Tagesarchiv: 2. Oktober 2009

15 Studentenführer in Teheran verhaftet

Quelle: http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/15-student-leaders-arrest.html
Veröffentlicht auf http://www.zamaaneh.com am 2. Oktober 2009
Übersetzung: Julia
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Fünfzehn Mitglieder des Zentralrats der Studentenorganisation „Büro zur Konsolidierung der Einheit“ sind heute in Teheran von Sicherheitskräften verhaftet worden. Sie wurden an einen unbekannten Ort gebracht, bislang gibt es keine Hinweise darauf, was ihnen vorgeworfen wird.

Vor Beginn des Herbstsemesters an den Universitäten hatten die Revolutionsgarden und Sicherheitskräfte ebenso wie der Oberste Führer selbst die Studenten aufgefordert, sich von Demonstrationen fernzuhalten. Die Regierung hatte die Proteste der Studenten und ihre Forderung nach Reformen als Werkzeug ausländischer Verschwörungen bezeichnet, mit denen die Regierung unterminiert werden solle. Das Lehren von geisteswissenschaftlichen Fächern war als Bedrohung des Regimes des von Ayatollah Khamenei repräsentierten Velayat-e Faghih dargestellt worden – ein Vorwand, von dem viele erwarten, dass er zu einer Entlassung fortschrittlicher Fakultätsmitglieder führen könnte.

Den Warnungen zum Trotz wurden die Teheran- und die Sharif-Universität in den vergangenen Wochen zu Schauplätzen mehrerer Demonstrationen. So haben Studenten gegen den Besuch des Wissenschaftsministers anlässlich der Eröffnungsfeier protestiert. Kamran Daneshjou, zur Zeit Wissenschaftsminister, war während der Präsidentschaftswahlen im Juni Leiter der Wahlzentrale. Hunderte Studenten beteiligten sich an den Demonstrationen der letzten Wochen und zeigten damit, dass die Proteste gegen die Wahl anhalten.
Die Studentenorganisation zur Konsolidierung der Einheit hatte vor Kurzem mit einem Statement angekündigt, dass die Demonstrationen gewaltlos bleiben müssten, da „die Behörden“ beabsichtigten, „die Protestbewegung zu spalten“, indem sie physische Konfrontationen provoziert.

Viele Studenten, die gegen die Proteste gegen das Ergebnis der Wahlen protestiert hatten, waren in den vergangenen 100 Tagen verhaftet worden. In den ersten Tagen der Demonstrationen, die auf die Wahl im Juni folgten, hatte eine Gruppe von Zivilpolizisten das Wohnheim der Tehran-Universität angegriffen und viele Studenten geschlagen und verletzt.

Ahmad Zeidabadi, der Geschäftsführende Direktor der Alumnus-Organisation der Konsolidierung der Einheit (Dasesh Amoukhtegan) und sein Sprecher Abdollah Momeni (Foto), sind seit Beginn der Proteste im Gefängnis. Momeni war in der 5. Verhandlungsrunde der Massenprozesse gegen Gegner der Wahlen vorgeführt worden und hatte sich, wie viele andere prominente Reformanhänger in vorhergehenden Prozessen, in Geständnissen selbst bezichtigt.
Das „Büro zur Konsolidierung der Einheit“ hatte die Fernsehübertragung von Momenis Ausführungen im Gericht verurteilt, in denen auch die Union der Iranischen Islamischen Studentenvereinigung angeklagt worden war.

Das Statement des Büros wird im Newsletter der Amir-Kabir-Universität zitiert: „Nichts ist besser zur Bestätigung, dass Sie Herrn Momeni gefoltert und sein Geständnis vorgefertigt haben, besser geeignet als die Tatsache, dass sie diesen Mann, der jahrelang in der Verteidigung der Menschenrechte erstrahlte, innerhalb einer Nacht gezwungen haben, sich zu verleugnen und zu zerstören, ihn gezwungen haben, seinen gesamten Kampf für die Menschenrechte zunichte zu machen, damit die Studenten und alle Demonstranten verstehen, dass der Kampf um die Rechte der Menschen eine feindliche Verschwörung ist, die Bestrafung verdient!“

In dem Statement heißt es weiter: „Die, die die Rechte der Menschen verletzt, die Stimmen der Nation gestohlen und das Blut des Volkes auf den Straßen vergossen haben, sind die wahren Feinde des Landes“, und die „Unterdrücker“ werden gewarnt, dass sie, „sollten sie die Schwere der Verbrechen gegen das Volk und die Studenten abstreiten und auf Mittel wie Ausschluss von Studenten aus Wohnheimen oder Drohungen mit Disziplinarausschüssen und Unrechts-Gerichten zurückgreifen, werden sie als Ergebnis lediglich das erhalten, was ihre Morde, Folterungen, erzwungenen Geständnisse und berüchtigten Haftanstalten wie Kahrizak hervorgebracht haben.”

In Kahrizak waren einige der nach den Wahlen Verhafteten untergebracht worden, bis die Haftanstalt auf Anweisung des Obersten Führers geschlossen wurde, nachdem Berichte über Folter und Morde sie zu einer Imagebelastung gemacht hatten. Die Behörden bleiben bei der Auffassung, dass die Übergriffe in Kahrizak eigenmächtig erfolgten; zehn Beamte sind angeblich im Zusammenhang mit den Verbrechen verhaftet worden. Ihre Identität wurde bisher nicht preisgegeben.
(Ausnahmsweise ein Kommentar der Übersetzerin: Demonstranten werden – einschließlich ihrer Identität – öffentlich bloßgestellt, während die unter schwerstem Verdacht stehenden Beamten vor der Öffentlichkeit geschützt werden. Allein dies spricht Bände über das, was wir von diesen Prozessen gegen die Beamten nicht erwarten dürfen.)

Update, 03.10.2009, 23:30: Die Studentenführer sind seit heute Morgen wieder wieder frei (danke an Dustandtrash)
s. http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/10/studentische-aktivisten-freigelassen.html
http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/iran-student-activists-re.html

Noch mehr Plagiatsfälle in Ahmadinejads Regierung

Veröffentlicht auf english.mowjcamp am 26.09.2009
Quelle (Englisch): http://english.mowjcamp.com/article/id/37676
Übersetzung: Julia
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In einem auf der Webseite http://www.nature.com/ veröffentlichten Artikel vom 23. September werden kritische Fragen nach einem möglichen Plagiatsvergehen durch den iranischen Minister für Wissenschaft, Forschung und Technologie Kamran Daneshjou gestellt. Mowjcamp hatte bereits die Echtheit von Daneshjous akademischen Zertifikaten in Frage gestellt, Antworten durch die Behörden stehen noch aus.

Daneshjou hatte behauptet, am „College of London“ in Luft- und Raumfahrttechnologie promoviert zu haben und ein Absolvent des „Manchester Imperial Institute of Science and Technology“ zu sein – zwei Institute, die es gar nicht gibt! Mowjcamp hatte weiterhin herausgefunden, dass es keine Hinweise auf Journale oder Veröffentlichungen unter dem Namen Daneshjou gibt und dass Herr Daneshjou als Beleg für seine wissenschaftliche Karriere nichts weiter vorweisen kann als seine eigenen Behauptungen.

Daneshjou war Ordinarius und hatte auf der Grundlage seiner „akademischen Errungenschaften“ Regierungspositionen inne.

Daneshjous Errungenschaften in den Jahren seines Aufenthaltes in Großbritannien beschränken sich auf das Anzünden eines Buchladens, der Salman Rushdies Bücher verkaufte, weshalb auch Einreiseverbote für Großbritannien und alle anderen Schengen-Staaten gegen ihn erlassen wurden. All diese Ungereimtheiten und Diskrepanzen hielten das iranische Parlament jedoch nicht davon ab, ihn zum Minister zu ernennen, so dass Daneshjou nun die Aufgabe obliegt, die akademischen Angelegenheiten des Landes zu leiten.

Der Verlagskonzern Nature mit seinem renommierten Wissenschaftsjournal hat noch eine weitere Lüge Daneshjous entlarvt: In einem am Mittwoch veröffentlichten Artikel zeigt das Journal, wie Daneshjou die wissenschaftliche Studie eines anderen plagiiert und unter seinem Namen veröffentlicht hat. In einem Paper von Daneshjou und Majid Shahravi, das 2009 an der Universität für Wissenschaft und Technologie in Teheran veröffentlicht wurde, finden sich wörtliche Zitate aus einem im Jahre 2002 von südkoreanischen Wissenschaftlern im „Journal of Physics D: Applied Physics“ veröffentlichten Paper.

Doch das ist noch nicht alles. Daneshjou hat auch Sätze aus einem für eine Konferenz in 2003 von mehreren Forschern eingereichten Paper kopiert.

Der Bericht zitiert Anthony Doyle, Redakteur des Springer-Journals „Engineering with Computers“, in dem das Paper veröffentlicht worden war, mit den Worten, das Journal (sic) werde online als „eingezogen“ markiert werden, in der folgenden Ausgabe werde eine Richtigstellung veröffentlicht. „Springer nimmt Plagiatsfälle sehr ernst“.

Wie der iranische Materialwissenschaftler Muhammad Sahimi von der University of Southern California in Los Angeles mitteilt, sei die Einleitung des Papers „Wort für Wort“ kopiert worden, das Paper weise zudem „uneinheitliches Englisch“ auf.
“Nahezu alle Abbildungen und Bildunterschriften sind Kopien aus dem südkoreanischen Paper“, „einige Abbildungen sind spiegelbildlich zu denen des früheren Papers“. Wie Nature mitteilt, gibt es einen weiteren Artikel dieser Autoren aus dem Jahre 2009, der „große Teile enthält, die identisch mit einem 2006 von einem US-Wissenschaftler veröffentlichten Artikel in einem anderen Journal“ sind, „genau wie das Material aus dem Paper der südkoreanischen Wissenschaftler.“

An jeder europäischen oder amerikanischen Universität werden Plagiate sehr ernst genommen, und Studenten werden ständig auf die strengen Strafen für Plagiate hingewiesen. Es bleibt die Frage, wie jemand, der in einem solchen Maße Plagiate verwendet und über seine akademischen Zeugnisse derart gelogen hat, eine Schlüsselposition in einer Regierung einnehmen kann, ganz zu schweigen von seiner Verhöhnung der Hochschulen.

In jedem angesehenen akademischen Umfeld würde eine solche Person seiner sämtlichen akademischen Positionen oder Regierungsämter enthoben und zu einer Entschuldigung gezwungen werden.

Außergewöhnlich ist aber auch das peinliche Ausmaß an Uniformität, Langsamkeit und Lächerlichkeit im Vorgehen der Plagiatoren. Eine einfache Suche im Internet wäre genug gewesen, um die Veröffentlichung zu finden, und die Tatsache, dass Daneshjou offenbar nicht klar war, wie einfach derartige Informationen sich verifizieren lassen, zeigt, dass ihm grundlegendste Internetkenntnisse fehlen müssen.

Bleibt nun die Frage, wie jemand einer leitenden Funktion im Hochschulwesen eines ganzen Landes gerecht werden kann, der selbst noch kein schriftliches Paper veröffentlicht hat.
Die Iraner kennen Daneshjou seit der Wahlnacht, da er einen wichtigen Anteil am Wahlbetrug und an der Verkündung der gefälschten Ergebnisse hatte. Daneshjou, der bei der Präsidentschaftswahl im Juni die Aufgabe hatte, die Wählerstimmen zu schützen, hat viele schlaflose Nächte damit verbracht, anderer Leute Arbeit zu stehlen und als seine eigene auszugeben.

Mowjcamp hat einige Ausschnitte der beiden Artikel als Beispiele für die dreisten Plagiate erhalten (zum Vergrößern draufklicken):


Original: Zusammenfassung

Plagiat: Zusammenfassung

Original: Einleitung

Plagiat: Einleitung