Wie viele Basijis braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?

Veröffentlicht auf Radio Free Europe/Radio Liberty am 27. März 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/How_Many_Basijis_Does_It_Take_To_Screw_In_A_Lightbulb/1995447.html

Nichts ist mehr so, wie es war in Iran nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl vom vergangenen Jahr und den Niederschlagungen der darauf folgenden Unruhen.

Sogar die Witze haben sich verändert. Viele der unter Iranern beliebten Witze beziehen sich auf die ethnischen Minderheiten in Iran. In den letzten Monaten sind jedoch Witze über Mitglieder der Basij-Milizen immer populärer geworden.

Viele Iraner haben angeregt, die Witze über Irans ethnische Minderheiten durch Witze über Basijis zu ersetzen, während andere das neue iranische Jahr, das am 21. März begonnen hat, zum „Jahr der Basiji-Witze“ erklärten.

Die Basij-Milizen haben in den Unruhen nach der Präsidentschaftswahl eine Schlüsselrolle gespielt. Dabei waren viele Menschen getötet und verletzt worden, die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Zeugen berichteten, dass Basijis gegenüber friedlichen Demonstranten, die gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad protestierten, exzessive Gewalt anwendeten. Die Wiederwahl wurde nach Meinung der Demonstranten durch massiven Wahlbetrug ermöglicht.

Als Antwort auf das Vorghen der regierungstreuen Kräfte haben sich einige iranische Spaßvögel offenbar darauf verlegt, die Basijis auf die Schippe zu nehmen und Witze über sie zu verbreiten.

Einige der Basiji-Witze, die zur Zeit die Runde machen:

Ein Basiji wird gefragt: „Wer ist Gott?“ Er antwortet: „Der Stellvertreter des Obersten Führers im Himmel“.

Ein Basiji nimmt an einem Koran-Rezitationswettbewerb teil. Als er bei der Sure „Bani Israel“ („Die Kinder Israel“) ankommt, hört er auf. (Der Witz bezieht sich auf die Tatsache, dass die Islamische Republik Iran Israel nicht anerkennt).

Ein Basiji wird gefragt, was geschehen wird, wenn der Verborgene Imam (eine messianische Figur in der schiitischen Doktrin) wieder erscheint. Seine Antwort: „Alle werden gute Menschen werden, die Menschen werden sich umeinander kümmern, das Töten wird aufhören, es wird sein wie in den Zeiten des Schahs“ (viele Iraner sehnen sich in die Schah-Ära und die Zeit vor der Revolution von 1979 zurück).

Wie foltert man einen Basiji? Man bindet ihn fest und erzählt ihm, dass dort drüben Sandis (eine Saftmarke) verteilt wird. (Wie berichtet wurde, wurden bei einigen Demonstrationen für die Regierung Essen und Getränke, darunter auch Sandis-Saft, verteilt, was viele Oppositionelle zu der Bemerkung veranlasste, dass die Teilnehmer nur der Erfrischungen wegen kamen).

– Golnaz Esfandiari

Anm. d. Übers.:
Ein Basiji-freier, aber subversiver Witz, den ich selbst neulich hörte, geht so:

Ein Mann in Teheran vermisst seinen entflogenen Papagei und geht zur Polizei. „Mein Papagei ist entflogen.“ – Polizist: „Und, was sollen wir jetzt machen?“ – „Nichts – aber wenn er sagt „Marg bar Diktator“ [1], dann ist das seine Meinung, nicht meine!“

[1] Marg bar Diktator = Tod dem Diktator bzw. Nieder mit dem Diktator

Und hier endlich die Antwort auf die Frage in der Überschrift:
Frage: Wie viele Basijis braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
Antwort: Keinen. Die Basijis würden in der Dunkelheit sitzen und Israel und den USA die Schuld geben.

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