Tagesarchiv: 28. Dezember 2009

Josh Shahryars Zusammenfassung über die Demonstrationen an Ashura (27. Dezember 2009)

Veröffentlicht auf http://www.dailyniteowl.com/ am 28. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.dailyniteowl.com/wordpress/index.php/2009/12/28/summary-update-on-ashura-protests/
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

In rot markierten Städten konnten Demonstrationen bestätigt werden. Aus den grün markierten Städten gab es Berichte über Demonstrationen, die nicht bestätigt werden konnten.

Hier sind die neuesten Statistiken über die gestrigen Ashura-Demonstrationen

Gößenordnung:
Bis jetzt konnte ich Demonstrationen in Teheran, Mashhad, Tabriz, Shiraz, Isfahan, Ardebil, Babol, Qom und Najafabad bestätigen.
Nicht bestätigen konnte ich Demonstrationen in Oromieh, Ahvaz, Arak und Yazd, ich habe jedoch einige Nachrichten über Proteste aus diesen Städten bekommen. Erwähnenswert ist, dass die Städte mit bestätigten Demonstrationen die größten Städte Irans sind.

Zahlen:
Mit Ausnahme von Teheran waren keine verlässlichen Zahlen aus den Städten erhältlich. Es gab zu wenig Videos aus anderen Städten außer Teheran, um irgendwelche Schätzungen abzugeben. Was mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass in Teheran Zehntausende teilgenommen haben. Da die anderen Städte kleiner sind als die iranische Hauptstadt, waren die Demonstrationen dort wahrscheinlich auch kleiner als in Teheran, so wie es in den letzten sechs Monaten auch bei allen anderen landesweiten Protesten der Fall war.

Nur aus einer Stadt außer Teheran gab es einen Bericht über die Zahlen. Dem Bericht zufolge waren in Shiraz etwa 20.000 Demonstranten auf der Straße, aber bestätigt werden konnte dies nicht.

Gewalt:
Es gab keine verlässlichen Berichte über die Anzahl der Verletzten. Allerdings lassen die Bilder und Videos aus Teheran sowie die Tatsache, dass Sicherheitskräfte in die Menge schossen, darauf schließen, dass es mindestens Dutzende Verletzte gab, wenn nicht mehr. Auch in Shiraz gab es bei den Zusammenstößen Verletzte. Sowohl in Teheran als auch in Shiraz wurde Tränengas eingesetzt.

Die Demonstrationen an Ashura waren die gewalttätigsten der letzten Monate. Anfängliche Schätzungen gingen von drei [Toten, d. Übers.] aus, aber im Laufe des Tages stieg die Zahl auf fünf an. Mittlerweile bestätigen Berichte, dass mindestens 15 Menschen bei den Demonstrationen in Teheran getötet wurden. Es gibt auch unbestätigte Berichte darüber, dass mehrere Menschen bei Zusammenstößen in Tabriz ums Leben kamen.
Unter den in Teheran Getöteten war auch Mir Hossein Moussavis Neffe, Sayyed Ali Moussavi. Wie berichtet wird, ist seine Leiche aus dem Leichenschauhaus verschwunden.

Verhaftungen:
Die Anzahl der Verhaftungen geht möglicherweise in die Hunderte. Reformorientierte Webseiten berichten, dass möglicherweise zwischen 300 und 600 Demonstranten verhaftet wurden. Eine Webseite erklärte, dass mindestens 550 Menschen in den letzten 48 Stunden nach Evin – das Hauptgefängnis bei Teheran – verfrachtet worden seien.

Jaras exklusiv: Irans Regime wird Khatami nicht verhaften

Veröffentlicht auf Persian2English am 28. Dezember 2009
Quelle (Persisch): Rahe Sabz
Übersetzung Persisch-Englisch: Arash Azizi für Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.wordpress.com/2009/12/28/jaras-exclusive-fears-from-international-popularity-of-khatami-is-why-they-are-not-arresting-him/
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

Green Path Movement (Jaras):
Der Hohe Sicherheitsrat der Islamischen Republik hat beschlossen, Seyyed Mohammad Khatami im Hinblick auf seine internationale Popularität nicht zu verhaften.
Ein Jaras-Korrespondent berichtet über die Nacht vor Ashura. Nachdem Zivilpolizisten Jamaran Hosseynia angegriffen hatten [die Moschee, in der Khatami am Abend des 26. Dezember eine Rede hielt, die er wegen Angriffen von Basijis nicht zu Ende bringen konnte, d. Übers.], gab es ein Treffen zwischen Führungskräften der Revolutionsgarden und dem Geheimdienstministerium. Auch ein Vertreter des Büros des Obersten Führers war zugegen.

Bei dem Treffen wurde beschlossen, Seyed Mohammad Khatami, Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi zu verhaften. Der Hohe Sicherheitsrat war jedoch dagegen, weil eine Verhaftung von Khatami wegen seiner besonderen Stellung internationale Folgen haben könnte.

Daraufhin wurde beschlossen, Seyed Mohammad Khatami beim Sondergericht der Geistlichkeit anzuklagen, die historische Bedeutung von Ashoura verfälscht und die heiligen Elemente des Islam beleidigt zu haben. Sein Fall soll so bald wie möglich behandelt werden.

Der Vertreter des Obersten Führers betonte die Notwendigkeit einer Verhaftung von Moussavi und Karroubi. Bei dem Treffen wurde auch beschlossen, gegen Demonstranten hart vorzugehen. Das Militär erhielt Erlaubnis, an Ashura auf Demonstranten zu schießen.

Am Tag Ashura (27. Dezember 2009) sind offiziellen Berichten zufolge acht Personen getötet worden. Die Polizei übernimmt keine Verantwortung für die Todesfälle.

Mehr als 400 Verhaftungen in Isfahan

Veröffentlicht auf http://persian2english.wordpress.com/ am 28. Dezember 2009
Quelle (Persisch): Freedom Messenger/Jaras
Übersetzung Persisch-Englisch: Persian2English
Quelle (Englisch):
http://persian2english.wordpress.com/2009/12/28/more-than-400-arrested-in-isfahan/

Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

Bewegung Grüner Weg (Jaras):
Bei Zusammenstößen in Hossein Abad, Isfahan wurden 400 bis 500 Menschen verhaftet und ins Gefängnis von Isfahan gebracht. Viele von ihnen sind noch immer im Gefängnis. Unter den Verhafteten befinden sich Habib Nouri, der Bruder von Abdollah Nouri, und zwei seiner Neffen. Sein Sohn Reza Nouri und sein Neffe Mehdi Nouri wurden ebenfalls verhaftet.

Ashura in Rasht

Veröffentlicht auf Persian2English am 28. Dezember 2009
Quelle (Persisch): Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Arash Azizi für Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.wordpress.com/2009/12/28/report-on-ashoura-event-in-rasht/
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)
(Anmerkung d. Übers.: Dieser Artikel beruht zum Zeitpunkt der Übersetzung auf einer einzigen und inoffiziellen persischen Quelle. Ich bitte, den Inhalt des Artikels entsprechend als „unbestätigt“ einzustufen)

Iran News Agency:
Die ersten Bewegungen am Trauertag Ashura begannen in der Bistoon-Straße an der Kreuzung von Sardar Jangal. Nachdem (in einem zeremoniellen Akt der Trauer) Zelte in Brand gesteckt worden waren, begannen Menschen, Parolen zu rufen. Der Zeremonienmeister („Mojri“), der die Unruhen bemerkte, annullierte das Mittagsgebet für Ashura und bat die Polizei, die Menschen wegzuführen. Auf diese Weise wurden die Menschen zerstreut.

Am Abend von Ashura versammelten sich viele Demonstranten in der Motahari-Straße. Die Polizei hatte zuvor religiöse Gruppen daran gehindert, dorthin zu gelangen, und sie bewegten sich u. a. in Richtung Danaye Ali. Die Menschen versammelten sich, riefen aber keine Parolen. Nach wenigen Minuten erschienen Basijis auf Motorrädern. Nach einem kleinen Angriff begannen die Menschen, Parolen zu rufen.

Es kam zu kleineren Zusammenstößen zwischen den Menschen und den Basijis. Dann traten die Spezialeinheiten der Revolutionsgarden auf den Plan und begannen, die Menschen zu schlagen. Da sich viele Menschen in der Bistoon-Straße und in der Danaye Ali-Straße zusammengefunden hatten, waren die Demonstranten bald zerstreut. Es kam zu Zusammenstößen zwischen den Menschen und ihren Unterdrückern. Dabei gelang es den Menschen, drei verhaftete Demonstranten aus den Händen der Unterdrücker zu befreien.

Oppositionsführer verurteilt Gewalt der Regierung

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 28. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/12/opposition-leader-condemn-1.html
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

Mehdi Karroubi

Oppositionsführer Mehdi Karroubi hat die „unbeschreibliche“ Gewalt der Regierung und die Niederschlagung der Proteste verurteilt. Er sagte, nicht einmal der abgesetzte Schah hätte „keinen Respekt gegenüber Ashura“ gezeigt.

Der Präsidentschaftskandidat der Wahlen im Juni, der die Wahlergebnisse anficht, wirft der Regierung vor, „nach dem Blut des Volkes zu greifen und sie von gewalttätigen Rohlingen angreifen“ zu lassen.

Bei den gestrigen Zusammenstößen zwischen Reformanhängern und Kräften der Regierung – Zivilpolizei und Polizei – waren mindestens acht Menschen getötet und Dutzende verletzt worden.

Mehdi Karroubi bezeichnete die Gewalt gegen die Menschen als „Sünde, die nicht vergeben werden kann“ und sagte in Richtung der Verantwortlichen: „Wenn Sie schon keiner Religion folgen, dann verhalten Sie sich wenigstens wie Menschen freien Willens.“

Am anderen Ende des politischen Spektrums in Iran haben sämtliche konservativen Gruppen und Organisationen die Demonstranten dafür verurteilt, „die Heiligkeit von Ashura nicht zu respektieren“. Anhänger von Ahmadinejad haben die Justiz aufgerufen, die „Anführer des Aufruhrs“ gerichtlich zu verfolgen.

Der Wächterrat forderte die Identifizierung der Personen, die „den Koran verbrannt“ und „den heiligen Tag der Trauer mit Beifall, Pfiffen und Jubelrufen entweiht“ hätten.

An Ashura wird des Todes des dritten Imam der Schiiten gedacht. Traditionell wird dieser Tag in der gesamten Stadt mit Trauerprozessionen begangen.

Gegner der Wahlen hatten angekündigt, an Ashura mit einem friedlichen Marsch ihren Protest gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug zu bekräftigen, der Ahmadinejads Regierung zurück an die Macht gebracht hatte, und Gerechtigkeit und Reformen zu fordern. Die Proteste endeten in heftigen Gewaltausbrüchen, als Polizei und regierungstreue Kräfte in Zivil die Demonstranten angriffen.

Die Nachrichtenagentur Fars News hat die Demonstranten beschuldigt, “den Koran verbrannt” zu haben.