Tagesarchiv: 12. Oktober 2009

Was haben die Iraner aus den letzten 30 Jahren gelernt?

Veröffentlicht auf http://www.iranian.com/main/blog/faramarz-fateh/what-have-iranians-learned-past-30-years
Von Faramarz_Fateh, 12. Oktober 2009

Ein paar Jahre nach der Islamischen Revolution – sagen wir, 1983 oder so – machte sich unter der Mehrheit der Iraner Unzufriedenheit mit den Zuständen in ihrem Land breit. Nun sind wir Iraner niemals vollkommen zufrieden mit irgendetwas, doch die Unzufriedenheit und das Missfallen mit dem islamischen Regime ging und geht noch immer ziemlich tief.

Was haben wir als Nation im Rückblick aus all dem gelernt? Wir haben unser möglichstes getan, um einen in westliche Yves Saint-Laurent- und Bill Blass-Anzüge gekleideten Halbdiktator (sicher ein strittiger Punkt), der Englisch und Französisch sprach, in der Schweiz studiert hatte, abzusetzen und dafür einen absoluten Diktator zu bekommen, der Arabisch sprach und Abaa und Ammameh trug und in Qom und Najaf studiert hatte.

In der Schah-Zeit ging es rund 5% der Bevölkerung sehr gut, weiteren 10-15% ging es gut, und die restlichen 80% mussten kämpfen, um irgendwie durchzukommen. Heute ist es ziemlich genau so. Oder nicht?

Die Islamische Revolution spielte sich ab wie jede andere; Menschenmassen agierten meist mit viel Emotion und ohne große Gedanken an die Konsequenzen ihres Tuns. Wiederholen die Iraner dies heute? Ist Mousavi der Retter? Was meinen wir damit, wenn wir „Demokratie“ sagen? Ein politisches und Regierungssystem wie in den USA oder Großbritannien, oder etwas anderes? Und wenn ja, was? Welche Rolle wird der Islam bei all dem spielen? Kann der Islam im Hintergrund bleiben? Kennen wir irgendein Land, in dem der Islam keine Rolle in der Politik spielt?

Wo sind die Menschen, die diese demokratische Regierung führen werden? In den letzten 30 Jahren hat das islamische Regime nicht zugelassen, dass andere als ihre eigenen Kandidaten der breiteren Öffentlichkeit bekannt werden konnten. Wenn ich mit meiner Familie und Freunden im Iran spreche, so fällt ihnen eigentlich niemand ein, der eine demokratisch gewählte Regierung anführen könnte.

Je mehr ich über diese Situation nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass der erste Schritt für Iran und die Iraner sein könnte, sich über die künftigen Führer klar zu werden, bevor die alten beseitigt werden. Anderenfalls könnte das entstehende Vakuum allen möglichen Müll einsaugen, und die Iraner hätten weitere 30 Jahre Elend vor sich.

Irans Oppositionsführer fordern Sendezeit im Fernsehen

Veröffentlicht auf zamaaneh.com am 12. Oktober 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/iran-opposition-leaders-d.html
Übersetzung aus dem Englischen: Julia
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Die iranischen Oppositionsführer Mir Hossein Mousavi und Mehdi Karroubi haben an das staatliche Fernsehen appelliert, ihnen Sendezeit für die Begründung ihrer Wahlbetrugsvorwürfe einzuräumen.

Die Webseite Tagheer der National Trust Party berichtet, dass die beiden Oppositionsführer sich am Samstag in Karroubis Wohnung getroffen hätten, um die Ereignisse nach der Wahl zu diskutieren.

Mousavi ging auf die Bedeutung des 4. November als Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in 1979 durch Studenten ein. Er erklärte: „Diejenigen, die an jenem Tag eine Legende hervorbrachten, befinden sich jetzt im Gefängnis, und das ist die bittere Ironie der Geschehnisse heute.“

Saeed Hajjarian, den viele als Architekten der iranischen Reformbewegung ansehen, war einer der Studenten, die an der Übernahme der US-Botschaft in 1979 beteiligt waren. Er wurde nach der Präsidentschaftswahl im Juni dieses Jahres inhaftiert und in den widerrief im Schauprozess gegen ihn all seine Reformideen. Seine Geständnisse, ebenso wie die diverser anderer prominenter Reformer, gelten als erzwungen.

Mousavi bezeichnete die Gerichtsverfahren gegen diese Persönlichkeiten als „Schauprozesse“ und warnte die Obrigkeit, man werde die negativen Folgen dieser Vorgehensweise in der Gesellschaft aufmerksam verfolgen.

Der frühere iranische Premierminister warf (Inhabern von) „gewissen Machtpositionen“ in der Islamischen Republik vor, „öffentliches Kapital zu missbrauchen“ und monierte den Kauf eines mehrheitlichen Aktienanteils an der Iranischen Telekommunikationsgesellschaft für 8 Mrd. Dollar durch die Islamischen Revolutionsgarden.

Die Revolutionsgarden haben ihre Kontrolle über die Wirtschaft des Landes durch eine Reihe von Finanzaktionen ausgeweitet, was nicht nur die Opposition, sondern auch einige Regierungsbehörden alarmiert hatte.

Mousavi beschuldigte das iranische Staatsfernsehen Seda va Sima, das Image der Protestbewegung zu beschmutzen: „Seit drei oder vier Monaten verbreitet man bei Seda va Sima und allen anderen Medienkanälen Lügen über mich, Herrn Karroubi und unsere Anhänger. Sollten wir nicht eine Gelegenheit haben, uns zu verteidigen?“

Mousavi verurteilte die mediale Lügenverbreitung: „Wie oft haben sie ihre Angaben über die Zahl der nach den Wahlen Getöteten geändert? Und dann sagen sie, dass wir Lügen über Wahlbetrug verbreiten.“

Mehdi Karroubi unterstützte Mousavis Kritik an der Regierung: „Wenn es keinen Betrug bei der Wahl gegeben hat, warum gibt es dann all diese Proteste? Wenn Sie die Wahrheit sagen, dann sollten Sie uns zum Ausgleich für all die Stunden, die Sie mit dem Abstreiten des Betruges und dem Erzwingen von Geständnissen unschuldiger Gefangener verbracht haben, Sendezeit im Fernsehen zur Verfügung stellen, damit wir unsere Gründe und unsere Beweise darlegen können.“

Mousavi forderte die Fernsehübertragung eines Treffens mit Vertretern beider Seiten, um eine ausgewogene Darstellung der Wahlereignisse zu erreichen.

Banknoten mit Oppositionsparolen werden ungültig

Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/10/rial-bills-covered-with-p.html
Veröffentlichtauf zamaaneh.com am 12. Oktober
Übersetzung aus dem Englischen: Julia
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Der Teheraner Stadtverordnete Morteza Talai hat dazu aufgerufen, die mit, wie er sagte „anti-revolutionären Slogans“ bedeckten Banknoten aus dem Verkehr zu ziehen.

Nach der Präsidentschaftswahl im Juni hatten Menschen damit begonnen, aus Protest Slogans auf Banknoten zu schreiben, z. B. „Tod dem Diktator“ und das „V“-Zeichen des Sieges und: „Wir werden Iran grün machen!“

IRNA zitiert Talai mit den Worten: „Die Zentralbank der Islamischen Republik ruft alle Bürger dazu auf, Banknoten, die mit revolutionsfeindlichen Botschaften und Slogans beschrieben sind, nicht mehr anzunehmen.“

Er fügte hinzu: „Revolutionsfeinde versuchen, auf diese Weise ihre Propaganda zu verbreiten und ihre Macht zu zeigen, aber mit Hilfe von Gottes Segen und der Aufmerksamkeit der Menschen und der Behörden wird ihnen dies wie schon früher nicht gelingen.“

Der konservative Stadtrat verurteilte zudem das Beschriften von Wänden in der Stadt mit Parolen.

Diverse Webseiten haben von Graffiti und Protestbotschaften an Wänden von Universitäten und Schulen berichtet.