Al-Jazeera-Interview mit dem Vater von Arash Rahmanipour

Veröffentlicht auf YouTube am 29. Januar 2010 (Al Jazeera)
Quelle (Englisch):

Dies ist der 19jährige Arash Rahmanipour, und den iranischen Behörden zufolge ist dies sein Geständnis. Arash wurde für schuldig befunden, ein Mohareb, ein Feind Gottes, in der Islamischen Republik zu sein, und er wurde dafür verurteilt. Verhaftet wurde er im vergangenen April. Jeden Donnerstag besuchte sein Vater Dawoud seinen Sohn im Evin-Gefängnis. Bei seinem letzten Besuch wurde ihm dann mitgeteilt, dass sein Sohn in ein anderes Gefängnis verlegt worden sei.

Noch unter Schock, erzählt sein Vater, wie er vom Schicksal seines Sohnes erfuhr:

„Ich schaltete die Lokalnachrichten ein, und plötzlich sah ich den Generalstaatsanwalt, der bekannt gab, dass mein Sohn hingerichtet worden war. Ich war geschockt und wütend. Diese Karikatur eines Justizsystems hatte meinen Sohn umgebracht.“

Justizbeamte hatten darauf bestanden, dass seinem Sohn gemeinsam mit seinem angeblichen Komplizen Mohammad Reza Ali Zamani volle Gerechtigkeit widerfahren müsse [Anm. d. Übers.: „receive full justice“ wäre in diesem Zusammenhang salopp ausgedrückt vielleicht mit „die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“ treffender].

„Diese beiden, die heute hingerichtet wurden, waren Mitglieder konterrevolutionärer und monarchistischer Gruppen. Sie haben versucht, Sprengstoff herzustellen, um das System zu stürzen. Sie hatten Pläne für Attentate auf Behörden und Bombenanschläge an verschiedenen Orten und wollten die Sicherheit des Landes in Gefahr bringen. Es ist der Wachsamkeit der Sicherheitskräfte zu verdanken, dass sie verhaftet und vor Gericht gestellt werden konnten. Sie haben ihre Verbrechen gestanden, und der Prozess fand im Beisein ihrer Anwälte und dem Vertreter der Staatsanwaltschaft statt.“

Arashs Anwältin dementiert dies:
„Ich habe meinen Klienten Arash seit April nur ein Mal gesehen. Ich durfte ihn 15 Minuten sprechen. Bei seinen Gerichtsterminen war ich nie dabei, ich durfte ihn nicht verteidigen.“

Arashs Familie zufolge wurde seine Schwester ebenfalls verhaftet und für zweieinhalb Monate inhaftiert. Sie war im 7. Monat schwanger. Nach ihrer Freilassung erlitt sie eine Fehlgeburt. Die Anwältin sagt, die Verhaftung [seiner Schwester] sein erfolgt, um Arash zum Geständnis zu bewegen.

Herr Rahmanipour sagt, er habe versucht, die Gerichtstermine seines Sohnes in Erfahrung zu bringen, sie seien ihm aber nie mitgeteilt worden. Erst bei einem Telefonat mit seinem Sohn habe er mehr erfahren.

„Als ich zum Gericht kam, wurde mir gesagt, ich könne nicht bei den Verhandlungen dabei sein. Mir wurden Handschellen angelegt, und ich wurde weggebracht. Die Beamten sagten zu mir, um freigelassen zu werden, müsste ich meinen Sohn dazu bewegen, zu gestehen. Sie würden dann dafür sorgen, dass seine Strafe nicht so hart ausfällt.“

Er beschreibt seinen Sohn als klugen, positiv eingestellten jungen Mann, der sein Land sehr liebte. Er wünscht sich keine Beileidsbekundungen, sondern Glückwünsche, weil sein Sohn für ein demokratisches Iran getötet wurde.

Arash wurde im Morgengrauen gehenkt. Er war gerade 20 geworden. Hinter den Mauern von Evin warten neun weitere Menschen auf dasselbe Schicksal.

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