going on in front of your eyes, I can be sure you don’t notice the other traps I have put up for the world. I am invincible as long as everyone else is deaf and blind and more stupid than me. Cheers!

Ich sehe euch! Was Iran mitbekommt

Original (Englisch): http://www.persianumpire.com/2009/09/29/i-see-you/
Übersetzung: Julia
Bei Weiterveröffentlichung bitte den Link zu diesem Post angeben.

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veröffentlicht am 29. September 2009 von persianumpire

Mehrere Leute haben mich in letzter Zeit gefragt, wie viel von dem, was außerhalb vor sich geht, im Iran wahrgenommen wird. Wenn ihr nicht direkt von mir gehört habt, nehmt dies bitte als meine Antwort.

Es ist eine schwierige Frage, aber ich will versuchen, sie bestmöglich zu beantworten: Wir sehen alles. Na ja, wahrscheinlich ein bisschen weniger, da nicht alles von allem, was überall passiert, von überall gesehen wird. Aber wir bekommen trotzdem ziemlich viel mit.

Dementsprechend führt uns das zu der Frage, wie gut diese Informationen innerhalb Irans verbreitet wird. Wenn man das gesamte Spektrum der iranischen Gesellschaft betrachtet, vom englischsprechenden Iraner mit Internetanschluss bis hin zu dem alten Bauern, der nicht einmal einen Zeitungskiosk zur Verfügung hat, können wir sehen, wie schwierig das zu beurteilen ist. Weitere Komplikationen entstehen, wenn man die Banbreite der Internet-User bedenkt – Schätzungen sprechen von gut 20 Millionen – die zwischen „Monster-Surfern“ und denen, die „gelegentlich virtuelle Post super finden“. Aber ich sollte die Frage beantworten.

In diesem Post müssen die Worte „wir“ und „alle“ auf die kleine Blase bezogen werden, in der ich lebe und die sich mit einigen anderen Blasen überschneidet, die wiederum hoffentlich weitere Blasen überschneiden. Es gibt also einen Wermutstropfen dabei, aber so funktioniert es:

Nachrichten von außerhalb erreichen uns hauptsächlich über Fernsehnetzwerke wie BBC Persian und VOAPNN sowie das Internet. Wir empfangen Fernsehsendungen über Satellitenschüsseln, und man kann ziemlich sicher sagen, dass die meisten Dächer in Teheran damit ausgestattet sind. Wenn man Teheran verlässt und in kleinere und abgelegenere Städte kommt, sieht man weniger davon, aber man sieht sie.

Auch wenn BBC Persian ein relativ neuer Dienst ist, scheint es mit besseren Programmen un besserer Berichterstattung das Publikum von VOA zu schlucken. Ab und zu schickt die Regierung ein paar Störsignale, was dann bedeutet, dass wir den Satellitenmann rufen, die Schüssel neu ausrichten und ein paar neue Codes in unsere Empfänger hauen müssen, und schon sind wir wieder im Geschäft.

Dann gibt es da das Internet. Die großen Medien sind im Internet natürlich auch vertreten, und wir besuchen sie, um die großen Nachrichten mitzukriegen, die es bis dahin schaffen. Wir wissen auch, dass sie die kleineren Sachen nicht bringen bzw. in die Fallen tappen, die sie von dem ablenken, was wir wichtig finden. Aber für die Farbnuancen und feineren Schattierungen, gute Analysen und Kommentare begeben wir uns in andere Ecken des Netzes.

Wir sehen eure Tweets, Bilder, Posts, das, was durchsickert, Facebook-Walls, Gerüchte, Artikel, Flames, Trolls, unterstützende Botschaften, Slogans, Kommentare, Witze, Videos und alles andere, was ihr macht. Nehmen wir Twitter, eine wichtige Quelle für uns besonders für neueste Schlagzeilen selbst über das, was im Iran passiert. Ein Beispiel: die Studentenproteste in dieser Woche. Für alle, die keinen Twitter-Account haben, gibt es Webseiten, die die öffentlichen Tweets von jedem Hashtag senden. Überraschenderweise werden manche dieser Seiten noch nicht gefiltert. In den Fällen, wo gefiltert wird, benutzen wir Proxies, um diese Informationen zu bekommen. Es gibt auch RSS-Feeds, die wir wir benutzen können, um über netzbasierte E-Mail-Dienste an unsere Nachrichten zu kommen und die Filter auf andere Weise zu umgehen. Es ist nicht möglich, uns zu blockieren, es sei denn, man unterbricht das ganze Internet, was die Regierung nicht ohne weiteres tun kann, weil einige wichtige Kommunikationswege wie z. B. Bankwesen davon abhängen. Wenn sie sich jemals entschließen sollten, das zu tun, wird dazu eine Reihe kritischer Überprüfungen und das Auslaufenlassen von Verbindungen in Wohngebieten erforderlich sein. Selbst in diesem Fall werden wir immer noch Internet und am Ende Ferneinwahl haben. Wenn ich 200$ pro Monat zahlen muss, um zu lesen, was ihr schreibt, dann ist es eben so.

Also, wie kann eine Minderheit, die sich durch die Ecken und Winkel des Internet arbeitet, die Mehrheit informieren? Informationen von Webseiten werden zuerst über Chats und E-Mail verbreitet, und dann tut die Mundpropaganda ihr Bestes. In den letzten drei Monaten drehten sich die Gespräche bei jedem Abendessen in jedem Haus wo ich war um Politik und die aktuelle Situation. Meine Taxifahrten und Besuche im Gemüseladen sind durchsetzt mit aktuellen Nachrichten und Politik. So lange die Ereignisse in jedermanns Bewusstsein sind, zirkulieren Nachrichten auf sehr effiziente Weise.

Außer durch Mundpropaganda werden Informationen auch in materieller Form durch dasn iranische Sneaker-Net verbreitet. Vermutlich tun sich nicht viele Leute das an, aber manche. Zum Beispiel weiß ich von ein paar jungen Leuten, die wichtige Nachrichten ausdrucken, Fotos und Videos auf CDs brennen, die man auf normalen CD-Geräten abspielen kann, und dies dann zu ihren Familien außerhalb Teherans bringen, wenn sie sie am Wochenende besuchen. Es ist wichtig, das Regime in seinem Versuch, die Realität zu verschleiern, zu entwaffnen.

Als aktuelles Beispiel haben wir gesehen, gehört und gelesen, wie entgegenkommend New York City Ahmadinejad bei seiner Reise behandelt hat, und wie wohl er sich dort gefühlt hat. Ich bedanke mich herzlich bei allen Beteiligten und wünschte, ihr würdet ihn dort behalten, da wir keine weitere Verwendung für ihn haben. Er wirkte auch ziemlich zufrieden damit, leere Reden in leeren Hallen zu halten.

Wo wir über Twitter sprechen – wahrscheinlich wisst ihr, dass wir hier im Iran einen ähnlichen Dienst haben. Ich habe schon einmal etwas darüber geschrieben. Eigentlich war dieser Dienst einmal dafür gedacht, Slogans zu verbreiten und die Regierung daran zu erinnern, dass wir noch da sind. Aber vor Kurzem haben manche damit begonnen, dieses Mittel in ein Nachrichtensystem zu verwandeln. Ich habe sogar schon Grüne Poesie darauf gesehen. Wir müssen uns auf wenige Buchstaben begrenzen, um das Wesentliche der Nachricht an unsere Leser weiterzugeben. Es ist billig, immer verfügbar und sehr effektiv. Das Einzige ist, dass wir uns mit den Tweets nicht identifizieren, und es gibt keine Garantie dafür, dass die User nur bestätigte Nachrichten drucken. Aber was macht das schon? Wir befinden uns in einem Informationskrieg. Dies hier:

wird in Kürze Informationen über den aktuellen Kauf von TCI durch die Revolutionsgarden enthalten und in anderer Leute Geldbörsen gesendet werden.

Es ist nicht zu vermeiden, dass manche im Dunkeln bleiben, aber ich kann sagen, dass ich oft überrascht war, wenn ich in Gesprächen mit zufälligen Gesprächspartnern nicht nur in Teheran, sondern auch an entfernteren Orten bemerkte, wie gut sie über die Ereignisse im Iran und auch außerhalb informiert sind. Ich habe viele getroffen, die danach fragen, was die Außenwelt über uns denkt, und ich merke, dass ich nur gute und ermutigende Geschichten weitergebe.

So neugierig ihr auf das seid, was wir tun, so neugierig sind wir, was ihr tut. Die Unterstützung war immens und hat viele überrascht. Das Gesicht eines Gärtners aufleuchten zu sehen, wenn er das Bild von schwedischen Polizisten mit einer iranischen Flagge am Handgelenk sieht, ist nicht zu bezahlen.

Sanktionen, Krieg oder Unterstützung?

Quelle (Englisch): http://iranian.com/main/blog/mahmood-karimi-hakak/sanctions-war-or-support
Übersetzung: Julia
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von Mahmood Karimi Hakak
28. September 2009

Als Reaktion auf Ahmadinejads letzten Besuch haben viele Gruppen, Organisationen und Regierungsmitarbeiter nach mehr Sanktionen gegen und/oder einer militärischen Intervention im Iran gerufen. So schätzenswert die Bemühungen dieser Gruppen um eine Diskreditierung Ahmadinejads sind – und in der Tat müssen dieser Mann und seine skrupellosen, barbarischen und kaltblütigen Hintermänner gestoppt werden – habe ich im Zusammenhang mit ihrer Botschaft einige Befürchtungen. Ich glaube, dass diese Gruppen und Organisationen bei all ihrer guten Absicht dem diktatorischen Regime in Iran in die Hände spielen. Sie fordern exakt das, was Ahmadinejad will; mehr Sanktionen und/oder einen möglichen Krieg mit Iran!

Ahmadinejad ist nicht dumm. Er und seine Hintermänner sind bösartig, aber viel, viel schlauer als wir vielleicht denken. Sie wissen, dass das Ende ihres Regimes naht. Sie wissen es durch das, was in den letzten Jahren und – sichtbarer für die Welt – in den letzten Monaten im Iran passiert ist. Sie (und viele politische Beobachter ebenso) haben die Ähnlichkeiten zwischen heute und dem Beginn der Revolution vor dreißig Jahren erkannt. Sie begreifen, dass das Einzige, was sie retten und weitere 30 Jahre an der Macht halten kann, eine „ernsthafte“ ausländische Intervention ist, so wie Saddams Angriff auf Iran im Jahre 1980.

Strengere Sanktionen werden als „indirekte ausländische Intervention“ übersetzt und MEHR Druck auf das iranische Volk herbeiführen, mehr Inhaftierungen, Vergewaltigungen, Hinrichtungen politischer Dissidenten. Und sie werden wahrscheinlich dazu führen, dass die Unterstützung für Ahmadinejads Präsidentschaft wächst und dazu beitragen, dass die Massen-Opposition effektiv zum Schweigen gebracht wird. Ein Krieg wird als „direkte ausländische Einmischung“ übersetzt werden und mehr Menschen auf ihre Seite bringen. Es wird sehr wahrscheinlich die Iraner dazu mobilisieren, ihr Land zu verteidigen und unter dem Schirm dieses brutalen Regimes zu marschieren, um die „ausländische Intervention“ zu bekämpfen, so wie es 1980 geschah.

In 1980 gab es Massendemonstrationen gegen das Establishment einer „Islamischen“ Republik und die Regierung der Mullahs. Die Menschen wollten keinen religiösen Staat, sie nahmen Khomeini mit seinem Versprechen (das er in Paris gegeben hatte) beim Wort: „alles, was [er] will, ist den Schah loszuwerden und Iran zu befreien.“ Bei vielen Gelegenheiten (eine davon ist das aufgezeichnete Interview mit Peter Jennings) sagt er, sobald der Schah weg sei, werde er in Qom leben und die Menschen entscheiden lassen, welche Art von Regierung sie sich für ihr Land wünschen. Wir alle wissen, dass es nicht so kam. Als der Schah weg war, handelte Khomeini gegen seine früher erklärten Absichten, blieb in Teheran und nannte sich selbst „Oberster Führer“.

Als die Menschen gegen diese Entscheidung protestierten, wurde die amerikanische Botschaft besetzt, womit ein „ausländischer Feind“ geschaffen wurde. Amerika seinerseits ermutigte Saddam, Iran anzugreifen (exakt das, was Khomeini gehofft hatte), und der achtjährige Krieg begann. Im Namen der Rettung ihres Landes marschierten Iraner unter seinem Kommando. Politische Aktivisten kamen ins Gefängnis, wurden vergewaltigt, gefoltert und getötet, und die Verfassung der „Islamischen Republik“ wurde entworfen. Ein Jahr nach Kriegsbeginn zog Saddam sich zurück, Prinz Faysal von Saudi Arabien traf sich mit Khomeini und bot 90 Mrd. Dollar als Kompensation für den Krieg unter der Bedingung, dass Khomeini die Friedensvereinbarung unterzeichnet. Doch Khomeini und seine Bande hatten ihren Griff um das Land noch nicht gesichert. Sie brauchten mehr Zeit. Darum wies Khomeini das Angebot zurück und unterzeichnete die Vereinbarung nicht. Sieben Jahre später, mit fast einer Million Toten auf beiden Seiten, war die Oppositionsbewegung zum Schweigen gebracht, Frauen „an ihren Platz verwiesen“, Intellektuelle waren aus dem Land geflohen oder hatten sich dem Regime untergeordnet, politische Aktivisten der mittleren Ränge wurden zum Schweigen gebracht oder unterschrieben „reumütige Briefe“, und hochrangige politische Aktivisten waren entweder im Gefängnis oder verschwunden.

Dann, 1988, bevor er „das Gift trank“ und die Friedensvereinbarung mit Saddam (dieses Mal ohne Kompensation) unterzeichnete, ordnete Khomeini die nächtliche Hinrichtung von mehr als 3000 politischen Aktivisten an, die sich noch im Gefängnis befanden. Es gibt unzählige Horrorgeschichten über diese Nacht. Eine dieser Geschichten wird wieder und wieder erzählt, von Gefängniswärtern und Henkern selbst. Sie sagen, sie „hatten nicht genug Zeit“, um jede Person sterben zu lassen, darum warfen sie sie bei ersten Anzeichen des Schwächerwerdens auf Lastwagen mit halbtoten Menschen und brachten sie zu Massengräbern. Das Land war „gesäubert“ von der Opposition, und nun konnte er (Khomeini) das Friedensabkommen unterzeichen. Der Rest ist Geschichte: drei Jahrzehnte brutaler Unterdrückung des iranischen Volkes, Destabilisierung der Region und Unterstützung des Terrorismus.

Jetzt braucht das iranische Regime wieder die Hilfe ausländischer Regierungen und Gruppen, um seinen Griff um die Bürger zu verstärken und weitere 30 Jahre an der Macht bleiben zu können. Nach der Konfrontation mit massiver Opposition innerhalb Irans spielt dieses Regime dasselbe Spiel, setzt auf dieselben Karten, die ihm in der Vergangenheit ein Vermögen beschert haben. Es provoziert „ausländische Interventionen“, direkt oder indirekt, um sein Ziel – weitere 30 Jahre Diktatur – zu erreichen. Warum, denken Sie, fängt Ahmadinejad jetzt, nach fast vier Jahren, wieder mit seiner Leugnung des Holocaust an, nachdem er das Thema so lange fallen gelassen hatte? Warum „sickerten“ ausgerechnet dieser Tag Nachrichten einer weiteren Nuklearanlage durch? Ist das alles wirklich zufällig?

Diese Geschichte wiederholt sich, wieder einmal. Dieses Mal jedoch hoffe ich, dass das iranische Regime sich mit klügeren ausländischen Regierungen konfrontiert sieht, die ihm nicht in die Hände spielen, wie Reagan und Saddam es 1980 taten.

Was das iranische Volk braucht, um diese Diktatoren loszuwerden, ist keine „ausländische Intervention“ in Form von mehr Sanktionen oder einem weiteren Krieg. Was es braucht, ist ausländische Unterstützung. Was es braucht, ist, dass dieser Mann NICHT als ihr Präsident ANERKANNT wird. Es braucht, dass die Welt die Brutalität dieses Regimes gegen sein eigenes Volk öffentlich macht, und es braucht, dass die Welt das persönliche Kapital dieser Leute auf ausländischen Banken einfriert. Und natürlich werden Veranstalter anderer „Unterstützungen“ gebraucht, um den Iranern dabei zu helfen, dieses Regime zu bezwingen – nicht durch eine bloße weitere „Revolution„, die irgendwann einen Diktator durch einen anderen ersetzt, sondern dadurch, dass den Iranern ermöglicht wird, sich den Weg der „Evolution“ zu bahnen, auf dem sie schon marschieren.

Lasst und dem iranischen VOLK helfen, nicht der iranischen REGIERUNG, bitte!

Libanesischer Geistlicher: Auch wir haben unter der iranischen Führung gelitten

Quelle (Englisch): http://english.mowjcamp.com/article/id/34742
Übersetzung: Julia
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Veröffentlicht am Sonntag, 20. September 2009 19:49

Allameh Amin ist ein hoher libanesischer Geistlicher, der seit langem immer wieder die Position des Velayat-e faghih oder der Führung der Geistlichkeit (zur Zeit Ayatollah Khamenei) kritisiert.

In einem Interview mit Mohammad Javad Akbarin, dass auf der oppositionellen Webseite Rahe Sabz veröffentlicht wurde, erklärt Allameh Amin, dass „die Probleme begannen, als die Behörden im Iran vom Velayat-e faghih sprachen, als handle es sich dabei um einen Erlass des Himmels und sei unbestreitbar, wo es doch lediglich eine Art zu denken darstellt, mit der viele nicht einverstanden sind“, manche würden die Gefolgsleute des Velayat-e faghih sogar als Förderer der Häresie in der Religion bezeichnen.

„Häresie“ ist der Ausdruck, den auch Großayatollah Montazeri benutzte, als er einen Brief an führende muslimische Geistliche schrieb und vor „Handlungen gegen die Religion und die prinzipiellen Ziele der Revolution“ warnte, die klare Beispiele für Häresie seien.

Der libanesische Geistliche glaubt, dass die „jüngsten Ereignisse das Ergebnis einer Abweichung und einer ungerechten Regierung sind, die sich selbst als heilig ansieht und jeder Kritik die Türen verschließt.“

Allameh Amin betrachtet die Entschuldigung von Großayatollah Montazeri gegenüber dem Volk und die Stimmen des Protestes von revolutionären Persönlichkeiten als Beweis, dass diese Theorie ihren Test nicht bestanden hat.

“Ich glaube nicht, dass die gegenwärtigen Probleme im Iran sich [leicht] lösen lassen, denn die Behörden haben beschlossen, hart gegen die Menschen vorzugehen, sie haben nicht begriffen, dass dieses harte Vorgehen das Problem nicht lösen, sondern die Kluft zwischen ihnen und dem Volk vergrößern wird.“

Allameh Amin zeigte sich überrascht darüber, wie die Islamische Republik nach der letzten Präsidentschaftswahl ihr starkes Image in der Welt zerstörte. Er erklärt, wie „die Libanesen als Folge der Expansion des iranischen Führers in den Libanon und andere Länder hinein leiden.“ Außerdem kritisierte er die Position der Hisbollah bezüglich der iranischen Einmischung im Libanon, die die schiitische Gemeinschaft im Libanon als „unterwürfig gegenüber Ausländern“ dargestellt habe.

Schließlich argumentiert Allameh Amin, das Image des Velayat-e faghih sei nach den jüngsten Unruhen hochgradig befleckt. „Das iranische Volk hat der Welt gezeigt, dass es seinen Führer nicht als fähig betrachtet, Kritik anzunehmen, und durch die Stimme ihrer Opposition haben sie mitgeteilt, dass diese Regierung rein gar nichts mit schiitischem Islam zu tun hat.“

Erst vor wenigen Tagen hatte Großayatollah Montazeri einen Brief an die Geistlichen in ganz Iran geschrieben und sie gedrängt, angesichts dessen, was insbesondere im Iran im Namen der Religion geschehe, nicht stumm zu bleiben.