Khatami trifft ehemalige politische Gefangene

Veröffentlicht auf Rooz Online am 21. Januar 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/january/21//khatami-they-lie-from-pulpits.html
Original-Titel: „Khatami: They lie from pulpits“
Deutsche Übersetzung: Julia

Von Sara Isfahani
Bei einem Treffen mit 50 freigelassenen Gefangenen, die nach den Wahlen verhaftet worden waren, forderte der ehemalige Präsident Seyyed Mohammad Khatami u. a. die Freilassung aller politischen Gefangenen, Presse- und Redefreiheit, politische Parteien, und bezeichnete „Intoleranz in der Gesellschaft als Zeichen für eine Diktatur.“

Laut einem von Khatamis Büro herausgegebenen Bericht sagte Khatami bei diesem Treffen: „Ich würde mir sehr wünschen, dass auch einige andere liebe Freunde hier anwesend sein könnten, aber leider befinden sich viele unserer Freunde und viele unserer wertvollen Menschen und Kräfte verschiedener Lebensbereiche hinter Gittern, während andere freigelassene Gefangene wegen der möglichen Folgen nicht an diesem Treffen teilnehmen wollten.“

Der frühere iranische Präsident merkte an: „Manche bezeichnen in ihren offiziellen Reden Schwarz als Weiß und Weiß als Schwarz. Sie lügen von der Kanzel herab und klagen andere an.“ Weiter sagte er: „Zwar ist es möglich, dass diese Anklagen manche Menschen ohne Rückhalt für kurze Zeit überzeugen können, aber die Mehrheit der Menschen und der Gläubigen können solche Äußerungen interpretieren, und selbst, wenn sie kurzfristig Auswirkungen haben, so haben sie langfristig doch keinen Einfluss auf die Menschen. Tatsächlich ist der langfristige Einfluss negativ und widerspricht den Interessen der Ankläger.“

Khatami, der jetzt Vorsitzender der Baran-Stiftung ist, betonte, die Reformer und Protestierenden müssten mit Hingabe an die wichtigten Ideale der Revolution und die Prinzipien der Verfassung ihre Ziele weiter verfolgen. Er sagte: „Obwohl die Mehrheit der Gesellschaft die Aufrufe prominenter Reformer und der protestierenden [Präsidentschafts-]Kandidaten beherzigt, versuchen kleine Gruppen innerhalb beider Lager, die Atmosphäre zu radikalisieren.“

Weiter sagte Khatami: „Wenn wir in der heutigen Welt von Macht sprechen, müssen wir nach ihrer Quelle suchen. Die Quelle der Macht ist das Volk, und darum muss das Volk zufrieden und die Regierung ihm gegenüber verantwortlich sein. Es sind Zufriedenheit, Toleranz und Verantwortung, die die heutige Gesellschaft von der gestrigen trennen.“

Khatami fügte hinzu: „Bezüglich des Staates und der Regierung müssen wir sehen, ob es Verantwortung gibt. Wir müssen sowohl den Grad der Toleranz der Menschen untereinander als auch den der Toleranz zwischen Volk und Regierung messen, denn Intoleranz innerhalb einer Gesellschaft ist ein Zeichen für eine Diktatur.“

Khatami sagte weiter: „Wir müssen begreifen, dass ein Volk nicht mit Macht und Gewalt regiert werden kann. Wir reden von Demokratie und ihrer Kompatibilität mit der Religion, und wir betrachten Reformen als den richtigen Weg, um die Ideale der Revolution zu verteidigen.“

Weiter sagte er: „Wir müssen jeden notwendigen Weg gehen, um unsere Prinzipien, die Rechte und die Freiheit der Bevölkerung zu verteidigen und zu verhindern, dass die Krise sich verschärft. Doch die Situation ist kritisch, und eine neue Runde der Gewalt hat begonnen. Wenn es in der Regierung Menschen gibt, die ungehindert Gewalt ausüben können, dann ist es natürlich, dass die Menschen auf der anderen Seite dazu gezwungen sind, mit Gewalt zu reagieren. Das ist ein sehr gefährlicher Prozess.“

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