Tagesarchiv: 25. Februar 2010

Hengameh Shahidi wieder verhaftet

Veröffentlicht auf RAHANA am 25. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.org/en/?p=1112
Referenziert von http://Persian2English
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Die Journalistin Hengameh Shahidi ist heute Morgen verhaftet worden. sie war vom Untersuchungsbüro des Geheimdienstministeriums vorgeladen worden.

RAHANA – Shahidi war am 1. November 2009 gegen eine Kaution von 90.000 $ freigelassen worden, die Behörden hatten sie jedoch seit ihrer vorläufigen Freilassung weiter unter Druck gesetzt.
Wie RAHANA von einem Freund/einer Freundin Shahidis erfuhr, war Shahidi gestern Abend telefonisch aufgefordert worden, sich im Untersuchungsbüro des Geheimdienstministeriums einzufinden und einige Fragen zu beantworten. Sie wurde bei ihrem Eintreffen dort verhaftet und nach Evin gebracht.

„Der Familie wurde gesagt, sie solle am Samstag zum Revolutionsgericht kommen. Sie hoffen, dass Hengameh dann freigelassen wird“, so der Freund/die Freundin.

Shahidis viermonatige Haft nach der Wahl im Juni hatte verheerende Auswirkungen auf ihren emotionalen Zustand, und ihre Familie und ihre Freunde befürchten, dass die Rückkehr ins Gefängnis ihre psychologischen Probleme verschlimmern wird. In ihrem ersten Prozess war Shahidi zu 6 Jahren und einem Tag Gefängnis verurteilt worden. Ihr Fall wird zur Zeit vom Berufungsgericht geprüft.

Die Dechiffrierung Rafsanjanis

Veröffentlicht auf Tehran Bureau am 25. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/tehranbureau/2010/02/deciphering-rafsanjani.html
Übersetzung aus dem Englischen: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

Anm. d. Übers.: Die Übersetzung dieses Artikels ist eine interessante Angelegenheit. Im Originaltext werden „chiffrierte“ persische Äußerungen auf Englisch interpretiert, diese Interpretation wird wiederum ins Deutsche übersetzt. Ich bin selbst gespannt darauf, was dabei herauskommt.

Die Iraner sind ein komplexes Volk. Es gehört zu ihrer Kultur, in Rätseln und Metaphern zu sprechen – eine Kunst, die jeder Iraner und jede Iranerin von Kindesbeinen an lernt.

Iranische Politiker haben es in dieser Kunst des „in Rätseln Sprechens“ zu wahrer Meisterschaft gebracht. Die meisten ausländischen Journalisten, die über Iran berichten, wissen nicht, dass man, um die politische Situation im Land wirklich verstehen zu können, zunächst einmal lernen muss, den Code der „iranischen Redeweise“ zu knacken, denn die wahren Absichten gehen bei der Übersetzung oft verloren.

Ich weiß noch, wie ein ausländischer Reporter Mahmoud Ahmadinejad in seiner ersten Pressekonferenz unmittelbar nach Verkündung seines Wahlsieges fragte, ob er Willens sei, die Sicherheit seiner Rivalen zu garantieren. Ahmadinejads Antwort: Wenn man eine rote Ampel überfährt, bekommt man einen Strafzettel für zu schnelles Fahren. Der britische Journalist ging wutschnaubend davon, verärgert, weil Ahmadinejad so unlogisch sei, wie er später erklärte. Für ihn war Ahmadinejads Antwort ein Zeichen seiner Arroganz.

Wenn dieser Journalist mit dem iranischen Stil des Sprechens in Rätseln vertraut gewesen wäre, hätte er verstanden, dass Ahmadinejad eigentlich gesagt hatte: „Meine Rivalen sind ein Teil des Systems und deshalb sicher. Wenn sie aber auf ihrer Forderung nach einer Neuauszählung der Stimmen bestehen sollten, werden sie einen Klaps auf die Hand bekommen.“ Mit anderen Worten – Ahmadinejad sagte, dass niemand für zu schnelles Fahren ins Gefängnis kommt oder hingerichtet wird.

Iran ist der Schauplatz einer Seifenoper, in der die Verbindungen der Charaktere ständig neu arrangiert werden und die Darsteller immer wieder in neue Rollen schlüpfen. Da gibt es die „Guten“ und die „Bösen“, die „reuevollen Schurken“ und die Heiligen, die wenige Episoden später als Schurken daherkommen.

Um wirklich zu verstehen, welcher iranische Politiker welche Seite unterstützt, muss man lernen, zwischen den Zeilen zu lesen.

Am Dienstag sprach Ayatollah Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, der Vorsitzende der Expertenversammlung und des Expertenrats, den viele für die Macht hinter den Kulissen in Iran halten, vor der Expertenversammlung. Er hielt eine Rede, die als größtenteils gemäßigt und auf allgemeine politische Entwicklungen im Land bezogen verstanden wurde.

Was jedoch übersehen wurde, waren die Drohungen, die der letztlich mit der Überwachung des iranischen Führers betraute Vorsitzende an Ayatollah Seyyed Ali Khamenei richtete.

Rafsanjani eröffnete seine Rede mit Beileidsbekundungen über das Märtyrertum des 11. schiitischen Imams. „Nach seinem Märtyrertod hatte die muslimische Ummah [Gemeinschaft] ihren verstorbenen Führer verloren, wenn auch (sein Nachfolger) der Verborgene Imam, den Gott errettet hat, für die muslimische Ummah da ist [könnte auch wie „existiert“ gemeint sein]“.

Rafsanjani benutzte das Wort „rahel“ („eines natürlichen Todes gestorben“) für „the late“ [„der verstorbene“] für den 11. Imam, Hassan Asgari, der durch tödliches Gift den „Märtyrertod“ starb. Schiitische Iraner sind sehr emotional, wenn es um den Märtyrertod ihrer religiösen Führer geht und würden niemals das Wort „rahel“ für einen Imam verwenden, der als Märtyrer starb. Als Geistlicher weiß Rafsanjani dies nur zu genau. Was Iraner betrifft, so gibt es für sie nur einen Imam-e rahel, und das ist der Gründer der Islamischen Republik, Ayatollah Rouhollah Khomeini.

Die Islamische Repbulik hat die Iraner gelehrt, dass die Lehren der schiitischen Imame für alle Aspekte des Lebens notwendig und umfassend genug sind, um Antworten sowohl auf triviale als auch auf wichtige Fragen zu geben.

Als nächstes sagte Rafsanjani: „Imam Mahdi [der „Verborgene 12. Imam“] ist wie die Sonne, die hinter Wolken verborgen ist. In Zeiten der Not greifen wir auf seine Worte und seine Führung zurück“.

Seine Wortwahl auf Persisch könnte jedoch auch bedeuten „Sollte es jemals notwendig werden, haben wir auch die Möglichkeit, uns auf das zu beziehen, was Imam Mahdi sagte“ – ein krasser Kontrast zu dem, was die Islamische Republik predigt.

Es ist ganz klar, was Rafsanjani Ayatollah Khamenei zu verstehen gab: „Wir können die Dinge selber regeln, und wenn es nötig sein wird, werden wir dich als Nachfolger von Ayatollah Khomeini nach deiner Meinung fragen“.

Alle, die Persisch sprechen, wissen es: Wenn man von Älteren gemaßregelt wird, wird man zunächst an die guten Dinge erinnert, die man getan hat, und dann erst zurechtgewiesen. Wenn zum Beispiel ein Kind in der Schule schlechte Noten hat, wird ihm gesagt: „Du hattest letztes Jahr gute Noten in Mathe, und selbst dieses Jahr, als du krank warst, hast du gelernt und gute Noten bekommen.“ Dann folgt die Warnung, die nur Iraner verstehen: „Ich weiß, dass du weißt, wie wichtig es ist, deine Mathe-Lektionen zu lernen.“ Die verborgene Botschaft ist: „Wenn du das noch mal machst, bekommst du die Haue, die du verdienst“.

„Es ist wichtig, dass wir diese Sammlung (d. h. das Establishment) bestehen lassen. Wir dürfen keine Angriffe auf die Führerschaft und auf das Establishment zulassen, und wir dürfen nicht zulassen, dass er (der Führer) zum Ziel [der Angriffe] wird. Ich weiß besser als jeder andere, dass die Führerschaft nicht möchte, dass die Atmosphäre sich zu sehr aufheizt und jemand zu Schaden kommt, genauso wie er (der Führer) nach dem Fall Kahrizak eine Erklärung abgegeben hat und um Trost (für die Opfer) und Strafen für die Schuldigen (der Verbrechen) gebeten hat“, sagte Rafsanjani.

Weiter sagte er: „Der Führer achtet auch jetzt noch darauf, dass (die Gefühle) nicht überfließen oder zu viele nutzlose Worte gesprochen werden.“

Rafsanjani benutzt hier den persischen Stil für seine Ermahnung an den Obersten Führer. Zudem verwendet er das Wort „toghyan“, das als „Überfließen von Gefühlen oder Rebellion und Revolte“ übersetzt werden kann.

Damit nannte er nicht einfach nur Tatsachen. Rafsanjani sagte dem Führer damit, dass dieser sich gut überlegen muss, was er tut, und dass er in seinen Entscheidungen sehr vorsichtig sein sollte – anderenfalls kommt es zu Rebellion, und das gesamte Establishment und all seine Hüter werden dasselbe Schicksal erleiden wie das Pahlavi-Regime nach der Revolution von 1979.

Iraner gehen an Situationen oft mit der Einstellung heran, dass ihre Hände „gebunden sind durch das, was höhere Mächte wollen“.

„Ich kenne niemanden, der heute als Achse der Einheit besser geeignet wäre als der Führer“, sagte Rafsanjani. „Natürlich kann jeder mithelfen, und wenn er (der Führer) die Führungsverantwortung annimmt – was er getan hat – dann kann die Expertenversammlung, die großen Einfluss auf das Volk hat, diese Führung (des Führers) nutzen, um vorwärts zu gehen.“

Die höhere Macht ist in diesem Fall das Volk. Indem er sagt, dass die Expertenversammlung großen Einfluss auf das Volk hat, will Rafsanjani sagen, dass sie das Volk in der Forderung vereinen kann, dass der Führer gehen muss. Und da das Volk die höhere Macht ist, wird die Expertenversammlung keine andere Wahl haben, als den Führer seines Amtes zu entheben, wenn diese höhere Macht dies will.

Tatsächlich hat Rafsanjani mit diesem letzten Satz zu Ayatollah Khamenei gesagt: „Dein Schicksal liegt in meiner Hand, denn ich führe die Expertenversammlung an, und darum bin ich es, der die Regeln bestimmt.“

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Pensionierter IRGC-Offizier zu 2 Jahren Haft und 74 Peitschenhieben verurteilt

Veröffentlicht auf RAHANA am 25. Februar 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.org/en/?p=1138
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

RAHANA – Nach Angaben von Iman Mirzadeh wurde sein Klient Asghar Khandan wegen Störung der öffentlichen Ordnung zu 2 Jahren Gefängnis und 74 Peitschenhieben und wegen angeblicher Propagandaaktivitäten gegen das System zu einem Jahr Haft verurteilt. Es wird erwartet, dass er gegen das Urteil Berufung einlegen wird.

Khandan , ein pensionierter IRGC-Offizier und Mitarbeiter der Wahlkampagne Mir Hossein Moussavis, war am 11. Februar in Teheran verhaftet worden.

Zu seinem zweiten Klienten Saleh Noghrehkar teilte Mirzadeh mit, er habe ein Gesuch für ein Treffen zwischen Anwalt und Klient eingereicht, aber von der Staatsanwaltschaft noch keine Antwort erhalten. Noghrehkar ist Zahra Rahnavards Neffe.