Nach Mordanschlag auf Karroubi: Garantiert die Sicherheit der Oppositionsführer!

Veröffentlicht auf International Campaign for Human Rights in Iran am 8. Januar 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/01/karroubi-assassination-attempt/
Deutsche Übersetzung: Julia

(8. Januar 2010) Der heutige Mordanschlag auf den iranischen Oppositionsführer und Geistlichen Mehdi Karroubi enthält Hinweise darauf, dass er möglicherweise von offizieller Seite organisiert und mit der amtlichen Nachrichtenagentur Fars abgestimmt wurde, um den Informationsfluss über das Verbrechen zu kontrollieren. Dies sagte ein Familienangehöriger Karroubis in einem Gespräch mit der Internationalen Kampagne für Menschenrechte in Iran (ICHRI).

„Diese Beobachtungen zeigen, dass für Oppositionelle Gefahr besteht, von Revolutionsgarden und Basij-Milizen eliminiert zu werden, und zwar unerkannt und anonym, damit es so aussieht, als hätten pflichteifrige Bürger die Verbrechen begangen“, erklärte der Sprecher der Organisation Hadi Ghaemi.

“Wir rufen die iranischen Behörden auf, die Verantwortlichen für dieses Verbrechen zu identifizieren und strafrechtlich zu verfolgen, sowie die Sicherheit anderer Oppositionsmitglieder zu garantieren“, sagte er weiter.

Ein Angehöriger Mehdi Karroubis sagte der Organisation gegenüber:
“Basijis und Revolutionsgarden hatten sich vor Herrn Karroubis Ankunft in ihren Garnisonen versammelt. Als er in Qazvin eintraf, tauchten sie auf. Ihre Aktionen waren vollständig mit Fars News abgestimmt. Sobald Herr Karroubi das Privathaus betrat, in dem er zu Gast war, berichtete Fars News darüber. Die Koordination zwischen Revolutionsgarden und Fars News war umfassend.

Als die Basijis und die Revolutionsgarden sich versammelt hatten, um gegen Herrn Karroubis Anwesenheit in Qazvin zu protestieren, wurden zwei Schüsse auf sein Auto abgegeben. Glücklicherweise war das Fahrzeug kugelsicher. Die Windschutzscheibe war verstärkt und bekam nur Risse. Anderenfalls wären die Kugeln in das Innere des Autos eingedrungen und hätten ernsthafte Verletzungen verursacht.

Ich glaube, die Botschaft an Herrn Karroubi sollte sein, dass er nirgends sicher ist, wohin er auch geht, und dass er ins Visier genommen wird, wenn er sich anderswo aufhält als zu Hause.”

Lokale Quellen in Qazvin informierten die Organisation darüber, dass die zivil gekleideten Teilnehmer an den Protesten gegen Karroubis Besuch in Qazvin gut bekannte Mitglieder von Basij und Revolutionsgarden waren.

2 Antworten zu “Nach Mordanschlag auf Karroubi: Garantiert die Sicherheit der Oppositionsführer!

  1. Korrektur des ersten Satzes [Entschuldigung!]:

    Während der Demonstrationen im Anschluss an die Wahlen im Sommer wurden im Iran laut Oppositionsquellen 72 Leute getötet, laut Regierungsquellen reduziert sich die zugegebene Anzahl der Toten auf 36.

  2. EIN RÜCKBLICK

    oder

    EIN VERGLEICH BRINGT LICHT IN DIE GESCHEHNISSE IN IRAN 2009

    DEMONSTRATIONEN IN EUROPA 1950 – 2010

    Während der Demonstrationen im Anschluss an die Wahlen im Sommer wurden im Iran laut Oppositionquellen 72 Leute getötet wurden, laut Regierungquellen reduziert sich die zugegebene Anzahl der Toten auf 36 zugelassen.

    ‚KOMMUNISTISCHER‘ OSTBLOCK

    Diese Zahlen sind von einem europäischen Nachkriegsgesichtspunkt ziemlich ungewöhnlich. Wenn man sich auf die Periode der letzten 60 Jahre beschränkt, lassen sich größere Zahlen von Demonstrationstoten i.d.R. nur im ‚kommunistischen‘ Ostblock beobachten, wo Abteilungen von ausländischen Truppen (!) bei der Unterdrückung der öffentlichen Willensbezeugung der Bevölkerung des jeweiligen Staates involviert waren.

    Während des Aufstands in Ostdeutschland in 1953 erwähnen Quellen 55 Todesfälle. [„Der Aufstand in Berlin wurde gewaltsamdurch Panzer der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und der `Volkspolizei‘ unterdrückt. Trotz der Intervention der sowjetischen Truppen konnte die Welle von Streiks und Protesten nicht leicht unter Kontrolle gebracht werden. Sogar nach dem 17. Juni, gab es Demonstrationen in mehr als 500 Städten und in Dörfern. “]
    ( http://en.wikipedia.org/wiki/Uprising_of_1953_in_East_Germany ).

    Während des Prager Frühlinges, d.h. der Invasion der Warschauer Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei 1968, um die politischen Liberalisierung zu unterdrücken und zu beenden, wurden 72 Menschen getötet.
    ( http://en.wikipedia.org/wiki/Prague_Spring#Soviet_reaction )

    WESTEUROPA

    Todesfälle bei Polizeieinsätzen im Rahmen von Demonstrationen während der angegebenen 60-Jahr-Periode sind wahrscheinlich auf Grund der äußerst geringen Zahl eigentlich vernachlässigenswert. Meine subjektive Vermutung ist, dass sich die Zahl der Todesfälle im Bereich unterhalb der Zahl 10 im gesamten westeuropäischen Bereich bewegt.

    Der Exaktheit halber:
    ZWEI STATISTISCHE AUSREISSER

    Allerdings ergeben sich sowohl für Westeuropa als auch für den kommunistischen Ostblock zwei statistische Ausreßer für die genannte Perios.

    ‚Kommunistischer‘ Ostblock / UNGARN
    Während des Ungarnaufstands wurden über 2.500 Ungarn und 700 sowjetischen Soldaten wurden im Konflikt getötet, und 200.000 Ungarn flohen als Flüchtlinge.
    ( http://en.wikipedia.org/wiki/Hungarian_Revolution_of_1956 )

    Westeuropa / FRANKREICH
    Eine untypische Ausnahme hier ist Frankreich zur Zeit des Anti-Kolonialkampfes der Algerier, als in Frankreich ansässige Algerier, die i.d.R. nicht über die französische Staatsbürgerschaft verfügten, in Paris demonstrierten:
    „Das Massaker von Paris 1961“, als auf Anordnung des Chefs der Pariser Polizei, Maurice Papon, französischen Polizeikräfte eine friedliche aber nicht genehmigte Demonstration von ca. 30.000 Algeriern attackierten. Nach 37 Jahren des Ableugnens bestätigte 1998 die französische Regierung 40 Todesfälle, obgleich Schätzungen sich auf 200 Todesfälle belaufen.
    [Nebenbemerkung: Maurice Papon war für Verbrechen gegen Menschlichkeit für seine Teilnahme an der Zwangsverschickung von über 1600 Juden während des Zweiten Weltkrieges überführt worden, als er Generalsekretär für Polizei der Präfektur von Bordeaux war]
    ( http://en.wikipedia.org/wiki/Paris_massacre_of_1961 )

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