Rafsanjani: Iranische Studenten sollen auch weiterhin ihre Forderungen artikulieren

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 13. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/03/moderate-cleric-urges-ira.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Ayatollah Hashemi Rafsanjani (ILNA)

Ayatollah Hashemi Rafsanjani hat erklärt, er glaube nicht, dass Studenten zu politischen Fragen schweigen müssten. Vielmehr müssten sie versuchen, ihre Forderungen auf „logische“ Art zu kommunizieren, um Reformen zu erreichen.

An der Schwelle zum iranischen Neujahrsfest hat Ayatollah Rafsanjani Botschaften mit Ratschlägen an verschiedene Schichten der Gesellschaft veröffentlicht. Die erste Botschaft richtet sich an die Studenten. Der gemäßigte Geistliche sagt darin, die Studenten sollten die gegenwärtige Situation „gut“ evaluieren und keine Entschuldigungen schaffen für Menschen, die versuchen zu erreichen, dass die sicherheitslastige Atmosphäre die gesamte Gesellschaft erfasst.

Der Vorsitzende des Expertenrates schreibt: „Die Atmosphäre muss weiterhin von Logik und Weisheit geprägt bleiben“. Wer in einer solchen Atmosphäre „gute Ideen äußert“, werde am Ende triumphieren.

Er betonte, Studenten sollten sich nicht in einer Art und Weise äußern, die es dem Feind erlaube „Nutzen“ aus ihnen zu ziehen.

Dies ist das erste Mal, dass der Vorsitzende des Expertenrates am Vorabend des iranischen Neujahrsfestes Nowrooz eine Botschaft veröffentlicht.

Normalerweise richten der Oberste Führer und der Präsident über das nationale Fernsehen Neujahrsbotschaften an das Volk,
Andere Regierungsbeamte schicken üblicherweise nur kurze Botschaften anlässlich des Neuen Jahres.

Ayatollah Rafsanjanis Botschaft kommt zu einer Zeit, in der unzählige Studenten verhaftet sind und viele von ihnen für ihre Rolle in den jüngsten Protesten zu langen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Viele haben zudem ein Studienverbot auferlegt bekommen.

Gestern hatte der Leiter der Teheraner Freitagsgebete den Gläubigen erklärt, es obliege jedem, die „Fehler des Islamischen Systems zu verbergen“ und nicht öffentlich darüber zu reden, um die Feinde nicht darauf aufmerksam zu machen.

Ayatollah Rafsanjanis erstmalige Botschaft ist offenbar ein weiterer diplomatischer Versuch, auf die Proteste gegen die Präsidentschaftswahl vom letzten Juni einzugehen, von der die Opposition behauptet, dass sie zugunsten Mahmoud Ahmadinejads gefälscht wurde.

Anhänger des Präsidenten haben Ayatollah Rafsanjani wiederholt vorgeworfen, die Opposition und die Proteste zu unterstützen. Zu Beginn der Proteste hatte Ayatollah Rafsanjani eine Neuauszählung der Stimmen angeregt, was aber vom Obersten Führer Ayatollah Khamenei nicht genehmigt worden war.

Während Ayatollah Rafsanjanis Botschaften im Laufe der Zeit immer kryptischer wurden, veröffentlicht er weiterhin Botschaften, die zu einem diplomatischen Ansatz der Proteste aufrufen, um Gewalt zu vermeiden.

Die Protestbewegung hat angekündigt, aus Anlass des Feuerfestes Chaharshanbeh Souri am letzten Mittwoch des alten Jahres (am 16. März) ein weiteres Mal ihre Proteste auf die Straße zu tragen.

Die Polizei hat gewarnt, dass alle, die an diesem Tag die Sicherheit gefährden, verhaftet und für den gesamten Zeitraum der zweiwöchigen Nowrooz-Feiertage inhaftiert werden.

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