Tagesarchiv: 3. September 2009

Über die Berichte von geheimen Begräbnissen

26. August 2009

Über die Berichte von geheimen Begräbnissen

Quelle (Englisch): „On Reports of Secret Burials“
http://www.roozonline.com/english/opinion/opinion-article/article/2009/august/26//on-reports-of-secret-burials.html

Übersetzung: Julia

Über die Nachricht geheimer Bestattungen von Märtyrern der kürzlichen Proteste ist in den letzten Tagen durch die Medien umfassend berichtet worden. Die Webseite Nowrooz, der Medienarm der Islamischen Iranischen Partizipationsfront [Jebheye Mosharekat Iran Eslami] wurde von Regierungsanhängern angegriffen, weil sie das Thema aufgedeckt hatte.

Als Journalist und Chefredakteur von Nowrooz möchte ich versuchen zu erklären, wie diese Nachricht bekannt wurde, wie alles begann und sich bis hierhin entwickelte.

1. Am 12. Juli informierte die Mutter eines Opfers der Unruhen einen Reporter von Nowrooz darüber, dass in einer Kühlanlage von Aminzadeh, eines der größten industriellen Kühlhäuser des Landes in Islamshahr südlich von Teheran, Leichen verwahrt würden. Sie berichtete, dass sie eine große Zahl aufgetürmter Leichen gesehen habe, als sie nach ihrem toten Sohn suchte. Die Beobachtungen dieser Mutter datierten auf den 9. Juli, also zwei Tage vorher.

2. Am 12. Juli veröffentlichte Nowrooz die Berichte dieser Mutter. Weil jedoch ausreichende Bestätigungen dieser Nachricht fehlten, begann der Bericht mit den Worten „Wie man hört“.

3. Nach der Veröffentlichung des Berichts begannen Mitarbeiter von Nowrooz mit der Suche nach Beweisen und trugen Informationen zum Thema zusammen. Über Aussagen von Mitarbeitern der Anlage erfuhren wir, dass es in der Nacht der Veröffentlichung des Berichts ungewöhnlich viel Verkehr auf dem Gelände der Anlage gegeben hatte und Fahrzeuge bestimmte Gegenstände von dort abtransportiert hätten.

4. In den folgenden Tagen erhielten wir Nachricht, dass einige der an die Familien ausgelieferten Leichen vollständig gefroren gewesen seien. Unter den Fotos der Märtyrer, die auch auf der Webseite von Nowrooz veröffentlicht wurden, war auch eines von Behzad Mohajer, und es war klar erkennbar, dass die Leiche vollständig gefroren war. Leichen, die in der Gerichtsmedizin verwahrt werden, sind nie in einem solchen Maße gefroren, erst recht nicht nach 40 Tagen. Dies bestätigte den Bericht von Nowrooz über die Lagerung von Leichen in einer industriellen Kühlanlage.

5. Aufgrund weiterer Nachforschungen zogen wir den Schluss, dass am 11. Juli in Fahrzeugen, die nicht dem Friedhof Beheshte-Zahra gehörten, Leichen zum Friedhof transportiert worden waren. Zu diesem Zeitpunkt gab es auch Berichte über Transporte von Leichen nach Isfahan und in die Umgebung von Teheran. Bislang konnten wir diese Berichte noch nicht bestätigen. Bezüglich Behesht-e Zahra gibt es jedoch von Friedhofsmitarbeitern bestätigte Berichte, das am 11. und 14. Juli einige ungewöhnliche, nicht für Leichentransporte bestimmte Fahrzeuge zum Friedhof kamen und wieder wegfuhren.

6. Weitere Nachforschungen ergaben, dass mehere Leichen in der neu eingerichteten Sektion 302 von Behesht-e Zahra anonym begraben wurden. Diese Sektion liegt außerhalb des allgemeinen Friedhofsgeländes.

7. Auf der Grundlage dieser Informationen konnten wir eine Woche vor unserem endgültigen Bericht alle notwendigen Beweise zusammenstellen und waren sogar im Besitz der Nummern der Bestattungszertifikate. Wegen der Sensibilität dieser Nachrichten nahmen wir zunächst Kontakt zur Friedhofsverwaltung von Behesht-e Zahra auf. Von dort wurden unsere Berichte weder dementiert noch bestätigt; wir erhielten keine überzeugenden Antworten.

8. Am Ende kam die Rekation der Webseite Nowrooz zu dem Schluss, dass es am besten sei, die Einzelheiten dieses Vorfalls zu veröffentlichen, um an die Rechte der Märtyrer zu gemahnen, insbesondere weil sehr viele Familien seit den Tagen nach der Wahl noch immer auf die Rückkehr ihrer Angehörigen warten und nichts über ihr Schicksal wissen. Wir veröffentlichten den Bericht am 21. Juli und nahmen die möglichen Folgen in Kauf.

9. Am selben Tag reagierte Majid Nasirpour vom Parlamentarischen Sozialausschuss auf den Bericht und kündigte an, dass das Parlament das Massenbegräbnis untersuchen werde. Die Tatsache, dass eine gesetzgebende Person die Untersuchung des Falls versprach, machte uns große Hoffnung.

10. Zu unserer großen Überraschung gab es am selben Tag eine Erklärung von Farhad Tajari vom parlamentarischen Nationalen Sicherheitskomitee und Mitglied des Komitees zur Untersuchung der Gefängnisse und Haftbedingungen. Er teilte mit, dass der Bericht zu hundert Prozent falsch sei. Das Dementi von Herrn Tajari kam innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung des Berichts von Nowrooz. Er hätte zumindest den Friedhof und den von Nowrooz genannten Bereich untersuchen lassen können. Stattdessen sagte er ohne irgendwelche ernsthaften Nachfragen, dass der Bericht nicht stimmt.

11. Als ersten Schritt versuchten wir bei Nowrooz, Kurzberichte zum Thema zu veröffentlichen. Nachdem unsere Berichte abgelehnt worden waren, beschlossen wir, die Nummern der Bestattungszertifikate als Beleg dafür anzuführen, dass unsere Berichte sich auf Beweise stützten.

12. Die übliche Prozedur des Friedhofs Behesht-e Zahra sieht vor, dass nach Ausstellung des Bestattungszertifikats für den Verstorbenen eine kleine Gedenktafel mit dem Namen des Toten, dem Friedhof und anderen wichtigen Informationen vorgesehen wird. Auf dem Videofilm, den unsere Kollegen von Nowrooz von den Gräbern gemacht haben, ist deutlich zu sehen, dass einige Gräber eindeutig keine Gedenktafeln tragen, während andere Gräber, die zum öffentlichen Teil des Friedhofs gehören, mit diesen Tafeln versehen sind.

13. Hamid Reza Katouzian vom Parlamentarischen Komitee zur Untersuchung der Gefängnisse und Haftbedingungen gab bekannt, dass er vorhabe, diesen Fall untersuchen zu lassen. Wir begrüßen diese Entscheidung sehr und sind bereit, unser veröffentlichtes und nicht veröffentlichtes Beweismaterial diesem Komitee oder jedem anderen neutralen Komitee zur Verfügung zu stellen.

14. Zum Schluss möchte ich erwähnen, dass unser einziger Auftrag in dieser Angelegenheit die Erfüllung unserer Pflicht als Journalisten ist. Ein Journalist hat die Aufgabe, wichtige Nachrichten zu recherchieren, die er erhält, und sie zu veröffentlichen, wenn er ihre Stichhaltigkeit und Echtheit bestätigt hat. Der nächste Schritt obliegt den Justizbehörden, die dem Fall nachgehen und die Rechtsbrecher bestrafen müssen.

Weiterer Bericht zum Thema:
http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/09/behesht-e-zahra-sicherheitskrafte.html

Revolutionsgarden nehmen Oppositionsführer ins Visier

Revolutionsgarden nehmen Oppositionsführer ins Visier
Quelle (Englisch): „Iran Revolutionary Guards target opposition leaders“
http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/09/iran-revolutionary-guards.html
Übersetzung: Julia


ISNA-Mohammad Ali Jafari

Die Iranischen Revolutionsgarden haben heute die führenden Oppositionspolitiker angegriffen, um die von der Garde angewendete Gewalt bei der Niederschlagung der Proteste nach den Wahlen zu rechtfertigen. Mohammad Ali Jafari, Befehlshaber der Revolutionsgarden, erklärte, die Unruhen nach der letzten Wahl seien das „größte Ereignis in der Geschichte der Islamischen Revolution“, dass die Essenz der Revolution bedrohe und im Voraus geplant gewesen sei, um das System von seiner Richtung abzubringen.

Jafari erklärte, der frühere Präsident Mohammad Khatami habe in einer Rede vom vergangenen Februar gesagt, „Wenn Ahmadinejad bei diesen Wahlen scheitert, wird die Oberste Führerschaft wegfallen“.

Weiterhin führt er an, dass Khatamis damaliger Vizepräsident Mohammad Ali Abtahi, der während der Unruhen nach den Wahlen verhaftet und in einem umstrittenen Schauprozess gegen Protestteilnehmer vorgeführt worden war, gestanden habe, dass Khatami, Fateh und Hashemi Rafsanjani die Bedeutung dieser Wahl als Mittel zur Abschaffung der durch Ayatollah Khamenei repräsentierten Velayat-e Faghih betont hätten.

Der Chefpolitologe der Revolutionsgarden Yadollah Javani beschuldigte den Hauptherausforderer für Ahmadinejads Wahlsieg Mir Hossein Mousavi, 30 Jahre lang „feindlich“ agiert und die auf die Wahlen folgenden Unruhen geplant und gelenkt zu haben, um die Führerschaft Ayatollah Khameneis zu kippen. In einem Artikel der Wochenzeitung Sobh-e Sadegh warf Javani außerdem den wichtigsten Reformorganisationen (Partizipationsfront, Combatant Clerics, Aufbaupartei und Mujaheddin der Islamischen Revolution) vor, im Ausland Unterstützung für ihre „bedrohlichen“ Ziele gesucht zu haben


ILNA-Mohammad Reza Tabesh

Als Reaktion auf diese Äußerungen seitens der Revolutionsgarden warnte Parlamentsmitglied Mohammad Reza Tabesh Jafari, er solle die Hand der Opposition nicht zwingen, die Wahrheit über die Vorfälle nach den Wahlen preiszugeben.

In einem Bericht auf der Webseite Parleman News erklärt Tabesh, man habe geschwiegen, um das System und die Revolution zu bewahren und den Feind daran zu hindern, die Situation zu seinem Vorteil zu nutzen.
Tabesh fügt hinzu, dass „diejenigen, die den Garden erlaubt haben, sich in die Wahlen einzumischen und Geständnisse zu erpressen, vor Gericht gebracht werden müssen“.

Bei dem harten Vorgehen der Regierung gegen durch Vermutungen über Wahlfälschung ausgelöste Proteste waren tausende Menschen verhaftet worden, manche wurden gefoltert und getötet. Bekannte Führungspersonen der Reformbewegung wurden in einem Schauprozess vorgeführt, in dem sie sich selbst und ihre Mitarbeiter belasteten, an einem vom Ausland unterstützten Komplott zum Sturz der Regierung beteiligt zu sein. Die Opposition sagt, dass die Geständnisse erzwungen wurden.

Um die Empörung über die kürzlichen Vergewaltigungen und Folterungen an Häftlingen in Gefängnissen zu beschwichtigen, haben der Oberste Führer und der neue Justizchef versichert, dass die Täter dieser Rechtsbrüche in den Gefängnissen vor Gericht gestellt und bestraft werden.

Bericht aus Kahrizak, 28. Juli 2009 – Deutsch

Übersetzung aus dem Englischen: Julia
Quelle: http://loln.wordpress.com/2009/07/28/first-hand-testimonials-of-a-21-year-old-iranian-protester-who-was-arrested-on-18-tir-protests-in-tehran-and-taken-to-kahrizak-camp/

Dies ist eine schnelle Übersetzung eines Augenzeugenberichts aus erster Hand. Er stammt von jemandem, der einige Tage in einer Haftanstalt namens Kahrizak im Süden Teherans inhaftiert war. Wie man sehen wird, hat er sofort nach seiner Freilassung diese Notizen auf seinem extra dafür eingerichteten Blog veröffentlicht.
Innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung wurde der Blog gehackt und anstelle seiner Notizen ein Link auf die Webseite der Sicherheitskräfte gesetzt, die auf die Identifikation von Protestteilnehmern abzielt (Gerdab). [1]

[Update zum Thema Hacking: s. new post]

Dies ist ein Link auf eine iranische Webseite, die dieselbe Notiz (auf Persisch) spiegelt:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=4373

In seinen Notizen hat er die Namen einiger Menschen genannt, die in dieser Haftanstalt gestorben sind; es ist das erste Mal, dass diese Namen veröffentlicht werden.

Ich habe versucht, bei der Übersetzung die Originalstruktur des Berichts beizubehalten.

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Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich hoffe, ihr vergebt mir meine Grammatikfehler in diesem Bericht, den ich über Camp Kahrizak, Irans Guantanamo, schreiben werde. Ich bin in Eile und muss bald gehen. Jetzt, wo ich dies schreibe, ist es 8 Minuten nach 0 Uhr am 6. Mordad (28. Juli). Heute morgen sind ich und einige andere auf wundersame Weise vom Tod errettet worden.

Ich bin jetzt vom Krankenhaus zurück nach Hause gekommen und habe sofort diesen Blog erstellt. [1]

Ich wurde am 18. Tir (8. Juli) verhaftet. Ich bin 21 Jahre alt. Jetzt, während ich dies schreibe, kann ich nicht glauben, dass ich frei bin. Bei den Protesten am 18. Tir waren ein Freund und ich mit dem Motorrad unterwegs, mein Freund filmte (die Ereignisse) mit seinem Handy. (Plötzlich) griffen uns Zivilpolizisten an und schlugen uns. Eine Frau kam uns zur Hilfe, aber sie schlugen die arme Frau ebenfalls.

Sie warfen uns in einen Minibus, der voller geschlagener und verletzter Leute war, und der Minibus brachte uns zur Polizeistation. Ich war so schlimm geschlagen worden, dass ich nicht wusste, wo ich war. Danach stellten sie uns alle mit dem Rücken an die Wand, mein Freund und ich standen zusammen. Ein stämmiger (Wachmann in) Zivil kam, zog einige von uns heraus und brachte sie in einen Minibus. Seit diesem Moment habe ich keine Nachricht mehr von meinem Freund. Sie haben uns mit Dutzenden anderen zusammen ins Camp Kahrizak gebracht.

Man kann das nicht glauben, in dem Raum, in dem wir festgehalten wurden, waren noch ungefähr 200 Menschen, die alle verletzt und mit Stöcken geschlagen worden waren. Man konnte überall Menschen weinen hören. Ich sagte zu mir selbst, was werden sie mit uns machen? Vielleicht bringen sie uns morgen in ein Gefängnis oder ein Gericht oder so etwas. Immerhin wäre das besser, als hier zu sein.

Es gab keinen Platz, um sich hinzusetzen, und überall war Blut an den Wänden. Ich dachte an meinen Freund, er ist keiner, der es erträgt, an einem solchen Ort zu sein.

(Plötzlich) begannen einige Menschen (im Raum) zu weinen und sagten, einer sei tot. Ihre Stimmen kamen aus dem hinteren Teil des Raumes, aber man kann vielleicht nicht glauben, dass wir alle so nah beieinander standen, dass niemand sich bewegen konnte. Die Zivilwachen kamen herein und zerschlugen alle Glühbirnen, die im Raum waren, und im Stockfinstern begannen sie, uns zu schlagen, jeden, den sie erwischen konnten. Sie taten das eine halbe Stunde lang. Manche fielen danach ins Koma, vielleicht waren sie tot.

Danach hielten sie uns Taschenlampen ins Gesicht und sagten, wenn ihr ein Geräusch macht, werden wir euch diese Schlagstöcke in den …. stecken. Ich konnte das nicht glauben. Ich dachte, das sei nur ein Albtraum. „Sadegh“, der anscheinend der Vorgesetzte war, hob den Körper des Toten auf, lehnte ihn an die Wand, leuchtete mit der Taschenlampe in das Gesicht des Toten und sagte: „Wir haben den Auftrag, euch alle zu töten. Ihr könnt von Glück sagen, wenn ihr nicht wie dieser motherf…. (hier zeigte er auf den Toten) sterbt. Macht keinen Lärm (sagte er), wenn ihr morgen noch leben solltet, dann ist das so, aber wenn nicht, dann…

Er (Sadegh) sagte: „Ihr seid alle „Mohareb“[2] Wisst ihr, was Moharabeh bedeutet?“ Vor mir war ein 16-17jähriger Junge. Er griff ihn am Nacken und fragte „Sag diesen Leuten, was Moharebeh bedeutet.“ „Ich weiß es nicht“, sagte der Junge. Der Wachmann begann, den Jungen zu schlagen und dabei zu rufen „sag ihnen (was es bedeutet)“. Er schlug den Jungen so stark, dass er in Ohnmacht fiel. Er (Sadegh, der Wachmann) sagte „es bedeutet Satan, es bedeutet Krimineller“. Er fuhr fort, den Jungen zu schlagen, einige im Raum protestierten; sie wurden ebenfalls totgeschlagen.
In unserem Raum waren bis zum Morgen mindestens 4 Menschen gestorben.

Sadegh rief „Es gibt hier keine Zahnbürste und keine Toilette, ihr erledigt das alles hier, verstanden?“

Es gab unter uns keinen, der gesund war (alle waren verletzt), alle hatten Blut im Gesicht, oder sie hatten ein schwarzes Auge wie ich. Viele hatten gebrochene Beine und Arme. Wegen der Dunkelheit im Raum konnte ich nicht viele der Menschen dort sehen. Wenn die Tür geöffnet wurde, schmerzte das Licht uns furchtbar.

Den Morgen danach und die nächsten Tage verbrachten wir auf die allerschlimmste Weise, ich brauche mehr Zeit, um alles zu erklären.

Um uns vor dem Hungertod zu bewahren (ich weiß nicht ob nachts oder morgens) gaben sie uns einen Beutel mit Resten, die wir gierig aßen. Es gab Stücke alten Brots, Kräuter und Reis in dem Beutel.

Einer unter uns wurde Dr. Zareh genannt, er war für die Rationierung des Essens unter uns verantwortlich. Ich kannte ihn und viele andere nur der Stimme nach. Eines Tages kam Sadegh mit ein paar Glühbirnen, und dann brachte er uns auf das Außengelände des Camps.

Wow! Das war ein Gefühl von Freiheit für uns! Der blaue Himmel und das Sonnenlicht waren neu für alle von uns (oh, übrigens, sie brachten uns nach draußen, weil sie wollten, dass wir unseren Schmutz und unsere Fäkalien hinausbringen). Ich entschuldige mich dafür, dass ich solche Dinge schreibe, ich hoffe, dass andere aus dem Camp herauskommen und es besser erklären können, und ich bin sicher, dass dieses Camp viel schlimmer war als Guantanamo und Abu Ghraib.

Jedenfalls waren wir wgen Sadeghs Anfängern unter den ersten, die ohne Prozess aus dem Camp geworfen wurden! Wegen des Platzmangels im Camp. Und sie drohten uns, wenn wir irgendwas zu irgendjemandem sagen würden, würden sie uns sofort töten.

Sofort nach meiner Entlassung nahm ich Kontakt zu meiner Familie auf und benutzte dafür das Handy eines Passanten. Sie kamen und holten mich ab. Freiheit ist süß!

Aber vergesst nicht, dass sich immer noch tausende von Menschen unter schlimmsten Bedingungen in Kahrizak befinden.

Ich möchte auch die Namen einiger im Camp Getöteter weitergeben, deren Namen ich mir merken konnte. Übrigens wären diese Menschen nicht tot, wenn diese Tiere sie in ein Krankenhaus gebracht hätten.

Hasan Shapuri (Student)
Reza Fatahi (Student)

Milad (kein Familienname, er ist der 16-17jährig Jung den Sadegh in der ersten Nacht totgeschlagen hat und der danach ins Koma fiel, und sie haben ihn mitgenommen, aber der Arzt, der bei uns war und irgendwie wie ein Anführer für uns war, sagte, dass der Junge aus Ohren und Mund geblutet habe und leider tot sei.
Morteza Salahshoor
Morad Aghasi
Mohsen Entezami

Ich habe auch die Namen vieler Leute, die noch immer in unserem Camp festgehalten werden, und ich werde ihre Namen in den nächsten Tagen auf den selben Blog setzen.

Möge Gott uns von ihnen befreien

Ich kann nicht glauben, wo ich vor 24 Stunden war.

Gott, befreie alle Iraner und alle freiheitsliebenden Menschen so schnell wie möglich!

P.S. Ich glaube bezüglich der Veränderungen, die in Kahrizak vorgenommen wurden, der Haftanstalt, die von ihrem korrupten Führer (Khamenei) geschlossen werden soll, ist eben dieses Camp Kahrozak. Denn viele sind dort gestorben.

Reza Yavari (Mein Spitzname)
6. Mordad, 1:10 Uhr [28. Juli]

Hofft auf die Freilassung derer, die noch immer in Kahrizak sind.

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Fußnoten:

[1] Innerhalb weniger Stunden nach der Veröffentlichung wurde der Blog gehackt und anstelle seiner Notizen ein Link auf die Webseite der Sicherheitskräfte gesetzt, die auf die Identifikation von Protestteilnehmern abzielt (Gerdab). Hier ist der Link zum Original-Post:
http://kahrizak.wordpress.com/2009/07/27/%D9%81%D8%AC%D8%A7%DB%8C%D8%B9-%D9%88-%DA%A9%D8%B4%D8%AA%D8%A7%D8%B1-%D8%A7%D9%86%D8%B3%D8%A7%D9%86%DB%8C-%D8%AF%D8%B1-%D8%A7%D8%B1%D8%AF%D9%88%DA%AF%D8%A7%D9%87-%DA%A9%D9%87%D8%B1%DB%8C%D8%B2%DA%A9/

[2] Mohareb: Feind Gottes , und Moharebeh ist die Handlung, gegen Gott zu kämpfen (glaube ich!)

Karroubis Rede in Gorgan 18.August 2009

Übersetzung aus dem Englischen: Julia
Quelle: http://enduringamerica.com/2009/08/18/iran-text-of-latest-karroubi-statement/#more-15479

Mehdi Karroubi hat seine Kampagne gegen die Regierung insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von Häftlingen fortgesetzt und ein neues Statement bei Saham News sowie eine kurze Version davon bei Aftab Yazd veröffentlicht. Diese englische Übersetzung sollte in Verbindung mit Karroubis Brief vom 29. Juli an Hashemi Rafsanjani und seinem Interview mit Saham News von letzter Woche gelesen werden.
(Links zu den genannten Dokumenten in englischer Sprache finden sich im Text der Quelle, d. Übers.)

Es gibt Menschen, die denken, dass diese Beleidigungen und Diffamierungen [als Antwort auf [Karroubis Brief über Missbrauch von Häftlingen] mich zum Rückzug zwingen werden. Ich rate den Herren, einen Blick in die Geschichte zu werfen und festzustellen, dass nach der Revolution und am Ende des 3. Parlaments [1992] viele Menschen über mich alles gesagt haben, was sie konnten, mich unter anderem beschuldigten, Geld veruntreut und ins Ausland gebracht zu haben. Wer war derjenige, der hartnäckig blieb?

In der letzten Woche war ich Ziel vieler harscher Angriffe von Parlamentsmitgliedern, der IRIB [Islamic Republic of Iran Broadcasting], den Medien und einigen Geistlichen. Wenn diese Tendenz anhält, werde ich Dinge sagen, die [diese Personen] lieber ungesagt ließen..

Nach der 10. Präsidentschaftswahl [vom 12. Juni] sind in unserem Land furchtbare Dinge geschehen. Es gab Gewalt, Gesetzlosigkeit, Verantwortungslosigkeit von Personen ohne offizielle Position, die sich im Namen des Schutzes für das Establishment einmischten, von paramilitärischen Gruppen und von Zivilsicherheitskräften.

Die Ereignisse sind derart, dass verantwortungsvolle, besorgte und informierte Menschen Vorsicht und Selbsterhaltung beiseite schieben und alles tun müssen, was sie können, um eine Wiederholung dieser Vorkommnisse zu verhindern und alle Wurzeln für Konfrontationen dieser Art zu zerstören…

In jedem Teil der Welt ist es möglich, dass Menschen bei Demonstrationen verhaftet werden. Aber ich bezweifle, dass die Verhafteten zu speziellen Orten gekarrt und dort der Gnade ihrer Gefängniswärter überlassen werden.
Hier werden sie zuerst an einen so unbekannten Ort gebracht, dass selbst der Justizchef und der Oberstaatsanwalt behaupten, die Gefangenen würden in offiziellen Gefängnissen unter unserer Rechtssprechung keiner solchen Behandlung unterzogen.

All dies ist geschehen, weil die Öffentlichkeit gegen die Ergebnisse einer Wahl protestiert. Ist das die richtige Art und Weise mit Menschen umzugehen, die lediglich wissen möchten, was mit ihren Stimmen geschehen ist? Normalerweise gibt es ein Protokoll und Regeln, um Geständnisse zu erhalten… Angesichts der Tatsache, dass es eine solche Gesetzlosigkeit in den Methoden zur Gewinnung von Geständnissen gab, muss ich sagen, dass diese Geständnisse gewaltsam von schlecht informierten, unklugen und törichten Individuen erzielt wurden…

Ich bedaure sagen zu müssen, dass die SAVAK [die Sicherheitskräfte des Schahs] sich humaner verhalten haben als die Personen, die für die Verhaftungen der letzten Zeit zuständig waren….

Der Chef dieser Zeitung [Kayhan], die solche Lügen über die Kinder der Revolution verfasst, ist ein naher Freund und Kollege von Said Emami [ein stellvertretender Informationsminister, der angeblich die reihenweise Ermordung von Intellektuellen und Dissidenten in Teheran veranlasst hat]… das Oberhaupt der Freitagsgebete, der mich als Terrorist und als antirevolutionär bezeichnet hat, ist derselbe Mann, der zu Zeiten des Schahs, als alle von uns Geistlichen verfolgt wurden, nach Pakistan geflüchtet ist, vorgeblich, um Missionsarbeit für den Ayatollah zu leisten…

Einige meiner Freunde im Parlament, die sich gegen mich geäußert haben, sollten nicht vergessen, das sie ihre Sitze nur haben, weil [der Wächterrat] ihre Rivalen von einem Rennen gegen sie disqualifiziert hat…. Die Reaktion mancher Mitglieder der Streitkräfte auf mich ist zu erwarten, weil diese Personen sehr viel politische und wirtschaftliche Macht angesammelt haben, aber sie müssen auch wissen, dass Ideen grenzenlos sind und nicht von ein paar Einzelpersonen abhängen, und sie erreichen auch Familien. Und in der Tat gibt es Mitglieder in euren eigenen Familien, die Meinungsverschiedenheiten mit euch haben…

Vor 48 Jahren, in Mashaad, als das Ereignis mit der Moschee von Goharshad war, wollten einige unwissende Sicherheitskräfte [des Schahs] die Bewegung des Imam Khomeini mit einer Desinformationskampagne vereiteln, aber die Wahrheit sickerte durch und vereitelte ihre Pläne… Wie können die Behörden denken, dass im modernen Teheran im Zeitalter der Kommunikation irgendetwas geschehen kann, ohne dass es herauskommt?

Ihr habt nun eine Situation herbeigeführt, in der niemand sich traut, offen zu sprechen, ich sage euch nochmals, dass dieses Verhalten und die Atmosphäre der Angst, die ihr verursacht habt, mich nicht zum Schweigen bringen werden. Und wenn es erforderlich wird, werde ich die relevanten Punkte anbringen.

Babak Daad über “Fath-ol-mobin”/Kahrizak/iranische Gefängnisse – Deutsch

Übersetzung aus dem Englischen: Julia
Quelle: http://azarmehr.blogspot.com/2009/08/fath-ol-mobin-codename-for-rape.html

Fath-ol-mobin, Codename für Vergewaltigungen in Irans Gefängnissen

Nach dem mutigen Brief von Mehdi Karroubi, der die Gräuel systematischer Vergewaltigungen an verhafteten Wahlprotestteilnehmern in Iran entlarvt, gab es verschiedene Rufe seitens der „Stellvertreter Gottes auf Erden“, Karroubi vor Gericht zu stellen.

Babak Daad ist ein iranischer Journalist und Blogger, der zur Zeit auf der Flucht ist und sich versteckt hält. In seinem schockierenden Interview sprach er über die Ereignisse in Irans Gefängnissen und wie die Lakaien des Staatsstreichs beauftragt werden, die iranische Jugend zu brechen.

„Es ist eine Sache, eine Nachricht zu hören, und eine andere Sache, sie aus erster Hand selbst zu sehen und das ganze Grauen dessen zu realisieren, was da stattgefunden hat. Man kann in den Nachrichten von einem Unfall hören, aber wenn man den Unfall nicht aus nächster Nähe miterlebt, versteht man die Realität von Blut nicht. Die Vergewaltigungen in iranischen Gefängnissen ist für die, die darüber lesen oder hören eine Nachricht. Ich aber habe einen 18jährigen Jungen gesehen, dessen Vater ihn als ein Stück Fleisch ohne Seele beschrieb. Sein Name ist Mehdi, und ich hoffe, dass die Gesetzesübertreter, die dieses Verbrechen an dem Jungen begangen haben, bald vor einem internationalen Gericht stehen werden – natürlich auch diejenigen, die die Anordnung dazu gaben, den Geist und die Hoffnungen der nach Gerechtigkeit suchenden jungen Generation Irans zu entwurzeln.

Herr Karroubi hatte den Mut, diese Berichte zu untersuchen. Vor 15 Tagen verfasste er einen Brief über das, was sich ereignete, und übergab diesen an Hashemi Rafsanjani. Er wartete 10 Tage auf eine Reaktion von Hashemi Rafsanjani, und sagte, er würde den Brief veröffentlichen, wenn nicht innerhalb von 10 Tagen eine Antwort von Rafsanjani erfolgen würde. Demnach wissen beide, Herr Karroubi und Rafsanjani, bereits seit einiger Zeit Bescheid über die Ereignisse.
…..
Diese Berichte sind keine Einzelfälle, aber es gibt noch mehr Berichte, die aus Angst und wegen des kulturellen Stigmas, das an diesen Menschen haftet, nicht an die Öffentlichkeit gelangen.
Doch die jungen Menschen, die diese Dinge erlitten haben, diese Opfer, sollten ihr Haupt erheben und sich voller Stolz als Opfer des Weges der Freiheit für das Land verstehen. Jene, denen diese Tragödie widerfahren ist, tragen dieselbe Ehre wie die Märtyrer dieser epischen Grünen Bewegung.

In Kahrizak hat man die lebhaften Häftlinge ausgewählt, die, die Widerstand leisteten. Man vergewaltigte sie, um sie von ihrem Ziel der Gerechtigkeit und Freiheit abzubringen, man wollte sie derart brechen, bis diese jungen Leute in Depressionen verfallen und sich selbst hassen würden.

Der Codename für diese Vergewaltigungen war Fath-ol-Mobin [„leuchtende Eroberung“ – auch ein Codename für eine Offensive während des Krieges gegen den Irak im Jahre 1982]. Seht, wie weit sie zu gehen bereit waren in ihrer Befleckung des Glaubens und dem, was den Menschen heilig ist. Wie sie die Religion als Werkzeug zur Unterdrückung der Menschen nutzen, um ihre illegitime Macht erhalten können.

… Ein 18jähriger Junge wird angegriffen, nur weil er am 15. Juni an einem friedlichen Schweigemarsch teilnahm und ein grünes Band am Handgelenk trug. Er wird verhaftet und in Kahrizak zwei Wochen lang ständig vergewaltigt. Dann wird er in ein anderes Gefängnis verlegt, wo er sich etwas erholen darf, bevor er seinem Vater zurückgegeben wird.
Es tut mir Leid, dass ich diese Dinge erwähne, aber es ist nicht länger angebracht zu schweigen. Er hat Risswunden im Rektum und im Darm, seine Infektion war so schlimm, dass sie ihn nicht länger behalten konnten. Dieser 18jährige war dazu noch gezwungen, Vergewaltigungen an anderen Häftlingen mit anzusehen. Er konnte einen Vollzugsbeamten (den wir hoffentlich identifizieren und eines Tages vor Gericht bringen können) schreien hören: „Nehmt euch diese Bande, schwängert sie, damit sie Bescheid wissen“

Dutzende von Häftlingen haben berichtet, dass viele arabische Gefängniswärter mit libanesischem Akzent unter den Vergewaltigern waren. Und es tut mir Leid, dass ich das sagen muss, aber ich möchte, dass die Familien das hören, damit ihre Entschlossenheit wächst und nicht ihre Angst – Mehdi konnte zunächst nicht glauben, dass ein stämmiger, unflätig redender Wachmann sich gerade anschickt, ihn zu vergewaltigen; als sie ihn schlugen und zwangen, sich nackt auszuziehen, flehte er sie an „im Namen des Imams Mehdi, ich bin ein Namensbruder eures verborgenen Imams, bitte tut mir das nicht an“, und der, der ihn befragt, beleidigt sogar Imam Mehdi, während er den zitternden 18jährigen Mehdi nach unten drückt und zu dem stämmigen Wachmann sagt „er ist gekommen, um seine Stimme zurückzuholen, gib ihm seine Stimme zurück, damit er es nie vergisst“.

In zwei Wochen wird dieser Teenager 20 Mal vergewaltigt, er leidet an Infektionen des Rektum und des Darms, und nachdem er für die Dauer einer Woche in ein anderes Gefängnis verlegt wurde, ist das, was sie seinem Vater übergeben, eine lebendige Leiche mit einem seelenlosen Blick, er wird nur unter der Bedingung entlassen, dass er sagt, er sei während der Haft gut behandelt worden, er habe kein Recht, sich zu beklagen.

Jetzt heißt es, die Vorwürfe müssten bewiesen werden. Genau dieselben Menschen, die die Wahl komplett manipuliert und alle ihnen vorgelegten Beweise ignoriert haben, erwarten, dass die vergewaltigten Menschen ihnen ihre Beweise vorlegen. Aber ich habe Foto- und Filmbeweise für einen Fall, und ich bin sicher, nicht einmal dieser Fall reicht aus, um zu beweisen, was diese Häftlinge durchgemacht haben.

Hier haben Sie es also – Ahmadinejads Lakaien vergewaltigen Irans Häftlinge, Jungen wie Mädchen, um ihren Geist zu brechen. Die Beweise kommen jetzt von allen Seiten zum Vorschein. Wie werden europäische Demokratien jemals rechtfertigen können, dass sie ein Regime anerkannt haben, das Jungen und Mädchen, die an friedlichen Demonstrationen teilgenommen und dort verhaftet wurden, systematisch vergewaltigt? Warum marschieren die nützlichen europäischen Idioten nicht auf den Straßen, wie sie es für Guantanamo und Abu Ghraib getan haben?

Und was werden die Galloways, Yvonne Ridleys und die „Rüssel von der SWP“ [„SWP “ bezieht sich vermutlich auf die Socialist Workers‘ Party/Hezbe Sosialiste Kaaregari. Die Verwendung von „oinks“ ist mir nicht klar, d. Übers.] jetzt sagen? Dass die Vergewaltiger im Recht waren, weil es Kinder der Arbeiterklasse waren, die „Kinder des reichen Teheraner Nordens“ vergewaltigten?

Und ich denke daran, wie Ahmadinejad von Channel 4 Sendezeit für eine alternative Weihnachtsbotschaft bekam und der Nachrichtensprecher von Channel 4, Krishna, mit einem Lächeln zu mir sagte „aber sie sind recht zurückhaltend den Leuten gegenüber, ich meine, sie schießen nicht auf sie…“ während Baroness Haleh Afshar in ihrem Yorker Studio zustimmend nickte und lächelte und weiter an den ihrer Überzeugung nach in Iran existierenden „einwandfreien Rechtsweg“ glaubte.