Tagesarchiv: 16. November 2009

Rooz Online: Arzt von Kahrizak begeht Selbstmord

Veröffentlicht auf Rooz online am 16. November 2009
http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2009/november/16//kahrizak-physician-commits-suicide.html

Während die Verantwortlichen für Tod und Folter von Gefangenen in der Haftanstalt Kahrizak bisher von der Justiz verschont blieben, haben reformnahe Nachrichtenquellen gestern enthüllt, dass der Gefängnisarzt Selbstmord begangen habe.

Die Webseite Nowrooz berichtete, dass “Doktor Ramin Pourarzjani, der seinen militärischen Pflichtdienst in der Haftanstalt Kahrizak als Gefängnisarzt ableistete, nach den Ereignissen in dem Gefängnis in Folge des Bekanntwerdens besonderer Vorkommnisse Selbstmord begangen hat.”

Die Webseite der Partizipationsfront des Islamischen Iran (Hezbe Mosharekat Iran Islami) berichtete weiterhin, der Grund für den Selbstmord des jungen Arztes seien Versuche ranghöherer Beamter des Gefängnisses gewesen, ihm die Todesfälle in der Haftanstalt anzulasten. Wie die Seite berichtet, wurde „der 26jährige Arzt Ramin Pourarzjani beschuldigt, medizinische Fehler gemacht zu haben, die zu Todesfällen in dem Gefängnis führten, und ihm wurde mit dem Entzug der ärztlichen Lizenz sowie mit einer fünfjährigen Haftstrafe gedroht.“

Der Selbstmord ereignete sich, nachdem der iranische Polizeichef Ismail Ahmadi-Moghadam zu den Übergriffen in dem Gefängnis gesagt hatte: „Ein für die Sicherheit und Kontrolle verantwortlicher Offizier, der den Auftrag hatte, über die Verstöße zu berichten, ist zusammen mit dem Gefängnisdirektor seines Postens enthoben worden, beide wurden verhaftet.“

Farhad Tajari, ein Mitglied der parlamentarischen Sonderkommission zur Untersuchung der Angelegenheiten von nach der Wahl Verhafteten, hatte zudem bestritten, dass einige inhaftierte Gefängnis-Offizielle im Oktober dieses Jahres freigelassen wurden. Er sagte, acht Personen seien im Zusammenhang mit dem Fall verhaftet worden und fügte hinzu: „Diese acht Personen befinden sich weiterhin in Haft“.

Nach der Niederschlagung und den Massenverhaftungen von Teilnehmern an den Protesten gegen die offiziellen Ergebnisse der Präsidentschaftswahl vom 12. Juni waren viele der Verhafteten in die illegale Haftanstalt Kahrizak gebracht worden, wo mindestens drei Gefangene – Mohsen Rouholamini, Amir Javadi Langeroodi (oft auch unter dem Namen Amir Javadifar genannt, d. Übers.) und Mohammad Kamrani – starben, während viele weitere Gefangene auf brutalste Weise gefoltert wurden. Wie der Chef des Militärischen Justizabteilung Mohammad Kazem Bahrami mitteilte, sind „in diesem Zusammenhang rund 145 Personen als Beschwerdeführer in der Phase der Beweisaufnahme für den Prozess identifiziert worden.“

Die Nachricht über den Selbstmord des Arztes von Kahrizak war im Internet zu einem Zeitpunkt veröffentlicht worden, wo die Bekanntgabe und gerichtliche Verfolgung der für die Folterungen in Kahrizak Verantwortlichen auch mehr als fünf Monate nach den Präsidentschaftswahlen und den darauf folgenden Ereignissen noch aussteht.

Zuvor hatte Kazem Jalali, ein Mitglied der parlamentarischen Untersuchungskommission zur Untersuchung der Fälle der nach den Wahlen Verhafteten, gesagt: „Ich bedaure mitteilen zu müssen, dass bestimmte Hände im Spiel sind, um all diese Fragen in Zweideutigkeiten und Unsicherheit zu belassen.“ Er sagte dies, nachdem bekannt geworden war, dass Gefangene in Haftanstalten wie Kahrizak gestorben und gefoltert wurden und mehrere mit der Regierung sympathisierende militärische und politische Offizielle eine kritische Haltung zur Wahrheit gezeigt hatten.

Hamidreza Katouzian, auch er Mitglied der vom parlamentarischen Untersuchungskommission, sagte dazu: „Diese Kommission darf sich dem bestehenden Druck nicht beugen und muss dem Parlament einen umfassenden Bericht vorlegen.“