Tagesarchiv: 7. März 2010

Karroubi drängt auf Annullierung des Todesurteils gegen 20jährigen

Veröffentlicht auf Green Voice of Freedom am 7. März 2010
aktualisiert am 07.03.2010, 17:30 Uhr
Quelle (Englisch): http://en.irangreenvoice.com/article/2010/mar/07/1406
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben.
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

(Archivbild)

GVF – Mehdi Karroubi sagte heute bei einer Zusammenkunft: „Ich habe zuvor betont, dass es in der derzeitigen Situation (notwendig ist) das Vergehen der Moharebeh (Krieg gegen Gott) neu zu definieren, und ich habe die Justiz um Aufhebung [der Definition] gebeten.“

In einem Gespräch mit einer Gesellschaft von Häftlingen aus der Zeit vor der Revolution sagte Karroubi: „Einige Offizielle haben unvorsätzlich oder vorsätzlich, sogar absichtlich, die Straßenproteste und die Bewegungen als Moharebeh bezeichnet. Das ist sehr unglücklich.“ Moharebeh kann mit dem Tode bestraft werden.

Karroubi bezeichnete das Todesurteil gegen Mohammad Amin Valian als „negativen Punkt“, denn er habe sich „lediglich an Straßenprotesten“ beteiligt.

„Sie wissen nicht, dass die Reputatoin Irans in der internationalen Gemeinschaft von solchen Vorgehensweisen getrübt wird“.

Wie Saham News, die offizielle Webseite seiner Partei, mitteilt, erklärte Karroubi, das Todesurteil gegen den 20jährigen Studenten habe Reaktionen von der religiösen Geistlichkeit, von Menschenrechtsgruppen, studentischen und politischen Gruppen innerhalb und außerhalb Irans hervorgerufen. Er rief die Behörden auf, alles zu tun, damit die Sorge um das Leben des jungen Studenten aufhören könne.

Iran klagt 250 Ashura-Häftlinge an

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 7. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/03/iran-indicts-250-ashura-d.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Der Teheraner Generalstaatsanwalt Abbas Jafari Dowlatabadi

Der Generalstaatsanwalt von Teheran hat heute bekannt gegeben, dass 250 an Ashura inhaftierte Personen verurteilt wurden. Er fügte hinzu, dass Berichte über ein bestätigtes Hinrichtungsurteil gegen Mohammad Amin Valian falsch seien.

Wie Abbas Jafari Dowlatabadi heute Reportern gegenüber sagte, sollen Inhaftierte, deren Akten abgeschlossen sind oder deren Anklagepunkte nicht durch ausreichende Beweise gestützt werden, nach und nach freigelassen werden.

Am Tag Ashura (27. Dezember 2009) waren wieder Menschen auf die Straße gegangen, um nochmals gegen den vermuteten Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen im Juni zu protestieren. Sicherheitskräfte und Polizei gingen mit voller Härte gegen die Protestteilnehmer vor. Es gab sieben Tote und mehr als 700 Verhaftungen.

Der 20jährige Mohammad Amin Valian, ein Student der Universität Damghan, wurde der „Feindschaft gegen Gott“ angeklagt – ein Vergehen, das mit dem Tode bestraft werden kann.

Reformorientierte Webseiten hatten diese Woche berichtet, dass das Todesurteil vom Berufungsgericht bestätigt wurde und Valian unmittelbar von der Hinrichtung durch Hängen bedroht sei. Dowlatadabi dementierte die Berichte.

Der Nachrichtenagentur ILNA zufolge hat der Teheraner Staatsanwalt bekanntgegeben, dass das vorläufige Urteil gegen Valian ausgestellt sei und sich im Stadium der Verkündung befinde. Wie er hinzufügte, hat der Angeklagte bis zum 13. März Zeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Valians Anwalt hatte Berichte über ein bestätigtes Todesurteil gegen seinen Klienten gestern ebenfalls dementiert.

Die Berichte über seine bevorstehende Hinrichtung haben landesweit große Besorgnis ausgelöst. Der reformorientierte Geistliche Ayatollah Sanei veröffentlichte eine Bekanntmachung zum Thema „Moharebeh“ (Feindschaft gegen Gott) und schlussfolgerte, dass Valians Handlungen auf keinen Fall mit Moharebeh gleichgesetzt werden könnten.

International haben sich Menschenrechtsorganisationen sowie die USA zu Wort gemeldet und die Islamische Republik gedrängt, Valian freizulassen.

Sieben Arbeiterführer verhaftet

Veröffentlicht auf RAHANA am 7. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.org/en/?p=1547
Deutsche Übersetzung: Günter Haberland, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

(Archivbild)

In einer Folge von Berichten auf seiner Website hat das Coordination Commitee to Help Form Workers‘ Organization (CCHFWO) die Namen von sieben Arbeiterführern veröffentlicht, die in den letzten Tagen verhaftet wurden.
Am 27. Februar wurde Fattah Soleimani, ein Mitglied der CCHFWO, in seiner Wohnung in der kurdischen Stadt Oshnaviyeh von Beauftragten des Geheimdienstminstieriums verhaftet.
Vier weitere Mitglieder des CCHFWO, Rahman Ebrahim Zadeh, Hossein Pirvati, Samad Ahmadpour und Rahman Tanha wurden ebenfalls am 27. Februar in Oshnaviyeh verhaftet, zusammen mit einem weiteren Aktivisten, Isa Ebrahimzadeh.
Am 2. März wurde der Aktivist Abbas Hashempoor von Beauftragten des Geheimdienstes in Oshnaviyeh verhaftet.
Außerdem wurden fünf weitere Mitglieder des Komitees vor das Kriminal- und Revolutionsgericht in Sanandaj geladen.
In einer Stellungnahme auf seiner Website verurteilte CCHFWO die Verhaftung seiner Mitglieder und verlangte die bedingungslose Freilassung aller Arbeiteraktivisten im Iran, einschließlich Mansour Osanloo, dem Anführer der Union der Teheraner Busfahrer.

Bahman! Warum ließ der Ermittler mich frei, Dich aber nicht?

Veröffentlicht auf RAHANA am 7. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.org/en/?p=1557
Deutsche Übersetzung: Günter Haberland, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Dieser Brief stammt von Zhila Baniyaghoub, einer bekannten iranischen Journalistin, gerichtet an ihren Mann Bahman Ahmadi Amooii, auch er ein bekannter Journalist, der jetzt im berühmt-berüchtigten Evin-Gefängnis sitzt. Zhila und Bahman wurden von iranischen Sicherheitsbeamten nach der umstrittenen Präsidentschaftwahl verhaftet.

Bahman! Warum ließ der Ermittler mich frei, Dich aber nicht?
Von Zhila Baniyaghoub

Ich habe immer gedacht, ich kenne Dich sehr gut bis ich vor kurzem erkannte, daß ich Dich vorher tatsächlich nie so gut gekannt habe wie jetzt. Wenn ich in Dein ruhiges, ernsthaftes und friedvolles Gesicht schaue, dann sehe und bewundere ich Deine wahre Hartnäckigkeit, Geduld und Beharrlichkeit. Jedes Mal, wenn ich durch die Glasscheibe im Besucherraum im Evin-Gefängnis in Deine Augen sehe, bin ich so beruhigt, ermutigt und gelöst nur durch die Art, wie Du mich anschaust: so tief, kraftvoll und beruhigend. Es ist, als ob Du durch mich hindurch sehen, als ob Du alle meine Sorgen vertreiben könntest; und auf einmal verschwindet all der Schmerz, den ich wegen Deiner Abwesenheit spüre.

Beim letzten treffen fragte ich Dich: „Mein lieber Bahman, bist Du nicht der Gefangenschaft müde?“ „Nein, wieso müde?“ war Deine Antwort.
Du sagtest das so fest, mit ehrlicher Stimme, daß ich Dir geglaubt und nicht weiter gefragt habe.
Ich erinnere mich, daß die Person, die mich verhört hat und die auch Dich verhört hat, zu uns sagte: „Ihr könnt gehen, aber erst, wenn Ihr Eure Lektion gelernt habt.“
Ich hatte diesen Satz vergessen bis unsere liebe Freundin Shiva NazarAhari aus dem Gefängnis entlassen wurde. Sie wurde freigelassen, während andere Freunde noch in Haft sind. Als ich ihr zu iherer Freilassung gratulierte, antwortete sie: „Zhila, ich wurde im Gefängnis wieder und wieder verhört in diesen Tagen. Jetzt frage ich mich, ob ich einen Fehler gemacht habe, daß ich freigelassen wurde. Was habe ich getan, daß ich früher freigelassen werde als die anderen?“

Und da kamen mir wieder die Worte unseres Vernehmungsbeamten in die Ohren: „Du und Bahman könnt gehen, aber erst, wenn Ihr Eure Lektion gelernt habt.“

Mein lieber Bahman! Dieser Satz klingt andauernd in meinen Ohren, er macht mich todmüde. Wie Shiva sagte, was habe ich getan, daß der Vernehmungsbeamte mich früher freigelassen hat als Dich? Ich bin jetzt neidisch auf Dich. Auf Dich, der widerstandsfähiger war als ich; auf Dich, der im Verhör wohl weniger Fehler gemacht hat, auf Dich, dessen Vernehmungsbeamter bei Dir keinerlei Reue oder Erschöpfung durch die Haft feststellen konnte. Tatsächlich ist es das, weshalb er Dich nicht freilässt.

Ich habe gemischte Gefühle. Positive und negative: positive, weil ich Dich heute, nach 10 Jahren Ehe, viel besser kennengelernt habe und viel stolzer auf Dich bin als je. Ich bin stolz auf Dich, weil Du, sooft ich Dich sehe, nie nach Deinem Verfahren fragst. Nie fragst Du, wann Du freigelassen wirst. Wann immer ich erklären will, wie ich Dein Verfahren bei Gericht verfolge, wechselst Du sofort das Thema.
Und wenn ich darauf bestehe, sagst Du: „Ich werde hier bleiben, so lange es dauert; kein Problem, keine Erschöpfung.“ Und das bringt mich zum Lachen: „Liebling! Es scheint, Du hast Deine Lektion nicht gelernt, wenn Du solche Dinge sagst. Sie könnten Dich hören! Bitte sage, daß Du dessen müde bist! Sag, Du hättest Deine Lektion gelernt und seiest jetzt reumütig! Und lache, lache einfach!“

Und ich habe ein schlechtes Gefühl. Was habe ich getan, daß ich frei bin und Du immer noch in Haft? Wieso denkt der Vernehmungsbeamte, ich hätte meine Vergangenheit bereut?
Du sagtest: „Meine Gefangenschaft könnte eine bessere Zukunft für meinen kleinen Amir und alle Kinder bringen als anererseits meine Freeilassung,“ und in diesem Moment wurde mir bewusst, daß ich etwas Ähnliches von einer inhaftierten Frau gehört hatte, ich meine Shabnam, die immer noch im Gefängnis sitzt und deren freigelassene Freunde sagen „sie (Shabnam) betet nie zu Gott für ihre Freilassung, statt dessen betet sie ‚Lieber Gott! Wenn meine Haft meinem Land hilft, Erfolg zu haben, dann laß mich in Haft bleiben, und wenn meine Freilassung hilft, dann laß mich frei!“

Jedes Mal sagst DU: „Im Gefängnis zu leben ist voll verschiedener Erfahrungen.“ und dann sprichst Du über Deine Erfahrungen, ich verstehe, Du bist immer Journalist, sogar dort.

Die läppischen zwei Monate der Gefangenschaft seien voll echter Momente. Du sagst, Du könntest nirgends sonst in der Welt die Einsamkeit einer Einzelhaft erleben. Du sagst, Du hättest Dich aller Momente Deines Lebens wieder und wieder in der Dunkelheit Deiner Zelle erinnert, was Dir das Gefühl gegeben habe, leicht wie eine Feder zu sein.

Du sagst, Du hättest nach der Vergegenwärtigung all Deiner Lebenserinnerungen begriffen, daß Du von jetzt an gütiger, geduldiger und toleranter zu anderen sein musst und daß die wichtigste Entscheidung nach Deiner Freilassung sein müssen, diejenigen aufzusuchen, die Du in der Vergangenheit belästigt hättest, wenn auch nur leicht. Daß Du Deine Gegner mehr lieben müsstest als zuvor. Solche Worte sagst Du, eine Person, die unter unseren Freunden Kollegen und in unserer Familie bekannt ist für ihre bewundernswerte Toleranz.

Mein lieber Bahman, jetzt danke ich dem Vernehmungsbeamten, daß er mir die Chance gegeben hat, Dich richtig kennenzulernen und stolzer auf Dich zu sein als jemals zuvor: Danke, Herr Vernehmungsbeamter!

Dorsa Sobhani verhaftet

Veröffentlicht auf RAHANA am 7. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.rhairan.org/en/?p=1552
Deutsche Übersetzung: Günter Haberland, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen vom Übersetzer

Dorsa Sobhani wurde gestern, am 6. März, verhaftet, nachdem ihre Familienwohnung in Sari von 12 Ermittlern des Geheimdienstes, die Videokameras bei sich führten, durchsucht worden war. Wie viele junge iranische Baha’i ist die 20-jährige von einem Universitätsstudium ausgeschlossen worden.

Laut einem RAHANA-Reporter ist Sobhani Mitglied der 1-Million-Unterschriften-Kampagne und eine Fürsprecherin des Rechts auf Ausbildung im Iran. Ihre Verhaftung beruht auf ihren Aktivitäten für Menschenrechte und auf ihrem Baha’i-Glauben.
Schon vorher, in der Nacht des 2. März, überfielen und durchsuchten Ermittler des Geheimdienstes ihre Wohnung bei einem Versuch, Sobhani zu verhaften. Am 4. März wurde Sobhani’s Vater gewaltsam verhaftet, als er morgens das Haus verlassen wollte. Er wurde mehrere Stunden lang verhört und mit der Verhaftung der gesamten Familie bedroht, falls er sich nicht von seiner Tochter lossage. [RAHANA hat bereits darüber berichtet ]

Der 2. und 3. März werden als 2 Tage landesweiter nächtlicher Überfälle und Verhaftungen von Menschenrechtsaktivisten in die Erinnerung eingehen. Viele junge Baha’i waren unter den Verhafteten, darunter Navid Khanjani in Isfahan, Ighan Shahidi in Kermanshah, Sama Nourani in Shiraz und Dorsa Sobhani in Sari.

Die Wohnungen zweier anderer junger Baha’i, Sepehr Atefi und Hesam Misaghi, wurden ebenfalls durchsucht, aber bisher konnten die Ermittler diese beiden Männer nicht verhaften. Beide sind Befürworter des allgemeinen Rechts auf Bildung im Iran.