Tagesarchiv: 17. Dezember 2009

Inhaftierte Studenten werden unter Druck gesetzt

Veröffentlicht auf Persian2English am 17. Dezember 2009
Quelle (Persisch): Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Reza Eshteraki für Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.wordpress.com/2009/12/17/2103/
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Herana News Service – Prisoner’s rights:
Mehrere Quellen haben berichtet, dass viele verhaftete Studenten in Einzelzellen in Abteilung 240 des Evin-Gefängnisses von Befragern der Revolutionsgarden unter Druck gesetzt werden, damit sie gestehen, Khomeinis Bild zerrissen zu haben.

Wie Nowrooz News berichtet, setzten einige dieser Befrager die Studenten gleichzeitig unter Druck, um sie zu Geständnissen zu zwingen und diese mit dem Zerreißen von Khomeinis Bild in Verbindung zu bringen.

Es sollte erwähnt werden, dass die inhaftierten Studenten nichts über das Spiel wissen, das die Putschregierung nach ihrer Verhaftung inszeniert hat.

Der Teheraner Staatsanwalt erwähnte die Verhaftung von einem der „Elemente, die Khomeinis Bild abgerissen haben“. Gleichzeitig hatte Parlamentssprecher Ali Larijani in einer Rede im Parlament gesagt, diejenigen, die Khomeinis Bild abgerissen hätten, seien keine Studenten gewesen.

Niemand hat den Mut, die Wahrheit zu sagen

Veröffentlicht auf Rooz Online am 17. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2009/december/17//no-one-has-courage-to-say-the-truth.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben


Wenige Stunden, nachdem ein Mitglied der parlamentarischen Sonderkommission zur Untersuchung der Ereignisse nach der Wahl bekanntgegeben hatte, dass „der Tod des Gefängnisarztes von Kahrizak keine Untersuchung erfordert“, hat die Familie des Arztes Dr. Ramin Pourandarjani das Vorgehen und die widersprüchlichen Aussagen der Behörden kritisiert. Sie bestehen darauf, dass ihr Sohn keinesfalls Selbstmord begangen habe, dass aber niemand den Mut habe, die Wahrheit zu sagen.

Farhad Tajari, ein Hardliner im Parlament, sagte gestern: „Unserer Ansicht nach ist der Tod des Gefängnisarztes geklärt und muss nicht untersucht werden. Er hatte schon vorher Medikamente ganommen und hat sich vermutlich damit vergiftet. Wir sehen keine Notwendigkeit dafür, dass das Parlament sich mit solchen Vorfällen beschäftigt.“

Ramin Pourandarjanis Vater, Rezagholi Pouarndarjani, kritisierte daraufhin gestern in einem Interview mit Rooz die widersprüchlichen Äußerungen der Offiziellen: „Zuerst sagten sie, es war ein Herzinfarkt, dann kamen sie mit Selbstmord, dann heißt es, es war eine Vergiftung, und noch immer haben sie uns keine klare Antwort gegeben.“

Pourandarjani sagt, seine Familie habe eine Beschwerde eingereicht. „Wir haben in Teheran Beschwerde eingereicht, um den Mord an Ramin aufklären zu lassen. Der Fall meines Sohnes liegt im Strafgericht in Teheran, aber bis jetzt ist nichts passiert.“

Er fügte hinzu: „Von offizieller Seite hat uns bisher niemand kontaktiert, um das aufzuklären. Als wir unsere Beschwerde beim Strafgericht eingereicht haben, konnten wir den Richter ein Mal sprechen, aber danach haben wir nichts mehr von ihnen gehört, und sie haben uns auch noch keine Antwort gegeben.“

Auf die Frage, wie er beabsichtige, dem Rätsel um den Mord an Ramin nachzugehen, sagte er: „Wie können wir dem nachgehen, wenn sie uns keine Antworten geben und den Fall nicht einmal untersuchen?“

Weiter sagte er, “Wenn sie Antworten geben und den Fall untersuchen wollten, hätten sie es schon getan. Sie wollen keine Antworten geben, und wir sind auf Gottes Hilfe angewiesen, weil wir niemanden haben, der uns hilft, und niemanden, der das untersuchen will.“

Er fügte hinzu: “Der härteste Schlag war, dass unser Sohn zerstört wurde. Und welche Antwort haben sie jetzt für uns?“

Ramin Pourandarjanis Mutter sprach ebenfalls mit Rooz und wiederholte ihre vorherige Äußerung, dass Ramin kein Mensch gewesen sei, der Selbstmord begeht.
„Gott muss uns Gerechtigkeit widerfahren lassen“, sagte sie. „Niemand hat den Mut, die Wahrheit zu sagen, und zu sagen, was geschehen ist, denn jeder weiß, dass mein Sohn sich nicht umgebracht hat.“

Zu Farhad Tajaris Bemerkung sagte Frau Pourandarjani: „Ich habe nichts mehr mit ihm und den anderen zu tun, die vor Gott Lügen über Ramin verbreiten“ [Anm. d. Übers.: der Satz ist mehrdeutig formuliert: “I have left him and others who tell lies about Ramin to God.”]

Widersprüchliche Äußerungen von Parlamentariern
Während Farhad Tajari sagt, dass „der Tod des Gefängnisarztes keine Untersuchung erfordert“, hatte der konservative Parlamentsabgeordnete Ali Motahari zuvor gesagt, „die für Kahrizak zuständige parlamentarische Kommission hat ihren Bericht über den Tod des Gefängnisarztes von Kahrizak zur Verlesung im Parlament vorbereitet.“

Das Schicksal des Berichts bleibt unbekannt. Anderen Berichten zufolge ist der Chef der Krankenstation der Teheraner Polizei, der auch Ramins Vorgesetzter gewesen war, bei der Kommission für Gesundheitsfragen im Parlament vorstellig geworden, um Fragen zu Ramins Tod zu beantworten. Allerdings ist noch kein Bericht über die Inhalte des Gesprächs veröffentlicht worden.

Farhad Tajaris gestrige Erklärungen wurden zu einem Zeitpunkt bekannt, wo Masoud Pezeshkian – Parlamentsabgeordneter aus Tabriz und Gesundheitsminister unter dem früheren Präsidenten Khatami – die Theorien über den Herzifarkt und den Selbstmord wiederholt zurückgewiesen und die Gerichtsmedizin aufgefordert hatte, die Todesursache des jungen Doktors offenzulegen.

Er hatte betont, dass das verdächtige Rätsel dieses Mordes von der Justiz und der Gerichtsmedizin untersucht werden wird, bis die genaue Todesursache ermittelt ist. Zuletzt hatte Dr. Pezeshkian mitgeteilt, dass die Gerichtsmedizin auf seine Nachfragen zur Todesursache von Dr. Pourandarjani noch nicht geantwortet hätte.

Khamenei: „Gegner werden zerstört“

Veröffentlicht auf Rooz Online am 17. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2009/december/17//opponents-will-be-destroyed.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

In einer vernichtenden Reaktion auf die „Beleidigung“ von Khameneis Bild hat der oberste Führer der Islamischen Republik erklärt, dass die Gegener zerstört werden.

In einer Rede am Sonntag, 13. Dezember in Teheran sagte Ayatollah Ali Khamenei, das „Volk“ könne mit Recht erbost über die an dem Foto des Gründers der Revolution verübte Beleidigung sein, müsse aber Ruhe bewahren. In Richtung all derer, die in den letzten Tagen auf das Zerreißen des Bildes von Ayatollah Khomeini reagiert hatten, sagte er: „Die, die gegen euch sind, sind nicht verwurzelt genug, um der Macht der Revolution standhalten zu können.“ Der oberste Führer der Islamischen Republik sagte „Ihr werdet sehen, dass die Gegner vor euren Augen zerstört werden.“

An die Reformkandidaten gewandt betonte er: „Die Wahl ist vorbei“ und forderte sie auf „beiseite zu treten“. Er fügte hinzu: „Ich glaube nicht an Säuberungen, sondern an maximale Anziehung, aber es sieht so aus, als ob einige Menschen sich unbedingt vom System distanzieren wollen.“

Nach den Protestdemonstration am Studententag am 7. Dezember hatte das staatliche Fernsehen Bilder davon gezeigt, wie ein Plakat von Ayatollah Khomeini zerrissen wurde.

Die Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi hatten Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Bilder geäußert und Vorwürfe zurückgewiesen, dass Anhänger der „grünen Bewegung“ für diesen Akt verantwortlich seien. Sie hatten die Ausstrahlung der Bilder durch das staatliche Fernsehen verurteilt.

Zwar hatten die Oppositionsführer weder Regierungsorgane noch einzelne Personen explizit beschuldigt, das Video gefälscht zu haben, allerdings hatten sie einige Fragen aufgeworfen.

Wie sie sagen, begannen die Proteste der letzten Monate mit Schweigen und wurden mit gemäßigten Parolen über den Wahlbetrug fortgesetzt. Mit der Zeit und infolge der harten Reaktion seitens der Regierung und der Berichte über Misshandlungen an Häftlingen seien die Parolen allmählich radikaler geworden und hätten zeitweise auch Ayatollah Khamenei und einzelne Mitglieder seiner Familie einbezogen.

Vor Kurzem war nach einer Protestkundgebung ein Videoclip im Internet aufgetaucht, in dem zu sehen war, wie ein großes Wandbild von Ayatollah Khomeini von Demonstranten niedergerissen wurde. Weil die wichtigsten Oppositionsführer auf der Einhaltung der Verfassung bestanden hatten, gab es keine Berichte über Parolen gegen Ayatollah Khomeini oder Diffamierung seiner Bilder, die in der ganzen Stadt in großer Zahl zu sehen sind.

Nach der Ausstrahlung der „Beleidigung von Ayatollah Khomeini“ im iranischen Fernsehen hatten Dutzende konservativer Offizieller in separaten Statements mehr oder weniger die Reformer beschuldigt, den Akt unterstützt zu haben, und ein hartes Vorgehen gegen die Oppositionskandidaten gefordert.

Auf dieser Reaktionen hin hatte die Webseite „Kalameh“, die Mir Hossein Moussavi gehört, die Anhänger der „grünen Bewegung“ gewarnt, dass möglicherweise ein besonderes Ereignis drohe, und sie zu Wachsamkeit aufgerufen