Tagesarchiv: 17. Februar 2010

Fatemeh Karroubis Interview mit Rooz Online (lange Version)

Veröffentlicht auf Enduring America am 17. Februar 2010
und auf Rooz Online am 17. Februar 2010 (Kurzfassung)
Quelle (Englisch): http://enduringamerica.com/2010/02/17/iran-document-fatemeh-karroubi-my-family-will-continue-to-stand-for-the-people%E2%80%99s-rights/
Das Interview führte Fereshteh Ghazi

Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben. Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin.

Die Übersetzung enthält Teile des Artikels auf Rooz Online.

Übersetzung des Interviews, das Fatemeh Karroubi, Ehefrau Mehdi Karroubis, wenige Tage nach den Misshandlungen ihres Sohns Ali am 22. Bahman mit Rooz Online führte.

[Aus Rooz Online]
Wir sprachen mit Frau Karroubi, einer ehemaligen Parlamentsabgeordneten, der Generalsekretärin der Islamischen Frauenvereinigung (Majma Eslami Banovan) und Chefredakteurin des Journals „Iran Dokht“. Ihr Sohn, Ali Karroubi, wurde vor Kurzem, gefoltert an Leib und Seele, aus der Haft entlassen. Ihr anderer Sohn, Hossein Karroubi, wurde heute in das Geheimdienstministerium vorgeladen, um „Fragen zu beantworten“. Trotz des Drucks besteht Fatemeh Karroubi darauf, sich für die Forderungen der Bevölkerung einzusetzen und erklärt, dass sie und ihre Familie sich bei steigendem Druck umso entschlossener engagieren werden.

[Aus Enduring America]
Frau Karroubi, abgesehen von der Veröffentlichung zweier Briefe haben Sie sich bezüglich des 22. Khordad (Datum der Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni) und der darauffolgenden Ereignisse mit Äußerungen und Kommentaren zurückgehalten. Gibt es einen besonderen Grund dafür?

Sie sind vertraut mit meiner Mentalität und kennen meine Haltung aus den Tagen, als Sie als Reporterin aus dem 5. Parlament berichteten, in dem wir in der Minderheit waren. Ich bin eine Person, die an die Ideale des Imam und an die Revolution glaubt, und ich habe mich immer sehr bemüht, dass meine Worte und mein Verhalten das System/das Regime und die Revolution in keinster Weise schädigen. Ich habe das vor der Revolution so gehandhabt, als ich 15 Jahre lang unter sehr schweren Bedingungen lebte und die meiste Zeit im Gefängnis verbrachte, und ich habe es auch nach der Revolution getan, als ich mich während meiner Zeit als Teil der Regierung der Erfüllung meiner religiösen und moralischen Pflichten widmete. Leider habe ich es infolge der jüngsten bitteren Entwicklungen vorgezogen, mich weniger zu äußern.

Ist das Schweigen damit begründet, dass Sie eine stabilere und sicherere Umgebung schaffen möchten für den Fall, dass Ihre Kinder und Herr Karroubi verhaftet werden, so dass zumindest Sie noch frei sind, um für sich für ihre Freilassung einzusetzen? Mit anderen Worten – ist es eine Art Arbeitsteilung?

Überhaupt nicht. Sie kennen mich nicht erst seit zwei Tagen, und Sie sind seit den Tagen des 5. Parlaments mit meiner Gedankenwelt vertraut. Selbst der Brief (an den Obersten Führer), den ich vor zwei Tagen veröffentlicht habe, wurde nicht nur für meinen eigenen Sohn geschrieben, sondern für all die Söhne und Töchter, die im Gefängnis sind.

Sie erwähnten Ihre Bemühungen um die Ideale des Imam und der Revolution sowohl vor als auch nach der Revolution. Heute wird Ihr Mann vom derzeitigen Regime als einer der Führer der Opposition angesehen. Es wird behauptet, dass Herr Karroubi Verbindungen zu Israel und den Vereinigten Staaten unterhält und von dort Anweisungen bekommt. Sie haben Ihr Leben der Revolution gewidmet und werden nun mit solchen Äußerungen konfrontiert. Wie fühlen Sie sich dabei?

Diese Äußerungen und Behauptungen sind so unwichtig und leer, dass ich weder darauf eingehen, noch ihnen irgendeine Beachtung schenken möchte. Die Herren, die sich an diesen sinnlosen Diskussionen beteiligen, werden sich vor Gott verantworten müssen und werden feststellen, dass Schmähungen und Verächtlichkeiten, die ohne jegliche Beweise vorgebracht werden, bedeutungslos sind. Ich bin sicher, dass Herr Karroubi an die Ideale der Revolution glaubt, und darum beachte ich diese leeren Behauptungen nicht. Diese Behauptungen haben keine Auswirkungen auf unseren Einsatz für die Rechte der Menschen und die Ideale der Revolution. Meine Familie wird sich auch weiterhin für die Rechte der Menschen und die Ideale der Revolution stark machen, und wir werden keine Kompromissen eingehen. Ich kenne meinen Mann gut. Ich kenne auch meine Kinder. Wenn es Beweise für diese Behauptungen gibt, dann fordere ich, dass sie vorgelegt werden.

Bevor Sie diesen Brief veröffentlichten, haben Sie über unzureichende Sicherheit für ihre Familie gesprochen und gesagt, Sie würden das Regime für alles verantwortlich machen, was u. U. geschehen wird. Was hat sie dazu bewogen, einen solchen Brief zu schreiben, und haben ist Ihre Angst um Ihre Familie unverändert?

Die Umstände waren damals sehr schwierig, und ich wollte mich äußern, damit sie, wenn mir oder meiner Familie etwas zustößt, nicht wieder kommen und sagen würden, dass sie Treffen abhalten und die Sache untersuchen müssen etc. Alles war sehr klar. Herr (Hossein) Mozafar, der ehemalige Bildungsminister, hatte auf Kanal 2 von IRIB gesagt, dass die Führer der Opposition dem Volk überlassen werden, und Herr (Alaeddin) Boroujerdi, ein Parlamentarier, hatte ähnliche Äußerungen gemacht, die in den Zeitungen veröffentlicht wurden. Diese Äußerungen deuteten darauf hin, dass wenn uns etwas zustößt, [man es so darstellen würde, dass] das Volk uns umgebracht hat. Darum war ich gezwungen, mich klar zu äußern und jeden zu warnen, damit das iranische Volk Bescheid weiß. Heute sind unsere Sicherheitsbedingungen etwas besser. Wir sind nicht mehr so stark unter Druck und fühlen uns weniger bedroht.

Ist es gerechtfertigt zu sagen, dass Ihre Situation hinsichtlich Sicherheit und Wohlergehen sich verändert hat? Einer Ihrer Söhne wurde vorgeladen, dem anderen wurde Ihrem Brief zufolge mit Vergewaltigung gedroht. Ganz zu schweigen davon, dass Herr Karroubi durch das aggressive Verhalten der Sicherheitskräfte ständig bedroht ist. In seiner Kernaussage liefert Ihr zweiter Brief einen Einblick in die mangelnde Sicherheit Ihrer Familie. Stimmt das?

Ich habe diesen Brief als Mutter geschrieben und nur aus dem Grund, weil ich in großer Sorge um die Kinder unseres Landes und um die Mütter der verhafteten und inhaftierten Kinder bin. Ich schrieb diesen Brief in der Hoffnung, solche Verhaftungen verhindern zu können. In der Nacht, in der mein Sohn wieder nach Hause kam, war ich vollkommen erschüttert von den Dingen, die passiert waren, und ich konnte nicht glauben, dass es für sie so leicht ist, Ali zu sagen, was für ein Glück er hatte und dass man seiner Familie nur noch seine Leiche ausgeliefert hätte, wenn er ein paar Stunden länger geblieben wäre.

Der Teheraner Staatsanwalt hat Alis Verhaftung gestern allerdings dementiert und gesagt, dass umfangreiche Nachforschungen ergeben hätten, dass er nicht von einer Institution der Regierung verhaftet wurde. Er hat Ali aufgefordert, seine Verhaftung zu beweisen.

Ich bin sehr bestürzt darüber, dass der Teheraner Staatsanwalt so etwas sagt und seine Meinung so übereilt und ohne gründliche Untersuchung des Falles kundtut. Der Staatsanwalt hat allerdings Recht, wenn er sagt, dass Ali am 22. Bahman von der Polizei verhaftet wurde – sein Mobiltelefon ist noch bei ihnen, während wir hier reden. Sie haben heute Nachmittag sogar angerufen und gesagt, Ali solle vorbeikommen und sein Mobiltelefon abholen.
Sie haben ihn nicht nur spät in der Nacht aus der Polizeiwache entlassen, sondern sie haben ihn, während er dort war, veranlasst, sich schriftlich zu verpflichten, dass er nach seiner Entlassung keine Interviews über diese Sache geben wird.
Ich muss sagen, dass der Staatsanwalt in diesem Aspekt absolut Recht hat, denn die Justiz hat niemals einen offiziellen Haftbefehl für Ali ausgestellt. Sie verhafteten Ali in der Nacht, als wir unseren wichtigsten nationalen Sieg feierten. Alles andere wissen Sie, ich habe in meinem Brief alles ausführlich beschrieben.

Frau Karroubi, was glauben Sie ist die Lösung für die gegenwärtige Krise in unserem Land, und was sollte Ihrer Meinung nach getan werden, um sie zu bewältigen?

Ich habe Hoffnung, dass die Führer unseres Landes, unser religiöser Führer und die Verantwortlichen in der Regierung, so vorausschauend sind, ihre Taktik und ihre Lösungen zu durchdenken. Ich hoffe, dass es einen Dialog geben wird und einen Austausch mit denen, die mit der Revolution sympathisieren und die so viele Jahre lang so hart für die Revolution und das Land gearbeitet haben. Ich hoffe, dass so eine Lösung gefunden und die gegenwärtige Situation beendet werden kann.

Herr Karroubi hat allerdings gesagt, dass weder die Führer der Grünen Bewegung, noch das gegenwärtige Regime bereit zu Verhandlungen und Kompromissen sind.

Wir müssen sehen, was mit Verhandlungen und Kompromissen gemeint ist, und ob diese Verhandlungen der Bevölkerung nützen oder nicht. Meiner Meinung nach sind die Interessen unseres Landes und die Rechte unserer Menschen sehr wichtig. Diese Diskussion ist keineswegs eine persönliche, und was auch immer wir tun werden, wir müssen dabei die Interessen des Landes und die Rechte der Menschen an erste Stelle stellen und auf unserem weiteren Weg immer diese beiden Dinge vor Augen haben.

Frau Karroubi, ich möchte Sie direkt fragen: Gibt es potentiell die Möglichkeit, dass Verhandlungen zwischen Herrn Karroubi und Mahmoud Ahmadinejad stattfinden, bei denen Herr Karroubi Kompromisse eingehen und Herrn Ahmadinejad als Präsidenten Irans akzeptieren würde?

Dies ist absolut ausgeschlossen. Wir leben seit 47 Jahren zusammen, und ich kenne ihn sehr gut. Ich weiß, dass so etwas unmöglich ist und niemals geschehen wird. Ein wichtiger Teil der momentanen Krise und der Probleme des Landes sind ein direktes Resultat von Herrn Ahmadinejads Verhalten, seinen Handlungen und seinem Mismanagement. Viele unserer Probleme in den Bereichen Wirtschaft und Sicherheit sind ebenfalls ein Ergebnis seiner Führungsweise. Unsere Verfassung wurde auf genau diese Probleme zugeschnitten, und alles, was wir fordern, ist, dass die Verfassung eingehalten wird. Diese Verfassung ist, wenn sie wirklich umgesetzt wird, eine der fortschrittlichsten der Welt.

Wollen Sie damit sagen, dass Sie sich ein Amtsenthebungsverfahren des Parlaments gegen Ahmadinejad vorstellen können?

Ja, unsere Verfassung sieht eine solche Möglichkeit vor, und ich habe Hoffnung, dass diese Frage angesprochen wird, wenn unser fortschrittliches Verfassungsrecht wirklich ausgeschöpft wird.

Frau Karroubi, in den vergangenen acht Monaten haben wir miterlebt, wie viele Zeitungsreporter und politische Aktivisten verhaftet wurden. Können Sie uns bitte sagen, ob diese Verhaftungen [Ihrer Meinung nach] irgendeines der Probleme lösen können, denen sich die Islamische Republik gegenübersieht?

Diese Verhaftungen werden der Islamischen Republik überhaupt nicht nützen. Alle, die verhaftet wurden, fühlen sich ihrem Land zutiefst verpflichtet. Wenn sie dies nicht tun würden, hätten sie das Land verlassen. Trotz aller Einschränkungen haben sie sich entschieden, in Iran zu bleiben. Unsere Verfassung unterstützt die Freiheit der Rede, und kein einziger dieser Verhafteten hat irgendetwas gesagt oder gefordert, dass unserer Verfassung widerspricht. Mit der Verhaftung von Menschen löst man keines unserer Probleme. Die Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft und unser Land stehen, werden nicht mit Verhaftungen gelöst werden.
Wenn überhaupt, müssen wir diese Probleme auf juristischem Wege und auf vorausschauende Weise lösen. Ich bin sehr betrübt, vor allem, wenn Frauen – Journalistinnen und politische Aktivistinnen – verhaftet werden. Ich hoffe, dass sie so schnell wie möglich wieder frei kommen. Als ich Mitglied des Komitees für Pressefreiheit war, haben wir immer versucht, die Zahl der verhafteten und inhaftierten Frauen so gering wie möglich zu halten. Damals gab es bei den Veröffentlichungen [„publications“ – Verlage?] mehr weibliche Mitarbeiter als bei den Zeitungen.

Frau Karroubi, als Letztes möchte ich Sie gern fragen, wie weit Sie und Ihre Familie bereit sind, sich für die Rechte der Menschen einzusetzen. Spielt der Druck, der auf Ihre Kinder und Herrn Karroubi ausgeübt wird, eine Rolle in dieser Frage?

Ich bin keine politische Anfängerin, und diese Schwierigkeiten sind nicht neu für mich. Ich war 15 Jahre alt, als ich in Herrn Karroubis Haus kam. Das war der Beginn unseres Kampfes für den Imam, und bis zum heutigen Tag haben wir viele Probleme und Sorgen durchlebt. Unter dem vorherigen Regime haben uns die ständigen Verhaftungen der Savak (Geheimpolizei) zu schaffen gemacht. Nun sind die Kinder erwachsen, und wegen der Ereignisse in letzter Zeit bin ich auch jetzt wieder großem Stress ausgesetzt. Aber meine Sorgen und mein Stress gelten nicht meinem Mann und meinen Kindern, sondern meinem Land, meinem Volk und der Revolution.
Manche denken sicher, dass ich das nur sage, weil ich ein Interview gebe, aber das stimmt nicht.
Ich bin besorgt um die Sicherheit unseres Volkes. Wenn unser Volk in Sicherheit lebt, werden meine Familie und ich ebenfalls in Sicherheit leben.
Ich möchte noch einmal wiederholen, dass ich und meine Familie umso enschlossener sein werden, je mehr Druck man auf uns ausübt.

Abdolkarim Soroush im Interview mit Rooz (Auszüge)

Veröffentlicht auf Rooz Online am 18. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/february/18//referendum-to-remove-supreme-leaders-powers.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Originaltitel: Referendum to Remove Supreme Leader’s Powers

von Farzaneh Bazrpour


Rooz Online sprach mit Dr. Abdolkarim_Soroush über die Themen, mit denen sich die iranische Nation heute auseinandersetzen muss, über das „Statement der Fünf“ und die Vermischung von Religion und Politik. Wenn ein Referendum in Iran abgehalten wird, so Soroush, „müssen die Position und die Verantwortlichkeiten des obersten Führers neu überdacht werden“. Er fügt hinzu: „Um die Religion zu retten und zu gewährleisten, dass der Glaube nicht erzwungen wird, sondern freiwillig ausgeübt wird, ist meiner Ansicht nach der Säkularismus der richtige Weg.“

Auszüge aus dem Interview:

Rooz: Mit den Worten „Republik“ und „Demokratie“ wird die Herrschaft des Volkes über das Volk in einem politischen System beschrieben. Wiederholt sich in der Vermischung von Religion mit Politik und Regierung und mit der Schaffung von Mischkonzepten wie der „Islamischen Republik“ und der „religiösen Demokratie“ nicht die Erfahrung einer religiösen Diktatur?

Abdolkarim Soroush (Soroush): Wir sind uns mittlerweile alle einig darüber, dass unser Land von einer religiösen Diktatur regiert wird. Vor der religiösen Diktatur und vor der Revolution von 1979 regierte eine monarchische Diktatur. Wenn wir über eine religiöse Diktatur sprechen können, dann können wir auch über eine religiöse Demokratie sprechen. Unter einer religiösen Diktatur verstehen wir ein System, in dem eine kleine Gruppe unter dem Banner der Religion als Dikatoren herrscht und die Konzepte, mit denen sie ihre Herrschaft über das Volk untermauert, sogar aus der Religion bezieht. Diktaturen sind jedoch nicht in religiöse und nicht-religiöse Diktaturen unterteilbar. Man kann die Religion benutzen, um eine Diktatur zu errichten. Das ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine Realität, die sich in unserer Gesellschaft verwirklicht hat.

Auch die religiöse Demokratie hat eine Bedeutung. Eine Gruppe kann versuchen, unter dem Banner der Religion und in Übereinstimmung mit religiösen Lehren eine demokratiche Ordnung in ihrem Land zu etablieren; eine demokratische Ordnung, die allen Bürgern gleiche Rechte garantiert, das Recht auf politische Teilhabe wie auch alle anderen Rechte, die ein demokratisches Regime erfordert – am wichtigsten ist dabei die Schaffung einer unabhängigen Justiz, die der größte Stützpfeiler eines jeden demokratischen Regimes ist. Sie ist nicht unvereinbar mit dem Islam und gleichzeitig eine Säule der Demokratie.

Rooz: Wie sieht das Verhältnis zwischen einer denkbaren künftigen Regierung Irans, der Religion und der Islamischen Rechtsprechung aus?

Soroush: Das Verhältnis einer künftigen Regierung und der Religion kann in wenigen Punkten zusammengefasst werden:

1. Die religiöse Gemeinschaft muss frei wirken können und Freiheiten haben.
2. Die religiöse Gemeinschaft wird entsprechend ihrer religiösen Pflichten Ungleichheit und Diktatur bekämpfen.
3. Sie werden entsprechend ihrer religiösen Pflicht eine unabhängige Justiz etablieren.
4. In Übereinstimmung mit ihrer religiösen Pflicht werden sie in der gesamten Gesellschaft für Gleichberechtigung sorgen.
5. In Übereinstimmung mit ihrer religiösen Pflicht werden sie andere als Menschen und als Gleichberechtigte ansehen.

Jeder dieser Punkte kann auf der Grundlage einer religiösen Pflicht verwirklicht werden.

Eine Religiöse Demokratie unterscheidet sich nicht von anderen Demokratien. Sie wird nur deshalb religiös genannt, weil die Verantwortung auf den Schultern der religiösen Gemeinschaft ruht. In einer religiösen Demokratie wird bestenfalls versucht, Gesetze zu verhindern, die eindeutig und völlig den religiösen Bestimmungen widersprechen. Von diesen abslouten und unbedingt notwendigen Bestimmungen gibt es im Islam sehr wenige. Es gibt viele Erlasse, und wir können die wichtigsten beibehalten und sie nötigenfalls über die religiöse Interpretation (ijtihad) reformieren. Allein dies garantiert, dass die Gesetze mit dem Islam im Einklang sind und dass alle anderen religiösen Angelegenheiten den persönlichen Überzeugungen der Gläubigen anheim gestellt werden.

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Anm. d. Übers.:
1. Leider hat Rooz Online ausgerechnet die Auszüge des Interviews, die man nach Lektüre des Titels erwartet, nicht veröffentlicht. Darum habe ich die Überschrift geändert.

2. Im September schrieb Soroush einen Brief an Khamenei, der in deutscher Übersetzung/ vorliegt

3. Einige Hintergrundinformationen zu Abdolkarim Soroush, die die Facetten seines Werdeganges etwas umfassender beschreiben als Wikipedia, habe ich (auf Englisch) hier gefunden

Auszug in deutscher Übersetzung:
[…] Abdolkarim Soroush wurde 1944 unter dem Namen Farajollah Dabbagh in Teheran geboren. Nach seiner Ausbildung an einer religiösen Hochschule sowie an der Teheran-Universität ging er nach England, um seinen Abschluss in Pharmakologie und Philosophie zu machen. Als er 1979 nach Iran zurückkehrte, wurde er ein stimmgewaltiger Fürsprecher der neu errichteten Islamischen Republik Iran.
Er nahm den Namen Soroush (Persisch für „Engel“, v. a „Erzengel Gabriel“) an und wurde ein führender Verfechter der islamischen Ideologie, der sich in Schrift und Wort vor allem mit den Marxisten Gefechte lieferte, die als ideologische Rivalen galten.
In den frühen 1980er Jahren war Soroush in der Kulturellen Revolution aktiv, einem Projekt, das iranische Universitäten „islamischen“ Curricula unterwarf und sie von Dissidenten säuberte – darunter vor allem linksgerichtete Studenten und Professoren, von denen viele inhaftiert oder hingerichtet wurden.

Als die Islamische Republik im zweiten Jahrzehnt [ihres Bestehens] wachsenden Problemen ausgesetzt war, entwickelte sich Soroush dann zum Führer einer Bewegung loyaler Dissidenten, die sich selbst „religiöse Intellektuelle“ nannten. In unzähligen Büchern, Essays und öffentlichen Vorträgen argumentierte er gegen die Verwendung der Religion als politische Ideologie und verfocht die Ansicht, dass der Islam offen sei für eine Vielzahl von Interpretationen. […]

Iran: Aktivisten kämpfen gegen diskriminierenden Gesetzesentwurf

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 17. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/02/iranian-activists-fight-a.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Anm. d. Ü.: Das englische Original ist etwas zweideutig hinsichtlich der Frage, ob es sich um einen Gesetzesentwurf oder ein bereits verabschiedetes Gesetz handelt. Bisher konnte ich anhand anderer Quellen noch nicht verifizieren, ob das Gesetz tatsächlich bereits ratifiziert wurde. Da ein Gesetz vor dem Inkrafttreten erst den Wächterrat durchlaufen und vom „Obersten Führer“ abgesegnet werden muss, ist davon auszugehen, dass das Gesetz zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in Kraft getreten ist.

Das iranische Parlament

1200 Sozial- und Frauenrechtsaktivist/innen in Iran haben die Gesetzesvorlage zum „Schutz der Familie“, der kürzlich vom Islamischen Parlament verabschiedet wurde, verurteilt und Gesetze gefordert, die die Rechte der Frauen bestätigen und eine „Gleichheit der Geschlechter“ herstellen.

In ihrem Brief, der auf Advar News veröffentlicht wurde, erklären sie, die Vorlage sei noch rückschrittlicher als das vor 35 Jahren verabschiedete Gesetz. Sie legalisiere die Polygamie.

Die Gesetzesvorlage zum „Schutz der Familie“ war vor zwei Jahren ausgearbeitet und von der Justiz der Regierung vorgelegt worden. Nach einigen kleinen Änderungen wurde die Vorlage an den Kulturausschuss des Parlaments weitergereicht, aber nicht weiter verfolgt.

Aktivisten sprechen sich insbesondere gegen zwei Regelungen aus: 1. Männer dürfen mehr als eine Frau heiraten, wenn sie die nötigen finanziellen Mittel nachweisen können, 2. Die „mehrieh“ [bei der Heirat vereinbarte Summe, die der Ehemann im Fall der Scheidung an die Frau auszahlen muss, d.Ü.], die eine Frau im Scheidungsfall erhält, soll steuerpflichtig werden.

Der Entwurf wurde nach einem Jahr des Schweigens mit einigen kleinen Änderungen durch den Rechtsausschuss des Parlaments verabschiedet.

Sozial- und Frauenrechtsaktivisten sind der Ansicht, dass viele Parlamentarier sich die nach den Wahlen entstandene instabile Atmosphäre zu Nutze machen, um ihre frauenfeindliche und diskriminierende Agenda durchzusetzen.

Die Unterzeichner des Briefes rufen „alle iranischen Männer und Frauen, die Gerechtigkeit suchen“ auf, mit ihrer Unterschrift unter das Statement diese „unverblümte Diskriminierung“ zu verurteilen.

Manager einer Nachrichtenseite zu 16 Jahren Haft und 6 Mio. Dollar & Strafe verurteilt

Veröffentlicht auf RAHANA am 17. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.net/en/?p=749
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Es gibt Berichte, dass der Manager der Webseite „Jomhouriyat“, Hamzeh Karimi, zu 16 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe in Höhe von [umgerechnet] 6 Millionen Dollar verurteilt wurde.

RAHANA Prisoners’ Rights Unit – Berichten zufolge wurde Hamzeh Karami vom ersten Gericht zu 16 Jahren Haft und einer Zahlung von 6 Millionen Dollar verurteilt. Karami war Manager der Webseite Jomhouriyat, die über die Präsidentschaftswahlen im Juni berichtet hatte.

Der Webseite Kalameh zufolge stand Karami nach der Urteilsverkündung unter Schock und brach fast zusammen. Die Nachricht über das Urteil ist von Karamis Anwalt noch nicht bestätigt worden.

In den Schauprozessen hatte Karami mit seinem Geständnis sich selbst sowie Familie Hashemi Rafsanjani belastet.

Shiva Nazar Ahari ist nicht mehr in Einzelhaft

Veröffentlicht auf RAHANA am 17. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.net/en/?p=753
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte angeben

In einem Telefongespräch hat Shiva Nazar Ahari ihrer Familie mitgeteilt, dass sie verlegt wurde und sich nun eine Zelle mit einer weiteren Gefangenen teilt.
RAHANA Prisoners’ Rights Unit – Nach 60 Tagen Einzelhaft ist Shiva Nazar Ahari nun in eine andere Zelle verlegt worden. Sie teilt sich die Zelle mit einer anderen Gefangenen. CHRR [Committee of Human Rights Reporters] teilt weiter mit, dass Saeed Haeri, ein weiterer Mitarbeiter der Organisation, seine Familie über das Ende seiner Verhöre informiert hat. Haeris Angehörige hoffen, dass er nach Ablauf seiner Haftanordnung am 18. Februar 2010 gegen Kaution freigelassen wird.

Parisa Kakayi, ebenfalls Mitarbeiterin des CHRR, hat ihrer Familie bei einem Besuch erzählt, dass sie in den Frauentrakt von Evin verlegt worden ist.

Zur Zeit werden 7 Mitglieder des CHRR von Sicherheitskräften im Teheraner Evin-Gefängnis festgehalten. Shiva Nazar Ahari und Saeed Haeri waren am 20 Dezember 2009 verhaftet worden, Parisa Kakayi am 1. Januar 2010.