Ramin Pourandajanis Rede bei seiner Abschlussfeier

Eingestellt auf homylafayette’s blog am Dienstag, dem 17. November 2009
Quelle (Englisch):http://homylafayette.blogspot.com/2009/11/eternal-is-one-whose-heart-has-awakened.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben.

‚Ewig ist der, dessen Herz für die Liebe erwacht ist…“
Die Rede des toten Zeugen von Kahrizak bei seiner Abschlussfeier

Der Arzt Ramin Pourandarjani, der in der berüchtigten Haftanstalt Kahrizak arbeitete, ist im Alter von 26 Jahren am Dienstag, dem 10. November unter verdächtigen Umständen ums Leben gekommen. Dies berichten iranische Medien. Er war als Zeuge vor das Sonderkomitee zur Untersuchung der Fälle von Misshandlungen und Todesfällen von verhafteten Teilnehmern an den Protesten gegen die Präsidentschaftswahl geladen worden und hatte sich geweigert, die Versuche zur Schönfärberei der Gräueltaten zu bestätigen.
(Ein englischsprachiger Bericht über den Tod von Pourandarjani, aktualisiert am 17. November 2008 um 12:00 GMT findet sich hier)

Ein neu auf YouTube eingestelltes Video zeigt Pourandarjani im vergangenen Jahr bei seiner Rede anlässlich der Abschlussfeier an der Medizinischen Hochschule. Sein jugendlicher Idealismus und seine Abschiedsworte erhalten angesichts seines verfrühten Todes eine neue und schmerzliche Bedeutung. Eine Übersetzung der Rede ist unten angefügt.

Ruhe in Frieden.

Ramin Pourandarjani:
Im Namen Gottes. Grüße.

Ich spreche im Namen all der Freunde (Pourandarjani verwendet das Wort „bacheha“, was wörtlich „Kinder“ bedeutet und das man für Freunde und Gleichaltrige benutzt), die heute hier anwesend sind, um ihren Abschluss gemeinsam mit ihren Familien, Freunden und Professoren zu feiern.

Ich muss zuerst unsere lieben Gäste begrüßen. Ich beginne bei den hoch geschätzten Professoren, die sich die Mühe gemacht haben, zu dieser Feier zu kommen, bei der wir als Ergebnis ihrer harten Arbeit unsere Flügel ausbreiten und zum ersten Male fliegen werden. Ihre Gegenwart stärkt unsere Herzen. Wir küssen Ihre Hände und werden Ihre Anstrengungen immer wertschätzen.

Dann möchte ich unsere verehrten Mütter und Väter willkommen heißen, die den Weg von Tabriz und anderen Teilen Irans auf sich genommen haben, um heute hier zu sein (Pourandarjani wurde am Donnerstag, 12. November in Tabriz beerdigt). Wir können euch eure Anstrengungen niemals zurückzahlen. Wir hoffen, euch stolz zu machen und nicht zu beschämen.

Meine nächsten Worte richten sich an die Kinder. Kinder, sieben Jahre sind vergangen, mehr oder weniger. Wir haben viele, viele gemeinsame Erinnerungen an diese sieben Jahre, manche guten, manche schlechten. Erinnerungen, die für jemanden, der nie Medizinstudent war, vielleicht schwer zu verstehen sind – Erinnerungen daran, wie wir durch die Gänge liefen, um eine Biochemie-Prüfung hinauszuzögern, oder an die strapaziösen Schichten in der Notaufnahme. Wir haben so viele Erinnerungen.

Und jetzt ist der Tag des Abschieds gekommen. Abschied ist ein bitteres Wort, doch wir sind zusammengekommen, um einander herzlich auf Wiedersehen zu sagen.

Kinder, die Schichten in der Notaufnahme waren hart, die Schichten während des klinischen Semesters waren hart. Manchmal waren wir so erschöpft. Wir redeten oft miteinander. Einer von uns sagte, worauf haben wir uns da eingelassen? Und dann begannen lange Debatten, an deren Ende wir zu dem Schluss kamen, dass wir immer wieder dieselbe Entscheidung treffen würden wie vor sieben Jahren, selbst wenn wir die Uhren tausend Mal zurückdrehen würden.

Kinder, wir sind die Erben von großen Persönlichkeiten, von Männern wie Rhazes, Hippocrates, Avicenna und Hakim Jorjani. Seit Anbeginn der Geschichte der Menschheit wurde ein großer und heiliger Geist durch diese berühmten Figuren in Form unserer weißen Kittel an uns weiter gegeben. Unsere Professoren, die heute hier anwesend sind, haben diesen Geist in unseren Herzen geweckt.

Und Kinder: Wir sind heute hier, um zu sagen, dass wir unseren Weg mit Liebe weitergehen werden.

Oh Träger des Weins, erhelle mein Glas mit Wein,
Oh Minnesänger, sag, das Glück sei nun mein.
Das Antlitz meiner Geliebten spiegelt sich in meinem Glas
Wie wenig weißt du davon, wie der Wein
mir immer erlaubt, ich selbst zu sein
Ewig ist der, dessen Herz für die Liebe erwacht
Ewige Schriften bestimmen so mein Sein.

(Beginn des Ghazal Nr. 11 des geliebten Hafiz, 1315 – 1390. Englische Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Shahriar Shahriari, deutscher Übersetzungsversuch der englischen Übersetzung von Julia – ich habe online leider keine fachgerechte deutsche Übersetzung finden können.)

Danke an @homylafayette

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