Tagesarchiv: 28. September 2009

Sanktionen, Krieg oder Unterstützung?

Quelle (Englisch): http://iranian.com/main/blog/mahmood-karimi-hakak/sanctions-war-or-support
Übersetzung: Julia
Bei Weiterveröffentlichung bitte den Link zu diesem Post angeben.

von Mahmood Karimi Hakak
28. September 2009

Als Reaktion auf Ahmadinejads letzten Besuch haben viele Gruppen, Organisationen und Regierungsmitarbeiter nach mehr Sanktionen gegen und/oder einer militärischen Intervention im Iran gerufen. So schätzenswert die Bemühungen dieser Gruppen um eine Diskreditierung Ahmadinejads sind – und in der Tat müssen dieser Mann und seine skrupellosen, barbarischen und kaltblütigen Hintermänner gestoppt werden – habe ich im Zusammenhang mit ihrer Botschaft einige Befürchtungen. Ich glaube, dass diese Gruppen und Organisationen bei all ihrer guten Absicht dem diktatorischen Regime in Iran in die Hände spielen. Sie fordern exakt das, was Ahmadinejad will; mehr Sanktionen und/oder einen möglichen Krieg mit Iran!

Ahmadinejad ist nicht dumm. Er und seine Hintermänner sind bösartig, aber viel, viel schlauer als wir vielleicht denken. Sie wissen, dass das Ende ihres Regimes naht. Sie wissen es durch das, was in den letzten Jahren und – sichtbarer für die Welt – in den letzten Monaten im Iran passiert ist. Sie (und viele politische Beobachter ebenso) haben die Ähnlichkeiten zwischen heute und dem Beginn der Revolution vor dreißig Jahren erkannt. Sie begreifen, dass das Einzige, was sie retten und weitere 30 Jahre an der Macht halten kann, eine „ernsthafte“ ausländische Intervention ist, so wie Saddams Angriff auf Iran im Jahre 1980.

Strengere Sanktionen werden als „indirekte ausländische Intervention“ übersetzt und MEHR Druck auf das iranische Volk herbeiführen, mehr Inhaftierungen, Vergewaltigungen, Hinrichtungen politischer Dissidenten. Und sie werden wahrscheinlich dazu führen, dass die Unterstützung für Ahmadinejads Präsidentschaft wächst und dazu beitragen, dass die Massen-Opposition effektiv zum Schweigen gebracht wird. Ein Krieg wird als „direkte ausländische Einmischung“ übersetzt werden und mehr Menschen auf ihre Seite bringen. Es wird sehr wahrscheinlich die Iraner dazu mobilisieren, ihr Land zu verteidigen und unter dem Schirm dieses brutalen Regimes zu marschieren, um die „ausländische Intervention“ zu bekämpfen, so wie es 1980 geschah.

In 1980 gab es Massendemonstrationen gegen das Establishment einer „Islamischen“ Republik und die Regierung der Mullahs. Die Menschen wollten keinen religiösen Staat, sie nahmen Khomeini mit seinem Versprechen (das er in Paris gegeben hatte) beim Wort: „alles, was [er] will, ist den Schah loszuwerden und Iran zu befreien.“ Bei vielen Gelegenheiten (eine davon ist das aufgezeichnete Interview mit Peter Jennings) sagt er, sobald der Schah weg sei, werde er in Qom leben und die Menschen entscheiden lassen, welche Art von Regierung sie sich für ihr Land wünschen. Wir alle wissen, dass es nicht so kam. Als der Schah weg war, handelte Khomeini gegen seine früher erklärten Absichten, blieb in Teheran und nannte sich selbst „Oberster Führer“.

Als die Menschen gegen diese Entscheidung protestierten, wurde die amerikanische Botschaft besetzt, womit ein „ausländischer Feind“ geschaffen wurde. Amerika seinerseits ermutigte Saddam, Iran anzugreifen (exakt das, was Khomeini gehofft hatte), und der achtjährige Krieg begann. Im Namen der Rettung ihres Landes marschierten Iraner unter seinem Kommando. Politische Aktivisten kamen ins Gefängnis, wurden vergewaltigt, gefoltert und getötet, und die Verfassung der „Islamischen Republik“ wurde entworfen. Ein Jahr nach Kriegsbeginn zog Saddam sich zurück, Prinz Faysal von Saudi Arabien traf sich mit Khomeini und bot 90 Mrd. Dollar als Kompensation für den Krieg unter der Bedingung, dass Khomeini die Friedensvereinbarung unterzeichnet. Doch Khomeini und seine Bande hatten ihren Griff um das Land noch nicht gesichert. Sie brauchten mehr Zeit. Darum wies Khomeini das Angebot zurück und unterzeichnete die Vereinbarung nicht. Sieben Jahre später, mit fast einer Million Toten auf beiden Seiten, war die Oppositionsbewegung zum Schweigen gebracht, Frauen „an ihren Platz verwiesen“, Intellektuelle waren aus dem Land geflohen oder hatten sich dem Regime untergeordnet, politische Aktivisten der mittleren Ränge wurden zum Schweigen gebracht oder unterschrieben „reumütige Briefe“, und hochrangige politische Aktivisten waren entweder im Gefängnis oder verschwunden.

Dann, 1988, bevor er „das Gift trank“ und die Friedensvereinbarung mit Saddam (dieses Mal ohne Kompensation) unterzeichnete, ordnete Khomeini die nächtliche Hinrichtung von mehr als 3000 politischen Aktivisten an, die sich noch im Gefängnis befanden. Es gibt unzählige Horrorgeschichten über diese Nacht. Eine dieser Geschichten wird wieder und wieder erzählt, von Gefängniswärtern und Henkern selbst. Sie sagen, sie „hatten nicht genug Zeit“, um jede Person sterben zu lassen, darum warfen sie sie bei ersten Anzeichen des Schwächerwerdens auf Lastwagen mit halbtoten Menschen und brachten sie zu Massengräbern. Das Land war „gesäubert“ von der Opposition, und nun konnte er (Khomeini) das Friedensabkommen unterzeichen. Der Rest ist Geschichte: drei Jahrzehnte brutaler Unterdrückung des iranischen Volkes, Destabilisierung der Region und Unterstützung des Terrorismus.

Jetzt braucht das iranische Regime wieder die Hilfe ausländischer Regierungen und Gruppen, um seinen Griff um die Bürger zu verstärken und weitere 30 Jahre an der Macht bleiben zu können. Nach der Konfrontation mit massiver Opposition innerhalb Irans spielt dieses Regime dasselbe Spiel, setzt auf dieselben Karten, die ihm in der Vergangenheit ein Vermögen beschert haben. Es provoziert „ausländische Interventionen“, direkt oder indirekt, um sein Ziel – weitere 30 Jahre Diktatur – zu erreichen. Warum, denken Sie, fängt Ahmadinejad jetzt, nach fast vier Jahren, wieder mit seiner Leugnung des Holocaust an, nachdem er das Thema so lange fallen gelassen hatte? Warum „sickerten“ ausgerechnet dieser Tag Nachrichten einer weiteren Nuklearanlage durch? Ist das alles wirklich zufällig?

Diese Geschichte wiederholt sich, wieder einmal. Dieses Mal jedoch hoffe ich, dass das iranische Regime sich mit klügeren ausländischen Regierungen konfrontiert sieht, die ihm nicht in die Hände spielen, wie Reagan und Saddam es 1980 taten.

Was das iranische Volk braucht, um diese Diktatoren loszuwerden, ist keine „ausländische Intervention“ in Form von mehr Sanktionen oder einem weiteren Krieg. Was es braucht, ist ausländische Unterstützung. Was es braucht, ist, dass dieser Mann NICHT als ihr Präsident ANERKANNT wird. Es braucht, dass die Welt die Brutalität dieses Regimes gegen sein eigenes Volk öffentlich macht, und es braucht, dass die Welt das persönliche Kapital dieser Leute auf ausländischen Banken einfriert. Und natürlich werden Veranstalter anderer „Unterstützungen“ gebraucht, um den Iranern dabei zu helfen, dieses Regime zu bezwingen – nicht durch eine bloße weitere „Revolution„, die irgendwann einen Diktator durch einen anderen ersetzt, sondern dadurch, dass den Iranern ermöglicht wird, sich den Weg der „Evolution“ zu bahnen, auf dem sie schon marschieren.

Lasst und dem iranischen VOLK helfen, nicht der iranischen REGIERUNG, bitte!

Libanesischer Geistlicher: Auch wir haben unter der iranischen Führung gelitten

Quelle (Englisch): http://english.mowjcamp.com/article/id/34742
Übersetzung: Julia
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Veröffentlicht am Sonntag, 20. September 2009 19:49

Allameh Amin ist ein hoher libanesischer Geistlicher, der seit langem immer wieder die Position des Velayat-e faghih oder der Führung der Geistlichkeit (zur Zeit Ayatollah Khamenei) kritisiert.

In einem Interview mit Mohammad Javad Akbarin, dass auf der oppositionellen Webseite Rahe Sabz veröffentlicht wurde, erklärt Allameh Amin, dass „die Probleme begannen, als die Behörden im Iran vom Velayat-e faghih sprachen, als handle es sich dabei um einen Erlass des Himmels und sei unbestreitbar, wo es doch lediglich eine Art zu denken darstellt, mit der viele nicht einverstanden sind“, manche würden die Gefolgsleute des Velayat-e faghih sogar als Förderer der Häresie in der Religion bezeichnen.

„Häresie“ ist der Ausdruck, den auch Großayatollah Montazeri benutzte, als er einen Brief an führende muslimische Geistliche schrieb und vor „Handlungen gegen die Religion und die prinzipiellen Ziele der Revolution“ warnte, die klare Beispiele für Häresie seien.

Der libanesische Geistliche glaubt, dass die „jüngsten Ereignisse das Ergebnis einer Abweichung und einer ungerechten Regierung sind, die sich selbst als heilig ansieht und jeder Kritik die Türen verschließt.“

Allameh Amin betrachtet die Entschuldigung von Großayatollah Montazeri gegenüber dem Volk und die Stimmen des Protestes von revolutionären Persönlichkeiten als Beweis, dass diese Theorie ihren Test nicht bestanden hat.

“Ich glaube nicht, dass die gegenwärtigen Probleme im Iran sich [leicht] lösen lassen, denn die Behörden haben beschlossen, hart gegen die Menschen vorzugehen, sie haben nicht begriffen, dass dieses harte Vorgehen das Problem nicht lösen, sondern die Kluft zwischen ihnen und dem Volk vergrößern wird.“

Allameh Amin zeigte sich überrascht darüber, wie die Islamische Republik nach der letzten Präsidentschaftswahl ihr starkes Image in der Welt zerstörte. Er erklärt, wie „die Libanesen als Folge der Expansion des iranischen Führers in den Libanon und andere Länder hinein leiden.“ Außerdem kritisierte er die Position der Hisbollah bezüglich der iranischen Einmischung im Libanon, die die schiitische Gemeinschaft im Libanon als „unterwürfig gegenüber Ausländern“ dargestellt habe.

Schließlich argumentiert Allameh Amin, das Image des Velayat-e faghih sei nach den jüngsten Unruhen hochgradig befleckt. „Das iranische Volk hat der Welt gezeigt, dass es seinen Führer nicht als fähig betrachtet, Kritik anzunehmen, und durch die Stimme ihrer Opposition haben sie mitgeteilt, dass diese Regierung rein gar nichts mit schiitischem Islam zu tun hat.“

Erst vor wenigen Tagen hatte Großayatollah Montazeri einen Brief an die Geistlichen in ganz Iran geschrieben und sie gedrängt, angesichts dessen, was insbesondere im Iran im Namen der Religion geschehe, nicht stumm zu bleiben.