Druck auf Karroubi und Verbündete steigt

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 6. April 2010
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/More_Pressure_On_Karrubi_And_Allies_Reported/2004420.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

von Golnaz Esfandiari

Karroubis Behauptungen über die Misshandlung von Gefangenen sind für das iranische Establishment zu einem wunden Punkt geworden

Sahamnews, die Webseite der Partei des reformorientierten Geistlichen Mehdi Karroubi, berichtet, dass der inhaftierte Chefredakteur der Webseite Mohammad Davari gefoltert wurde. Er sollte damit gezwungen werden, Mehdi Karroubis Behauptungen über die Vergewaltigung von nach der Wahl inhaftierten Gefangenen öffentlich in Zweifel zu ziehen.

Sahamnews zufolge ist Davari, der seit sieben Monaten im Gefängnis ist, in einem sehr schlechten körperlichen und psychischen Zustand. Die Webseite berichtet, dass er seit seiner Verhaftung nur drei sehr kurze Zusammentreffen mit seiner Mutter haben durfte.

Der Webseite zufolge handelt es sich bei dem Druck auf Davari, mit dem er zu falschen Aussagen und Äußerungen gegen Karroubi gezwungen werden soll, um ein „neues Szenario des herrschenden Establishments“ gegen den Oppositionsführer.

Nach der Niederschlagung der Proteste nach der Wahl vom letzten Sommer, bei denen viele Protestteilnehmer ins Gefängnis geworfen wurden, hatte Karroubi erklärt, ihm lägen Berichte mehrerer Gefangener vor, darunter junge Männer, die eigenen Angaben zufolge im Gefängnis sexuell misshandelt oder vergewaltigt wurden.

Dieser Bericht verärgerte die Hardliner, mehrere von ihnen forderten eine gerichtliche Verfolgung Karroubis, weil er das islamische Establishment in Verruf gebracht habe.

Karroubi weigerte sich allerdings, nachzugeben, und veröffentlichte auf seiner Webseite den Bericht über die Vergewaltigung eines jungen Mannes im Gefängnis. Außerdem stellte er die Namen von vier Vergewaltigungsopfern einer parlamentarischen Kommission zur Verfügung, die mit der Untersuchung der Gewalt nach der Wahl befasst war.

Einer von ihnen wurde als der 24jährige Student Ebrahim Sharifi identifiziert, der im vergangenen September Radio Farda berichtet hatte, dass er gezwungen war, das Land zu verlassen, nachdem er von den Behörden bedroht und belästigt worden war. (In diesem Interview berichtet Sharifi Mohammad Zarghami von Radio Farda über die erlittene Tortur).

Karroubis Sohn, der bei den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Revolution von 1979 am 11. Februar verhaftet worden war, wurde in einer Moschee ebenfalls mit Vergewaltigung gedroht, sagt seine Mutter Fatemeh Karroubi, die einen einen offenen Brief an den Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei schrieb.

Der reformorientierte Geistliche und unterlegene Präsidentschaftskandidat Karroubi ist einer der Gründerväter des iranischen islamischen Establishments. Seine Vorwürfe, dass Gefangene vergewaltigt worden seien, sind für die iranische Führung, die behauptet, das Land im Einklang mit islamischen Regeln und moralischen Standards zu regieren, zu einem wunden Punkt geworden.

Karroubi hält trotz des Drucks an seinen Behauptungen fest und erklärt auf seiner Webseite, er habe vor nichts Angst und werde sich weiterhin für die Rechte der Iraner einsetzen.

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Leseempfehlung:
Hintergrundinformationen zum Fall Sharifi: https://englishtogerman.wordpress.com/2009/09/26/iranischer-demonstrant-flieht-nach-seinem-bericht-uber-vergewaltigung-und-folter-im-gefangnis/

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