Brief von Mohammad Karroubi als Reaktion auf Ahmadinejads Interview mit PBS

Quelle (Englisch): http://www.sidewalklyrics.com/?p=1822
Übersetzung ins Englische: Pedestrian, veröffentlicht am 8. Oktober 2009
außerdem veröffentlicht bei http://persian2english.wordpress.com/2009/10/09/karoubis-letter-to-irib/
Übersetzung ins Deutsche: Julia
Bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

(Anmerkung: Dieser Brief wird Mehdi Karroubi zugeschrieben, ist aber von Mohammad Taqi Karroubi unterschrieben)

Karroubis Brief als Reaktion auf Ahmadinejads Interview mit PBS, das heute veröffentlicht wurde.

Von Mashrotenews

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Im Namen Gottes,

[Gedicht: wenn die ersten Steine einer Mauer schief liegen, wird die ganze Mauer schief]

Lieber Bruder, Herr Zarghami,
Ehrenwerter Direktor der IRIB

Grüße,

Wie Ihnen sicher bekannt ist, ist das Interview von Charlie Rose mit Herrn Ahmadinejad am Dienstag auf Kanal 1 [IRIB1] gesendet worden.

Als die Ereignisse nach der Wahl zur Sprache kamen, wies der Gastgeber dieses amerikanischen Fernsehkanals auf das Thema der Vergewaltigungen in Gefängnissen hin. Die Antwort von Herrn Ahmadinejad war, dass es Herr Karroubi gewesen sei, der diese Behauptungen aufgestellt hat und der, als das dreiköpfige Komitee der Justiz seine Behauptungen widerlegte, sehr ärgerlich wurde und nichts weiter dazu vorlegen konnte.

Es ist ziemlich unglücklich, dass die Kultur des Lügens zu einem festen Bestandteil der Exekutive geworden ist. Ich weiß nicht, was New York an sich hat, dass es diese persönliche Eigenschaft (des Lügens) des Präsidenten gleich zwei Mal zum Vorschein bringt.

Es ist ebenfalls unglücklich, dass der Rundfunk der Islamischen Republik in ein Medium zur Verbreitung dieser widerwärtigen Kultur (des Lügens) geworden ist, mit dem Ergebnis, dass die Menschen diesem öffentlichen Medium nicht genug vertrauen.

Karroubi widerspricht im Folgenden Ahmadinejads Behauptungen und stellt klar, was das Anliegen des iranischen Volkes ist:

“Ich möchte, dass das geschätzte Volk weiß, dass ich äußerst schockierende Nachrichten über den Zustand der Kinder dieses Landes erhalten habe, die legalen und in illegalen Haftanstalten waren, nur weil sie ihre gesetzlichen Rechte eingefordert haben. Es war meine religiöse, gesetzliche, nationale und menschliche Verpflichtung, mich zu Wort zu melden und nicht zuzulassen, dass es in der Islamischen Republik zur Norm wird, die Rechte der Menschen zu verletzen und ihre Ehre mit Füßen zu treten.

Nachdem die Mitglieder der Justizkommission bekannt gegeben worden waren, hatten wir einige produktive Treffen, und ich habe ihnen meine Dokumentationen ausgehändigt, weil ich darauf vertraut habe, dass diese Personen die Fälle verfolgen und die Verantwortlichen bestrafen wollten. Doch anstatt dass die Fälle untersucht wurden, wurde ich plötzlich auf hinterhältige Weise angegriffen, mein persönliches Büro und das Büro meiner Partei Etemaad-e Melli wurden geschlossen, und eine weitere Kopie meiner Dokumente befand sich in den Händen der Behörden. Die Anklagen, die in dem Interview [von Ahmadinejad] erhoben werden, sind reine Lügen, und ich verfolge noch immer aktiv diese Fälle, die das Gewissen eines jeden freien Menschen schmerzen. Ich fordere die sogenannten nationalen Medien auf, mir oder einem meiner Vertreter ein Drittel der Zeit zur Verfügung zu stellen, die sie diesen Justizbeamten gegeben haben, damit ich dem Volk das Ausmaß dieser Gräueltaten aufzeigen kann. So dass die Nation, die eigentlichen Besitzer dieses Landes, die Position der Geschworenen einnehmen und über meine und Ihre Worte richten können. Der verstorbene Imam [Khomeini] hat gesagt, er würde sein Leben für die Menschen dieses Landes opfern. Warum also werden eben diese Menschen nun als Außenseiter angesehen, und warum haben sie nicht das Recht, zu hören, was durch ihr eigenes Medium mit ihren eigenen Kindern geschehen ist?“

Herr Zarghami,

Ich weiß, dass Sie ein ehrlicher, intelligenter Mensch sind. Das ist der Grund, warum ich Ihnen empfehle, diese hohe Mauer des Misstrauens einzureißen, die zwischen dem Volk und ihren nationalen Medien aufgebaut wurde, die heute eher an persönliche Medien der Behörden erinnern. Das Interesse der Menschen und der Nation ist, über Ereignisse informiert zu werden. Und es gibt dieser Tage niemanden, der nicht darüber Bescheid weiß, denn die vorhandenen Technologien haben, allen Bemühungen zum Trotz, die Grenzen durchbrochen, und die Menschen haben Zugang zu Informationen.

Ich bitte Gott um Ihre Gesundheit und Ihr Wohlergehen.
Mit Dank,
Mohammad Taqi Karoubi

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