Oberster Führer verurteilt iranisches Feuerfest

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 14. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/03/iranian-fire-festival-den.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Anmerkungen in eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin

Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei

Irans Oberster Führer Ayatollah Khamenei hat die Feierlichkeiten im Zusammenhang mit dem Feuerfest am letzten Mittwoch Abend des iranischen Jahres als „bar jeder religiösen Wurzeln und Grund für großen Schaden und Verderbnis“ bezeichnet.

Die religiöse Bewertung des iranischen Obersten Führers wurde auf seiner offiziellen Internetseite veröffentlicht. Weiter heißt es dort, die Iraner müssten „vermeiden“, dieses Ereignis zu feiern.

Dieses als Chaharshanbeh Souri bezeichnete Feuerfest ist ein altes heidnisches iranisches Fest, bei dem Feuer entzündet und mit symbolischen Gesten und Gesängen gebeten werden, alle Krankheiten zu verbrennen und mit ihrer Energie für ein gesundes neues Jahr zu sorgen.

Mehrere schiitische Geistliche haben das Fest als „Aberglauben“ bezeichnet und seine Abschaffung gefordert.

Der Nachrichtenagentur IRNA zufolge hat auch der führende schiitische Geistliche Ayatollah Sobhani sich gegen die Veranstaltungen zum letzten Mittwoch des Jahres ausgesprochen und erklärt, es handle sich um „abergläubische Riten, die dem Islam und der Logik widersprechen“.

„Die Sitten, die für diesen letzten Mittwochs des Jahres in Iran zur Tradition geworden sind, sind rückständig, und die Schäden sind für jeden deutlich erkennbar“, so Sobhani weiter.

Hashem Hosseini Boshehri, Mitglied der Lehrer des Priesterseminars von Qom, hat ebenfalls erklärt, dass die Feierlichkeiten anlässlich des letzten Mittwoch Abends des Jahres „keine logische oder religiöse Basis“ hätten.

Oppositionelle Kräfte in Iran haben angekündigt, dass sie die Veranstaltungen zum letzten Mittwoch Abend des Jahres, der in diesem Jahr auf den 16. März fällt, dazu nutzen wollen, ihren Protest gegen die derzeitige Regierung zu bekräftigen, die ihrer Meinung nach im vergangenen Juni durch Wahlbetrug an die Macht kam.

Diese Proteste halten seit neun Monaten an. Während dieser Zeit hat die Protestbewegung nationale Feiertage des iranischen Kalenders dazu genutzt, auf die Straßen zu gehen und ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen.

Die iranische Polizei hat die Öffentlichkeit im Vorfeld gewarnt, dass alle, die an Chaharshanbeh Souri verhaftet werden, nicht vor Ende der Nowrooz-Feiertage wieder freigelassen würden. [Die Feiertage zu Nowrooz erstrecken sich über ca. 2 Wochen].

Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi hat die Protestbewegung dazu aufgerufen, diesen Tag nicht für Proteste zu nutzen, um den Hardlinern keine Gelegenheit zu geben, die Ereignisse in eine gewalttätige Konfrontation umschlagen zu lassen.

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s. dazu auch „Charshanbesuri – eine jahrtausendealte Tradition“

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8 Antworten zu “Oberster Führer verurteilt iranisches Feuerfest

  1. Pingback: Die feuerroten Straßen Irans « Iranian German's Blog

  2. Khamenei macht das jedes Jahr. Jedes Jahr werden in der Presse abschreckende Fotos von Brandverletzungen gezeigt, jedes Jahr wird es von vielen doch gefeiert. Es hat deswegen nie einen großen Aufstand gegeben.
    Es entspringt tatsächlich einem Aberglauben, da beisst die Maus kein Faden ab. Die Meldung entspricht einer Warnung in Deutschland: schützen Sie Ihr Kind vor der Ideologie der Nazis, keine Skinheadkonzerte!
    Dieses Jahr ist es eher unklug, denn nun ist eine Gelegenheit zum zivilen Ungehorsam erst geschaffen. Jetzt erst recht! hört man an allen Ecken und Straßen.
    Vielleicht eine Finte, um neue Gewalt zu rechtfertigen (man wird ganz bescheuert von diesem ewigen Misstrauen :-().

  3. Genau!!! Dies ist kein religiöses Fest!! Und logisch ist es auch nicht!! Es ist ein Fest des GLAUBENS!! Ein Fest des Glaubens an Gott und seine Kräfte! In Köln wird dies auch heute gefeiert, und ich werde, so Gott es will das erste Mal dabei sein. Ich wünsche allen die dieses Fest heute feiern eine wunderschöne Zeit und fordere die dummen Menschen im Iran und sonst wo, die etwas schlechtes an diesem Brauch sehen, auf, ihre Dummheit zu erkennen und einfach mitzufeiern!!! Lacht mal ein bißchen, zeigt Herz, seid mitfühlend!! Die Welt wird es euch danken!!

    Ich danke dem großen Ahura Mazda für seine schützende Hand. Vergib den Sündern und erhelle sie mit deinem Geist.

    AMEN

    tyjc

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  7. Am meisten ärgern mich in diesem Bericht die Aussagen der Herren Sobhani und Bosheri. Die Sitten für diesen letzten Mittwoch d.J. sind rückständig und haben keine religiöse Basis – und wie bitte sind die Sitten dieses Gewaltregimes zu bezeichnen? Tiefstes Mittelalter !
    Die zweite Aussage, die Feierlichkeiten haben keine logische und religiöse Basis, und wie rechtfertigt man dann die willkürlichen Verhaftungen, Folterungen und Tötungen! Wo bitte bleibt hier die Logik und Religion ? – Sie bleiben auf der Strecke!
    Bei so viel Borniertheit könnte man die Wände hochgehen !

  8. Interessant zu lesen. Macht mich zwar wütend, dass bärtige Islamo-faschisten sich so etwas verkünden trauen – aber es geht doch nur um die Angst vor dem Volk.

    Am besten finde ich ja die Argumentation über Aberglauben, wo es sich doch selbst mitsamt seinem Äffchenpräsidenten den Stellvertreter des versteckten zwölften Iman nennt und allen ernstes auf die Apokalypse wartet.

    Wir haben aus dem 22. Bahman gelernt, dass man nicht über Regimesturz und Revolution reden sollte – dennoch, Mosauvis Zurückhaltungsgesten und den Haftdrohungen des Regimes zum Trotz wissen wir doch alle, was an diesem Tag geschehen wird: Massenprotest. Diesmal gibt es keinen einzelnen Platz, den man mit asymmetrischer Militärmacht verteidigen kann.
    Ein Volk verteidigt sich gegen ihre islamischen Besetzer und Henker. Iraner sind extreme Nationalisten, die lassen sich nicht ihrer eigenen Traditionen berauben. Ich bin mir sicher, dass die Iraner für ihre Kultur kämpfen werden.

    Ich persönlich freue mich schon seit langem auf diesen Tag und bin gespannt was er mit sich bringt. Möge er nicht zu blutig werden.

    Ich bitte um Verzeihung, dass dieser Kommentar nicht allzu objektiv ausgefallen ist, aber er spiegelt ja auch meine persönliche Meinung wieder.

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