Tagesarchiv: 17. Januar 2010

Interview von IRIB mit Dr. Javad Etaat, Teil 4 – 5

Teil 4
Quelle (Persisch):

Übersetzung Persisch-Englisch: The Flying Carpet Institute
Referenziert von Enduring America
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

„Ihre Fraktion im Parlament hat einmal gesagt, dass die Reformer keine wirtschaftliche Agenda hätten, wenn sie das Land regieren würden. Die Wahrheit ist jedoch, dass unsere Politik sehr viel effektiver war als Ihre. Sie haben gesagt, wir könnten die Probleme der Menschen nicht [lösen]. Was ist mit Ihnen?
Lassen Sie mich folgendes sagen: Die Probleme der Menschen müssen mit demokratischen Mitteln gelöst werden. Die konservative Elite hat viele Kandidaten für das Parlament aus welchen Gründen auch immer abgelehnt. Wenn Sie die wahren Volksvertreter nicht ins Parlament lassen, können Sie sicher sein, dass die Probleme nicht gelöst werden können.“

„Es ist eine Tatsache, dass es den Menschen wirtschaftlich besser geht, je demokratischer das System, in dem sie leben, ist. Ein einfacher Vergleich zwischen Osteuropa und dem demokratischeren Westeuropa verdeutlicht das.“

„Dass offiziell 14% unserer Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, ist eine Schande. Und wir werden sogar immer ärmer, obwohl wir ein ölreiches Land sind.“

Teil 5
Quelle (Persisch):

Übersetzung Persisch-Englisch: The Flying Carpet Institute
Referenziert von Enduring America
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia

„Ich werde Ihnen ein Beispiel geben. Sie wissen, dass Saadat Abad im oberen Stadtteil von Teheran (Balaye Shahr) liegt, und dass die Bewohner dieses Stadtteils im Durchschnitt wohlhabender sind als die der meisten anderen Viertel in Teheran. Ich erinnere mich, dass der Preis für Noone Sangak (ein Brot) 200 Toman betrug. Jedes Mal, wenn ich Brot kaufen wollte, musste ich sehr lange anstehen. Wenn ich jetzt Brot kaufen will, muss ich nicht mehr anstehen, denn die Leute müssen mittlerweile 500 Toman für ein Brot bezahlen. Wenn sich nicht einmal mehr die Reichen Brot leisten können, dann stellen Sie sich einmal vor, wie das Leben derer aussieht, die unterhalb der Armutsgrenze leben.“

„Wir haben einen Brief an den Obersten Führer geschrieben, damit er die Probleme des Landes löst. Wir haben geschrieben, dass die Repräsentanten ernsthafte Legitimitätsprobleme bekommen werden, wenn die Probleme nicht gelöst werden. Damals haben Sie uns dafür angegriffen und uns vorgeworfen, dass wir dem Obersten Führer gegenüber respektlos sind.“

„Laut Gesetz der Islamischen Republik hatten wir das Recht, Vertreter als Beobachter in die Wahllokale zu entsenden. Dies entspricht unseren Gesetzen, und als wir diese Forderung stellten, sagten Sie, wir seien Teil einer internationalen Verschwörung.“

„Sie geben vor, dass jede einzelne Stimme Ihnen heilig ist. Bei den letzten Parlamentswahlen wurden 700.000 Stimmen in Teheran als ungültig gezählt. Wir alle wissen, dass die Wahlaufsicht bei einem Erzkonservativen lag.“

„Was aber war mit den Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Sommer? Sie haben sogar Leute dafür bezahlt, dass sie für Sie stimmen. Am 25. Khordad (15. Juni) haben die Menschen ihre Unzufriedenheit mit der Art und Weise gezeigt, wie die Auszählung der Stimmen erfolgte.“

„Imam Ali sagte: „Wenn die Menschen euch misstrauisch gegenüber stehen, müsst ihr sie von euren Zielen überzeugen. Ihr werdet daraus nur Nutzen ziehen, weil die Menschen euch danken werden. Und ihr zeigt damit, dass ihr ihnen dienen könnt.“

„Sie haben Angst, dass die Menschen zu Aufständischen werden könnten, wenn Sie sie demonstrieren lassen. Aber ich frage Sie: Wofür bezahlen wir die Sicherheitskräfte (Nirooye Entezaami)?“

„Welcher Logik folgte es, dass Ahmadinejad sofort nach der Wahl seine ‚Siegeskundgebung‘ abhielt, bevor der Wächterrat überhaupt das Ergebnis bestätigt hatte?“

„Meinen Sie es ernst, wenn Sie sagen, dass das Regime nach der Wahl Toleranz gezeigt hat? Wie können Sie so etwas überhaupt sagen, obwohl Sie den Menschen nicht einmal erlaubt haben, sich legal zu versammeln, obwohl Sie prominente Reformer eingesperrt haben? Ihre ‚Verbrechen‘ bestanden darin, dass sie vor den Wahlen Reden für Moussavi und Karroubi gehalten haben. Sagen Sie mir bitte, wo das Regime tolerant war!“

„Wir erkennen faire und freie Wahlen an und akzeptieren unsere Niederlage, aber wenn 8 von 12 Mitgliedern des Wächterrats als überzeugte Anhänger Ahmadinejads bekannt sind, müssen Sie sich nicht wundern, dass die Menschen das Wahlergebnis nicht akzeptieren.“

„Sie sagen, sie hätten die Reaktionen der Menschen vorhergesehen? Natürlich haben Sie sie vorhergesehen, denn Sie wussten ja, dass Sie die Menschen gegen sich aufbringen würden. Wenn Sie planen, jemandem ins Gesicht zu schlagen, ist es normal, dass Sie die Reaktion vorhersehen. Ihre Vorhersage war keine große Leistung.“

„Die Politik dieser Regierung ist eine Beleidigung der Intelligenz des Volkes. Sie bauen eine mangelbehaftete Schienenstrecke von Shiraz nach Teheran. Als diese Strecke zum zweiten Mal befahren wurde, entgleiste der Zug. Sie haben diese Strecke nur zu Propagandazwecken gebaut, um mehr Stimmen zu gewinnen. Ihre Politik ist verheerend, und Sie wundern sich auch noch, dass die Menschen wütend auf Sie sind.“

Teil 1 des Interviews

Teil 2 des Interviews

Teil 3 des Interviews

Iranischer Hardliner drängt auf diplomatischeren Umgang mit Protesten

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 17. Januar 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/01/iranian-harliner-urges-gr.html
Deutsche Übersetzung: Na Mous

Mohammad Reyshahri

Der ehemalige Vertreter von Ayatollah Khamanei und Vorsitzender der iranischen Pilger(-organisation, Anm. d. Ü.), Mohammad Reyschahri verurteilte sowohl den Extremismus als auch die Nachlässigkeit im Umgang mit den jüngsten Protesten.

Mohammad Reyschahri, der über 18 Jahren der Vorsitzender der iranischen Pilger (-organisation, Anm. d. Ü.) war, sagte in seiner Abschiedsrede: „Es ist keine Leistung, die Familie eines Märtyrers zu Anhängern eines Aufruhrs zu machen. Die eigentliche Leistung besteht darin, aus den Organisatoren des Aufruhrs Märtyrern zu machen. “

Reyschahri, der in den 80er Jahren auch für fünf Jahre Informationsminister war, fügte hinzu: „Wir müssen die Dinge so handhaben, dass, wenn jemand den Velayat-e Faghih (politische und religiöse Führung einer Gesellschaft durch den obersten Kleriker) nur 10 Prozent unterstützt und 90 Prozent dagegen ist, wir die 10 Prozent nicht ganz zerstören, sondern die 10 Prozent erhöhen. “

Während er betonte, dass die Zusammenarbeit mit dem Obersten Führer (Anm. d. Ü. Ayatollah Khamenei) ein absolutes Muss ist, fügte er auch hinzu, dass „es keine Leistung ist, unsere Freunde zu Feinden zu machen. Die wahre Leistung ist, diejenigen, die gegen uns sind, in Freunde zu verwandeln. “

Diese harte Kritik eines Hardliners der Islamischen Republik an der Regierungspolitik im Umgang mit den Demonstranten ist beispiellos. In den vergangenen sechs Monaten haben die Hardliner oft den Oppositionsführern die „Volksverhetzung“ vorgeworfen und zu ihrer Verhaftung und Verfolgung aufgerufen.

Noch ein Opfer der Ashura-Proteste

Veröffentlicht auf Persian2English am 17. Januar 2010
Quelle (Persisch): Freedom Messenger
Übersetzt von Siavosh J., Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=4460
Deutsche Übersetzung: Julia
(Anmerkung d. Übers.: Dieser Artikel beruht zum Zeitpunkt der Übersetzung auf einer einzigen und inoffiziellen persischen Quelle. Ich bitte, den Inhalt des Artikels entsprechend als „unbestätigt“ einzustufen)

Mostafa Kareembeigi, 27, der einzige Sohn seiner Eltern, ist durch einen einzigen Schuss in die Stirn getötet worden. Seine Leiche wies keinerlei Blutergüsse, Verletzungen oder Knochenbrüche auf. Er hatte nur ein Loch in der Stirn.

Seine Familie war mehrfach bedroht worden, damit sie keine Gedenkfeierlichkeiten abhält. Mostafas persönliche Gegenstände, wie z. B. sein Mobiltelefon, verbleiben in polizeilichem Gewahrsam, obwohl seine Familie um Rückgabe gebeten hat.

Am Mittwoch, dem 13. Januar war seine Familie nachmittags kontaktiert und gebeten worden, den Ort des Begräbnisses auf dem Friedhof Behesht-e Zahra zu bestätigen. Mostafas Leiche wurde wenige Stunden später nachts beigesetzt. Seine Mutter befand sich in einem furchtbaren Zustand.

Einer von Mostafas Freunden erzählte, Mostafa habe einmal zu seinen Freunden gesagt, er habe sein Leben aufgegeben, um (den Sieg) in diesem Kampf zu erreichen. Er sagte: „Wir alle müssen so werden, wenn wir sehen, wie sie unsere Schwestern und Brüder töten. Wir müssen diesen Weg weiter gehen, bis wir frei sind. Wir müssen unsere Freiheit gewinnen.“

Iranischer Geheimdienst dringt in Uni-Wohnheim ein

Veröffentlicht auf Persian2English am 17. Januar 2010
Quelle (Persisch): Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: N.N.
Quelle (Englisch) http://persian2english.com/?p=4444
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia0
(Anmerkung d. Übers.: Dieser Artikel beruht zum Zeitpunkt der Übersetzung auf einer einzigen und inoffiziellen persischen Quelle. Ich bitte, den Inhalt des Artikels entsprechend als „unbestätigt“ einzustufen)

Am Nachmittag des 13. Januar 2010 drangen Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes mit Hilfe von Offiziellen der Universität in das Wohnheim der Teheran-Universität ein, um Dr. Farzad Kalbalis Zimmer zu durchsuchen, der am 7. Dezember 2009 verhaftet worden war.

Wie Amir Kabir News berichten, beschlagnahmten sie bei der Durchsuchung seinen PC, Bücher und seine Schriften. Die Atmosphäre an der Teheran-Universität war in den letzten Tagen sehr angespannt. Die Studenten werden streng kontrolliert.

Außerdem drangen Offizielle der Universität in Zimmer 3 in Gebäude 7 ein, das von zwei Studenten bewohnt wird, die Regierungsbehörden vorgeführt wurden. Es gibt keine näheren Informationen über die Identität und die derzeitige Situation der beiden Studenten.

Derartige Aktionen gegen Studenten halten seit längerem an. Der Fall des Überfalls auf Studentenwohnheime im Juni 2009 ist noch immer ungelöst.
Ebenso ungelöst ist der Vorfall, bei dem Regierungsagenten mit Hilfe der Universitätsleitung am 7. und 8. Dezember in das Wohnheim eindrangen und Studenten verprügelten und ihr Eigentum beschädigten.

[Anmerkung des Herausgebers: Die Opfer der Angriffe auf das Studentenwohnheim im Juni wurden von diversen regierungstreuen Gruppen mit Ketten und Messern heftig angegriffen. Berichten zufolge sind mehrere Studenten bei diesem Angriff ums Leben gekommen.]

Bericht über weibliche Gefangene in Evins Trakt 209

Veröffentlicht auf Persian2English am 17. Januar 2010
Quelle (Persisch): Human Rights Activists Iran
Artikel referenziert von Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Neda Shayesteh, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=4425

Some of the women at Ward 209 of Evin Prison, including Mansoureh Shojaee, Shiva NazarAhari, and Mahdiyeh Golroo met with their families.

HRANA News Agency/Rechte von Gefangenen, Donnerstag, 14. Januar 2010

Einige politische Gefangene durften Besuch von ihren Angehörigen erhalten. Darunter waren Mansoureh Shojaiee, Shiva Nazar Ahari, Mahdiyeh Golrooand, Isa Saharkhiz, Saeed Leilaz, Shahab Aldin Tabatabaiee, Jalayifar und einige andere Gefangene aus Trakt 209.

Mansoureh Shojaiee, Shiva Nazar Ahari und Mahdiyeh Golroo waren unter den Frauen, die mit ihren Angehörigen in Kabinen sprechen konnten.

Mansoureh Shojaiee durfte einen Besuch in einer Kabine empfangen. Farhad Davoodi, ihr Ehemann, sah seine Frau drei Wochen nach ihrer Inhaftierung wieder. Er beschrieb ihren emotionalen Zustand als gut, jedoch sei sie körperlich sehr geschwächt und dünn. Er fügte hinzu, dass Mansoureh Shojaiee seit vielen Jahren an Migräneanfällen leide. Nach ihrer Verhaftung war sie einmal im Gesundheitszentrum von Evin, wo man ihr ein Serum gab, das ihr etwas half.

In Trakt 209 von Evin stehen den Gefangenen nicht einmal minimale Einrichtungen zur Verfügung, und die Zellen werden nicht beheizt. Infolgedessen hat sich Grippe ausgebreitet. Es gab auch Berichte über einen Mangel an Medikamenten.

Farhad Davoodi berichtete, dass Mansoureh sich eine Zelle mit drei anderen Frauen teilt, darunter Mahdiyeh Golroo und Mahin Fahimi. Mansoureh sprach über die Stärke ihrer Zellengenossinnen, obwohl alle vier an chronischer Bronchitis leiden. In der zweiten Woche ihrer Haft zog sich Mansoureh einen Harnröhren-Infekt zu, der im Gesundheitszentrum ein wenig behandelt wurde. Sie leidet aber immer noch daran.

Mahin Fahmimi, eine Zellengenossin von Mansoureh, ist eine Aktivistin von „Mütter für den Frieden“. Sie wurde nach Ashura zusammen mit ihrem Sohn verhaftet. Erst letzte Woche durfte sie Kontakt mit ihrer Familie aufnehmen.

Shiva Nazar Ahari von der Organisation Committee of Human Rights Reporters hat heute ihre Mutter getroffen. Shiva war am 20. Dezember auf dem Weg nach Qom verhaftet worden, wo sie mit einer Gruppe politischer Aktivisten an der Beerdigung von Ayatollah Montazeri teilnehmen wollte. Sie ist immer noch in Einzelhaft.

Auch Mahdiyeh Golroo hat Besuch von ihrer Familie erhalten.

Wie Jaras berichtet, hat die zwangsexmatrikulierte Studentin Mahdiyeh Golroo ihrer Familie erzählt, dass ihre Befrager ihr ein Arrangement nahgelegt haben, das vorsieht, im Falle ihrer Kooperation ihren Mann (Vahid Lalipou) zu entlassen.
Golroo ist heute erstmals nach 40 Tagen mit ihrer Familie zusammengetroffen. Die Befrager hatten ihr gesagt, dass der einzige Weg, eine Freilassung ihres Mannes zu erwirken, in ihrer Kooperation mit ihnen besteht. Vahid Lalipour ist weder politisch noch zivil aktiv, und der einzige Grund für seine Verhaftung ist, dass damit Druck auf seine Frau ausgeübt werden soll.

Mahdiyeh Golroo sprach über die seit dem 7 Dezember stark angewachsene Zahl an Häftlingen und sagte, es gebe nicht genug zu essen. Sie beklagte die schlechten Bedingungen in Trakt 209, wo nicht geheizt wird. Infolge der kalten Temperaturen im Gefängnis seien viele Häftlinge erkrankt.