Iranische Behörden verbieten Gedenkfeiern für Ayatollah Montazeri

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 24. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/12/ayatollah-montazeris-serv.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

Transparent an der Al-Hossein-Moschee in Kashan

Irans Behörden haben alle Gedenkfeierlichkeiten für den regierungskritischen Geistlichen Großayatollah Montazeri verboten. Von dem Verbot ausgenommen sind die Heimatstadt des verstorbenen religiösen Führers, Najafabad, und die Pilgerstadt Qom, wo Montazeri zum Schluss lebte.

Die reformorientierte Webseite Parleman News berichtet, dass die für gestern Abend angesetzte Gedenkfeier in Kashan von Sicherheitskräften abgesagt wurde. Ein Transparent über dem Eingang zur Al-Hossein-Moschee informierte über das auf Anordnung des Hohen Nationalen Sicherheitsrats ergangene Verbot.

Parleman News zufolge wurden auch die turnusmäßigen Gedenkfeiern zum dritten und siebenten Tag nach dem Tod des Großayatollahs abgesagt.

Der Tod von Ayatollah Hossein Ali Montazeri, der ein unverblümter Kritiker der Islamischen Republik war, löste unter den Iranern, die bereits seit mehr als sechs Monateh gegen den angeblichen Wahlsieg Mahmoud Ahmadinejads protestieren, tiefe Trauer aus.

Das Begräbnis am Montag, an dem hunderttausende Trauernde teilnahmen, verwandelte sich in einen Protest gegen das Establishment mit Parolen gegen den Obersten Führer Ayatollah Khamenei.

Auch Ayatollah Taheris Gedenkfeier in Isfahan gestern wurde abgesagt, und der Geistliche wurde mit Gewalt daran gehindert, die Moschee zur vorgesehenen Stunde zu betreten.

Trauernde in Isfahan wurden mit Hilfe von Tränengas, Schlagstöcken und Knüppeln zerstreut, Berichten zufolge wurden gestern mehr als 50 Personen verhaftet.

Die Ausweitung der Ressentiments gegen das Establishment über die üblichen Grenzen der Unzufriedenheit in Teheran hinaus hat die Islamische Republik alarmiert, darum auch die Entscheidung, alle Gedenkfeiern für Ayatollah Montazeri zu verbieten.

Ayatollah Montazeri, eine der höchsten schiitischen Autoritäten, war zwar eine Führungsfigur in der iranischen Revolution von 1979 und war an der Gründung der Islamischen Republik beteiligt, jedoch überwarf er sich wegen der Massenhinrichtungen von Regierungskritikern im Jahre 1990 mit dem Establishment.

Für seine Kritik am Obersten Führer Ayatollah Khamenei wurde er unter Hausarrest gestellt und wurde zu einer der führenden Persönlichkeiten der Reformbewegung in Iran.

In den letzten sechs Monaten hatte er das gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen die Proteste gegen das Wahlergebnis offen verurteilt.

Weitere Proteste werden für das Wochenende erwartet, weil die ersten Tage nach dem Tod des regierungskritischen Geistlichen mit den Tagen Ashura und Tasoua zusammenfallen, an denen Schiiten traditionsgemäß landesweit in großen öffentlichen Trauerzeremonien des Todes des 3. schiitischen Imams im heiligen Monat Moharram gedenken.

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