“Man kann sich nicht vorstellen, was wir in West-Iran erleben”

Veröffentlicht auf International Campaign for Human Rights in Iran am 18. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2010/02/you-have-no-idea-what-we-are-experiencing-in-western-iran/
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

In einem Brief an ICHRI (International Campaign for Human Rights in Iran) hat ein Journalist aus Kermanshah auf Beispiele von Menschenrechtsverletzungen in der Provinz hingewiesen und um eine bessere Berichterstattung über die Verhaftung von politischen Aktivisten, Journalisten und Studenten gebeten. ICHRI bedankt sich bei ihm für seinen Brief. Die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen gehört zu den wichtigsten Verantwortungen der Kampagne. Wir hoffen, unsere Verbindungen mit Bürgerrechtsaktivisten und der Presse zu verstärken, um eine bessere Berichterstattung und eine größere Reflektion der Menschenrechtsverletzungen im Sinne des Verfassers des Briefes gewährleisten zu können.
Einzelne Teile des Briefes wurden zum Schutz der Identität von Personen ausgelassen, dadurch wird die Kernbotschaft des Briefes aber nicht beeinträchtigt.

Der Brief:

An die Organisation International Campaign for Human Rights in Iran

Vielen Dank für die Berichterstattung über Kermanshah. Wir würden allerdings gern ein Anliegen an Sie herantragen. Die Situation scheint sich zur Zeit stark der Situation von 1979 anzunähern. Journalisten, Bürgerrechtsaktivisten und politische Aktivisten werden ständig unterdrückt und angegriffen, die Menschenrechtsorganisationen scheinen mit ihrer Berichterstattung aber nur einige wenige ausgewählte Personen zu unterstützen. […]

Wahre Unterstützer der Demokratie, die sich für Iran ein demokratisches System wünschen, leiden unter einem Nachrichtenboykott. Natürlich verurteilen wir alle Verhaftungen und Misshandlungen, und wir werden aktiv, um solche unmenschlichen Vorkommnisse zu verhindern. Wir verurteilen die Verhaftung der Personen, über deren Situation offen berichtet wird, und betrachten ihre Verhaftung und die gegen sie verhängten Gerichtsurteile als inakzeptabel. Warum aber berichtet niemand von Ihnen über die Verhaftung von 100 mutigen Studenten der Universität Ghazi? Warum veröffentlichen Sie keine Statements?

Warum gab es keine Erklärungen zu der Situation mehrerer wöchentlicher demokratisch gesinnter Publikationen, die Monat für Monat [von Behörden] benachrichtig und alle paar Monate zum Gericht bestellt wurden? Warum veröffentlichen Sie kein Statement über Mohammad Eslampour, den Chefredakteur von Nava-ye Vaght in Kermanshah, der sein gesamtes Leben der Demokratie in Iran gewidmet hat? Warum hat niemand von Ihnen sich für die im Fernsehen ausgestrahlten Geständnisse von Zakaria Abbasi interessiert?
Andererseits veröffentlichen Sie ohne weiteres Interviews und Nachrichten über Personen, die sich gegen die Basis des Landes wenden, und deren Verfolgung wir natürlich auch nicht stillschweigend dulden.

Lassen Sie uns Irans Zukunft auf den Erfahrungen der Vergangenheit aufbauen. Die iranische Gesellschaft hat unter der gestrigen Generation von Intellektuellen und unter historischen Diktaturen genug gelitten, sie benötigt jetzt Ihre Hilfe. Ohne jeden Zweifel respektiere ich Ihre Ansichten über Menschenrechte und ziehen sie nicht in Zweifel, und ich hoffe, dass Sie meine freundlich gemeinte humanitäre Empfehlung annehmen. Sie haben keine Vorstellung davon, was in West-Iran los ist. Wir müssen die Knüppel und die Peitschenhiebe des Regimes und (…) eine Gruppe von Träumern ertragen.

Eine Antwort zu ““Man kann sich nicht vorstellen, was wir in West-Iran erleben”

  1. MENSCHENRECHTE UND DEMOKRATIEBEWEGUNG

    GARANTIE GEGEN EINEN MILITÄRSCHLAG: DIE DEMOKRATIEBEWEGUNG

    Karim Sadjadpour, führender US-Iran-Experte mit engen Verbindungen zur Obama-Regierung betont, dass ein Militärschlag unwahrscheinlich bleibt, solange die iranische Opposition so aktiv ist. Sollte aber im kommenden Jahr diese Bewegung abflauen u: Iran gleichzeitig seine Nuklearaktivitäten weiter vorantreiben, wächst die Wahrscheinlichkeit einer derartigen Option deutlich.

    SPIEGEL Online – 18.02.2010
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,678381,00.html

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