Staatsanwaltschaft hat gelogen: Marashi verhaftet

Veröffentlicht auf Rooz Online am 6. April 2010
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news/newsitem/article/2010/april/06//prosecutor-lied-marashi-arrested.html
Deutsche Übersetzung: Julia, bei Weiterveröffentlichung bitte Link angeben

Während Journalisten, Bürgerrechtsaktivisten und politische Aktivisten in Iran weiterhin von Verhaftung und harten Strafen bedroht sind, hat der Regimekritiker, frühere Präsidentschaftskandidat und Vorsitzende der Partei Etemade Melli (National Trust Party), Mehdi Karroubi, vor einer „Fortsetzung der Verhaftung und Inhaftierung politischer und bürgerrechtlicher Aktivisten“ gewarnt. Damit werde „die Krise in der Islamischen Republik sich vertiefen“.

Unterdessen ist der Erklärung der Teheraner Staatsanwaltschaft zum Trotz der frühere Parlamentsabgeordnete und Vizepräsident Hossein Marashi verhaftet worden. Marashi ist Sprecher der Partei Kargozaran Sazandegi („Aufbaupartei“).

Wie die offizielle Webseite der National Trust Party, Saham News, mitteilt, forderte Karroubi bei einem Treffen mit der Familie des [inhaftierten] bekannten Journalisten und Menschenrechtsaktivisten Emadeddin Baghi die Freilassung aller Gefangenen, die nach der Wahl inhaftiert wurden, und erklärte: „Das Regime muss das Thema politische Gefangene lösen“.

Baghi sollte kurz vor dem iranischen Neujahr am 21. März 2010 gegen Hinterlegung einer Kaution freigelassen werden, doch die Staatsanwaltschaft stoppte seine Freilassung.

Marashis Verhaftung und die Kehrtwende der Staatsanwaltschaft
Hossein Marashi wurde gestern verhaftet, obwohl sein Antrag auf eine Verlängerung seines Hafturlaubs um 24 Stunden genehmigt worden war.

Einem Rooz-Reporter zufolge war Hossein Marashi am 19. März 2010 verhaftet worden, um eine einjährige Haftstrafe anzutreten, und zwei Tage später anlässlich der Neujahrsferien freigelassen worden. Marashis Familie sagte Rooz gegenüber, Marashi habe eine Verlängerung seines Hafturlaubs um einen Tag beantragt, um sein neugeborenes Enkelkind sehen zu können.

Dem Bericht nach erhielt Marashi vor zwei Tagen einen Anruf von der Staatsanwaltschaft, in dem er aufgefordert wurde, sich zu einem Gespräch mit dem Staatsanwalt im Büro der Staatsanwaltschaft einzufinden. Bei dem Termin sei er dann verhaftet worden, obwohl sein Antrag auf Verlängerung des Hafturlaubs zuvor bewilligt worden war.

Noch ist nicht klar, wo Marashi festgehalten wird. Er war nach seiner Verhaftung am 19. März in Abteilung 240 inhaftiert worden.

Unterdessen wurde bekanntgegeben, dass der Fall Hassan Lahoutis (Sohn von Faezeh Hashemi) zur weiteren Untersuchung im Hinblick auf Vorwürfe im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit an das Revolutionsgericht Teheran übermittelt wurde.

Rechtsanwalt freigelassen
Der Rechtsanwalt und kurdische Bürgerrechtsaktivist Mokhtar Zareie ist gestern nach 80 Tagen im Gefängnis freigelassen worden. Zareies Anwalt zufolge wird er beschuldigt, Propaganda gegen das Regime verbreitet zu haben.

Mohammad Nourizad steht heute vor Gericht
Der Schriftsteller und Filmemacher Mohammad Nourizad, der seit dem 20. Dezember 2009 inhaftiert ist, wird heute vor Gericht stehen. Nourizads Familie hofft, ihn nach 107 Tagen im Gefängnis wiederzusehen.

Elf Jahre für Abolfazl Abedini
Der Menschenrechtsaktivist Abolfazl Abedini-Nasr, ist vom Revolutionsgericht Ahwaz zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Beweisstück in der Gerichtsakte von Abolfazl Abedini ist seine Visitenkarte, die ihn als „Direktor für Öffentlichkeitsarbeit des Komitees für Menschenrechtsanwälte in Iran“ ausweist.

Babak Khorramdin wird unter Druck gesetzt
Der Student und Blogger Seyyed Hassan Ronaghi wird seit dem 13. Dezember 2009 in der „Abteilung Alef“ der Haftanstalt der Revolutionsgarden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Seit seiner Verhaftung durfte er seine Familie nur ein Mal sehen. Er wird physisch und psychisch unter Druck gesetzt, um im Fernsehen ein Geständnis abzulegen. Die Familie des Bloggers, der unter dem Pseudonym Babak Khorramdin bloggt, wird unter heftigen Druck gesetzt, damit sie keine Information über die kritische Situation ihres Sohnes verbreitet.

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