Tagesarchiv: 8. Dezember 2009

Bewegender Bericht über Saeed Leilazs Zustand

Veröffentlicht auf Rooz Online am 8. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2009/december/08//moving-account-of-saeed-leilazs-condition.html
Von Feresteh Ghazi


Die harten Strafen für politische Gefangene und Journalisten gehen weiter. Im jüngsten Fall wurde der Journalist und Wirtschaftsanalyst Saeed Leilaz zu neun Jahren Haft verurteilt. Rooz sprach mit den Angehörigen verschiedener politischer Gefangener und Journalisten, unter anderem auch mit den Ehefrauen von Saeed Leilaz und Abdollah Momeni.

Die Kaution für Ahmad Zeidabadi steigt von Woche zu Woche
Obwohl seine Kaution in Höhe von 500.000 Dollar letzte Woche hinterlegt wurde, ist Ahmad Zeidabadi nach wie vor im Gefängnis. Der Richter, der den Fall bearbeitet, hatte zunächst eine Kaution von 150.000 Dollar festgesetzt, diese dann aber innerhalb drei Tagen auf 250.000 Dollar erhöht. Am 8. November, dem Tag der Verhandlung, erhöhte der Richter die Summe auf 350.000 Dollar. Die Kaution wurde von der Familie bezahlt. Eine Woche später jedoch teilte Zeidabadi seiner Frau Mahdiyah Mohammadi am Telefon mit, dass die Kautionssumme auf 500.000 Dollar angehoben worden sei. Auch diese Summe wurde von Zeidabadis Familie letzte Woche gezahlt, doch der Journalist ist noch immer nicht freigelassen worden.

Momeni streitet Geständnis ab
Während die Ahmadinejad-treue Webseite „Parcham“ behauptet, dass „Abdollah Momenis schockierendes Geständnis vor dem Studententag am 16. Azar gesendet werden wird“, dementiert seine Ehefrau den Bericht im Namen ihres Mannes vehement.

Momenis Ehefrau Fatemeh Adinevand sagte Rooz gegenüber: „Gestern hat er uns angerufen, und ich habe ihm erzählt, dass einige Webseiten Gerüchte über Geständnisse veröffentlich haben. Ich habe ihm den Bericht vorgelesen. Er wurde sehr wütend und sagte, dass die Berichte vollkommen falsch sind. Er bat mich, sie zu dementieren.“
Sie fügte hinzu: „Auch von den früheren Gestädnissen war keines von Abdollah. Jeder, der entlassen wurde, sagt, dass Abdollah heftigster und unmenschlichster Folter unterzogen wurde.“

Neun Jahre Haft für Saeed Leilaz
Die Abteilung 26 des Revolutionsgerichts hat Saeed Lelilaz zu neun Jahren Haft verurteilt. Das Urteil, das zur Überprüfung an eine Berufungsinstanz übermittelt werden wird, ist das härteste Urteil gegen einen Journalisten in Ahmadinejads gesamter bisheriger Amtszeit.

Alizadeh Tabatabaei, der Anwalt von Leilaz, sagte Rooz gegenüber „Wir haben das Urteil noch nicht erhalten, aber der mit dem Fall befasste Richter hat mich darüber in Kenntnis gesetzt, dass mein Klient wegen Propaganda gegen das Regime, Besitz geheimer Unterlagen und Verschwörung mit Ausländern zu neun Jahren Haft verurteilt wurde.
Im Gespräch mit Rooz verurteilte sie die Haftstrafe für den Journalisten. Zum Prozess sagte sie: „Leider wurde einer seiner Anwälte gleich zu Beginn dazu gezwungen, den Fall niederzulegen, und Herr Alizadeh Tabatabaei konnte sich vor dem Prozess nur ein Mal für zwanzig Minuten mit Herrn Leilaz treffen. Das Treffen fand im Beisein des Befragers statt. Herr Leilaz bekam nichts, womit er sein Verteidigungsschreiben hätte verfassen können, und als wir das bei meinem Treffen mit dem Staatsanwalt erwähnten, konnte der nicht glauben, dass Herr Leilaz weder Stift noch Papier hatte.“

Sie fügte hinzu: „Danach, nachdem sie Herrn Leilaz Stift und Papier gegeben hatten und er sein Verteidigungsschreiben verfasst hatte, beschlagnahmte der Gefängis-Offizielle das Schreiben und sagte ihm, man werde es am Prozesstag im Gericht zurückgeben. Aber sie haben es ihm nicht wiedergegeben. Letztlich hatte Herr Leilaz kein Verteidigungsschreiben und musste sich selbst mündlich verteidigen.“

Wie sie berichtet, gestattete der Richter Leilaz nur zehn Minuten für seine Verteidigung. Die Ehefrau des Journalisten fügt hinzu: „Während des Prozesses waren sie sehr grob und versuchten, Herrn Leilaz zu demütigen. Der Prozess war sehr kurz, und als es vorbei war und Herr Leilaz den Gerichtssaal verließ, sagte er mir, dass man ihm keine Zeit für seine Verteidigung gegen sechs schwerwiegende Anklagepunkte gegeben habe.“

Dr. Maleki’s aktuelle Situation
Amar Maleki, der Sohn des seit 103 Tagen inhaftierten Dr. Mohammad Maleki, hat Rooz über die aktuelle Situation seines Vaters berichtet. „Vor Kurzem war er eine Woche lang im Krankenhaus, letzte Woche wurde er ins Gefängnis zurückgebracht, und jetzt teilt er sich eine Zelle mit einem anderen politischen Gefangenen in Abteilung 209 in Evin.“

Er fügte hinzu: „Obwohl die allgemeinen und gesundheitlichen Bedingungen jetzt besser sind als in der Einzelhaft, sind die grundsätzlichen Bedingungen im Gefängnis für jemanden in seinem Alter und gesundheitlichen Zustand nicht angemessen. Daher versuchen seine Familie und sein Anwalt ständig, ihn auf Kaution frei zu bekommen, damit er sich außerhalb des Gefängnisses medizinisch behandeln lassen kann.“

Ein Jahr Gefängnis für Shapour Kazemi
Der Anwalt von Shapour Kazemi, dem Bruder von Zahra Rahnavard (der Ehefrau von Mir Hossein Moussavi) hat den ersten Prozess seines Klienten angekündigt.

Alizadeh Tabatabaei, Shapour Kazemis Anwalt, teilte ILNA gegenüber mit: “Das Prozessgericht hat eine einjährige Haftstrafe für Kazemi angesetzt.“
Seinen Angaben zufolge wird Shapour Kazemi u. a. angeklagt, sich an illegalen Demonstrationen beteiligt zu haben.

Alizadeh Tabatabaei, der auch Kambiz Nourozi vertritt, sagte über ihn: „Wir haben unseren Berufungsantrag heute dem Gericht vorgestellt, da heute die Berufungsfrist für das erste Urteil gegen meinen Klienten abläuft.“

Kambiz Norouzi ist der Sekretär für rechtliche Angelegenheiten der Vereinigung iranischer Journalisten, der von Abteilung 26 des Revolutionsgerichts zu zwei Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt wurde.

Demonstranten bieten dem Regime erneut die Stirn

Veröffentlicht am 7. Dezember auf The Daily Nite Owl
Quelle (Englisch): http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/07/protesters-defy-iranian-government-again/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

“Dieser Bericht wurde in den späten Abendstunden des 16. Azar geschrieben. Seitdem hat sich viel verändert. Viele neue Nachrichten sind aus Iran gekommen, die diesem Berich möglicherweise widerprechen. Ich habe diese Nachrichten hier nicht aufgenommen, werde das aber im nächsten Bericht nachholen.“

Am 7. Dezember 2009 haben neue Wellen oppositioneller Proteste ganz Iran erschüttert. Zwar waren die Proteste geringfügig kleiner als die vom 4. November, aber dennoch zeigten sie wieder einmal, dass die Regierung in Iran vor einer ernsten Herausforderung durch die Opposition steht.
Der 7. Dezember, der Nationale Studententag, ist traditionellerweise ein Tag, an dem die Studenten sich versammeln. Dass Studenten und Oppositionsanhänger dieses Mal ohne ihre Führer auf die Straße gingen, ist ein besorgniserregendes Zeichen für eine Regierung, die bereits alles versucht hat – von Schüssen auf friedliche Demonstranten bis hin zu Folter und Inhaftierung von Reformaktivisten.

Wegen des von der Regierung verhängten Verbots ausländischer Medien und starker Einschränkungen reformorientierter Nachrichtenquellen war der Informationsfluss sehr verhalten – im Vergleich mit früheren Protesten. Die oppositionellen Demonstranten waren jedoch in der Lage, die Nachrichten über online-Medien und Netzwerke nach außen zu bringen, und dadurch erhalten wir ein ziemlich vollständiges Bild von dem, was in Iran geschehen ist.

Demonstrationen können aus Teheran, Shiraz, Mashhad, Kermanshah, Isfahan, Kerman, Hamedan, Arak und Najafabad bestätigt werden. Es gibt teilweise bestätigte Berichte über Demonstrationen in den Städten Sanandaj und Yasuj. Aus den Städten Tabriz, Ahvaz und Shahre Kurd gibt es bislang allerdings keine wirkliche Bestätigung der von dort berichteten Proteste. Auch aus anderen Städten wird über Demonstrationen berichtet: Rasht, Zahedan, Sari, Karaj und Oromieh. Kein Teil Irans scheint von der Wut der Opposition verschont geblieben zu sein.

Es folgt ein vollständiger Bericht über die Ereignisse in Teheran sowie einige Informationen über andere Städte, aus denen Demonstrationen sicher bestätigt werden konnten.

Teheran
Die Regierung hatte sich durch Drosselung des Internetzugangs in der gesamten Stadt vorbereitet. Mobilfunkverbindungen waren in den zentralen Teilen der Stadt, wo die meisten früheren Proteste stattgefunden hatten, blockiert. Obwohl die Proteste erst um 15 Uhr Ortszeit (? „1500 hours Iran time“) beginnen sollten, waren alle großen Universitäten bereits in den frühen Morgenstunden von Sicherheitskräften umstellt, nur Studenten mit gültigen Ausweisen wurde der Zutritt gestattet. Im Stadtzentrum Teherans war heute eine Armee von Sicherheitskräften präsent. In einigen Stadtteilen gab es mehr Sicherheitskräfte als Demonstranten.

Trotzdem begannen die Demonstrationen gegen Mittag in der Umgebung der Teheran-Universität, als Studenten begannen, Parolen gegen die Regierung zu skandieren. Auch in der Teheraner Sharif-Universität, der Polytechnischen Universität, Elm-o Sanat und Amir Kabir wurden Parolen gerufen. Sehr bald stießen hunderte weitere Einwohner Teherans zu den Demonstranten, die sich am Enghelab Square und am Vali-Asr Square versammelt hatten und Parolen riefen.

Als weitere Demonstranten versuchten, ins Innere der Teheran-Universität zu gelangen. Die Demonstranten riefen „Tod dem Diktator“, „Tod Khamenei“ und „Mahmoud, du Verräter.. du hast unser Heimatland zerstört“. Obwohl es an den Plätzen Vali Asr und Enghelab und auch an anderen Orten, an denen sich Studenten und normale Bürger Teherans versammelt hatten, zu Zusammenstößen kam, war die Teheran-Universität Hauptschauplatz der Konfrontationen.

Am Enghelab Square und in der Teheran-Universität schlugen die Spezialeinheiten wahllos mit Schlagstöcken auf Menschen ein und feuerten Tränengas in die Menge. Auch in anderen Teilen der Stadt wurden Menschen angegriffen. Berichte bestätigen, dass Dutzende verletzt wurden, offenbar wurde aber niemand getötet. Am Ende des Tages erschienen Berichte über die Verhaftung von mindestens drei Dutzend Menschen, möglicherweise weit mehr, durch Sicherheitskräfte. Aus mehreren Stadtteilen wurde auch von Schüssen in die Luft berichtet, aber es wurde bestätigt, dass die Schüsse lediglich in die Luft abgegeben wurden, um die Demonstranten zu ängstigen.

Die einzige wichtige Persönlichkeit aus den Reihen der Opposition, die sich an den Protesten beteiligte, war die Tochter des früheren Präsidenten Hashemi Rafsanjani, Fayezeh Hashemi. Sie schloss sich den Demonstranten in Teheran an, und Videos zeigen sie in Begleitung anderer Demonstranten, die skandieren „Danke, danke“. Auch wenn es sich nicht unabhängig bestätigen lässt, ob sie tatsächlich teilnahm, so hat sie sich doch in der Vergangenheit fast jeder Demonstration der Opposition angeschlossen. Es gab auch Gerüchte darüber, dass Moussavis Ehefrau Zahra Rahnavard an den Protesten teilgenommen habe, allerdings konnte dies nicht durch verlässliche Quellen bestätigt werden. (Nachtrag: Mittlerweile ist diese Nachricht bestätigt. Rahnavard wurde in der Teheran-Universität auch angegriffen, weibliche Basijis setzten Tränengas gegen sie ein. Wie berichte wird, erlitt sie bei dem Angriff schwere Augenverletzungen).

Es ist relativ schwierig abzuschätzen, wie viele Menschen an den Demonstrationen teilnahmen. Wenn man die Bilder und Videos aus verschiedenen Teilen der Stadt und den Universitäten betrachtet, kann man mit Sicherheit sagen, dass es über den Tag verteilt MINDESTENS zwischen fünf- und zehntausend Menschen waren. (Bitte nicht vergessen, dass dies nur eine Schätzung ist. Ich kann mich sehr gut auch irren, ich war nicht dort und habe es nicht selbst gesehen. Ich habe diese Zahl lediglich aus Videos und Bildern entnommen. Ich kann nichts über Menschen sagen, die nicht auf den Videos zu sehen waren oder über deren Teilnahme mir nicht berichtet wurde).
Erwähnenswert ist, dass es an der Teheran-Universität auch einen von der Regierung genehmigten Protest gab, an dem angeblich über 1000 Regierungsanhänger teilnahmen.
Allerdings konnte dies nicht zuverlässig bestätigt werden.

Mashhad
Meherer Hundert Studenten versammelten sich in der Universität Mashhad, skandierten Parolen gegen die Regierung und sangen das patriotische Lied „Yare Dabestani“. Bestätigte Berichte sprechen von Zusammenstößen oder Demonstrationen außerhalb der Universität.

Shiraz
Hunderte Studenten und normale Bürger von Shiraz haben an der Hauptuniversität von Shiraz und im Stadtzentrum protestiert. Auch hier wurden die Menschen daran gehindert, das Hauptgelände der Universität zu betreten, wenn sie keine Studenten waren. Berichte von Zusammenstößen in der Stadt sind bestätigt worden. Es gab auch Berichte über Verhaftungen, allerdings konnte keiner davon bestätigt werden.

Kermanshah
Über 1000 Studenten versammelten sich an der Razi-Universität, der größten Einrichtung für höhere Bildung in der Stadt. Mindestens 200 Sicherheitskräfte waren um die Universität herum präsent und hinderten alle Menschen am Betreten des Geländes, die keinen gültigen Studentenausweis vorweisen konnten.

Hamedan
Die Bu-Ali Sina-Universität war Hauptschauplatz der Demontration. Die Zusammenstöße waren hier vielleicht am gewalttätigsten. Berichte von blutüberströmten Studenten, die vom Schauplatz weggebracht wurden, konnten durch mehrere Quellen bestätigt werden. Auch hier liegt die Zahl der Teilnehmer bei mehreren hundert.

Arak, Kerman und Najafabad
In den größten Universitäten der drei Städte skandierten Demonstranten Parolen. Die Demonstrationen verliefen weitgehend friedlich. Viel mehr konnte nicht bestätigt werden. Die Teilnehmerzahlen hier waren vergleichbar mit denen in Shiraz und Mashhad.

Dieser Bericht wurden auf der Grundlage von Augenzeugenberichten, iranischen oppositionellen Webseiten und Medienkontakten außerhalb Irans zusammengestellt. Die regierungseigenen Medien in Iran haben so gut wie nichts über die Proteste berichtet, so dass man über ihre Sicht der Dinge nur spekulieren kann.

(Das Update vom 8. Dezember gibt es hier)
Eine neue Analyse vom 9. Dezember gibt es hier

Teheran am 17. Azar – Update

Veröffentlicht am 8. Dezember 2009 auf The Daily Nite Owl
Quelle (Englisch): http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/08/tehran-17-azar-situation-update/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

1300 GMT
Über Twitter und YouTube-Videos kommen diverse Berichte aus Teheran, denen man entnehmen kann, dass die Lage dort wieder ziemlich angespannt ist. Berichte weisen darauf hin, dass hunderte Studenten – möglicherweise auch tausende – sich noch immer im Innern der Teheran-Universität befinden. Berichten zufolge haben sich Studenten auch in mindestens drei weiteren Universitäten in Teheran verkrochen.

Berichte von der Teheran-Universität weisen darauf hin, dass es auf dem Universitätsgelände Unruhen gibt. Die Universität ist möglicherweise von tausenden Sicherheitskräften belagert, und im Inneren kommt es zu Zusammenstößen. Sicherheitskräfte nehmen Verhaftungen vor. Andere Berichte besagen, dass Menschen in Teheran versuchen, sich in anderen Teilen der Stadt zu versammeln, aber von Sicherheitskräften daran gehindert werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich keine unabhängigen Informationen dazu. Allerdings erhalte ich viele Bestätigungen durch Augenzeugen und andere Nachrichten. Ich versuche, mit meinen Kontakten in Verbindung zu treten und die hereinkommenden Daten zu durchkämmen, um festzustellen, ob das stimmt.

Ein Video, das angeblich die Situation in der Teheran-Universität heute zeigt:
http://www.youtube.com/watch?v=YBQby43Tsq4

Von hier an werde ich Updates über twitter veröffentlichen.

Bericht über die Proteste am 17. Azar

Veröffentlicht am 8. Dezember auf The Daily Nite Owl
Quelle (Englisch): http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/08/full-report-on-17-azar-protests/

Deutsche Übersetzung: Julia; bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Man solle nicht denken, dass die Proteste bereits vorüber sind. In der Teheran-Universität wurden Studenten bei ihrem Versuch, eine Demonstration abzuhalten, heute von Sicherheitskräften und Basijis auf bösartige Weise angegriffen. Es gibt zwei widersprüchliche Gründe dafür, warum heute an der Teheran-Universität Spannung herrschte und es zu Protesten kam.

Dem ersten Szenario zufolge wurde behauptet, dass die Studenten die Lehrveranstaltungen verlassen hatten, um vor der Technischen Fakultät gegen die gestrige Verhaftung ihrer Kommilitonen zu protestieren. Das Sicherheitsaufgebot war bereits massiv. Die Universität war von tausenden Sicherheitskräften belagert, die auf Grund eines gestern Abend ergangenen Aufrufs neue Proteste erwarteten. Als die Studenten versuchten, sich vor der Technischen Fakultät zu versammeln, stürmten die Sicherheitskräfte die Universität.

Dem zweiten Szenario zufolge stürmten die Sicherheitskräfte zunächst die Universität und begannen, die in den Lehrveranstaltungen sitzenden Studenten zu schlagen. Bislang scheint das erste Szenario von mehr Augenzeugen bestätigt zu sein als das zweite. Wie dem auch sei – es kam anschließend zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften, die von Basijis begleitet wurden.

Wenn man Videos, Augenzeugenberichte und andere iranische Medienquellen berücksichtigt, scheint es fast sicher, dass mehr als 10000 Studenten aktiv protestierten. Die Zahl könnte auch größer gewesen sein, aber das kann nicht ohne weiteres bestätigt werden.

Die Sicherheitskräfte setzten bei den Zusammenstößen Schlagstöcke, Elektroschocker und Pfefferspray ein, um die Studenten auseinanderzutreiben. Videos zeigen Studenten, die vor den Angriffen fliehen und in den Unterrichtsräumen Zuflucht suchen. Andere Videos zeigen, wie sie sich zurückdrängen. Es gab Berichte, nach denen viele Studenten verhaftet und in Unterrichtsräumen eingesperrt wurden.

Nach wenigen Stunden gaben die Sicherheitskräfte jedoch auf. Die Studenten riefen weiter Parolen gegen die Regierung, während die Sicherheitskräfte den Campus verließen. Es waren Parolen wie „Freiheit für politische Gefangene“, „Studenten im Gefängnis, Schläger auf freiem Fuß“, „Ahmadi wird nicht mit uns fertig“ zu hören.

Insgesamt bestätigt werden, dass an der Teheran-Universität mindestens fünf Studenten durch Sicherheitskräfte verhaftet wurden. Die Zahl wird mit neuen eingehenden Berichten auf jeden Fall noch steigen. Sicher scheint jedoch, dass die Konfrontation in der Universität noch nicht vorbei ist, da die Studenten für morgen zu weiteren Protesten aufgerufen haben.

Später am Abend gab es Berichte, dass Basijis den Campus erneut angegriffen hätten, aber auch dies konnte nicht sofort bestätigt werden. Es gab auch Berichte über ähnliche Angriffe durch Sicherheitskräfte und Basijis an mindestens drei weitern Universitäten in Teheran.

Weiterhin gibt es Berichte von ähnlichen Protesten an der Kerman-Universität in Kerman. Es wurden Videos veröffentlicht, auf denen Studenten zu sehen waren, die in einem Hörsaal Parolen gegen die Regierung skandierten. Auf dem Video waren Größenordnungen von mehreren Dutzend zu erkennen. Bislang kommen nur wenig Nachrichten von den Protesten, da die neue Demonstrationsrunde alle unvorbereitet traf. Sobald weitere Nachrichten vorliegen, wird ein Update veröffentlicht.

(Videos eingefügt vom Übers.)
Tehran-Universität, 17. Azar 2009 (8.12.2009)

Universität Kerman, 17. Azar 2009 (8.12.2009)

Weitere Zusammenstöße an der Teheran-Universität und der Akademie der Künste

Datum: 8.12.2009, veröffentlicht auf Facebook
Quelle (Persisch): http://eshterak-matalbejadid1.blogspot.com/2009/12/blog-post_6035.html
Quelle (Englisch): http://www.facebook.com/note.php?note_id=354222605130
Deutsche Übersetzung der englischen Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Auf Netzwerken wie Facebook und Twitter gibt es Berichte darüber, dass die Atmosphäre an der Tehran-Universität heute sehr angespannt ist: Es gibt Zusammenstöße vor der Technischen Fakultät, Sicherheitskräfte und Basij sind auf dem Universitätsgelände und haben vor wenigen Minuten Tränengas gegen die Studenten eingesetzt, um sie zu vertreiben. Die Studenten bitten die Menschen um Hilfe und schreiben „sie schlagen und töten unsere Freunde.“

Nachrichtenberichten zufolge ist es auch an der Akademie der Künste (wo auch Moussavi arbeitet) Zusammenstößen gekommen, Zivilpolizisten haben die Akademie angegriffen. Es wurde beobachtet, wie Regierungsagenten in zwei schwarzen Fahrzeugen vor der Akademie vorfuhren und Moussavi mitnahmen.

BBC Persian berichtet aus Teheran, dass eine Gruppe Zivilpolizisten sich vor Moussavis Büro versammelte und ihn daran hinderte, das Büro zu verlassen.
Augenzeugen berichteten BBC, dass es in der Universität zu Zusammenstößen zwischen Studenten und Zivilpolizisten kam. Offenbar protestierten die Studenten gegen das Vorgehen der Zivilpolizei am 16. Azar (7. Dezember) gegen Versammlungen der Studenten in der Technischen Fakultät der Teheran-Universität.

Augenzeugen zufolge setzten die Agenten gegen die Studenten Schlagstöcke ein. Spezialeinheiten sind am Vali-Asr-Platz und der Vali-Asr-Kreuzung stationiert.

Wie Kalame, die offizielle Webseite von Moussavi mitteilt, bewegen sich seit gestern Nachmittag 30-40 Zivilkräfte auf Motorrädern um die Akademie der Künste und haben heute Morgen Moussavi am Verlassen seines Büros gehindert. Dem Bericht zufolge riefen sie Parolen und blockierten seinen Weg, als er die Akademie verlassen wollte. Moussavi war daraufhin aus seinem Auto gestiegen und mit den Worten auf sie zugegangen: „Macht weiter mit eurer Mission, tötet mich, schlagt mich, bedroht mich…“
Einem Kalame-Reporter wurde der Grund für den Angriff von einem der Männer mit den Worten erklärt: „Wir sollen Moussavi festhalten.“ Verschiedenen Berichten zufolge bestand die Sicherheitspolizei darauf, dass Moussavi ins Gebäude zurück begleitet wird.

Die Webseite Khabar Online berichtet, dass Sicherheitskräfte und maskierte Personen vor Ort sind; bislang gab es noch keine besonderen Vorkommnisse.
Verschiedenen Berichten zufolge war in der Umgebung der Universität und des Enghelab-Platzes intensive Polizeipräsenz zu verzeichnen.

Unterdessen hat der Generalstaatsanwalt des Landes Gholamhossein Ejei zu Beschwerden Stellung genommen, die von mehreren Anhängern der Bewegung gegen Moussavi vorgebracht wurden. „[…] Dieselben Punkte, über die sich die Universitätsprofessoren beschwert haben und die Bezug zu öffentlichen Rechten haben, wurden dem Tribunal übersandt, sie werden in Kürze bearbeitet.“ (der Inhalt dieser Äußerungen war leider nicht eindeutig zu verstehen, d. Übers.)