Tagesarchiv: 8. November 2009

Grün ist nicht die Farbe von Moussavi, grün ist die Farbe unserer Freiheit!

Veröffentlicht am 8. November 2009
Persisch: Freedom Messenger
Englisch: P2E
Deutsche Übersetzung: Julia; bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben
(Anmerkung d. Übers.: Dieser Artikel beruht zum Zeitpunkt der Übersetzung auf einer einzigen und inoffiziellen persischen Quelle. Ich bitte, den Inhalt des Artikels entsprechend als „unbestätigt“ einzustufen)

Augenzeugenbericht eines Studenten über die Demonstration an der Freien Unversität Qazvin am 13. Aban/7. November

“Ich töte, ich töte den, der meinen Bruder tötet“ war die Parole, die durch die Universität hallte. Man kann sich nicht vorstellen, was in der Universität vor sich ging. In der Stadt waren nicht so viele Demonstranten wie in der Universität.
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Morgens ging ich zur Arbeit, aber ich hielt es nicht aus. Es war 9:30 Uhr, als ich meinen Freund anrief, und wir verabredeten uns in einer Stunde, um zur Universität zu gehen. Auf dem Weg kauften wir zwei Masken, um unsere Gesichter verstecken zu können, wir wollten uns um 10 Uhr am Ghalam-Platz versammeln.

Wir waren mehrere Tausend, alle wütend, zornig, unerschütterlich, wir alle skandierten und brüllten Protestparolen mit Leib und Seele. Wir sangen „Ey Iran“ aus der Tiefe unserer Herzen. Hand in Hand sangen wir Yare Dabestani, damit unsere Schulfreunde überall in Iran wissen, dass sie nicht allein sind, dass wir sie immer und ewig unterstützen und auf sie aufpassen werden.

Während der Demonstration hielten wir ein sehr langes schwarzes Band, um an die Märtyrer dieser Ereignisse (nach der Wahl) zu erinnern. Selbstverständlich gab es Leute im Gebäude des Sanayeh-College, die an den Fenstern standen und uns filmten. Die Demonstranten drehten sich zu ihnen um und forderten sie auf, sich ihnen anzuschließen, sie riefen: „Meinungsfreiheit, vom Fenster aus ist nichts wert“ (sinngemäß für „Freedom of thought, from the window is naught“, d. Übers.) und „Hört auf euren gesunden Menschenverstand und macht die Kameras aus!“

Die Security der Universität konnte nichts tun angesichts der mehreren Tausend studentischen Aktivisten, die riefen „Tod Russland“, „Allah-o Akbar“, „nicht Osten, nicht Westen, nationale Grüne Bewegung“, „Ihr seid Staub und Dreck, Ihr seid die Feinde dieses Landes“, „Die Vergewaltigung der Nation ist zum staatlichen Prinzip geworden“, „Was passiert mit dem Ölgeld? Es wird für Basijis ausgegeben“, „Wir sind nicht wie die Leute aus Kufeh, wir bleiben nicht für Geld treu“*) „Mahmoud du Betrüger, du sollst obdachlos werden, du hast dieses Land geplündert, die Jugend des Heimatlandes getötet, Allah-o Akbar, du hast tausende von Zellen gemacht, Tod dir, Tod dir….“
*) Anm. d. Übers: diese Parole bezieht sich auf eine Geschichte von Hossein, den Enkel von Mohammad, der von einem mächtigen Tyrannen namens Yazid in einem Streit über das Khalifat getötet wurde. Yazid hatte eine mächtige Armee aus Kufeh rekrutiert und bezahlt, damit sie für ihn gegen Hossein und seine 72 Anhänger kämpft (http://hammorabi.blogspot.com/Imam%20Hussein/Imam%20Hussein.html (Englisch).

Alle machten mit, alle schrien, niemand hatte Angst. Als wir hörten, dass die Regierungskräfte auf dem Haft-e Tir-Platz angegriffen und geschossen hatten, waren alle eine Minute lang still. Dann brach ein Mädchen mit einem wilden Aufschrei das Schweigen: „Ich töte, ich töte, ich töte den, der meinen Bruder getötet hat“

Wir nahmen grüne Farbe und malten ein Freiheitszeichen. Wir tauchten Schuhe in die grüne Farbe und markierten das Gelände der Universität mit Freiheitszeichen. Moussavi war in diesem Moment nicht mehr wichtig. Es gab zwar sporadische Rufe „Ya Hossein, Mir Hossein“, aber nicht seine Person ist der Hauptgrund für unsere Versammlungen und Demonstrationen, sondern das Ziel jenseits der Ziele von Moussavi und Karroubi.

Die Farbe Grün ist nicht die Farbe von Moussavis Wahlkampf, sie ist die Farbe unserer Freiheit!

Als der Ruf zum Mittagsgebet (Aazaan) erklang, setzten wir uns schweigend auf den Platz, aus Respekt vor dem himmlischen Lied. Wir sagten die Fateheh (Gebet für die Toten), um die Märtyrer zu ehren, insbesondere die von unserer eigenen Universität, und sagten das Salavaat (einen heiligen Vers) für den Sieg unserer „Schulfreunde“ (Yare dabestani = Schulfreund)

In dem Augenblick, als wir unsere beiden Märtyrer zusammen mit anderen des Landes ehrten, sah ich in vielen Augen Tränen aufsteigen. Ich fühlte, dass wir im Kampf um die Freiheit Irans triumphieren können und müssen.

(Fotos beim englischen Original)
Iran News Agency
(Danke an Setareh Sabety für die englische Übersetzung)

Mehdi Karroubis Statement über den 13. Aban und die Beziehungen zwischen Iran und Amerika

Englische Übersetzung: NiteOwl/Josh Shahryar
Quelle (Englisch): http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/11/08/karroubis-statement-about-13-aban-and-iranian-american-relations/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

(Anmerkung von Josh Shahryar: Dieses Statement wurde auf Tagheer.net veröffentlicht. Tagheer.net ist eine iranische Webseite mit Verbindungen zu Mehdi Karroubis Partei Etemaade Melli. Auf der Webseite gibt es keinen Hinweis darauf, wann das Statement aufgenommen wurde, aber das Datum auf der Seite ist der 7. November. Es ist auf Persisch; das Audio- und das Videofile können hier heruntergeladen werden: http://tagheer.co.cc/fa/archives/1388,08,17/1016
Es gibt auch ein YouTube-Video mit dem Statement: http://www.youtube.com/watch?v=ayrQJRy8Jrs .

Ich muss hinzufügen, dass eine Übersetzung niemals perfekt ist, dennoch habe ich mein Bestes versucht, um das Statement so gut ich konnte auf Englisch wiederzugeben. Ich bitte um Entschuldigung für alle Fehler, die enthalten sein könnten.)


(Anmerkung von Julia: Den letzten beiden Sätzen kann ich mich nur anschließen.)

Eines der wichtigsten Ereignisse nach der Revolution war die Übernahme der amerikanischen Botschaft – sowohl für die, die sie unterstützten, als auch für die, die dagegen waren, und jährlich gab es Aktivitäten, mit denen an dieses Ereignis erinnert wurde. In diesem Jahr haben einige politische Gruppen in dem Bewusstsein der gegenwärtigen Situation im Land, Ankündigungen gemacht, und ich habe ebenfalls angekündigt, dass ich zum Hafte Tir-Platz kommen und von dort aus zur (amerikanischen) Botschaft gehen würde.
Insbesondere hatte ich den Menschen mitgeteilt, dass ich anhalten würde, wo immer abweichende*) Parolen gerufen werden, damit die Menschen diese Parolen nicht fortsetzen und die, die es tun, von mir getrennt werden.
*) „abweichend“ ist die Übersetzung für „deviating“, vermutlich sind Parolen gemeint, die der von Karroubi vertretenen Linie abweichen. Angesichts der vielbesprochenen Radikalisierung der Parolen ergibt diese Interpretation Sinn. Darüber, welche Parolen Karroubi genau meint und wo die Grenze zur Abweichung verläuft, kann ich z. Zt. nur spekulieren. Die Untertitel im oben verlinkten Video sprechen übrigens von „subversive chants“, also subversiven Parolen. d. Übers.

Als wir Hafte Tir erreichten, standen sie vor uns. Polizei war dort, und sie gingen sehr gewalttätig gegen die Menschen vor. Ich blieb stehen, weil ich dachte, dass sie es sich vielleicht anders überlegen würden und mir wegen meiner Teilnahme wenigstens erlauben würden, [ihre Linien] zu überschreiten. Aber das Gegenteil war der Fall, sie wurden noch gewalttätiger und schlugen sogar mit ihren Schlagstöcken auf meine Leibwächter ein, wobei sie zwei von ihnen verletzten, und sie bewarfen [uns] sogar mit Tränengas, das sehr stark war und eine heftige Wirkung hatte und das die Menschen zwang, sich zu zerstreuen. Einige waren dem Ersticken nahe. Wir stiegen wieder ins Auto und drehten um, und auf dem Rückweg sahen wir, wie gewalttätig mit Frauen umgegangen wurde – etwas, was in unseren Augen äußerst grausam und schlecht ist.

Ich frage mich, warum das passieren musste? Diese Menschen kamen, um sich um die Botschaft herum zu versammeln. Einige hätten „Tod Amerika“ gerufen, andere möglicherweise nicht, vielleicht hätten sie stattdessen „Islamische Republik“**) gesagt, aber wir hätten versucht, sie davon abzuhalten, abweichende Parolen zu benutzen.
**) auch hier sagen die englischen Untertitel des Videos etwas anderes: „Tod der Islamischen Republik“. Tatsächlich gesagt hat er nur „Islamische Republik“, aber es kann so verstanden werden, dass er implizit den Slogan „Tod der Islamischen Republik“ meinte. d. Übers.

Doch die meine Frage ist wichtiger und betrifft die doppeltgesichtige Politik der Islamischen Republik (hier zitiert er ein persisches Sprichwort, um die Situation zu verdeutlichen) ‚Dome Khoroos of Qasame Abbas‘ (Es bezieht sich auf eine Geschichte von einem Dieb, der einen Hahn stahl vom Besitzer erwischt wurde. Er schwor beim heiligen Abbas , keinen Hahn gestohlen zu haben, obwohl der Hahnenschwanz unter seiner Jacke hervorlugte. Der Besitzer sagte darauf zu ihm „Wem soll ich glauben, dem Hahnenschwanz oder deinem Schwur beim heiligen Abbas?“, d. Übers.)

Die Islamische Republik war bis vor kurzem immer darum bemüht, ihre Politik zu verändern. Sie haben [Amerika] gratuliert und Briefe geschickt, die nicht einmal beantwortet wurden, doch [die Iraner] haben dennoch versucht, im Gespräch zu bleiben. Ich kann das Statement hier nicht vorlesen, aber ich lade meine lieben Zuschauer und Zuhörer dazu ein. Es ist eine Diskussion von Mir Tajuddini, dem Abgeordneten von Tabriz, und es wurde nach seiner [Auslands-]Reise in einer iranischen Zeitung veröffentlicht. Er sagt darin, dass es ein Treffen von rund 50 wichtigen amerikanischen Persönlichkeiten – darunter Politiker, Akademiker, Reporter und Analysten – mit dem Präsidenten gab, das mehr als zwei Stunden dauerte, und es habe eine gute Diskussion gegeben.

Und ich als Teilhaber am politischen Geschehen sage, wenn solch ein Treffen in den vergangenen zwanzig Jahren unter irgendeiner Regierung stattgefunden hätte, wären mit Sicherheit Kafanposhan (Demonstranten, die in weißes Tuch gekleidet sind von der Art, mit dem man im Islam die Toten einhüllt, bevor sie bestattet werden) auf die Straßen von Qom, Tabriz und insbesondere Teheran gegangen und hätten entschlossen dagegen gekämpft.

Warum ist es so, dass wenn solche Treffen und Diskussionen abgehalten werden, keine Komplikationen damit einhergehen und Tageszeitungen wie Keyhan und andere nicht einmal darüber diskutieren, und niemand irgendwelche Einwände erhebt? Was also ist mit all diesem neuen Antiamerikanismus, den Parolen und der Propaganda gegen Amerika nun geschehen?

Weder sage ich, dass diese Parolen benutzt werden sollen, noch, dass sie nicht benutzt werden sollen. Was ich sagen will ist, dass das nationale Interesse des iranischen Volkes von uns innerhalb der Regierung nicht täglich auf der Basis unserer geheimgehaltenen und nicht öffentlich zugänglichen Analysen ausgenutzt werden sollte.

In dem einen Treffen sitzen sie mit 50 Amerikanern zusammen und diskutieren über die iranisch-amerikanischen Beziehungen, Afghanistan, Atomkraft, Öl und anderes, und am nächsten Tag machen sie alles zunichte [er spricht metaphorisch, im Deutschen würde man wohl sagen „wieder bei Null anfangen“, d. Übers.]
Ich habe das Gefühl, diese Politik könnte sich als problematisch für die Situation unseres Volkes erweisen, und es sieht so aus, als sei die Regierung planlos und wisse nicht, was sie tun soll. Und ich halte es für meine Pflicht, Dinge klarzustellen, selbst wenn es auf mich zurückfällt, was mir nichts ausmacht. Diese doppelgesichtige Politik wird das Vertrauen des Volkes aushöhlen, und morgen werden sie uns keinen Glauben mehr schenken – sie sollten es nicht.

Drohungen gegen Unterstützer der Grünen Bewegung außerhalb Irans

Empfehlung: Green Cast FB page
Artikel auf Persisch: BBC Persian, 5. November 2009
Englische Übersetzung:
persian2english
Quelle (Englisch): http://persian2english.wordpress.com/2009/11/07/the-threat-against-supporters-of-the-green-movement-outside-iran/
Deutsche Übersetzung: Julia – bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben


Massoud Jazayeri, stellvertretender Befehlshaber der iranischen Streitkräfte, hat erklärt, dass viele Demonstranten innerhalb und außerhalb Irans identifiziert wurden und dass man sich zu gegebener Zeit mit ihnen befassen werde.

In einer Erklärung gegenüber der Zeitung Keyhan bezeichnete Jazayeri die Proteste nach den Wahlen als Verschwörungen und die Amerikaner und Briten als Putschregierungen. Er sagte, obwohl die Islamische Republik sehr geduldig sei, könne sie doch nicht zulassen, dass Bemühungen um einen Regimewechsel und einen sanften Staatsstreich fortgesetzt würden. Wenn man dazu gezwungen werde, so werde man den Verantwortlichen außerhalb des Landes den Kampf ansagen. Auf den Begriff „Kampf“ ging er nicht näher ein. Die Islamische Republik hat in den ersten beiden Jahrzehnten ihrer Existenz viele Oppositionsmitglieder ermordet.

Massoud Jazayeri warnte die westlichen Medien davor, am 13. Aban „negative Propaganda“ zu verbreiten. Er warf den westlichen Medien vor, „falsche Tatsachen vorzuspiegeln und [iranische] Bürger zu provozieren.“ In der Warnung wird auch darauf hingewiesen, dass Irans Polizeikommandant Esmail Ahmadi-Moghaddam kurz vor dem 4. November angekündigt hatte, dass „die Polizei gegen jede Bewegung vorgehen wird, die einen Umsturz [des Regimes] verfolgt.“ Ahmadi-Moghaddam hatte hinzugefügt: „Es gibt Menschen außerhalb des Landes, die die iranische Verfassung nicht kennen.“

Ahmadi-Moghaddam erwähnte in seinem Statement auch, dass „einige politische Organisationen die Absicht haben, die Grenzen der Polizei auszuloten. Diese Gruppen innerhalb und außerhalb Irans ignorieren die Gesetze und organisieren Kundgebungen ohne rechtliche Erlaubnis. Die Polizei wird daher ihre gesetzliche Pflicht erfüllen.“

Gleichzeitig gab die Webseite der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), Basirat, Namen von Gruppen und Personen preis, die als „Führer des grünen Putsches im Ausland“ identifiziert wurden.

Den Revolutionsgarden zufolge führe „die Zentrale der regierungsfeindlichen Bewegung außerhalb des Landes“ nicht nur einen psychologischen Krieg der Putschmitglieder innerhalb des Landes, sondern habe „zudem ihre destruktive Propaganda drastisch verstärkt“.

Die Webseite kennzeichnet „aufgeklärte Säkularisten, Journalisten, studentische Aktivisten und Künstler im Ausland“ als die vier Hauptgruppen, die die Aufstände nach der Wahl unterstützt hätten. Es gebe noch eine fünfte Gruppe, die aus „Anhängern des Schah, Antirevolutionären und Dissidenten“ bestehe.

Das Statement beschreibt die Oppositionsgruppen als „aufgeklärte Säkularisten, die gegen einen religiösen Führer und eine Islamische Führung sind. Sie haben einige paradoxe Auffassungen über unsere Islamische Republik verbreitet.“ Studentische Aktivisten, die während des letzten Jahrzehnts ins Ausland gegangen sind, werden als dritte Unterstützer-Gruppe der jüngsten Unruhen bezeichnet. „Einige der Extremisten unter den Studenten, die am 9. Juli an den Demonstrationen teilgenommen haben, haben 1999 die Studentenbewegungen nach dem 22. Mai angeführt, und manche davon sind Anhänger der nach den Wahlen entstandenen Protestbewegung.“

Auf der Webseite werden „Anhänger des Schahs als notorisch revolutionsfeindliche Elemente“ abgetan, da sie ihren Erklärungen zufolge eine „vierzigjährige Geschichte des Kampfes gegen die Islamische Revolution“ hätten. Zu den anderen regimekritischen Gruppen erklärt die Webseite, „die Aushängeschilder der ersten vier Gruppen sind Iraner, die ihren Ruhm der Islamischen Revolution verdanken, deren Worte aber in letzter Zeit den Invasoren der Revolution dienten.“

Der IRGC unterstreicht die Unterstützung der Gruppierungen um Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi vor und nach den Wahlen und fügt hinzu: „Die antirevolutionäre Position dieser Gruppen ist niemals kritisiert oder abgestritten worden, weder durch Moussavi, noch durch Karroubi, und somit können wir davon ausgehen, dass ihre Äußerungen mit denen der Führer der Grünen Bewegung – Moussavi, Karroubi und Khatami – gleichzusetzen sind.“ Der Webseite zufolge verbreiten die Führer der Grünen Bewegung ihre Botschaften mittels ausländischer Quellen, weil die Verfassung der Islamischen Republik ihnen nicht gestattet, ihre Ideen explizit zu äußern.

In dem Statement werden Personen wie Shirin Ebadi, Mohsen Kadivar, Ata’ollah Mohajerani, Abdolkarim Soroush, Mohsen Sazegara und Mohsen Makhmalbaf als wichtigste Führungspersönlichkeiten der Grünen Bewegung außerhalb Irans bezeichnet. Auch mehrere Personen mit einem breiten ideologischen Spektrum und breitgefächerten Aktivitäten werden zu Individuen erklärt, die „sich aufgemacht haben, die Revolution herauszufordern, indem sie die nach der Wahl entstandene Bewegung unterstützen.“

Der IRGC beschuldigt die ausländische Opposition der folgenden Punkte:

“Angriffe auf die göttliche Position der Führung des iranischen Regimes und auf die absolute religiöse Führung (faqih); Angriffe auf die religiöse Führung und die islamische Regierung durch Vorwürfe der Korruption und Ineffizienz; wiederholte Behauptungen über Wahlbetrug; Anleitung, Ausbildung und Anstiftung zu Chaos mit dem Ziel, Unsicherheit zu verbreiten; Anleitung, Ausbildung und Anstiftung der wenigen Unterstützer innerhalb Irans zum Bruch des Gesetzes; Respektlosigkeit gegenüber den göttlichen Führern des Islam und ihrer großen Gefolgschaft.“

Dem Politbüro des IRGC zufolge besteht der achte Anklagepunkt gegen die ausländischen Aktivisten und Gruppen darin, dass sie die rechtlichen Institutionen der Islamischen Regierung wie Wächterrat, Innenministerium, Justiz, Polizei, Geheimdienstministerium, IRGC, Basij etc. in Frage gestellt haben.

Der Webseite zufolge gelten persönliche Weblogs, politische Webseiten und soziale Internetnetzwerke als die Medien, die vom Ausland geleitet werden.

Iranischer Journalist wirft Khamenei Fehleinschätzung vor

Veröffentlicht auf Mowjcamp am 8. November 2009

http://english.mowjcamp.com/article/id/62916

Deutsche Übersetzung: Julia; bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Original-Titel: Iranischer Journalist an Khamenei: ‘Sie haben zwischen Freund und Feind nicht richtig unterschieden’

In seinem zweiten umstrittenen Brief an den Führer der Islamischen Republik hat ein früherer Kolumnist der Hardliner-Zeitung Keyhan dem Führer vorgeworfen, nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden zu können, und Moussavi, Khatami und Karroubi als wahre Freunde der Islamischen Republik bezeichnet.

In seinem Brief an den „lieben Vater“ hinterfragt Mohammad Nourizad die Handlungen und die wahren Absichten vieler Offizieller aus dem nahen Umkreis des Führers. Er nennt dabei sogar führende, Khamenei nahestehende Persönlichkeiten, die die Putschregierung auf unterschiedliche Weise unterstützt haben, darunger Sadiq Mahsouli (Ahmadinejads früheren Innenminister), Safar Harandi (früherer Kulturminister) und den einflussreichen Chefredakteur der radikalen Zeitung Keyhan.

“Lieber Vater, zum ersten Mal in der dreißigjährigen Geschichte der Revolution war es während der Feierlichkeiten zum Quds-Tag und zum 4. November so, dass nicht Amerika oder Israel Angst hatten, sondern unser eigenes Land, mit all den offiziellen und inoffiziellen Waffen, die wir für eine mögliche Konfrontation mit den unglücklichen Demonstranten auf die Straßen gebracht hatten.“

Nourizad bezeichnet in dem Brief den Führer als die einzige Person, die in der Lage ist, das Problem zu lösen und das Land vor einer „tödlichen Sackgasse“ zu bewahren.

In einem kühnen Akt wirft der Kolumnist dem Führer vor, bei der Einschätzung, wer Freund und wer Feind ist, versagt zu haben, was eine Isolierung der wahren Freunde des Volkes, des Führers und der Islamischen Repbulik zur Folge gehabt habe. Interessanterweise versucht Nourizad, die richtige Definition von Freund und Feind für den Führer vorzunehmen und aufzuzeigen, wie die Vorgehensweise vieler Offizieller im nahen Umfeld des Führers ihm und dem Land schaden.

Nourizad stellt die schwierige Frage, warum, wenn man all die Jahre lang alle Feinde und Freunde identifiziert habe, man (heute) „von Fehlern, Dummheit und Rückschritten umgeben“ sei. Norizad warnt vor einem Übermaß an Untertänigkeit im Umfeld des Führers und vor zu wenig dringend erforderlicher Kritik.

Abschließend erinnert Nourizad den Führer daran, dass er gut beraten sei, Moussavi, Khatami und Karroubi als seine wahren Freunde anzusehen, die nur die Interessen des Landes im Sinn hätten und von den radikalen Elementen im Umkreis des Führers verteufelt würden.

“Ich möchte darauf dringen, dass Sie persönlich diese drei wahren Freunde einladen und sich um diese Wunde [die der Islamischen Republik zugefügt wurde] kümmern, indem Sie sich mit Ihnen beraten.“