Tagesarchiv: 26. Januar 2010

Trauernde Mütter verlangen bedingungslose Freilassung von Parvaneh Maddah-Raad

Veröffentlicht auf Persian2English am 26. Januar 2010
Quelle (Persisch): HRANA
Referenziert von Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Saam Irani, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5143
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Foto: Archiv

Wieder verlangen die „Trauernden Mütter“ nach Gerechtigkeit

Wie lange sollen Mütter noch unter der Ungerechtigkeit und Tyrannei der Führer leiden? Wie lange noch werden sie geschlagen und ihrer Menschenrechte beraubt?

Die 53jährige Mutter Parvaneh Maddah-Raad war an Tasoa [26. Dezember 2009] auf einer Straße (in Teheran) verhaftet worden. Sie wird unter unmenschlichen Bedingungen in Abteilung 209 von Evin festgehalten. Es wurde ihr nicht gestattet, mit ihrer Familie zusammenzutreffen.

Sie hatte lediglich Einspruch dagegen erhoben, dass ein junger Demonstrant (der ihren Worten nach etwa so alt war wie ihr eigener vor Kurzem getöteter Sohn) von den Garden geschlagen wurde.

Was hätten Sie getan, wenn Sie an ihrer Stelle gewesen wären? Welche Mutter kann schweigen, wenn sie sieht, wie ihr Kind brutal geschlagen wird? Jede andere Mutter hätte dasselbe getan wie Frau Maddah-Raad, um die Kinder ihres Heimatlandes zu beschützen.

Alles, was sie sagte, war: „Lassen Sie sie in Ruhe“, und „Schlagen Sie sie nicht“. Ist der Satz „Lassen Sie sie in Ruhe“ so inakzeptabel, dass sie dafür eingesperrt werden muss?

Wie lange wird die unmenschliche Behandlung der Mütter noch weitergehen?

Es ist ausgeschlossen, dass die Stimmen der „Trauernden Mütter“ auf Grund der Verhaftungen verstummen. Vielmehr werden ihre Stimmen immer lauter werden, bis alle, die zu Unrecht im Gefängnis sitzen, freigelassen sind.

Die „Trauernden Mütter“ und ihre Unterstützer verurteilen die Verhaftung von Frau Maddah-Raad und verlangen die bedingungslose Freilassung von ihr und allen anderen politischen Gefangenen und Gefangenen der Gesinnung.

Die „Trauernden Mütter“ fordern außerdem die Menschenrechtsorganisationen auf, das Verlangen der Mütter nach sozialer Gerechtigkeit und Freiheit nach außen zu tragen.

Die Trauernden Mütter, 25. Januar 2010

Dr. Ali-Mohammadis Wohnung vor dem Attentat durchsucht

Veröffentlicht auf Persian2English am 26. Januar 2010
Quelle (Persisch): Iran Human Rights News
Referenziert von Freedom Messenger
Übersetzung Persisch-Englisch: Neda Shayesteh, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5132
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Einen Tag vor dem Attentat auf Professor Ali-Mohammadi ist seine Wohnung von Agenten des Geheimdienstministeriums durchsucht worden. Wie berichtet wird, wurden all seine Unterlagen beschlagnahmt.

Wie weiter bekannt wurde, war der Professor zwei Wochen vor seiner Ermordung von all seinen Verpflichtungen in der Zusammenarbeit mit Nuklear-Organisationen zurückgetreten.

Nach seiner Ermordung wurde die Familie von Geheimdienstagenten bedroht, um eine Verbreitung der Nachrichten über die Hausdurchsuchung zu verhindern.

Unzählige Geheimdienstagenten waren sogar während der Gedenkfeier am Ort präsent.

Dr. Ali-Mohammadi, ein bekannter Universitätsprofessor, der die Grüne Bewegung unterstützte, war am 12. Januar 2010 durch eine ferngezündete Bombe getötet worden, die vor seinem Haus im Norden Teherans explodierte.

Zahra Rahnavard: “Keine Kompromisse, keine Anerkennung!”

Veröffentlicht auf Persian2English am 26. Januar 2010
Quelle (Persisch): Rooz Online
Übersetzung Persisch-Englisch: Tour Irani für Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=5160
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

von Fereshteh Ghazi

Es gibt Gruppen und politische Persönlichkeiten, die Moussavis Statement #17 als Zeichen einer Anerkennung von Ahmadinejads Regierung interpretieren. Manche gingen so weit, über Kompromisse und Deals hinter den Kulissen zu argwöhnen. Zahra Rahnavard bestreitet diese Behauptungen in einem Interview mit Rooz Online vehement. Sie erklärt: „Wir werden weder Ahmadinejads Regierung anerkennen, noch werden wir Kompromisse eingehen. Wir setzen uns aufrichtig für die Rechte der Menschen ein.“ Weiter wird sie mit den Worten zitiert: „Wir werden mit blanker Brust den Kugeln, Angriffen und dem Terror trotzen“.

Im Folgenden ist das Interview mit der Universitätsprofessorin, Schriftstellerin und Ehefrau Mir Hossein Moussavis Zahra Rahnavard wieder gegeben.

Reporter: Nach der Veröffentlichung von Herrn Moussavis Statement Nr. 17 haben viele gesagt, dass er [damit] Mahmoud Ahmadinejads Regierung offiziell anerkannt habe. Ist diese Interpretation korrekt?

Zahra Rahnavard: Meine persönliche Interpretation dieses Statemenst ist eine andere. Die Fakten, die auf Unregelmäßigkeiten und Betrug in den Wahlen hindeuten, wurden in dem Statement hervorgehoben. Wie kann man es da als Kompromiss interpretieren? Das, was ich dem Statement entnommen habe ist, dass Herr Moussavi diese Regierung, die durch Betrug an die Macht gekommen ist, nicht anerkennt.

Reporter: Zur Zeit gibt es viele Gerüchte über Kompromisse, die Herr Moussavi, Herr Karroubi und Herr Khatami hinter den Kulissen eingehen. Selbst heute (25. Januar 2009) wurde Herr Karroubi in einem Statement so zitert, als habe er Ahmadinejads Regierung anerkannt. Viele interpretieren das Statement von Herrn Moussavi und die heutigen Worte von Herrn Karroubi als Kompromiss hinter den Kulissen.

Zahra Rahnavard: Das stimmt wirklich nicht, es gibt keinen Kompromiss. Ich sehe in diesem Statement kein Anzeichen für einen Kompromiss, ganz im Gegenteil. Es enthält die Forderungen und Ideale des Volkes. Es ist das Minimum der Forderungen des Volkes. Das Regime kann es sich ohne weiteres leisten, auf diese Forderungen einzugehen.

Reporter: Aber das Regime wird diese Forderungen nicht beherzigen – ich meine, es hat dies bisher nicht getan. Glauben Sie, dass es das in Zukunft tun wird?

Zahra Rahnavard: Ich kann die Zukunft nicht vorhersagen, ich kann nicht sagen, was geschehen wird. Ich hoffe nur, dass, was immer auch geschehen wird, dem iranischen Volk zu Gute kommt und dazu führt, dass die Nation voller Selbstachtung sein wird. Ich möchte betonen, dass wir weder Ahmadinejads Regierung anerkannt haben, noch irgendwelche Kompromisse hinter den Kulissen eingehen werden.

Reporter: Mit der zweiten Welle pauschaler Verhaftungen nach den Demonstrationen vom 27. Dezember sieht es so aus, als würden selbst Personen verhaftet, die der Revolution große Dienste erwiesen haben. Glauben Sie, dass dies Auswirkungen auf die Volksbewegung haben wird?

Zahra Rahnavard: Die Verhaftungen sind falsch und ein großer Fehler. Es ist unglückselig, dass sie stattfinden. Die Verhaftung von Personen, die für Freiheit und Menschenrechte eintreten, hat keine rechtliche Grundlage. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Ideale Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Regierung des Volkes durch die Religion die Basis der Forderungen sind, die die Menschen haben. Dazu gehören auch Wahlen.

Die Verhaftung normaler Bürger und Persönlichkeiten aus Politik und Medien hat keine rechtliche Grundlage. Was hat die Regierung davon, wenn sie jemanden wie Herrn Beheshti verhaftet, der ein Symbol der Suche nach Gerechtigkeit ist, ein engagierter Wissenschaftler und der denkende Kopf hinter der Bewegung? Ich meine nicht nur Herrn Beheshti damit, ich erwähne ihn nur beispielhaft, um all die teuren Menschen zu symbolisieren, die für ihre menschlichen Ideale verhaftet wurden. Ich möchte auch unterstreichen, dass die Verhaftung der mutigen und bewussten Frauen Irans ebenfalls ein großer Schlag gegen die Integrität der Islamischen Republik sein wird. Das sind Frauen, die mitten in der Gesellschaft stehen sollen, (zum Beispiel) in Universitäten arbeiten. Stattdessen verbringen sie ihre Zeit jetzt in den Winkeln der Gefängnisse. Das ist sowohl in Iran als auch weltweit eine große Schande für die Islamische Republik.

Reporter: Glauben Sie, dass die Verhaftungen irgendwelche Auswirkungen auf die Volksbewegung haben werden?

Zahra Rahnavard: Die Verhaftungen werden sich nicht auf die Forderungen der Menschen und ihre Bewegung auswirken. Die Menschen haben einen hohen Grad an Bewusstheit und werden mit ihrem hohen politischen Verständnis ihre Forderungen verfolgen. Heute sind es die Menschen, die den Intellektuellen voraus sind. Wir sehen sogar, dass die Intellektuellen den Menschen folgen.

Reporter: Frau Rahnavard, viele Ihnen und Ihrem Mann nahestehende Personen sind verhaftet worden. Ihr Bruder wurde zwei Mal verhaftet, und Herrn Moussavis Neffe wurde getötet. Wie hat sich all dies auf Ihr persönliches Leben und das Ihrer Familie ausgewirkt?

Zahra Rahnavard: Wir leben und atmen mit der Grünen Bewegung. Ich habe rückwärtsgewandte Gruppen immer ermahnt. Ich habe immer gesagt, was ich denke. Leider konzentrieren sie (die Regierungsmächte) sich nun darauf, auf freiheitsliebende Frauen mit Beleidigungen und Randthemen Druck auszuüben. Das ist nichts Neues, aber sie haben jetzt einen Punkt erreicht, an dem sie vulgär sind. Es gab eine Zeit, als sie mir nicht erlaubten, meine Bücher drucken zu lassen, und ich war gezwungen, meine Karriere und meine soziale Arbeit ausschließlich an den Universitäten zu verfolgen. Selbst dort hielt der Druck noch an. Jetzt ist er noch intensiver geworden. Ihr Ziel ist es, mir nicht mehr zu erlauben, zu atmen, damit sie mich loswerden. Sie können nicht einmal unsere Liebe aushalten. Sie versuchen, Randthemen auf den Tisch zu bringen, aber jeder weiß, was für ein Leben wir leben. Die Taktik des Drucks und der Verletzungen werden unsere Ideale, unsere Aktivitäten und unser tägliches Leben nicht berühren.

Reporter: Ich würde gern mehr über die Situation ihrer Familie, ihrer Verwandten und ihrer engen Freunde wissen, die alle einen hohen Preis gezahlt haben und auch weiterhin zahlen. Leidet ihre Beziehung zur Herrn Moussavi unter ihrer Situation?

Zahra Rahnavard: Diesen Preis, den sie gezahlt haben, haben sie nicht für Herrn Moussavi gezahlt, sondern für die Grüne Bewegung. Wir sind keine Individualisten, und unsere Familie und unsere Verwandten sind nicht anders als normale Menschen, die den hohen Preis [ebenfalls] zahlen. Mein Bruder ist Akademiker und ein spezialisierter Fachmann und hat keine politische Geschichte. Doch er zahlt den Preis, so wie andere Menschen auch. Wir trotzen den Kugeln, Angriffen und dem Terror nur mit unserer blanken Brust.

Reporter: Frau Rahnavard, Sie wurden drei Mal persönlich angegriffen. Es heißt, die Angreiferinnen waren „Basiji-Schwestern“. Worum ging es da?

Zahra Rahnavard: Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob es Basijis waren, aber ich kann sagen, dass sie einen Auftrag hatten. Zwischen dem 6. und dem 9. Dezember war ich großer Unsicherheit ausgesetzt. Sie waren ständig hinter mir her und haben mich ein Mal umzingelt und mir schreckliche Worte an den Kopf geworfen.
Einmal, als ein Sicherheitsbeamter der Universität mich in ein Auto schob, um mich vom Schauplatz wegzubringen, steckte ein Motorradfahrer seine Hand durch das Fenster und besprühte mich mit Pfefferspray. Eine Zeit lang fühlte ich mich sehr krank, und meine Nieren begannen zu bluten. An anderen Tagen sorgten Sicherheitsbeamte der Universität dafür, dass ich immer abgeschirmt war. Während dieser vier Tage haben sie [die Kräfte des Regimes] mich entweder beschimpft oder physisch attackiert. Es gab keine Sicherheit für mich. Nach dem 9. Dezember hörten sie auf, und seitdem ist nichts mehr passiert.

Reporter: Haben Sie Angst vor künftigen Zwischenfällen? Glauben Sie, dass so etwas noch einmal passieren könnte?

Zahra Rahnavard: Die Suche nach und der Kampf um Freiheit ist in meinem ganzen LEben immer schon mein Ideal gewesen. Ich habe gesagt, dass unsere Brust unser Schild ist. Ich persönlich bin bereit für jede Kugel, für jeden Angriff.