Tagesarchiv: 11. Januar 2010

Khameneis erste Reaktion auf die Ereignisse von Ashura

Veröffentlicht auf Rooz online am 11. Januar 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/january/11//authorities-should-respond-sternly.html
Übersetzung: Julia (Anmerkung: Der englische Artikel erschließt seinen Sinn relativ schwer, ich habe mein bestes versucht, um dahinter zu kommen und das Ganze in einigermaßen verständliches Deutsch zu übertragen. Leser mögen sich ermutigt fühlen, den englischen Artikel ebenfalls zu lesen, um sich ihr eigenes Bild zu machen)

Der iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei sagte einer Besuchergruppe aus Qom gegenüber, die Behörden müssten streng und „im Einklang mit dem Gesetz“ gegen die Verantwortlichen der jüngsten Unruhen vorgehen. Niemand solle „im Alleingang“ handeln. Wer „nicht autorisiert ist und keine gesetzliche Verantwortung hat, soll sich in diese Sache nicht einmischen“.

Damit reagierte der iranische Führer erstmals auf die jüngsten Unruhen von Ashura in Teheran und anderen Großstädten Irans. Bei den Zusammenstößen während des Tages Ashura waren in Teheran offiziellen Berichten zufolge acht Menschen getötet worden, darunter auch eine Schwiegertochter [sic]* Mir Hossein Moussavis.

Drei Tage nach den Unruhen von Ashura im vergangenen Monaten waren zehntausende Angehörige der Basij-Milizen, Regierungsangestellte und Mitglieder der regierungstreuen bewaffneten Streitkräfte dem Aufruf der Regierung gefolgt und hatten mit einer landesweiten Demonstration zur Unterstützung der Regierung auf die Demonstrationen der Regierungsgegner an Ashura reagiert.

Khamenei bezeichnete die Demonstration der Regierungstreuen als „großartiges Epos“ und sagte mit Bezug auf die „falsche und fehlgeleitete Propaganda ausländischer Medien über die Prägung der Demonstration durch die Regierung“: „Mit dieser Art Propaganda haben sie implizit die Kraft des Volkes in der Islamischen Republik anerkannt, denn kein Regime der Welt kann so viele Menschen im Land mobilisieren und Millionen auf die Straßen bringen.“

Bezüglich der Ereignisse von Ashura und der „Frustration und des Zorns“ der Jugend und der Basijis warnte [Khamenei]: „Die Herzen aller sind durch diese Beleidigung verletzt worden, aber wir müssen uns vorsehen, damit wir den Verschwörungen des Feindes nicht mit unerwünschten Aktionen in die Hände spielen.“ Er brandmarkte die Ereignisse als „komplexe Verschwörung“ und betonte: „Unter den gegenwärtigen vergifteten Bedingungen müssen wir umsichtig und reflektiert handeln, und natürlich zu gegebener Zeit auch streng, damit der Feind mit seinen Verschwörungen keinen Erfolg hat.“

Mit diesen Äußerungen reagierte der iranische Führer erstmals auf die Ereignisse von Ashura, zwei Wochen, nachdem Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi sein 17. Statement abgegeben hatte. Darin hatte Moussavi das Vorgehen des Regimes an Ashura kritisiert und Vorschläge unterbreitet, wie die politischen Krisen des Landes überwunden werden könnten. In dem Statement schreibt er: „Demonstranten wurden wieder einmal mit provokanten Aktionen und unglaublicher Gewalt konfrontiert, wie zum Beispiel das Überfahren von Demonstranten oder Schüsse durch Zivilkräfte, deren wahre Identität jedem klar ist, während das wahre Gesicht der Verantwortlichen für diese Aktionen und ihrer Anführer immer erkennbarer wird, die eine Tragödie erschaffen, die von der politischen Bühne des Landes nicht mehr verschwinden wird.“

Ahmadinejad ist die Quelle der Verschwörung
Khameneis Äußerungen überschnitten sich mit einer unerwarteten und beispiellosen Fernsehsendung, in der Ali Motahari, ein Parlamentarier aus Teheran und Sohn des prominenten und einflussreichen Geistlichen Ayatollah Motahari, der auch Cheftheoretiker der Islamischen Republik war und 1979 hingerichtet wurde, den iranischen Präsidenten kritisiert hatte.

Motahari beschrieb die Ereignisse der letzten sieben Monate als „Versagen und politische Fehler seitens Mir Hossein Moussavis, Mehdi Karroubis und Mahmoud Ahmadinejads“ und betonte: „Man mag darüber streiten, dass jemand zwar die Führerschaft des Islamischen Regimes (velayat-e faghih) akzeptiert, aber mit einer einzelnen Ansicht des Führers nicht einverstanden ist, aber ich glaube, dass man von so einer Person noch nicht sagen kann, dass sie nicht dazu gehört, sie kann nicht nur deshalb als Außenseiter angesehen werden, weil sie eine Ansicht nicht akzeptiert, ohne aber in irgendeiner Weise aktiv zu werden.“

Motahari bezeichnete außerdem Ahmadinejad als „Quelle der Unruhe“ und forderte, im Land müsse Gerechtigkeit regieren.

*Anm. d. Übers.: Vom Tode einer Schwiegertochter Moussavis habe ich bisher an keiner anderen Stelle etwas gelesen. Bisher ist mir nur bekannt, dass Mir Hossein Moussavis Neffe, Seyed Ali Moussavi Habibi, an Ashura getötet wurde.

Kianoush Asas Bruder nach Ghazal Hesar verlegt

Veröffentlicht auf Persian2English am 11. Januar 2010
Quelle (Persisch): Iran Press News
Persischer Artikel referenziert bei Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Mana S., Persian2English
Quelle (Englisch) http://persian2english.com/?p=3951
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

Kamran Asa wurde einen Monat nach seiner Verhaftung ins Gefängnis Ghazal Hesar verlegt.

Human Rights Watch News of Kurdistan – Kamran Asa, der Bruder des bei den Ereignissen vom letzten Sommer getöteten Kianoush Asa, ist im Zuge der in den letzten Tagen erfolgten Massenverlegung von Gefangenen aus Evin in Gefängnisse der Provinz Teheran in das Gefängnis Ghazal Hesar in Karaj gebracht worden. Dort ist er zur Zeit in der Sektion für Schwerverbrecher untergebracht.

Kamran Asa war am 7. Dezember 2009 verhaftet worden, als er an einer Gedenkfeier für seinen Bruder an der Universität Elm-o Sanat teilnehmen wollte.

Obwohl seine Familie in Abteilung 28 des Revolutionsgerichts eine ärztliche Bescheinigung über Kamran Asas Herzerkrankung vorlegte, ließ Richter Moghiseh ihn nicht frei.
Kamrans enge Verwandte machen sich wegen seines Gesundheitszustandes und seiner jüngsten Verlegung nach Ghazal Hesar größte Sorgen.

Hamed Rouhinejads Vater im Gespräch mit VOA

Veröffentlicht auf Persian2English am 11. Januar 2010
Quelle (Persisch):

Übersetzung Persisch-Englisch: Tour Irani für Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=3981
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

Reporter: Herr Rouhinejad, was gibt es Neues von Ihrem 23jährigen Sohn Hamed?

Vater: Ich habe ihn heute besucht. Sein eines Auge funktioniert jetzt gar nicht mehr. Auf dem anderen Auge hat er nur noch 70% Sehkraft. Seine Venen sind nicht zu sehen, und seine Hände sind taub. Sie haben ihn ins Khomeini-Krankenhaus gebracht und ihm innerhalb einer Woche 10 Dosen Chloroquin gespritzt. Das entspricht zwei Spritzen pro Tag! Davon hat der Junge noch stärkere Lähmungserscheinungen bekommen. Das bedeutet, mein Junge kann nichts mehr sehen! Als er mir seine Kontonummer vorlesen wollte, damit ich ihm Geld überweisen kann, konnte er die Ziffern nicht lesen! Ich habe sie ihm durch die Scheibe hindurch vorgelesen!

Reporter: Warum ist seine Sehkraft beeinträchtigt? Hat das etwas mit der Multiplen Sklerose zu tun?

Vater: Ja, das liegt an der MS. MS äußert sich bei jedem Menschen anders. Bei manchen greift sie die Gliedmaßen an, bei anderen die Augen. Bei unserem Sohn waren zuerst die Augen betroffen. Auf einem Auge ist er schon komplett erblindet. Ich habe mich sogar an die Justiz gewandt und dort inständig darum gebeten, meinen Sohn unter Aufsicht der Behörden einem Spezialisten vorstellen zu dürfen. Sie ließen mich nicht einmal vorsprechen. Sie sagten, ich sollte einen Brief schreiben und die Antwort abwarten.

Reporter: Gibt es Hoffnung?

Vater: Nun ja, der Fall liegt beim Berufungsgericht. Den ganzen letzten Monat über haben sie uns gesagt, dass der Fall „geschrieben“ und „unterschrieben“ wird. Bis jetzt gibt es weder ein Zeichen für das „Schreiben“, noch für das „Unterschreiben“. Und wir haben keine Nachricht über den Verlauf der Überprüfung, wir haben noch keine Antwort bekommen.

Reporter: Wie hat sich seine Haft auf Ihre Familie ausgewirkt?

Vater: Ich hatte zwei Mal eine Herzattacke. Ich war im Krankenhaus, und sie sagten zu mir, wenn mein Herz noch mehr Stress ausgesetzt wird, würde ich nicht noch einmal wieder aufwachen. Seine Mutter hatte einen Nervenzusammenbruch. Sie hat heftige Gliederschmerzen und kann nachts nur mit Hilfe von Salben und anderen Medikamenten wenige Stunden schlafen.

Reporter: Haben Sie noch andere Kinder?

Vater: Ich habe einen zweiten Sohn, der wegen seines Bruders ebenfalls einen schweren Zusammenbruch hatte. Auch meine Tochter hatte einen Nervenzusammenbruch. Ich war gestern mit ihr beim Arzt, und sie haben ihr dort gesagt, wenn sie so weiter macht, wird sie schlimme Probleme bekommen. Sie hat bereits einige Symptome von MS, sie kann nicht mehr scharf sehen.

Reporter: Was würden Sie sich für Hamed wünschen, wenn er frei wäre?

Vater: Nicht nur für Hamed – ich wünsche mir für alle jungen Menschen, dass sie bald aus dem Gefängnis kommen. Leider hört uns bei den Behörden niemand zu. Sie lassen uns nicht einmal mit den Beamten sprechen. Sie geben uns nicht einmal fünf Minuten, um mit ihnen zu sprechen. Wenn wir ihnen gegenüber Hamed erwähnen, sagen sie, dass sie Anweisung hatten, um die politischen Gefangenen einen roten Kreis zu ziehen. Sie haben Anordnung, keinen Kontakt mit Angehörigen von politischen Gefangenen zu haben und uns keine Termine zu geben. Ich war sogar im Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Justiz. Und sie haben mir gesagt, sie hätten Anweisung, Angehörigen von politischen Gefangenen keine Termine zu geben! Zu wem sollen wir gehen? Wem sollen wir von unseren Problemen berichten? Sie bringen unseren Sohn im Gefängnis um! Sie lassen ihn nicht einmal den Galgen erreichen, sie versuchen, ihn im Gefängnis zu töten!

Reporter: Es ist möglich, dass Herr Khamenei und andere Offizielle Ihre Stimme hören und diese Sendung verfolgen. Was möchten Sie ihnen sagen?

Vater: Wo immer ich auch hingehe, man lässt uns nicht vor. Sie lassen uns nicht einmal zu Wort kommen. Ob wir weinen oder nicht, sie sagen uns, dass sie keine Erlaubnis haben, mit uns zu sprechen. Schreiben unsere Gesetze ihnen vor, dass sie ein krankes Kind im Gefängnis töten müssen? Sollten kranke Kinder nicht behandelt werden? Wollen Sie ihn im Gefängnis umbringen? Wem sollen wir dies alles erzählen – der UN? An wen sollen wir appellieren? Um Gottes Willen, bitte helfen Sie uns! Unsere Behörden hören uns nicht zu, sie lassen uns nicht sprechen, und sie wollen uns auch gar nicht hören! Der Richter hört nicht zu. Der Sekretär hört nicht zu. Sie lassen die Anwälte nicht sprechen. Wohin sollen wir also gehen? Welches Verbrechen haben wir uns zuschulden kommen lassen?

Reporter: Vielen Dank. Gibt es noch etwas, was Sie sagen möchten?

Vater: Ich möchte nur sagen, dass niemand uns vorgelassen hat, egal, an welche Tür wir geklopft haben. Unsere einzige Hoffnung ist Gott. Dass diese Menschen nicht einmal reagiern, wenn Hameds Mutter weint! Ein Beamter sitzt also da und schaut zu, wie Hameds Mutter weint, und sagt „Es tut mir Leid, ich kann Ihnen keinen Termin geben, bei niemandem.“ Ist das richtig? Ist das Gerechtigkeit? Ist das menschlich? Ist das islamisch? Unsere Religion redet immer von Gott. Sagt Gott, dass ein krankes Kind im Gefängnis umgebracht werden muss? Ein Kind, dass an schwerer Anämie leidet! Ein Kind, das MS hat, ein Kind, das nichts mehr sehen kann und bald gelähmt sein wird. Ich habe niemanden, an den ich mich wenden kann, also, wenn der Führer und der Präsident meine Stimme hören: Sie lassen uns nicht sprechen! Vielleicht können Sie uns hören und etwas über die Realitäten in diesem Fall herausfinden. Ich sage dies zu meinem Führer und zu meinem Präsidenten und zu meinen Behörden: Die Justiz hört uns nicht zu! Vielleicht können der Präsident oder der Führer mich auf diese Weise hören! Vielleicht können sie meine Rufe hören und merken, dass ich etwas Wichtiges zu sagen habe.

Mehdi Mahmoudian im Gefängnis misshandelt

Veröffentlicht auf Persian2English am 11. Januar 2010
Quelle (Persisch): Rahe Sabz/Jaras
Persischer Artikel referenziert durch Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-English: Azadeh A., Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=3936
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia


Jaras – Ein Angehöriger von Mehdi Mahmoudian berichtet alarmiert über den kritischen Zustand, in dem Mahmoudian sich infolge von Folter befindet.

In einem Interview mit Jaras berichtet ein Angehöriger von Mehdi Mahmoudian, einem Mitglied von Jebheh Mosharekat, er habe am vergangenen Donnerstag Gelegenheit gehabt, Mehdi zu besuchen. Er berichtete, man habe Mehdi nur alle 6 Stunden (?, „after six hours“) unter bestimmten Bedingungen und Regeln gestattet, die Toilette zu benutzen. Da Mehdi an Nierenproblemen leidet, musste er häufiger darum bitten, die Toilette benutzen zu dürfen. Die Wärter öffneten ihm die Tür und folgten ihm hinein, um ihn zu schlagen. Danach brachten sie ihn in einen kalten, unüberdachten Raum. Er durfte nur seine Unterwäsche anbehalten.

Wie sein Angehöriger berichtet, wies das Gesicht von Mehdi Mahmoudian Spuren von Schlägen auf, ein Auge war verletzt.

Mehdi Mahmoudian war am 16. September 2009 verhaftet worden und ist noch immer nicht in die öffentliche Sektion des Gefängnisses verlegt worden; ein Verhandlungsdatum steht noch nicht fest.

Majid Tavakoli trifft nach 35 Tagen Haft seinen Anwalt

Veröffentlicht auf Persian2English am 11. Januar 2010
Quelle (Persisch): AUTNews
Übersetzung Persisch-Englisch: Siavash, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=3944
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

Der inhaftierte Student der Polytechnischen Universität, Majid Tavakkoli, hat nach 35 Tagen in Haft erstmals seinen Anwalt getroffen.

Wie AmirKabirNews mitteilt, war Majid Tavakoli, der ein Mitglied von Anjoman-e Eslami (Büro für Islamische Angelegenheiten an der Universität) nach seiner Verhaftung am Studententag [7. Dezember 2009, d. Übers.] nach Evin gebracht worden.

Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder von Majid Tavakoli in der von Richter Salavati geleiteten Gerichtsverhandlung. Tavakolis Anwalt Dadkhah hat seinen Klienten im Gefängnis besucht und sagt, er sei in guter Stimmung. Dadkhah zufolge hat Majid Tavakoli noch kein Urteil erhalten.