Tagesarchiv: 9. Dezember 2009

Neue Analyse der Daten über die Proteste am 16. Azar (7. Dezember)

Veröffentlicht auf The Daily Nite Owl am 9. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/08/291/

Nachdem etwas Zeit seit den landesweiten Demonstrationen in Iran am 7. Dezember (16. Azar) vergangen ist, können wir uns ein vollständigeres Bild von den Statistiken machen. Wir können auch besser erkennen, was an diesem Tag passiert ist. Ich muss sagen, dass ich es extrem schwierig fand, an dem Tag selbst präzise und zeitnahe Informationen zu den Ereignissen zu finden. Die Regierung war besser vorbereitet und konnte die Niederschlagung gleichzeitig effektiver durchsetzen, da die Proteste sich in höherem Maße konzentriert hatten.

Das neueste, was ich absichern kann ist, dass es in mehr Städten Proteste gab, als ich zunächst berichtet hatte. Der erste Bericht bestätigte Proteste in Teheran, Shiraz, Mashhad, Kermanshah, Isfahan, Kerman, Hamedan, Arak und Najafabad. Jetzt kann ich auch Demonstrationen in Tabriz, Karaj und Sanandaj bestätigen. Noch immer nicht hunderprozentig bestätigen kann ich Demonstrationen in Ahvaz, Shahre-Kord, Rasht, Zahedan, Sari und Oromieh. Über Ahvaz und Oromieh gibt es teilweise Bestätigungen, aber das ist im Moment auch alles.

Es gab Verwirrung über die Zahlen, die ich in meinem ersten Bericht genannt habe. Einige Leser fanden, dass ich bei den Berichten über die Zahlen zu konservativ war. Ich denke, ich sollte zunächst einmal klarstellen, was ich meinte. Zweitens sind aktuellere Videos und Augenzeugenberichte aufgetaucht, und wir können uns jetzt ein besseres Bild von den wirklichen Zahlen machen.

Ursprünglich hatte ich berichtet, dass wir ziemlich sicher von fünf- bis zehntausend Demonstranten in Teheran ausgehen können. Was ich meinte war, dass dies die Zahlen waren, die man anhand der YouTube-Videos und Zeugenberichte erhielt. Allerdings gab es nicht von jedem Teil der Stadt und nicht von jeder großen oder kleinen Versammlung in jeder Universität auch YouTube-Videos und Zeugenaussagen – zumindest nicht sofort.

Wenn man diese Umstände berücksichtigt, heißt das für die vorsichtige Schätzung von fünf- bis zehntausend Teilnehmern ganz einfach, dass die tatsächliche Zahl auf keinen Fall darunter lag. Zusätzliche Informationen, die seither dazu gekommen sind, schätzen allein in Teheran mindestens zehn- bis fünfzehntausend. Die tatsächliche Zahl könnte bei zwanzig-, dreißig- oder sogar vierzigtausend liegen. Wir werden es vielleicht nie wissen.

Darüber hinaus gibt es für die Städte keine verlässlichen Augenzeugenberichte über die Anzahl der Menschen, die sich in den Universitäten versammelt hatten. Es sind aber weitere Videos aus Isfahan und Mashhad aufgetaucht. Wenn man dies berücksichtigt, kommt man auf eine bessere Schätzung von etwa zwei- oder dreitausend Teilnehmern für diese beiden Städte.

In den anderen Städten lagen die Zahlen für gewöhnlich bei einigen hundert. Die Demonstrationen in Tabriz waren möglicherweise größer, da diese Stadt mehr Demonstranten anzieht als Isfahan und Mashhad. Da es aber zu wenig verlässliche Quellen gibt, ist es schwierig, weiter gehende Aussagen darüber zu machen, ohne sich in reinen Spekulationen zu verlieren.

Wenn man Teheran und die Städte in Iran zusammen nimmt, kommt man auf eine wesentlich größere Zahl. Ich würde von mehreren zehntausend ausgehen. Auf jeden Fall schien es ein landesweiter Protest zu sein, nicht nur eine lokale Angelegenheit in Teheran.

Ich kann auch sowohl die Pfefferspray-Attacke auf Zahra Rahnavard in der Teheran-Universität bestätigen als auch die Teilnahme von Hashemi Rafsanjanis Tochter Fayezeh Hashemi an den Demonstrationen. Fayezeh wurde Berichten zufolge auch für mehrere Stunden von Sicherheitskräften festgehalten.

Die Karte unten zeigt, wo die Demonstrationen stattfanden (Verwendung der Karte mit freundlicher Genehmigung von NiteOwl)

Tag Nr. 3 der Demonstrationen an Teheraner Universitäten

Veröffentlicht auf The Daily Nite Owl am 9. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/09/protests-in-tehran-universities-for-third-straight-day/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben


Den dritten Tag in Folge haben Studenten in der Teheran-Universität und der Sharif-Universität in Teheran gegen die Regierung demonstriert. Die reformorientierten Webseiten lieferten nur spärliche Nachrichten, doch ironischerweise war es die andere Seite, die die Informationen preisgab.

Hunderte – möglicherweise an die tausend – Studenten protestierten vor der Teheran-Universität, wurden aber Berichten zufolge nicht von den Sicherheitskräften angegriffen, die zu Hunderten präsent waren. Noch ist kein Video von dem Ereignis aufgetaucht. Allerdings gibt es Videos, die die Demonstration in der Sharif-Universität belegen.

Dort versammelten sich die Demonstranten größtenteils in der Nähe der Eingangstore, etwa 100 versammelten sich in einer Halle der Universität. Zwar war die Teilnehmerzahl niedriger als in der Teheran-Universität, aber die Wut war ziemlich offensichtlich. Sowohl in der Sharif-Universität als auch in der Teheran-Universität skandierten die Studenten lautstark gegen Ahmadinejad und die Basijis.

Die meisten Parolen forderten jedoch die Freilassung der Studenten, die zwei Tage zuvor in den Universitäten des ganzen Landes verhaftet worden waren. Am Tor der Sharif-Universität sangen die Studenten laut „Yare Dabestani“, ein patriotisches Lied, dass von den Reformern oft benutzt wird, um Emotionen zu wecken. Berichte von Protesten außerhalb Teherans gab es nicht.

Wie schon erwähnt, gab es wenig Informationen. Die regierungseigene Nachrichtenagentur Fars News wurde jedoch unabsichtlich zu einem Zeugen der Ereignisse und veröffentlichten sie auf ihrer Webseite. Beide Stories wurden jedoch schnell wieder heruntergenommen, nachdem sie auf Twitter für Aufregung gesorgt hatten.

Videos von der Sharif.Universität
#1 http://www.youtube.com/watch?v=Kv0C_hLhbmk
#2 http://www.youtube.com/watch?v=fqsokBlLrPU

Für morgen gab es keine direkten Aufrufe zu weiteren Protesten, doch die Wut scheint nicht abzuebben. Dieses Mal gab es keine Zusammenstöße oder Verhaftungen. Ich habe weitere Nachrichten über die Ereignisse vom 7. Dezember erhalten, die ich in einem sehr kurzen Bericht zusammen mit einer neuen Karte hier posten werde. Schaut in ein paar Stunden noch mal herein.