Tagesarchiv: 13. Oktober 2009

Tochter von Ahmadinejad-Berater macht Film über Folter und beantragt Asyl in Deutschland

Veröffentlicht auf Haaretz.com von Associated Press am 13.10.2009
Quelle (Englisch): http://www.haaretz.com/hasen/spages/1120787.html
Übersetzung aus dem Englischen: Julia
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Die Tochter des Chefberaters von Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat in Deutschland Asyl beantragt. Dies teilten die Organisatoren eines Filmfestivals mit, an dem sie am Dienstag teilgenommen hatte.

Wie der Sprecher des Nürnberger Filmfestivals für Menschenrechte Matthiasa Rued mitteilte, reichte Narges Kalhor, die Tochter von Ahmadinejads Berater für Kultur und Medien, ihren Asylantrag in Süddeutschland ein. Ihr Vater, Mehdi Kalhor, gilt seit Anfang dieses Jahrzehnts als naher Verbündeter Ahmadinejads.

In einem Interview mit ihrer Filmkollegin Hana Makhmalbaf, das am Montag auf YouTube eingestellt wurde, sagte Narges Kalhor, sie glaube nicht, dass ihr Vater von ihren Plänen wisse.

„Ich bin sicher, dass er meinen Film nicht gesehen hat und nichts über das Festival weiß, oder darüber, wo ich bin“, sagte sie. „Ich bin aus eigenem Willen hier, wegen des Kinos, und ich muss weitermachen.“

Narges Kalhor hatte an dem Nürnberger Filmfestival teilgenommen, um ihren Film Darkhish („Der Rechen“) vorzustellen, der die Anwendung von Folter und die Barbarei des Totalitarismus anprangert.

Mehdi Kalhor sagte der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA gegenüber, er wisse nichts Genaueres über die Filme seiner Tochter oder über ihre Pläne, das Land zu verlassen.

Er beschuldigte die iranische Opposition, sie bei ihren Versuchen unterstützt zu haben, die Regierung herauszufordern.

„Diese Angelegenheit ist ein Symbol für den sanften Krieg und Medienkrieg, den die Opposition begonnen hat“, zitierte die Nachrichtenagentur Mehdi Kalhor.

Weiter sagte er IRNA gegenüber, er habe sich vor einem Jahr von Narges‘ Mutter scheiden lassen, weil Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen bestünden. Sie sei eine vehemente Gegnerin Ahmadinejads. Narges hatte bei ihrer Mutter gelebt.

Das Video zeigt Narges Kalhor, die ihre Unterstützung für die Opposition mit einem grünen Schal zeigt, den sie um den Hals trägt; Grün ist die Farbe der Opposition.

Sie sagte, dass sie und ihr Vater unterschiedliche Ansichten hätten, sie hoffe aber dennoch, dass er sie unterstützen und vielleicht sogar seine Meinung ändern werde.

„Ein Mensch kann sich in jedem Moment ändern“, sagte Narges Kalhor. „Jederzeit kann ein Mensch Momente der Stille erleben und sich Gedanken über den richtigen Weg machen.“

Sie fuhr fort: „Ein wenig Einsamkeit reicht schon, um einem die Augen für die Welt zu öffnen, und wir können entscheiden, ob dies der richtige Weg ist – der Weg, den diese Millionen Menschen eingeschlagen haben, die auf die Straße gingen und Freiheit forderten.“