Tagesarchiv: 18. Dezember 2009

Mehdi Karroubi: Irans Regierung wird “nicht von Dauer sein”

Veröffentlicht auf BBC UK am 18. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/8420453.stm
(Video des Interviews: http://www.youtube.com/watch?v=4_bXBKSFbtY)
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

In einem seiner wenigen Interviews sagt der unterlegene iranische Oppositionsführer Mehdi Karroubi, dass die Regierung Ahmadinejad durch Gewalt an der Macht gehalten wird.

Karroubi, einer der oppositionellen Präsidentschaftskandidaten, prophezeit, dass die mit Hilfe von Gewalt an der Macht gehaltene iranische Regierung die vierjährige Amtszeit nicht durchhalten wird.

Der Oppositionelle Mehdi Karroubi sagt, die Regierung sei Druck seitens vieler Parlamentarier, der iranischen Öffentlichkeit und dem Rest der Welt ausgesetzt.

Im Gespräch mit BBC Teheran wiederholte er seine Anschuldigungen, dass Regierungsgegner im Gefängnis misshandelt worden seien.

Präsident Mahmoud Ahmadinejad war in einer umstrittenen Wahl im Juni wiedergewählt worden.

„Bereits am ersten Tag, als die Wahlergebnisse veröffentlicht wurden, war ich davon überzeugt, dass Herr Ahmadinejad seine volle Amtszeit von vier Jahren nicht überleben wird“, sagte Karroubi.

„Schon in den letzten sechs Monaten hatte die Regierung es nur mittels Gewalt geschafft, an der Macht zu bleiben.“

Nach der Wahl waren in Iran großangelegte Proteste ausgebrochen, bei denen hunderte von regierungskritischen Demonstranten verhaftet wurden.

In einem seiner seltenen Interviews mit einem ausländischen Sender sagte Karroubi BBC gegenüber, dass das ungeschickte Vorgehen der Behörden kontraproduktiv gewesen sei.

„Zu Beginn der Bewegung war es lediglich ein Protest gegen die Wahl, die wir nicht als seriös anerkannt haben.“

„Die Reaktion der Regierung, die Niederschlagung, hat die Situation nicht beruhigt. Sie hat nur dazu geführt, dass die Rufe lauter wurden. Sie hat die Forderungen der Menschen in die Höhe getrieben.“

Er blieb bei seinem Vorwurf, dass oppositionelle Aktivisten in der Haft vergewaltigt wurden – was von den Behörden vehement bestritten wird.

Wie er sagt, hat er keine Angst, wegen seiner Behauptungen gerichtlich verfolgt zu werden, was ihm von verschiedenen Regierungsoffiziellen angedroht wird.

Ein Akt der Verteidigung
BBC interviewte Karroubi in seinem Haus in Teheran, da seine Zeitung geschlossen ist und alle Parteitreffen verboten wurden.

„Wir bekommen nicht einmal die Erlaubnis für soziale Versammlungen“, sagte er.

Obgleich er nach eigenen Worten nicht damit rechnet, verhaftet zu werden, scheint die Regierung sich diesem radikalen Schritt immer mehr anzunähern, während die Konfrontation mit der Opposition wieder auszubrechen droht, sagt Jon Leyne, BBC-Korrespondent in Teheran.

Wie unser Korrespondent ergänzend hinzufügte, war Karroubis Interview mit BBC, das von der iranischen Regierung beschuldigt wird, die Unruhen nach der Wahl geschürt zu haben, ein freiwilliger Akt der Herausforderung.

Sechs Monate nach der Wahl gibt es immer noch Demonstrationen in Iran.

Am Wochenende hatte Irans Oberster Führer die Opposition beschuldigt, den Gründer der Islamischen Republik Ayatollah Rouhollah Khomeini beleidigt und damit das Gesetz übertreten zu haben.

Die Äußerungen gehen auf einen angeblichen Vorfall am vergangenen Montag zurück, bei dem ein Plakat von Imam Khomeini zerrissen worden war.

Oppositionsführer sagen, dass es sich bei dem angeblichen Vorfall, der auch im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde, um einen gestellten Akt handelt.

„Arzneimittelvergiftung“ Grund für den Tod des Arztes von Kahrizak

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh (Englisch) am 18. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/12/drug-poisoning-caused-dea.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Ramin Pourandarjani

Die verdächtigen Umstände des Todes von Ramin Pourandarjani, dem jungen Arzt, der während der Ereignisse nach den Wahlen in Iran einige Folteropfer in der Haftanstalt Kahrizak untersucht hatte, sind wieder in die Schlagzeilen iranischer Zeitungen geraten, nachdem Massoud Pezeshkian von der Parlamentarischen Kommission für Gesundheitsfragen erklärt hatte, dass der Tod des Arztes infolge einer „Vergiftung mit dem Medikament Inderal“ eingetreten sei.

Ramin Pourandarjani war letzten Monat in seinem Büro im Gebäude der Teheraner Sicherheitskräfte tot aufgefunden worden. Anfangs hatte die Gerichtsmedizin von „Herzversagen“ als Todesursache gesprochen. Später hatten die Behörden den Bericht modifiziert und erklärt, der junge Arzt habe in Wirklichkeit „Selbstmord begangen“.

Esmail Ahmadi Moghaddam, Befehlshaber der Sicherheitskräfte, erklärte, Pourandarjani habe ein Testament hinterlassen, was ein „konkreter Beweis für seinen Selbstmord“ sei.

Ramin Pourandarjanis Familie schließt die Möglichkeit eines Selbstmords aus und bleibt dabei, dass es ihrem Sohn psychisch gut ging und er nicht selbstmordgefährdet wirkte.

Die Opposition behauptet, dass die verdächtigen Umstände von Pourandarjanis Tod damit zusammenhängen, dass er Wissen aus erster Hand über die Gewalt in der Haftanstalt Kahrizak hatte, insbesondere über den Tod eines Häftlings, Mohsen Rouholamini, den Pourandarjani angeblich kurz vor dessen Tod noch untersucht hatte.

Berichten zufolge war der junge Arzt unter Druck gesetzt worden, damit er bestätigt, dass der Gefangene an „Meningitis“ starb.

Mohsen Rouholamini war der Sohn eines prominenten Mitglieds des konservativen Lagers der Islamischen Republik.

Die iranischen Sicherheitskräfte hatten aktiv versucht, die Ereignisse in Kahrizak in den ersten Tagen der Wahlproteste zu rechtfertigen, als Berichte über Todesfälle, Folter und Vergewaltigung von Gefangenen den Obersten Führer zwangen, die Schließung des Gefängnisses anzuordnen.