Tagesarchiv: 29. Dezember 2009

Agenten des Geheimdienstministeriums befragen und fotografieren Verletzte in Krankenhäusern

Veröffentlicht auf Persian2English
Quelle (Persisch): Freedom Messenger/HRDAI
Übersetzung Persisch-Englisch: Bahaar für Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.wordpress.com/2009/12/29/agents-from-the-ministry-of-intelligence-interrogate-and-photograph-the-injured-in-hospitals/
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)
(Anmerkung d. Übers.: Dieser Artikel beruht zum Zeitpunkt der Übersetzung auf einer einzigen und inoffiziellen persischen Quelle. Ich bitte, den Inhalt des Artikels entsprechend als „unbestätigt“ einzustufen)

Nach Informationen der Organisation „Human Rights and Democracy Activists in Iran“ haben Agenten des Geheimdienstministeriums in Zusammenarbeit mit Krankenhaus-Sicherheitspersonal Menschen, die bei den Protesten verletzt und dann ins Krankenhaus eingeliefert wurden, befragt und die Verhöre dokumentiert.

Am Sonntag, dem 27. Dezember hatten sich mehrere Agenten des Geheimdienstministeriums in den Informationscentern der Krankenhäuser eingefunden, wohin die Verletzten der Proteste gebracht wurden. Sie fotografierten die Gesichter der Verletzten und gaben Fragebögen aus. Die Fragen lauteten: Wo wurden Sie verletzt? Warum wurden Sie verletzt? Haben Sie an der Demonstration teilgenommen?

Dann wurden Adressen und Telefonnummern der Verletzten aufgenommen und weitere Fragen gestellt.

All dies geschah, während viele Verletzte bluteten und starke Schmerzen litten. Die meisten der Verletzten waren junge Männer und Frauen mit Schädelbrüchen, gebrochenen Nasen und Brüchen an Armen und Beinen.

Das Krankenhauspersonal bemühte sich, die Verletzten so schnell wie möglich zu versorgen und zu entlassen, um ihre Verhaftung zu verhindern. Viele der Verhafteten hätten wegen der erlittenen Schläge stationär aufgenommen werden müssen. Um eine Verhaftung zu verhindern, bemühte sich das Krankenhaus dennoch darum, sie zu entlassen.

Es gab viele verbale Auseinandersetzungen zwischen dem Krankenhauspersonal und den Geheimdienstlern. Das Krankenhauspersonal erhob Einspruch gegen die Einmischung in die Behandlung der Patienten und deren Befragung. Die Agenten drohten dem Krankenhauspersonal mit Verhaftung und Entlassung.

Die oben beschriebenen Begegnungen zwischen Geheimdienstmitarbeitern und Krankenhauspersonal ereigneten sich in verschiedenen Krankenhäusern, wohin die Verletzten gebracht wurden, u. a. in den Krankenhäusern Sina und Amir Alam.

Human Rights and Democracy Activists in Iran
28. Dezember 2009

Irans Justiz bereit zu großangelegten Verhaftungen

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 29. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/12/iran-judiciary-stands-by.html
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

Abbas Jafari Dowlatabadi

Der Staatsanwalt von Teheran, Abbas Jafari Dowlatabadi, hat heute bekanntgegeben, dass die großangelegten Verhaftungen der letzten beiden Tage vollkommen berechtigt seien und auf direkte Anordnung der Justiz erfolgten.

Am Sonntag war in Iran mit Massendemonstrationen in den Straßen von Teheran gegen die Wahl protestiert worden, die Demonstrationen wurden von Regierungskräften gewaltsam niedergeschlagen, was acht Tote und Dutzende Verletzte zur Folge hatte. Seitdem hat die Regierung eine neue Verhaftungswelle gestartet, die sich gegen politische Aktivisten und Menschen aus dem Umkreis des Oppositionsführers Mir Hossein Moussavi richtete.

Ohne Angaben über die Zahl der Verhafteten zu machen, gab der Teheraner Staatsanwalt bekannt, dass sämtliche Verhafteten „Aktivitäten gegen die Regierung“ vorgeworfen wird.

Er fügte hinzu, die Leiche des Neffen von Mir Hossein Moussavi, Ali Moussavi, befinde sich zwecks weiterer Untersuchungen in der Gerichtsmedizin.

Ein Statement der Polizeidirektion besagt, dass Ali Moussavi nicht im Zuge der Ereignisse am Ashura-Tag getötet wurde, sondern aus einem vorbeifahrenden Auto in der Shademan-Straße erschossen wurde. Weiter heißt es in dem Statement, die Polizei sei dabei, die „terroristischen Elemente“ zu identifizieren.

Die Auseinandersetzung um die Ereignisse an Ashura zwischen Unterstützern und Gegnern der Regierung dauern an. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, den heiligen Tag entweiht zu haben.

Regierungstreue Kräfte haben angekündigt, am morgigen Mittwoch Demonstrationen abzuhalten, um gegen die „Respektlosigkeit gegen den Ashura-Tag“ zu protestieren.

Fatemeh Karroubi verurteilt Angriff auf ihre Familie

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 29. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/12/fatemeh-karroubi-condemns.html
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

Fatemeh und Mehdi Karroubi

Fatemeh Karroubi, die Ehefrau des Oppositionsführers und Präsidentschaftskandidaten der Wahlen im Juni Mehdi Karroubi, hat heute ein Statement veröffentlicht, in dem sie die Angriffe auf ihrer Familie verurteilt.

Frau Karroubi schreibt, ihre Familie sei in „nächtlichen Attacken durch willkürliche Kräfte“ bedroht worden und fügt hinzu, dass sie die Regierung für alles verantwortlich machen wird, was Mitgliedern ihrer Familie zustoßen könnte.

Mehdi Karroubi ist in den letzten sechs Monaten wiederholt von regierungstreuen Kräften angegriffen worden. Bei dem letzten Angriff durch Anhänger der Regierung in Zivilkleidung vor wenigen Tagen wurde sein Auto Ziel eines Angriffs.

Hossein Karroubi, der Sohn des Oppositionsführers, erklärt, sein Vater stehe de facto „halb unter Hausarrest“, da das ihm von der Polizei zur Verfügung gestellte Sicherheitspersonal abgezogen worden sei.

Wie Frau Karroubi schreibt, haben gewissen Offizielle einer Gruppe von eigenmächtig agierenden Kräften, die als „Revolutionäre“ auftreten, „Grünes Licht“ gegeben, „führende Persönlichkeiten des Systems“ anzugreifen.

Sie fügt hinzu, dass diese Elemente ein spezielles Training durchlaufen hätten, das sie dazu befähigt, jegliche „unmoralische, illegale und der Sharia widersprechende“ Handlung auszuführen.

Außerdem wies sie neueste Gerüchte über eine Verhaftung ihres Mannes zurück.

In den letzten zwei Tagen haben immer mehr Hardliner die Justiz gedrängt, die beiden Oppositionsführer Mehdi Karroubi und Mir Hossein Moussavi zu verhaften.

Wie die Justiz heute bekannt gab, hat sie mehr als 20 politische Aktivisten und Journalisten verhaftet.

Fortsetzung der Proteste an Teheraner Universitäten

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 29. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2009/12/protests-continue-in-tehr-1.html
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)

Demonstration an der Elm-o-Sanat Universität heute

Regierungstreue Kräfte in Zivil gingen heute gegen Studentendemonstrationen gegen die Regierung an Teheraner Universitäten vor, dabei gab es Dutzende von Verletzten und eine Vielzahl an Verhaftungen.

Zehn Teilnehmer an Kundgebungen an der Elm-o Sanat-Universität wurden ins Krankenhaus gebracht, berichtet die reformorientierte Webseite Jaras. Einige Studenten wurden verhaftet und an einen nicht genannten Ort gebracht.

Die Abteilung für Wissenschaft und Forschung der Offenen Universität war ebenfalls Schauplatz von Zusammenstößen zwischen Studenten und „Basijis“. Das Sicherheitspersonal der Universität kooperierte mit den Basijis und sperrte Demonstranten für mehrere Stunden im Gebäude der Universität ein.

In den letzten zwei Tagen wurden mehr als zehn studentische Aktivisten von Universitäten in ganz Iran verhaftet. Dies berichtet die Webseite Amir Kabir.

Einer der vor Kurzem Verhafteten war der Leiter der Studentenorganisation Tahkim-e Vahdat (Konsolidierung der Einheit), Mehdi Arabshahi.

Niloufar Hashemiazar, eine Studentin der Teheran-Universität, wurde gemeinsam mit ihrer Mutter Shahrzad Nasiri am Ashura-Tag (Sonntag) in Teheran verhaftet.

Ich mache mir Sorgen

Veröffentlicht auf Rooz Online am 29. Dezember 2009
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/opinion/opinion-article/article/2009/december/29//worried.html
Deutsche Übersetzung: Julia (bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben)


Von Massoud Behnoud

Wir haben versagt. Ich spreche von denen, die Geduld und Toleranz den Vorzug geben. Ja, die Anhänger der friedlichen Grünen Bewegung haben versagt. Wenn es unter uns welche gibt, die Gefallen an dem finden, was sich in den Straßen von Teheran ereignet, so glaube ich nicht, dass die Freude anhalten wird.

Wir hatten gehofft, dass unsere Wünsche nicht länger mit Fäusten und Tritten vermittelt werden müssten, und dass wir Blumen in die Gewehrläufe stecken würden. Wir hatten geträumt, dass wir den Soldaten Blumen überreichen und sie auffordern würden, sich uns in unserem Kampf anzuschließen. Aber es ist nicht so gekommen.

Schon einmal, als Ayatollah Khomeini, der von manchen als iranischer Gandhi bezeichnet wurde, die Erschießung von Gefangenen in Evin anordnete, haben wir einen Verlust erlitten. Erst vor wenigen Jahren erlebten wir, wie Khatami, der als Irans Mandela angesehen wurde, mit der Durchsetzung seiner Reformagenda scheiterte, während die Welt von seinem menschlichen Antlitz und der friedlichen und nach Frieden rufenden Bewegung bezaubert war.

Khatami gab seinen Traum vom Dialog der Zivilisationen schließlich schweren Herzens auf, während das Zentrum, das von ihm zur Verwirklichung dieses Ziels gegründet worden war und das seinen Namen trug, geschlossen wurde, um uns daran zu erinnern, dass solche Ideen in unserem Land keinen Halt finden und keine Wurzeln schlagen können.

Heute erlebt unser Land Szenen, die wir in von gewöhnlichen Iranern aufgenommenen Videoclips sehen. Darin beantworten Demonstranten die Gewalt, die ihnen von Regierungsagenten am schiitischen Gedenktag Ashura entgegenschlägt, mit gleicher Münze.

Die Gewalt, die an Ashura ausbrach, hat Hardliner und Extremisten zum Lächeln gebracht. Wir können ihr Gelächter hören. Aber haben sie uns wirklich zu den ihrigen gemacht? Sind wir uns alle in unserem Hass ähnlich geworden?

Die Hardliner haben keine Gnade gezeigt, nicht einmal mit Ahmadinejad, der einer von ihnen ist. Der momentane Zustand ist der, dass bei seinen Besuchen mehr Leibwächter Ahmadinejads anwesend sind als Besucher, die ihn begrüßen wollen. Die, die kommen, um ihn zu sehen, tun dies, weil der Präsident ihnen Schecks geschickt hat. Er ist jetzt stolz darauf, dass er jeden Monat Millionen von Anfragen aus der Öffentlichkeit sammelt. Er kann nicht behaupten, stolz darauf zu sein, eine Situation geschaffen zu haben, in der die Öffentlichkeit nicht länger die traditionellen langen Petitionen an den Staat schreiben muss.

Dieser Populist war einst stolz darauf,mit dem Bus inmitten des Volkes zu reisen und in Moscheen zu schlafen, um die Bedürfnisse und Rufe des Volkes zu hören, im Beisein von Fotografen. Heute reist er mit seiner Familie in die verschiedenen Winkel der Welt.

Wenn wir den Drachen der Gewalt im Herzen unserer Gesellschaft nicht töten, wird er weiter wachsen. Wir und unsere Unterstützer versagen, während die Hardliner mehr werden. Schon einmal ergoss sich die vorige Generation in die Straßen und versuchte, mit Parolen und dem Verbrennen von Autoreifen Glück zu erlangen. Doch es endete in der Hölle. Ist also die gegenwärtige Generation, die Generation der Transparenz, die Generation der Nachrichten, und die Generation von blau und grün, dazu verdammt, den selben Weg zu gehen?

Ich will ehrlich sein: Ich mache mir Sorgen.