Tagesarchiv: 1. Dezember 2009

Arzt von Kahrizak starb an „Arzneimittelvergiftung“

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 1. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/12/tehran-prosecutor-kahriza.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Blog angeben

Dr. Ramin Pourandarjani

Der Staatsanwalt von Teheran, Abbas Jafari Dowlatabadi hat heute bekanntgegeben, dass die Untersuchung des Todes von Ramin Pourandarjani, dem Arzt der Haftanstalt Kahrizak, wo nach der Präsidentschaftswahl Verhaftete vermutlich gefoltert und getötet wurden, bisher ergeben hat, dass er an einer „Arzneimittelvergiftung“ gestorben sei.

Am Rande einer gerichtlichen Zeremonie sagte Dowlatabadi Reportern gegenüber: „Es wurden Tabletten neben seinem (Pourandarjanis) Salat gefunden, was bislang auf eine Arzneimittelvergiftung als Todesursache hinweist.“ (Anm. d. Übers.: Ramin Pourandarjani hatte vor seinem Tod Essen bestellt)

In weiter zurückliegenden Äußerungen der iranischen Behörden hatte es geheißen, dass Pourandarjani an „Herzversagen im Schlaf“ gestorben sei.

Wie ILNA berichtet, teilte der Staatsanwalt mit, dass die Untersuchungen des Todesfalles noch andauern; der Restaurant-Mitarbeiter, der das Essen an jenem Tag ausgeliefert hatte, sei zum Verhör vorgeladen.

Ramin Pourandarjani war Arzt und leistete seinen militärischen Pflichtdienst ab. Ein Teil seiner Aufgaben bestand in [regelmäßigen] Besuchen in der Haftanstalt Kahrizak, die in den Ereignissen nach der Wahl einen berüchtigten Ruf erlangte, als Berichte über Folter und Vergewaltigung an Häftlingen an die Öffentlichkeit drangen.
Die Haftanstalt wurde auf dem Höhepunkt der Proteste auf Anordnung des Obersten Führers geschlossen, als einer der Häftlinge, Mohsen Rouholamini, an den Folgen seiner in der Haft erlittenen Verletzungen starb. Berichten zufolge hatte Ramin Pourandarjani Rouholamini kurz vor dessen Tod untersucht.

Der Polizeichef hatte bekannt gegeben, dass Pourandarjani wegen „Vernachlässigung seiner ärztlichen Pflichten“ zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden sei.

Wie reformorientierte Webseiten behaupten, hatte Pourandarjani seine Familie und seine Freunde darüber informiert, dass sein Leben in Gefahr sei. Mowjcamp berichtet sogar, dass Pourandarjani die parlamentarische Untersuchungskommission über die angeblichen Folter- und Todesfälle in Kahrizak informiert hatte. Die Kommission bestreitet, derartige Berichte von Pourandarjani erhalten zu haben.

Der iranischen Polizei zufolge erfolgten die Übergriffe durch Offizielle in Kahrizak willkürlich, und die Verantwortlichen seien entlassen und befänden sich für die weitere gerichtliche Verfolgung in Gewahrsam.

Wer stahl Ramins Schuhe?

Veröffentlicht auf Azarmehr am 1. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://azarmehr.blogspot.com/2009/12/who-stole-ramins-shoes.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Der Mann mit Plastiktüten an den Füßen, der auf diesem Foto zu sehen ist, ist Mohammad Ali Ramin, Ahmadinejads nazifreundlicher Berater mit dubiosen Verbindungen zu Neonazi-Parteien in Deutschland. Der kaltblütige Mord an der schwangeren Ägypterin Marwa El-Sherbini vor den Augen ihres Mannes und ihres Kindes in einem deutschen Gerichtssaal wurde von einem russischen Anhänger einer der Nazi-Parteien begangen, denen Ramin nahe steht. Es heißt, Ramin sei derjenige, der Ahmadinejad davon überzeugt hat, dass es den Holocaust niemals gegeben hat. Zur Zeit ist er stellvertretender Minister für Presseangelegenheiten im Ministerium für Kultur und Islamische Führung [„Guidance Ministry“]

Warum also trägt Ramin Plastiktüten an den Füßen? Das Foto entstand nach der Beerdigung Ali Kordans, an der Ramin teilgenommen hatte. Kordan war Innenminister in Ahmadinejads Kabinett [in 2008, d. Übers.], er besaß einen gefälschten Doktortitel aus Oxford und war vor der Revolution von 1979 in einen Vergewaltigungsfall verwickelt [Anm. d. Übers. er war inhaftiert wegen Vergewaltigung eines 16jährigen Mädchens, kam aber im Zuge der Revolution frei. Quelle: http://alischirasi.blogsport.de/2009/11/30/ex-innenminister-ali-kordan-tot/ ]
Als Ramin aus der Moschee kam, waren seine Schuhe nicht mehr da. Man kann sich vorstellen, welche Art von Leuten Kordans Beerdigung beiwohnten.

Warum die Grüne Bewegung siegen wird

Veröffentlicht auf Azarmehr am 01. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://azarmehr.blogspot.com/2009/12/why-green-movement-will-win.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Dies ist ein Treffen zwischen einem Mitglied des Beihilferats für Studienförderung („Council for Student Grants“) des Wissenschaftsministeriums und Studenten, die diese Beihilfe zum Studium erhalten, das in der Botschaft der Islamischen Republik in Paris stattfand.
Die Studenten waren allerdings nicht daran interessiert, über ihre Stipendien zu sprechen. Stattdessen wollten sie dem Vertreter des Wissenschaftsministeriums lieber sagen, dass sie ihre Kommilitonen in Iran und in der Grünen Bewegung unterstützen. Bis vor wenigen Monaten wären diese Studenten die letzten gewesen, die die Behörden herausgefordert und ihre Stipendien aufs Spiel gesetzt hätten. Aber schaut sie euch an – so resolut und widerspruchsfreudig sind sie mit ihren starken Argumenten, dass der Vertreter des Ministeriums einfach nicht weiß, wie er ihnen antworten soll. Die beiden Basij-Studenten, die ihnen gegenüber sitzen, können nichts tun außer rachsüchtig und dumm auszusehen.

..Was mit unseren Kommilitonen in Iran geschieht, ist uns nicht gleichgültig… wir können nicht tolerieren, was mit unseren Kommilitonen in Iran geschieht, aber wie viel Gewalt Sie auch immer gegen uns anwenden, unser Protest wird friedlich seien, und wir werden in keiner anderen Weise [als friedlich] reagieren… Die Art und Weise, wie Sie mit Andersdenkenden umgegangen sind, ist so beispiellos, dass Sie Iran damit Schande gemacht haben…
Warum denken Sie, dass Sie in der Position des Propheten sind und entscheiden können, was Leute lesen und denken dürfen?…
Warum glaubt eine Minderheit, dass sie das Recht hat, uns vorzuschreiben, wen wir wählen; dass sie das Recht hat, ihr Veto einzulegen, wenn wir jemanden von den vorgeschriebenen Kandidaten wählen und sie dann immer noch nicht einverstanden damit ist, wen wir gewählt haben?…
Sie können den Studenten nicht vorwerfen, dass sie ihren Protest äußern, sehen Sie doch, was Sie getan haben, und verstehen Sie, warum es so weit gekommen ist. Wie können Sie das Ministerium „Wissenschaftsministerium“ nennen, wenn Sie die Wissenschaft unterdrücken und der amtierende Wissenschaftsminister so einen dubiosen Lebenslauf hat?
Offenbar hat der Chef der Putsch-Junta ihn ernannt, um die Studenten noch mehr gegen sich aufzubringen. Das Ministerium sagt, die Universitätsdozenten müssen noch stärker überwacht werden. Wie viel stärker denn noch?…
Wir lieben unser Land, wir sind Iraner, aber in unserem Land wird ein Student sofort aller möglichen Dinge angeklagt, sobald er gegen etwas protestiert…
Wir lieben unser Land, Iran gehört nicht nur Ihnen, Iran gehört auch uns, unsere Väter und Vorväter waren Iraner – wie können Sie zu uns sagen, dass wir kein Recht darauf haben, in unserem Land zu leben und zu denken? Iran gehört uns allen, lassen Sie es frei sein, wenn Sie denken, dass Ihr Land ein gebildetes Land ist, dann lassen Sie es wählen…

…Wir sagen diese Dinge in dem Wissen, was die Konsequenzen für uns sein können, aber wir können nicht mehr schweigen, nach alldem, was unseren Freunden zugestoßen ist oder was den Menschen im Land zugestoßen ist. Kommandant Jazayeri von den Revolutionsgarden hat uns Aktivisten im Ausland unverfroren gedroht. Sie sagen, dass man gegen die Aktivisten, die die Bewegung in Iran von außerhalb unterstützen, vorgehen wird, in der Vergangenheit haben Sie es nicht öffentlich gesagt, sondern einfach getan, und jetzt sind Sie so unverfroren, Ihre Drohungen öffentlich auszusprechen…
Ich wiederhole – wir gehören in unser Heimatland, und wir lieben es, wir glauben nicht, dass unser Land zu einer speziellen Gruppe oder Sekte gehört. Iran gehört allen Iranern, egal, welche Wege, Gedanken und Religionen sie verfolgen. Wir sind weder mit irgendwelchen ausländischen Mächten im Bunde, noch sind wir Abtrünnige, nein, wir sind Menschen, wir haben die Fähigkeit zu denken, wir werden so lange weitermachen, bis Sie sagen können, was Sie sagen wollen und wir ebenfalls frei leben und denken können…
Wir lieben Iran, es gehört uns allen, wir werden für Iran sterben und wir werden jede Gruppe bekämpfen, die die Oberhand gewinnen und dem Rest ihre Denkweise aufzwingen will…
Seit wir sieben Jahre alt sind, haben Sie uns in der Schule gesagt, der Schah hat dies getan und der Schah hat das getan. Wir sind älter geworden und gereift, und wir sehen, wie Sie all das, was der Schah getan haben soll, heute selbst tun, nur im Namen der Religion, und viel schlimmer und brutaler…