Tagesarchiv: 18. Februar 2010

Moussavi und Karroubi: Wir werden uns bald an das Volk wenden

Veröffentlicht auf Khordaad88 am 18. Februar 2010
Referenziert von Enduring America
Quelle (Persisch): Kalemeh
Übersetzung Persisch-Englisch: Khordaad88
Quelle (Englisch): http://khordaad88.com/?p=1219
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

Mehdi Karroubi ist gestern Abend mit Mir Hossein Moussavi zusammengetroffen. Bei dem zweistündigen Treffen sprachen sie sich lobend über die friedlichen Demonstrationen am 11. Februar (22. Bahman) aus und kritisierten, dass es an diesem Tag Versuche gegeben habe, die Präsenz verschiedener Teile der Gesellschaft für die politische Agenda [bestimmter Gruppen] zu nutzen.

Sie kritisierten zudem die gewaltbereiten Extremisten in Teheran und anderen Großstädten des Landes, die friedliche Demonstrationen der Menschen mit brutalen Mitteln verhindert hätten. Sie stellten klar, dass das Land erstmals in den letzten 30 Jahren seit dem Sieg der Revolution, die jedem Iraner gehöre, [an deren Jahrestag] eine militarisierte Situation und eine Atmosphäre der Angst erlebt habe. Sie kritisierten Angriffe auf die Symbole, die Bestandteil der Landesflagge sind, und betonten, damit hätten die gewalttätigen Extremisten im „grünen Beisein des Volkes“ ihre Schwäche unter Beweis gestellt.

Karroubi und Moussavi betonen die Wichtigkeit einer Umsetzung aller Artikel der Verfassung, vor allem derer, die sich auf die Rechte der Menschen beziehen, gegen die heute jedoch verstoßen werde oder die außer Acht gelassen würden.

Sie betonten, dass es sehr wichtig sei, dass die Menschen in ihrem Einsatz für ihre Rechte gut informiert sind und sich für eine Reform der gegenwärigen Abweichung von der Revolution einsetzen, die den nationalen Interessen hochgradig geschadet habe.

Schließlich kündigten Moussavi und Karroubi an, dass sie sich diesbezüglich sehr bald an das Volk wenden würden, um die Menschen über die wichtigen Punkte und die Möglichkeiten einer friedlichen Einforderung ihrer Rechte und Forderungen zu informieren.

Karaj: Baha’i verhaftet, sein Geschäft versiegelt

Veröffentlicht auf RAHANA am 18. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.net/en/?p=776
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Payam Vali, ein Baha’i aus Nazarabad bei Karaj, ist verhaftet worden.

RAHANA – Am 2. Januar 2010 wollten Geheimdienstagenten Payam Vali in seinem Haus verhaften, mussten aber unverrichteter Dinge wieder umkehren, weil er nicht zu Hause war. Daraufhin wurde Vali zum Geheimdienstministerium vorgeladen und am 3. Januar bei seinem Eintreffen dort verhaftet.

Acht Tage vor seiner Verhaftung hatte die Kommunalpolizei Valis Brillengeschäft sowie 4 weitere Geschäfte von Baha’is in Karaj geschlossen.

In vielen iranischen Städten ist die Schließung von Geschäften, die Baha’is gehören, gängige Praxis geworden. Viele Baha’is in Semnan, Tonkabon, Yasuj, Teheran, Sari und anderen Städten haben diese Praxis bereits am eigenen Leibe erfahren.
In den meisten Fällen wird den Besitzern der Geschäfte mitgeteilt, dass sie Glück hätten, vor der Schließung ihrer Geschäfte nicht verhaftet worden zu sein, und dass man nichts dagegen tun könne, da die Schließung vom Geheimdienstministerium angeordnet worden sei.

Großangelegtes Projekt zur Identifizierung Angehöriger von Hingerichteten gestartet

Veröffentlicht auf Persian2English am 18. Februar 2010
Quelle (Persisch): Rahe Sabz/Jaras
Übersetzung Persisch-Englisch: Tour Irani, Persian2English
Quelle (Englisch): http://persian2english.com/?p=7195
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Sicherheits- und Geheimdiensteinheiten arbeiten an einem großangelegten Projekt zur Identifizierung und Überwachung der Nachkommen und Angehörigen von Personen, die in den 1980er Jahren hingerichtet wurden.

Jaras – Jaras zufolge glauben die Sicherheitskräfte, dass ein Grund für die anhaltenden Proteste die Aktivitäten von Angehörigen und Nachkommen von Personen sind, die in den 1980er Jahren, vor allem in 1989, hingerichtet wurden.

Bestimmte Sicherheitseinheiten haben eine komplette Liste zusammengestellt, die Beruf, sozialen Status und Aktivitäten der verdächtigten Nachkommen aufführt. Sie sollen weiterhin versucht haben, die Internetkommunikation dieser Personen abzuhören und zu verfolgen.

In den letzten Tagen sind einige Angehörige von Hinrichtungsopfern der 1980er Jahre verhaftet worden, obwohl sie Berichten zufolge nicht in politische Aktivitäten verwickelt waren.

Viele Oppositionelle sind in den 1980er Jahren in der Islamischen Republik hingerichtet worden.

Ayatollah Montazeri hat in seinem Tagebuch die Zahl der in den 1980er Jahren hingerichteten Personen mit 2800 bis 3800 angegeben. Die tatsächliche Zahl ist unbekannt.

“Man kann sich nicht vorstellen, was wir in West-Iran erleben”

Veröffentlicht auf International Campaign for Human Rights in Iran am 18. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/02/you-have-no-idea-what-we-are-experiencing-in-western-iran/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

In einem Brief an ICHRI (International Campaign for Human Rights in Iran) hat ein Journalist aus Kermanshah auf Beispiele von Menschenrechtsverletzungen in der Provinz hingewiesen und um eine bessere Berichterstattung über die Verhaftung von politischen Aktivisten, Journalisten und Studenten gebeten. ICHRI bedankt sich bei ihm für seinen Brief. Die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen gehört zu den wichtigsten Verantwortungen der Kampagne. Wir hoffen, unsere Verbindungen mit Bürgerrechtsaktivisten und der Presse zu verstärken, um eine bessere Berichterstattung und eine größere Reflektion der Menschenrechtsverletzungen im Sinne des Verfassers des Briefes gewährleisten zu können.
Einzelne Teile des Briefes wurden zum Schutz der Identität von Personen ausgelassen, dadurch wird die Kernbotschaft des Briefes aber nicht beeinträchtigt.

Der Brief:

An die Organisation International Campaign for Human Rights in Iran

Vielen Dank für die Berichterstattung über Kermanshah. Wir würden allerdings gern ein Anliegen an Sie herantragen. Die Situation scheint sich zur Zeit stark der Situation von 1979 anzunähern. Journalisten, Bürgerrechtsaktivisten und politische Aktivisten werden ständig unterdrückt und angegriffen, die Menschenrechtsorganisationen scheinen mit ihrer Berichterstattung aber nur einige wenige ausgewählte Personen zu unterstützen. […]

Wahre Unterstützer der Demokratie, die sich für Iran ein demokratisches System wünschen, leiden unter einem Nachrichtenboykott. Natürlich verurteilen wir alle Verhaftungen und Misshandlungen, und wir werden aktiv, um solche unmenschlichen Vorkommnisse zu verhindern. Wir verurteilen die Verhaftung der Personen, über deren Situation offen berichtet wird, und betrachten ihre Verhaftung und die gegen sie verhängten Gerichtsurteile als inakzeptabel. Warum aber berichtet niemand von Ihnen über die Verhaftung von 100 mutigen Studenten der Universität Ghazi? Warum veröffentlichen Sie keine Statements?

Warum gab es keine Erklärungen zu der Situation mehrerer wöchentlicher demokratisch gesinnter Publikationen, die Monat für Monat [von Behörden] benachrichtig und alle paar Monate zum Gericht bestellt wurden? Warum veröffentlichen Sie kein Statement über Mohammad Eslampour, den Chefredakteur von Nava-ye Vaght in Kermanshah, der sein gesamtes Leben der Demokratie in Iran gewidmet hat? Warum hat niemand von Ihnen sich für die im Fernsehen ausgestrahlten Geständnisse von Zakaria Abbasi interessiert?
Andererseits veröffentlichen Sie ohne weiteres Interviews und Nachrichten über Personen, die sich gegen die Basis des Landes wenden, und deren Verfolgung wir natürlich auch nicht stillschweigend dulden.

Lassen Sie uns Irans Zukunft auf den Erfahrungen der Vergangenheit aufbauen. Die iranische Gesellschaft hat unter der gestrigen Generation von Intellektuellen und unter historischen Diktaturen genug gelitten, sie benötigt jetzt Ihre Hilfe. Ohne jeden Zweifel respektiere ich Ihre Ansichten über Menschenrechte und ziehen sie nicht in Zweifel, und ich hoffe, dass Sie meine freundlich gemeinte humanitäre Empfehlung annehmen. Sie haben keine Vorstellung davon, was in West-Iran los ist. Wir müssen die Knüppel und die Peitschenhiebe des Regimes und (…) eine Gruppe von Träumern ertragen.

Davood Soleimani steht am 22. Februar vor Gericht

Veröffentlicht auf Englisch bei RAHANA am 18. Februar 2010
Artikel auf Persisch
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.net/en/?p=787
Übersetzung Englisch-Deutsch: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte

Davood Soleimani wird am Montag, dem 22. Februar in Abteilung 15 des Revolutionsgerichts unter Leitung von Richter Salavati der Prozess gemacht.

RAHANA – Davood Soleimanis Anwalt Dr. Mohsen Rohami hat den Verhandlungstermin seines Klienten bekannt gegeben und gleichzeitig mitgeteilt, dass er bei der Anhörung zugegen sein darf.

Unterstützer von Dr. Davook Soleimani, der Professor an der Teheran-Universität und ein führendes Mitglied der Partizipationsfront ist, haben auf einem von ihnen eingerichteten Blog mitgeteilt, dass Soleimani beschuldigt wird, „durch Veröffentlichung von Lügen die öffentliche Meinung aufgehetzt“ und „gegen die nationale Sicherheit gehandelt“ zu haben.

Soleimani war am 16. Juni 2009 verhaftet worden und befindet sich zur Zeit in Evin in Haft.