Schlechter Verlierer: Ahmadinejad will öffentliche Abstimmung über Modifikation seines Gesetzesentwurfs

Veröffentlicht auf Radio Zamaaneh am 20. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.zamaaneh.com/enzam/2010/03/ahmadinejad-challenges-pa.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben
Originaltitel: Ahmadinejad challenges parliament over subsidy bill

Mahmoud Ahmadinejad hat das iranische Parlament scharf angegeriffen, weil es seinen neuesten Gesetzesentwurf über Änderungen in der Subventionspolitik der Regierung modifiziert hat. Er erklärte, der Entwurf des Parlaments sei zum Schaden des Volkes und sollte daher zur öffentlichen Abstimmung gestellt werden.

In einem live übertragenen Fernsehauftritt erklärte Ahmadinejad, das Volk müsse befragt werden, um feststellen zu können, ob es die Entscheidung des Parlaments mittrage oder nicht. Eine solche öffentliche Abstimmung kann nur erfolgen, wenn zwei Drittel des Parlaments dem zustimmen.

Im vergangenen Monat hatten Mahmoud Ahmadinejad und das iranische Parlament sich in der Frage der Verwendung von Einsparungen aus den Subventionskürzungen einen Schlagabtausch geliefert.

Die Regierung hatte vorgeschlagen, die Mittel in Höhe von 40 Milliarden Dollar als Regierungseinkünfte zu verwenden. Das Parlament hatte diese Summe um die Hälfte reduziert.

Auch der Wächterrat hat die Modifizierungen des Parlaments gebilligt. Nun fordert Mahmoud Ahmadinejad eine öffentliche Abstimmung über die Entscheidung.

Ahmad Tavakoli, der Vorsitzende der Forschungskommission, aber auch andere Wirtschaftsexperten, hatten erklärt, der Vorschlag Mahmoud Ahmadinejads würde bei seiner Umsetzung zu einem Anstieg der Inflation auf bis zu 50 Prozent im neuen Jahr führen.

Ahmadinejad weist diese Behauptungen zurück und wirft den Gegnern seines Entwurfs vor, nichts von wirtschaftlichen Zusammenhängen zu verstehen.

Wenn die Schätzungen seiner Gegner korrekt wären, wäre eine Ratifizierung dieses Entwurfs „Verrat“, aber er sei sicher, dass ihre Berechnungen nicht stimmen, so Ahmadinejad.

5 Antworten zu “Schlechter Verlierer: Ahmadinejad will öffentliche Abstimmung über Modifikation seines Gesetzesentwurfs

  1. TehranTimes übersetzt ebenfalls wie IRNA, Farsnews und PressTV lassen ihn ganz weg, aber hier gibt es eine heftige Antwort des Parlaments, sprich 3 Wirtschaftsexperten:
    http://www.presstv.ir/detail.aspx?id=121292&sectionid=351020102

  2. ah, noch was vergessen.
    Ahmadi hat sich in den letzten Jahren des öfteren gegen Entscheidungen des Wächterrats wie auch von Khamenei gestellt. Wahrscheinlich hatte er das Marionettendasein satt, einige Entscheidungen von Wä.rat + Khamenei hatten ihn aussehen lassen wie den letzten Hanswurst.
    Wenn er nicht derart saugefährliche und unbarmherzige Ansichten hätte, würde ihn das direkt sympathisch machen.

  3. Hier ist der Originalsatz von der Präsi-Seite:
    رييس‌جمهور با بيان اينكه عده‌اي مي‌خواهند مردم را از اجراي هدفمند كردن يارانه‌ها بترسانند تصريح كرد: ترساندن مردم از اين طرح بزرگ با عددسازي‌هاي برخلاف واقع، خيانت است.
    Googletranslate übersetzt ihn ebenfalls im Sinne von „…to scare people … is betrayed“
    Mein persisch ist nicht sooooo gut, könnte mal ein Iraner des Vertrauens übersetzen?

  4. Schönes Beispiel einer ungenauen Übersetzung, die eine Sicht auf einen Menschen völlig verändern kann:
    Auf IRNA ist zu lesen: „The president told the TV program, broadcast live, that terrifying people of the target-oriented subsidy plan, which is a kind of reform and essential mechanism, will be a treason.“
    Demnach nennt er es „Verrat“, die Leute vor dem Plan der zielorientierten Subventionen in Schrecken zu versetzen.

    Diese Übersetzung, obwohl von staatlicher Nachrichtenagentur, würde Ahmadi als aggressiven, unvernünftigen Halbwahnsinnigen darstellen, der ein Referendum verlangt und es gleichzeitig Verrat nennt, wenn man anderer Meinung ist.
    Die Übersetzung von zamaaneh macht mehr Sinn.

    Kollege Ahmadi braucht jedoch keine genauen Übersetzungen mehr. Sein Ruf ist bereits ruiniert.

    • @lews: Ich werde mal versuchen herauszufinden, was er wirklich gesagt hat. Zamaaneh ist zuweilen auch nicht besonders genau.
      Den Satz, den Sie von IRNA zitieren, verstehe ich geringfügig anders als Sie: Nicht anderer Meinung zu sein ist Verrat, sondern den Menschen Angst zu machen vor einem Plan, der zielgerichtet ist, eine Reform und einen wichtigen Mechanismus darstellt. Er wird mit dieser Übersetzung als Mensch dargestellt, der einen guten und wichtigen Plan vorgelegt hat, der aber nicht umgesetzt werden kann, weil „Verräter“ dem Volk Angst machen. Darum soll das Volk selbst entscheiden. Klingt doch toll!

      Die kritisch-konservative Agentur Mehr drückt es ähnlich aus: „The president said frightening people from enacting the subsidy plan which he called essential is considered “treasonous”.
      Also – möglichst nah am Text übersetzt: Der Präsident sagte, den Menschen Angst zu machen vor einer Inkraftsetzung des Subventionsplans, den er als unverzichtbar bezeichnete, halte er für „verräterisch“.

      Interessant daran ist jedenfalls, dass Herr Ahmadinejad den Entscheidungen des Wächterrats unter Berufung auf die Interessen des Volkes hier widerspricht. Ende Juni 2009, als der Wächterrat das Wahlergebnis bestätigte und gleichzeitig Millionen Menschen auf den Straßen gegen dieses Ergebnis demonstrierten, sah er dafür, wie wir wissen, keine Notwendigkeit. Ich persönlich bin gespannt, ob Khamenei darauf in irgendeiner Weise reagieren wird, und wie.

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