Tagesarchiv: 25. Dezember 2009

Störung von BBC Persian quer über den Globus

Veröffentlicht auf Rooz Online am 25. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2009/december/25//bbc-farsi-disrupted-across-the-globe.html
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

Tehran’s Million Dollar Investment to Disrupt a News Network

Von Sara Isfahani

Iran hat nach der Störung von Radionetzen auch seine Anstrengungen zur Störung von Satellitensignalen für Fernsehkanäle erhöht. In diesem Zusammenhang führte eine neue Störtechnologie dazu, dass Zuschauer von BBC Farsi von Teheran bis New York in den letzten vier Tagen keine Sendungen empfangen konnten.

Satellitenstörsignale waren schon während der Ereignisse nach der Wahl ein umstrittenes Thema gewesen. Damals hatte die Regierung versucht, Satellitensendungen über die Proteste in Iran zu unterbrechen, während andererseits die Medien berichteten, dass die Störsignale gesundheitsschädlich für die Bevölkerung seien und diverse Krankheiten und Störungen verursachen könnten.
Die Gesundheitsdebatte wurde so hitzig, dass sich schließlich das achte Parlament in die Diskussion einmischte und Regierungsoffizielle zwecks Klärung einbestellte. Der Minister für Kommunikation bestritt jedoch die Vorwürfe und verkündete, sein Ministerium habe weder Informationen zu diesem Thema, noch habe es etwas damit zu tun. Auch Regierungseinrichtungen weigerten sich, Verantwortung für das Thema zu übernehmen. Es ist immer noch unklar, welche Stelle für die schädlichen Störsignale verantwortlich ist.

Nach der letzten Präsidentschaftswahl hat die Islamische Republik Iran eine neue Störtechnologie eingesetzt, die Satellitennetzwerken gar nicht erst erlaubt, ihre Signale an die vorgesehenen Ziele zu senden und so den Kommunikationsfluss bereits vor dem Empfang des Signals stört. Im Ergebnis ist das Zielnetzwerk weltweit unerreichbar. Genau dies ist in den letzten vier Tagen mit dem Fernsehnetz von BBC Persian geschehen. Die Zuschauer konnten die Satellitensignale nicht empfangen.

Die Kosten für diese neue Technologie, die die Islamische Republik erworben hat, werden von Experten auf mehrere Millionen Dollar geschätzt, wobei noch unklar ist, aus welcher Quelle die Finanzierung stammt. Allein das Volumen der Signale, die an die Frequenz von BBC Persian gesendet werden, haben auch in anderen Kanälen Störungen verursacht, darunter auch beim berühmten und populären Kanal „Discovery“, der seine Sendungen nicht ausstrahlen konnte. Deshalb musste BBC Persian aus dem Netzwerk von Hot Bird herausgenommen weden

BBC World hat gestern ein Statement herausgegeben, in dem betont wird, dass Signalstörungen und Unterbrechungen nichts daran ändern können, dass das Netzwerk auch weiterhin senden wird. Es gebe Pläne, die Sendungen von BBC Persian auf die Satellitennetzwerke Nilesat und Astrasat zu verlegen.

In dem Statement heißt es: „Die fortgesetzte Unterbrechung der Fernsehübertragungen von BBC Persian begann kurz nach dem Tod des regierungskritischen iranischen Geistlichen Ayatollah Hossein Ali Montazeri.“

Die Störung der Signale von BBC Persian begann am Sonntag, dem 20. Dezember, und richtete sich gegen das Satellitennetzwerk Hot Bird 6, das unter anderem von verschiedenen internationalen Fernseh- und Radiokanälen von BBC in verschiedenen Sprachen genutzt wird.

Irans Politik nach Tod des regierungskritischen Geistlichen bleibt unberechenbar

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 25. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/12/death-of-dissident-cleric.html
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

Ayatollah Montazeri

Der Tod des prominenten regierungskritischen Geistlichen Ayatollah Montazeri hält die politische Szene Irans auch weiterhin in Atem. Gedenkfeiern werden gegen den Willen der Regierung organisiert, und Hardliner versuchen, die Bedeutung des führenden religiösen Führers herunterzuspielen.

Während sich gestern Begräbnisprozessionen zum Angedenken an Ayatollah Montazeri in Teheran zu Protesten gegen die Regierung wandelten, sagte Ahmad Khatami, der heute das Freitagsgebet leitete, der Oberste Führer Ayatollah Khamenei habe mit seiner Erlaubnis für die Beisetzung von Ayatollah Montazeri im Massoumeh-Schrein in „Großherzigkeit“ gezeigt.

Der Tod des regierungskritischen Geistlichen, der zu einem der schärfsten Kritiker der Islamischen Republik geworden war, ist zu einer Startrampe für den Protest der Menschen gegen den angeblichen Wahlbetrug geworden, mit dem Mahmoud Ahmadinejad und seiner Hardliner-Regierung eine weitere Amtszeit gesichert wurde.

Trauernde hatten Parolen gegen den Obersten Führer und die Regierung gerufen, darunter „Ein Ende dieser Diktator war der letzte Wille und das Testament Montazeris!“

Morgen [sic – nach meiner Kenntnis ist am 26. Dezember Tasoa und der 6. Tag nach Montazeris Tod, d. Übers.] wird der siebente Tag nach Ayatollah Montazeris Tod mit dem schiitischen Trauertag Ashoura zusammenfallen, und Demonstranten haben angekündigt, sich den Trauerprozessionen zum Gedenken an den verstorbenen religiösen Führer anschließen zu wollen.

Ahmad Khatami warnte die Oppositionsführer, sie sollten sich vor der Unterstützung ausländischer und „revolutionsfeindlicher“ Kräfte für ihre Bewegung in Acht nehmen und realisieren, dass sie einen Fehler machen.

Er drängte die Führung, das religiöse Ereignis nicht zu einer „Plattform für Zerwürfnis und Verrat“ zu machen und entlarvte damit die Befürchtungen der Regierung hinsichtlich der Proteste an Ashoura.

Brief der Eltern von Shiva Nazar Ahari an das Geheimdienstministerium

Veröffentlicht auf Persian2English am 25. Dezember 2009
Quelle (Persisch): Free Journalists
Übersetzung Persisch-Englisch:Bahaar für Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.wordpress.com/2009/12/25/the-parents-of-shiva-nazar-ahari-write-a-letter-to-the-expert-intelligence-ministry/
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

In der Nacht, in der die Menschenrechtsaktivistin und Bloggerin Shiva Nazar Ahari (vor wenigen Tagen) gemeinsam mit den Angehörigen politischer Gefangener nach Qom fuhr, um an Ayatollah Montazeris Beerdigung teilzunehmen, wurde sie verhaftet und nach Evin gebracht.

Shivas Eltern haben sich in einem Brief an den Befrager ihrer Tochter gewandt und ihre Unschuld beteuert.

Hier ist der Wortlaut ihres Briefes an den Experten des Geheimdienstministeriums:

Sehr geehrter Experte des Geheimdienstministeriums
Folgendes möchten die Mutter und der Vater von Shiva Nazar Ahari Ihnen sagen:

Wir würden gern von Angesicht zu Angesicht mit Ihnen sprechen, aber da das nicht möglich ist, teilen wir Ihnen in diesem Brief mit, was wir zu sagen haben. Vielleicht werden wir eines Tages als Ergebnis dieses Briefes persönlich mit Ihnen über den Schmerz sprechen können, den es uns bereitet, von unserer Tochter
getrennt zu sein.

Sie erinnern sich bestimmt noch gut daran, dass unsere Tochter 102 Tage lang vom Geheimdienstministerium in Haft gehalten wurde. 30 Tage davon war sie in Einzelhaft. Sie wurde vor noch nicht einmal 3 Monaten gegen eine Kaution von 200 Millionen Toman (ca. 200.000 US$) freigelassen, und jetzt ist sie wieder von Ihnen verhaftet worden. Shiva war, wie so viele andere, auf ihrem Weg nach Qom, um am Begräbnis von Ayatollah Montazeri teilzunehmen. Was ist der Grund für ihre zweite Verhaftung? Wie viele andere Menschen haben an dieser Zeremonie teilgenommen? Sind sie auch alle verhaftet worden?

Herr Alavi, unsere erste Frage als Shivas Eltern ist: Wenn unsere Tochter weniger als 3 Monate nach ihrer Freilassung wieder verhaftet werden sollte, warum ist sie dann überhaupt freigelassen worden? Wir möchten wissen, was in diesen drei Monaten geschehen ist, dass Sie trotz ihrer hohen Kaution und trotz der Tatsache, dass ihr Gerichtstermin bevorsteht, entschieden haben, sie wieder ins Gefängnis und in Einzelhaft zu nehmen.

Aus dem, was unsere Tochter schreibt und tut, schließen wir, dass sie, abgesehen von ihren Menschenrechtsaktivitäten nichts getan hat. In ihrem Bemühen, dieses Ziel zu erreichen, tut sie ihr Bestes, um jede Religion und jede Ideologie zu verteidigen. Ist es ein Verbrechen, sich für Menschenrechte einzusetzen.

Sehr geehrter Experte des Geheimdienstministeriums. Während unseres Treffens, das wir 63 Tage nach der ersten Verhaftung meiner Tochter hatten, haben Sie mir (Shivas Mutter) erzählt, dass sie eine Tochter haben, die ungefähr in Shivas Alter ist. Ich frage mich, ob sie Ihre Tochter genauso behandelt hätten wie Sie Shiva heute behandeln, wenn sie in derselben Situation wäre? Haben Sie Shiva jemals auch nur eine Sekunde lang als Ihre eigene Tochter betrachtet?

Es gibt vieles, was wir Ihnen sagen möchten, aber wir glauben, dass es nicht möglich ist, all das in diesem Brief zu sagen. Wir möchten jedoch, dass Sie sich nur eine Sekunde lang in unsere Lage versetzen und sich vorstellen, dass Sie Shivas Vater sind und ihre Tochter zum zweiten Mal von Ihnen getrennt wurde. Wie würden Sie sich dann fühlen? Sie wissen, dass Shiva zur Zeit in Einzelhaft ist. Selbst, wenn Sie ihr die besten Bedingungen bieten würden, könnten Sie die Qualen der Einzelhaft nicht ignorieren. Mit dieser zweiten Verhaftung könnte Shiva ihre Arbeit und ihre Ausbildung verlieren, für die sie so hart gearbetet hat.

Glauben Sie uns, unsere Tochter hat keine anderen Absichten als die Verteidigung von Menschen. Bitte beziehen Sie dies in Ihre Erwägungen ein und behandeln Sie ihren Fall mit der größtmöglichen Fairness und Menschlichkeit.

Shahrzad Karimian – Nazar Ahari (Shivas Eltern)